Geschichte und Gegenwart: Die Kriegsschuld Deutschlands und die Mitschuld des deutschen Volkes

091Am 8. Mai 2015 jährte sich zum 70. Male der Tag der Befreiung der Menschheit von den Schrecken des Faschismus – der Sieg der Sowjetunion und das Ende des 2. Weltkriegs: Ruinen, Schutt und Asche, zerstörte Städte, verwüstete Landschaften, eine desorganisierte und gelähmte Wirtschaft, Millionen und Abermillionen Tote. Millionen wurden in tiefste Not und größtes Elend gestoßen. Aus dieser unseligen deutschen Vergangenheit wurden, wie es scheint in der BRD, kaum Lehren gezogen. Die Bundeswehr ist erneut fern der Heimat zu Kriegseinsätzen bereit. Deutsche Waffen und deutsches Geld so heißt es morden mit in aller Welt…

Und der deutsche Kleinbürger ist entsetzt. Er schreibt Petitionen und Aufrufe, sammelt Unterschriften und glaubt immer noch, man könne auf rein parlamentarischem Weg die Kriegstreiber zum „Umdenken“ zwingen. Ein ukrainischer Faschist drückte sich dagegen sehr deutlich aus. Er sagte:  „Unsere Lehrer in der Demokratie sind heute die Amerikaner. … wenn uns Territorien weggenommen wurden und wir sie nicht zurückerobern können, müssen sie unbewohnbar gemacht werden. Wenn sie nicht uns gehören, dann bekommt sie auch niemand.“ – Genau das ist Faschismus! Und wie sagte  doch Stalin: „Was wollen Sie mit den Faschisten machen? Mit ihnen diskutieren? Sie zu überzeugen versuchen? Aber damit erreichen Sie bei ihnen nicht das Geringste.“

Wer trägt die Schuld an dieser Katastrophe?

In einem Aufruf des ZK der KPD vom 11.Juni 1945 heißt es:
Kriegsschuld

Wie kam es zum Faschismus?

Als die herrschenden Kreise der bürgerlich-parlamentarischen Staatsordnung in Deutschland keine ausreichende Gewähr mehr sahen, die revolutionären Kräfte niederzuhalten und ihnen ihr Streben nach Maximalprofit und nach Machtausdehnung gefährdet erschien, begannen sie, eine faschistische Diktatur zu errichten. Die monopolistischen Rüstungsindustriellen, die Großindustrie und die reaktionären, feudalen Großgrundbesitzer, die Hitler 1933 an die Macht gebracht hatten, sorgten nun auch im Inneren des Landes dafür, daß sich die Naziideologie ungehindert ausbreiten konnte und das deutsche Volk auf den totalen Krieg vorbreitet wurde.

Kriegsvorbereitungen in Deutschland nach 1933

a) militärisch: Nach 1933 begann die fieberhafte Aufrüstung. 90 Mrd. Reichsmark wurden bis 1939 für die Rüstung ausgegeben, Wehrmacht, Reichsarbeitsdienst und militaristische Jugenderziehung erfaßten alle Bereiche des täglichen Lebens. Eine Mitgliedschaft in der Hitlerjugend, im Bund Deutscher Mädchen oder in anderen Wehrorganisationen war für Jugendliche kaum zu umgehen. Am 16. März 1935 wurde die allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt.

b) wirtschaftlich: Mit der Machtübernahme durch Hitler wurde die gesamte Wirtschaft auf den totalen Krieg umgestellt. Es wurde die Arbeitsdienstpflicht eingeführt, die Betriebe wurden auf Rüstungsproduktion umgestellt und die Lebenshaltung des Volkes wurde eingeschränkt: „Kanonen statt Butter!“

Import kriegswichtiger Stoffe (monatlich):
1932: 115 Mio. RM
1936: 155 Mio. RM

Buttereinfuhr (monatlich):
1929: 136.000 Tonnen
1936: 75.000 Tonnen

c) politisch: In der Öffentlichkeit sprachen Hitler und andere Vertreter des Naziregimes von der „Ankurbelung der Wirtschaft“ und „Überwindung der Arbeitslosigkeit“, vom „aufrichtigen Friedenswillen“ der Regierung. Das blieb nicht wirkungslos, da die große Masse des Volkes noch unter den Folgen der Weltwirtschaftskrise zu leiden hatte. Presse, Rundfunk, Film und Theater wurden gleichgeschaltet, durch sog. „Notverordnungen“ wurde der staatliche Terror legalisiert, und es begann eine wilde Verfolgung der Juden. Alle nichtfaschistischen Organisationen wurden ausgeschaltet, fortschrittliche Gedanken sollten „ausgemerzt“ werden, und es wurde damit begonnen, insbesondere die Jugend auf den Krieg vorzubereiten. Stalin schilderte auf dem 18. Parteitag der KPdSU die Verwerflichkeit einer solchen Politik.
Stalin1939

