Gibt es ein soziales Gewissen?

Gewissen

Hast du nicht ein schlechtes Gewissen???

Man kann ja einem Menschen ein schlechtes Gewissen auch einreden. Jedenfalls dann, wenn man ihn erniedrigen, wenn man ihn disziplinieren will — ein beliebtes Herrschaftsmittel. Ja, es wäre schön, wenn es so etwas wie ein soziales Gewissen gäbe. Doch das entsteht nicht von allein, und es ist auch nicht angeboren. Jedenfalls haben z.B. die USA-Kriegsverbrecher wie Truman, Kissinger, Clinton oder Obama in ihrer Selbstgerechtigkeit vor den Völkern nicht die Spur eines sozialen Gewissens, nicht einmal ein Unrechtsbewußtsein. Woher auch! Das konnte man schon von Hitler und seinen Nazibanditen, oder von Poroschenko und seiner ukrainischen Verbrecherbande behaupten. Nein, sie hatten und haben kein soziales Gewissen! Sie handeln im Sinne der Erhaltung ihrer Macht (bzw. der Macht der imperialistischen Monopole und Konzerne, deren Vollstrecker sie sind.  Wohl aber ahnend, daß ihnen der Tod durch den Henker droht, wenn das Volk einst darüber richten wird. Doch schon 1945 war die Hinrichtung der Nazi- und Kriegsverbrecher sozusagen nur ein „Bauernopfer“ (um beim Schachspiel zu bleiben, das  ja Brzezinski so gerne zitiert). Was ist nun Gewissen? Und wie kommt man dazu?

Darüber schrieb der DDR-Philosoph Alfred Kosing 1985 folgendes:

Gewissen: die spezifische Fähigkeit des Bewußtseins, speziell des Selbstbewußtseins des Menschen, die eigenen Handlungen und Verhaltensweisen moralisch zu werten. Dies erfolgt in der Weise, daß sie auf ein akzeptiertes System moralischer Werte und Normen bezogen werden und ihre Übereinstimmung mit oder ihre Abweichung von diesen Werten und Normen beurteilt und emotional empfunden werden.

Wann macht sich das Gewissen bemerkbar?
Das Gewissen wirkt insbesondere dann, wenn eine geplante oder vollzogene Handlung im Widerspruch zu den gesellschaftlich akzeptierten moralischen Werten und Normen steht, als eine „innere Stimme“, als eine Entscheidungsinstanz oder auch als „Gewissensbisse“. Es gibt kein ewiges, zeitloses, von konkret-historischen gesellschaftlichen Verhältnissen und von den in einer Gesellschaft herrschenden moralischen Wertvorstellungen unabhängiges Gewissen. Vielmehr bilden gerade die historisch bestimmten Werte und Normen, die jedes Individuum durch Bildung, Erziehung, gesellschaftliche Kommunikation usw. überwiegend unbewußt aneignet, die Grundlage seines moralischen Selbstbevußtseins und damit seines Gewissens.

Wie kann man das Gewissen erklären?
Das Gewissen hat die Ethik im Verlaufe des ganzen philosophischen Denkens beschäftigt, und es wurden viele Versuche unternommen, diese eigenartige Funktion des menschlichen Bewußtseins zu erklären. In der idealistischen Philosophie wurde das Gewissen überwiegend für eine angeborene Fähigkeit und Neigung des Menschen gehalten, über die Sittlichkeit seiner Handlungen zu urteilen (Kant). Die Versuche des vormarxschen Materialismus, das Gewissen nicht als angeborene, sondern als gesellschaftlich erworbene Eigenschaft zu erklären, blieben zu oberflächlich und verkannten ihre Natur.

Ist das Gewissen etwa die „Angst vor Strafe“?
Charakteristisch hierfür war die Auffassung von Helvetius, wonach Gewissensbisse nichts anderes sind als „die Erwartung des physischen Leidens, dem uns das Verbrechen aussetzt … Die Gewissensbisse verdanken also ihre Existenz der Furcht vor der Strafe oder der Schande, die immer … auf ein physisches Leiden zurückgeführt werden kann.“ (Helvetius, Vom Menschen, 1976, S.85/86) Diese Auffassung verkennt den spezifisch moralischen Charakter des Gewissens, das im moralischen Selbstbewußtsein des Individuums wurzelt, welches aus der Wechselwirkung solcher Faktoren wie individuelle Anlagen, Einflüsse der Bildung und Erziehung, persönlicher Lebenserfahrung in der Sphäre der Arbeit und im gesellschaftlichen Leben erwächst und zugleich mit einer relativ beständigen Gesinnung verbunden ist.

