Gesinnungen, Charaktereigenschaften und Wertmaßstäbe und der Unsinn von der „westlichen Wertegemeinschaft“

werteEs sollte uns in der heutigen kapitalistischen Gesellschaft nicht verwundern, wenn Menschen unterschiedliche Auffassungen vertreten, unterschiedliche Meinungen und Wertmaßstäbe haben,  wenn sie darüber miteinander in Streit geraten, selbst über die banalsten Dinge. Wie schon an anderer Stelle erwähnt, ist es nicht immer leicht, Gleichgesinnte zu finden. Insbesondere dann, wenn es um politische Fragen geht. Denn die große Masse der Bevölkerung verhält sich eher unpolitisch. Zurückzuführen ist all das auf die tiefe Spaltung der Gesellschaft in antagonistische Klassen und die zumeist feindliche Konkurrenz (nach dem Motto: Jeder gegen jeden!) mit naturgemäß gegensätzlichen Interessen.

Dies richtig einzuordnen, Gemeinsamkeiten herauszufinden, lösbare Konflikte von unlösbaren zu scheiden und zu erkennen, was gegnerische und was feindliche Standpunkte sind, ist ein wichtiger Schritt, wenn Menschen sich miteinander verbünden, gleiche Ziele verfolgen und zum gemeinsamen Handeln übergehen wollen. Es ist völlig klar, daß bürgerlich-reaktionäre Kräfte Einigkeit und Gemeinsamkeiten, die dem gesellschaftlichen Fortschritt dienen, mit aller Macht verhindern wollen. Darauf muß man gefaßt sein, dem kann und dem muß man sich mit aller Schärfe widersetzen.

1. WAS VERSTEHEN WIR UNTER EINER GESINNUNG?

Unter einer Gesinnung versteht man die Gesamtheit der weltanschaulichen, politischen und moralischen Überzeugungen eines Menschen, die sich in einer bestimmten, relativ stabilen Haltung gegenüber den Mitmenschen und der Gesellschaft sowie in entsprechenden Handlungen äußert. Im Mittelpunkt einer Gesinnung stehen die von dem betreffenden Menschen akzeptierten → Werte und Wertmaßstäbe. Da diese ebenso wie die weltanschaulichen, politischen und moralischen Uberzeugungen Klassencharakter besitzen, ist die Gesinnung stets Ausdruck einer bestimmten Klassenposition.

Welche Faktoren beeinflussen die Gesinnung?

In Abhängikeit von der geschichtlichen Rolle der betreffenden Klasse kann eine Gesinnung folglich entweder mehr oder weniger progressiv oder reaktionär sein. Der Klassencharakter der Gesinnung hindert nicht, daß sie bei jedem Menschen stets eine stark individuelle Ausprägung erhält. Diese hängt mit dem → Charakter der Persönlichkeit, mit ihren moralischen Qualitäten, mit ihrem Lebensweg und anderen Faktoren des individuellen Lebens zusammen. Es ist eine wichtige Aufgabe der sozialistischen → Bildung und Erziehung, eine stabile sozialistische Gesinnung zu entwickeln und zu festigen.

Quelle: Alfred Kosing, Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie, Dietz Verlag, Berlin, 1985, S.220. (gekürzt)

Nun ist natürlich die Frage, was hat die Gesinnung, die Einstellung eines Menschen mit seinem Charakter zu tun? Sehr viel sogar. Denn bestimmte Charakterzüge, wie Unehrlichkeit, Unzuverlässigkeit, Verschlagenheit, Egoismus usw. (anerzogen durch die verrottende Bourgeoisie!) wirken sich unmittelbar und negativ auf die Gesinnung eines Menschen aus und lassen ihn zu einem Menschen werden, für den Freundschaft und Kollektivität bedeutungslos sind, und der ebenso leicht zum Verräter, wie zum Feind werden kann.


2. WAS IST EIN CHARAKTER?

Unter einem Charakter verstehen wir die Gesamtheit wesentlicher und beständiger
und sozialer Eigenschaften einer Persönlichkeit. Der Charakter eines Menschen bildet sich unter dem Einfluß verschiedenartiger Faktoren heraus, deren Gewicht im Einzelfall sehr unterschiedlich sein kann. Solche Faktoren sind:

  • die durch Vererbung gegebene Anlage oder Disposition der Persönlichkeit,
  • die Erziehung in Familie, Schule und Arbeitskollektiv,
  • die eigenen praktischen Lebenserfahrungen,
  • die Wirkung von Vorbildern,
  • die weltanschaulichen Uberzeugungen,
  • die politisch-ideologische Haltung.

Der Charakter einer Persönlichkeit ist nicht primär erblich bedingt, sondern wird überwiegend durch die sozialen Faktoren bestimmt, die allerdings in Wechselwirkung mit den ererbten Dispositionen treten.

Die Charaktereigenschaften

Der Charakter eines Menschen erscheint in solchen Verhaltensweisen wie Beharrlichkeit, Bescheidenheit, Standhaftigkeit, Hilfsbereitschaft, Einsatzbereitschaft, Willensstärke oder deren Gegenteil und zahlreichen dazwischenliegenden Abstufungen. Der Charakter zeichnet sich durch relative Stabilität und Dauer aus. Ist der Charakter eines Menschen bekannt, dann läßt sich in etwa vorhersehen, wie er sich in bestimmten Situationen verhalten wird. Die Ausprägung und Festigung eines Charakters, in dem positive Züge dominieren, ist eine wichtige Aufgabe der sozialistischen Bildung und Erziehung.