d) ideologisch: Hitler hatte verkündet, er werde den „ewigen Germanenzug nach dem Süden und Westen Europas“ stoppen und den Blick „nach dem Land im Osten“ richten. Er strebte die Eroberung der Sowjetunion an. Der Völkische Beobachter schrieb am 18. Oktober 1941: „Selbstredend soll der deutsche Soldat an der Ostsiedlung beteiligt sein. Die wirtschaftlichen Bedingungen für die Ostsiedler werden besonders günstig sein.“

e) diplomatisch: Nach 1933 begann die deutsche Diplomatie systematisch die Vorbereitung der Aggression: Austritt aus dem Völkerbund (1933), Militärbündnis mit Italien und Antikominternpakt Deutschl.-Italien-Japan (1936-37), der „Anschluß“ Österreichs (1938), das Münchner Abkommen Deutschl.-Italien (1938) mit der Zerschlagung und Annexion der Tschechoslowakei, die deutsche Beschwichtigungspolitik im Verbund mit den Westmächten usw.

Im Jahre 1941 begann der Überfall auf die Sowjetunion.

Aufgrund ihrer drückenden Übermacht stieß die deutsche Wehrmacht in weite Teile der Sowjetunion vor. In maßloser Fehleinschätzung verkündete Anfang Oktober der Völkische Beobachter:
VölkBeob
Nach der verheerenden Niederlage der Wehrmacht in Stalingrad rief Goebbels 1943 im Berliner Sportpalast: „Wollt ihr den totalen Krieg?“ und die Massen schrieen: „Ja!“

Die Mitschuld des deutschen Volkes

Diese Mitschuld beginnt nicht erst 1933. Die Deutschen folgten schon im 1. Weltkrieg willig den Kriegstreibern. Begeistert waren die jungen Männer 1914 in den Krieg gezogen. Zu Tausenden fielen sie in Langemark, Verdun und Ypern…

  1. Unterstützung der Nazipolitik: 1932 stimmten 10 Millionen Deutsche völlig freiwillig für die Nazipartei, obwohl das deustche Volk gewarnt wurde: „Hitler bedeutet Krieg!“
  2. Billigung der nazistischen Raubideologie: Obwohl die Nazis nach der Machtübernahme keinen Hehl aus ihren Raubabsichten machten und offen mit den Kriegsvorbereitungen begannen, hat die Mehrheit des deutschen Volkes diese Raubpolitik Hitlers unterstützt.
  3. Bestechung der Volksmassen durch die Nazis: Das Volk ließ sich auf verschiedne Weise von den Nazis bestechen.

a) Arbeitsbeschaffung durch Rüstung und Krieg. Obwohl die Arbeitsbeschaffung („Vierjahrespläne“) offensichtlich der Kriegsvorbereitung diente, waren breite Schichten des Volkes mit dieser Arbeitbeschaffung zufrieden.
b) Siedlungsland in den besetzten Ländern. Den Soldaten wurde Siedlungsland versprochen, sie konnten in den Kasernen bei ihrem Einrücken entsprechende Anträge stellen.
c) Ernährung des deutschen Volkes auf Kosten der unterdrückten Völker. Goebbels erklärte: „Wir kämpfen für einen gutgedeckten Frühstückstisch.“ Göring: „Wenn gehungert werden soll, dann nicht bei uns!“ Das deutsche Volk hat in dem 2.Weltkrieg trotz seiner längeren Dauer weniger gehungert als in den Jahren 1917-18, aber in den von Hitler besetzten Ländern starben täglich unzählige Menschen Hungers.
d) Unterwerfung unter den Terror der Nazis. Das deutsche Volk leistete keinen Widerstand gegen die Gestapo und die SS, die es zur Fortsetzung des längst verlorenen Kriegs zwangen. Die deutschen Soldaten verübten Grausamkeiten „auf Befehl“.

Dennoch:
Kriegsschuld2

Welche Rolle spielten die deutschen Kommunisten?