Welche Bedeutung hat das Gewissen im Sozialismus?
In der sozialistischen Gesellschaft kommt der Ausprägung eines an ihren Werten und moralischen Normen orientierten Gewissens der Individuen große Bedeutung zu. Erziehung zu gewissenhafter Arbeit, zur gewissenhaften Erfüllung gesellschaftlicher Pflichten z.B. setzen auch ein entsprechendes Gewissen voraus. Die Herausbildung und Festigung des moralischen Selbstbewußtseins und zusammen damit des Gewissen ist eine wichtige Aufgabe der Erziehung und Bildung zur sozialistischen Persönlichkeit.

Quelle:
Alfred Kosing: Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosphie, Dietz Verlag Berlin, 1985, S.223. (Zwischenüberschriften von mir N.G.)

Siehe auch:
Über das Wesen der Moral

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4 Antworten zu Gibt es ein soziales Gewissen?

  1. rheinlaender schreibt:

    Helvetius: … „Die Gewissensbisse verdanken also ihre Existenz der Furcht vor der Strafe“ … Super treffende Aussage! So funktioniert das auch (fast) immer in der Praxis. Wer was BÖSES tut, hat kein schlechtes Gewissen, wenn es durch die Herrschenden legitimiert oder sogar gefordert wird. Siehe:

    Milgram Experiment https://www.youtube.com/watch?v=0MzkVP2N9rw

    Wer was Gutes tut, was die Herrschenden bestrafen (z.B. zu desertieren um nicht zu morden) hat ein schlechtes Gewissen. Das mag sich zwar kleinbürgerlich anhören. Aber die Aussage von Helvetius ist wissenschaftlich überprüfbar. Das „schlechte Gewissen“ scheint im Kapitalismus ein kunstvolles Mittel zu sein, damit eine kleine Minderheit über die Masse mit Betrug statt brutaler Gewalt herrschen kann. Die grosskapitalistischen Mainstreammedien schaffen es mit der Schweigespirale ja immer noch, dass Menschen sich schämen, offen den Sozialismus gut zu finden.

    • sascha313 schreibt:

      .. eben, sage ich ja: ein beliebtes Herrschaftsmittel! Das Video ist ja sowas von abartig, so sadistisch (ich kannte das nicht!) ich bin entsetzt, daß Menschen sich solche Sachen ausdenken können. Dazu noch das süffisante Lächeln der „Wissenschaftler“… Wer bisher keine Vorstellung von faschistischen Foltermethoden hatte – das sind sie!

      • Harry 56 schreibt:

        Tja, lieber Sascha, ich habe mir dieses Video nur wenige Minuten ansehen können, dann überkam mich bereits solch ein Ekel, dass ich es abstellte. Ok….. ! Doch vergessen wir nicht, dieses Video, seine Botschaft kam aus Ländern, welche, nach der verlogenen revisionistischen, d.h. im Klartext bürgerlichen (offiziellen) Geschichtswissenschaft in einer angeblichen „Antihitlerkoalition“ gemeinsam „gegen den Faschismus gekämpft“…. HABEN SOLLEN…….!

        Es freut mich sehr, dass auch DU (siehe obiger Text) allmählich verstehst, dass in Nürberg 1946 bis….?., vor allem BAUERNOPFER den betrogenen Völkern präsentiert wurden, mit dieser beinahe schon als juristischen Komödie zu bezeichnenden Veranstaltung vor allem der anglo-amerikanische Imperialismus praktisch freigesprochen wurde. Also jener Imperialismus, welcher entscheidend am Aufkommen des „Deutschen Faschismus“ Anteil hatte, im Grunde bereits mit Begin des Davies-Abkommens im Jahre 1924. Leider werden alle diese Hintergründe und Zusammenhänge bis zum heutigen Tage verschwiegen oder schöngeredet, entschuldigt, bagatellisiert.

  2. Harry 56 schreibt:

    rheinlaender schreibt:
    17. Juni 2015 um 21:54

    „Die grosskapitalistischen Mainstreammedien schaffen es mit der Schweigespirale ja immer noch, dass Menschen sich schämen, offen den Sozialismus gut zu finden.“

    Sehr gut und treffend gesagt, rheinlaender!

    Wirklich jeder ehrliche Mensch – ob für oder gegen den Sozialismus – wird diese Aussage aufgrund ureigenster persönlicher Erfahrungen jederzeit bestätigen können.

    (Vor 1989 hieß es doch gleich immer: „Geh doch nach drüben !“………, nicht wahr?)

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