Die Kommunistische Partei war die einzige Partei, die keinerlei Kompromisse mit den Nazis einging und stets den Kampf gegen Faschismus und Krieg geführt hat. Tausende deutscher Kommunisten wurden von der Gestapo verhaftet, gefoltert und in den Konzentrationslagern der Nazis ermordet. Darunter auch der Vorsitzende der KPD, Ernst Thälmann. Dennoch trifft auch die Kommunisten eine gewisse Mitschuld. In ihrem Aufruf des ZK der KPD vom 11. Juni 1945 erklärte die Kommunistische Partei:
Kriegsschuld3

Im Resüme des 2. Weltkriegs (1939-1945)

Der Krieg forderte 55 Millionen Tote. Mit über 20 Millionen Toten , 1.700 zerstörten Städten, 70.000 verwüsteten Dörfern brachte die UdSSR die größten Opfer. Fast 11 Millionen Menschen wurden in faschistischen Konzentrationslagern ermordet. Die direkten Kriegsausgaben betrugen etwa 935 Milliarden Dollar.


Literatur:
(1) Die Kriegsschuld Deutschlands, Herausg. vom ZK der KPD, o.D.
(2) Verfolgung, Vertreibung, Vernichtung. Dokumente des faschistischen Antisemitismus 1933-1942, Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig, 1983.

Vortragsdisposition
Das ist die oben zitierte
Vortragsdisposition des ZK der KPD

Anmerkung:
Wer heute von „Aufarbeitung der Geschichte“ spricht, und glaubt, die Nazi-Kriegsverbrecher den ehemaligen Mitarbeitern des MfS der DDR gleichsetzen zu müssen, der betreibt eine Geschichtsfälschung, die der verlogenen Ideologie der Nazis in keiner Weise nachsteht. Um einen besseren Einblick in die Geschichte zu bekommen, empfiehlt es sich, das Braunbuch „Kriegs- und Naziverbrecher in der Bundesrepublik“, erschienen im Staatsverlag der DDR, 1965, zu Rate zu ziehen.

Siehe auch:
22. Juni 1041 – Überfall Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion
Wofür führte Hitler Krieg?
Sowjetunion: Der Große Vaterländische Krieg
Sie werden es nicht verstehen, diese bürgerliche „Historiker“…

Dieser Beitrag wurde unter Faschismus, Geschichte, Verbrechen des Kapitalismus veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Antworten zu Geschichte und Gegenwart: Die Kriegsschuld Deutschlands und die Mitschuld des deutschen Volkes

  1. Hat dies auf Muss MANN wissen rebloggt und kommentierte:
    … Damals, wie Heute:
    das gleiche Schweigen zu den Verbrechen des Kapitalismus!
    Deutsche Waffen, deutsches Geld
    morden mit in aller Welt…

  2. rheinlaender schreibt:

    Sehr guter Artikel ! in der BRD sind mir folgende Spinner begegnet : Bürgerlich Linksradikale haben NUR die feigen Deutschen angeprangert und an individuellen Heldentum (in Wirklichkeit Leichtsinn) appelliert. Die ganzen BRD kommunistischen Sekten haben nur die bösen Monopole verantwortlich gemacht, um bloß nicht die Massen (wer das bei denen auch immer sein mag) zu verärgern.
    Der kapitalistische Mainstream verbreitet wiederum das Märchen von dem Mann mit dem komischen Oberlippenbart der die Deutschen VERFÜHRT hat. Leider wird der Dreck an Schulen gelehrt. Ohne Kapitalismuskritik. Folgendes SOLL beim Schüler hängenbleiben : Der Faschismus wäre doch ohne den bösen Adolf ganz toll gewesen. Und heute : Es sind wieder die 20 Prozent Bessergestellten, die gegen Arbeitslose und Arme hetzen. Es sind wieder Lumpenproletarier, die Polizeigewalt – real und im Nachmitagsfernsehen – GEIL finden. Diese beiden Schichten vereinen sich heute, wenn es um rassistische Hetze gegen Griechenland und Asylanten geht. Als ob es keine wichtigeren Probleme gibt als die Asylanten oder Griechenland.

  3. Pingback: Arkadi Poltorak: Der Nürnberger Prozeß (Epilog) | Sascha's Welt

  4. Pingback: Nazi-Massenmörder wurden in der BRD freigelassen… | Sascha's Welt

  5. Pingback: Ist der Kapitalismus entwicklungsfähig? | Sascha's Welt

  6. Pingback: Syrien-Konflikt: Die schaurige Auferstehung des Nazismus | Sascha's Welt

  7. Pingback: J.-H. Müller: Hochkonjunktur der Geschichtsfälscher | Sascha's Welt

  8. Pingback: Stalingrad! … ach, diese verfluchten deutschen Faschisten! | Sascha's Welt

  9. Pingback: Wie gelang nach 1945 die Säuberung der Justiz in der DDR vom faschistischen Ungeist | Sascha's Welt

  10. Pingback: Der Nürnberger Prozeß: Die Fiktion von einer „sauberen Wehrmacht“ – oder: Warum die Sowjetunion da völlig zurecht anderer Ansicht war… | Sascha's Welt

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s