Quelle: Alfred Kosing, Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie, Dietz Verlag, Berlin, 1985, S.94f. (gekürzt)

Welche Werte sind nun ausschlaggebend? Kann man da überhaupt Abstufungen vornehmen? Was ist besser, was schlechter? Gibt es bessere und schlechtere Menschen, nur weil die einen andere Werte haben als die anderen?


3. WAS VERSTEHEN WIR UNTER WERTEN?

Wert: philosophisch-soziologischer Begriff, der eine spezifische Seite der praktischen und geistigen Aneignung der natürlichen und gesellschaftlichen Umwelt durch die Menschen abbildet. Dieser Begriff des Wertes ist streng von der ökonomischen Kategorie »Wert« zu unterscheiden. Er fixiert in einer allgemeinen Form die Bedeutung oder Bedeutsamkeit von natürlichen und gesellschaftlichen Gegenständen, Erscheinungen, Prozessen sowie von Anschauungen, Einstellungen, Normen, Gefühlen für das gesellschaftliche und individuelle Leben der Menschen und für den Fortschritt der Gesellschaft, für die Entfaltung der Fähigkeiten, Talente, Vermögen, d.h. der Wesenskräfte des Menschen.

Gesellschaftliche Werte dienen als Orientierung

Der Begriff des Wertes widerspiegelt eine aktive und sich historisch wandelnde Beziehung des Subjekts zu den Objekten. Diese Beziehung enthält eine (positive oder negative) Bewertung der betreffenden Gegenstände, Erscheinungen, Prozesse usw. vom Standpunkt der gesellschaftlichen und individuellen Bedürfnisse und Interessen der Menschen. Der Wert ist die Fixierung der Bewertung im gesellschaftlichen Bewußtsein in Form von Anschauungen, Einstellungen, Normen, Gefühlen und deren gesellschaftliche Sanktionierung als Wert. Diese Werte werden allgemein akzeptiert und dienen dem praktischen Verhalten und dem Denken der Menschen als Wertmaßstab und Orientierung.

Jede Gesellschaft hat ihre eigenen Wertmaßstäbe

In diesem Sinne sind Werte gesellschaftlich entstehende subjektive Gebilde mit objektiver Grundlage und objektivem Inhalt. Sie haben historischen und Klassencharakter, denn jede Gesellschaft und jede Klasse entwickelt aus ihren materiellen Lebensbedingungen, Interessen und Zielen her aus ihre eigenen Werte und Wertmaßstäbe, die oft im Gegensatz zueinander stehen.

Was ist der Unterschied zwischen Werten und Erkenntnissen?

Die Werte üben eine wichtige Funktion im gesellschaftlichen Lebensprozeß aus, die sich von der Funktion der wissenschaftlichen Kenntnisse wesentlich unterscheiden. Während die Wissenschaft Kenntnisse darüber vermittelt, wie die Gegenstände, Verhältnisse, Prozesse usw. beschaffen sind, welches ihre wesentlichen Eigenschaften, ihre Strukturen und ihre Gesetzmäßigkeiten sind, machen die Werte den Menschen die Bedeutung bestimmter Gegenstände, Verhältnisse, gesellschaftlicher Zustände, Verhaltensweisen, Auffassungen, Normen usw. auf eine spezifischer Weise bewußt, ohne dafür detaillierte wissenschaftliche Kenntnisse zu benötigen; sie geben ihnen Wertmaßstäbe und Orientierungcn für ihr Denken und Handeln, die mit der Kraft der öffentlichen Meinung wirken; sie ermöglichen den Menschen, sich mit der Gesellschaft, ihren Zielen und Aufgaben zu identifizieren.

Welche Arten von Werten gibt es?

Die Klassifikation der Werte ist in der marxistisch-leninistischen Philosophie noch ein Diskussionsproblem. Meist werden sie wie folgt eingeteilt:

  • natürliche Werte (natürliche Existenzbedingungen der Menschen),
  • ökonomische W. (Arbeitsmittel, Arbeitsgegenstände, Produktionsmittel, Güter des Lebensunterhalts),
  • sozialpolitische W. (gesellschaftliche Verhältnisse, Entwicklungsbedingungen der Individuen, Grad der gesellschaftlichen und individuellen Freiheit),
  • moralische W. (menschliche Verhaltensweisen, Tugenden, Pflichten, Auffassungen von Gut und Böse, Normen),
  • ästhetische W. (Schönheit, Erhabenheit, emotionale Wirksamkeit),
  • wissenschaftliche Werte (Wahrheit, Folgerichtigkeit, theoretischer und praktischer Nutzen).

Wertmaßstäbe verändern sich…

Die Werte bilden kein selbständiges Reich ideeller Wesenheiten, wie die idealistische Axiologie (eine bürgerliche „Wertlehre“) behauptet. Aber sie sind auch keine objektiven Eigenschaften der materiellen Welt, welche unabhängig von den Bedürfnissen, Interessen und der aktiven Aneignung der Welt durch die Menschen existieren.

Was sind sozialistische Werte?

Von grundlegender Bedeutung ist in der Gegenwart die theoretische Ausarbeitung, Begründung und Propagierung der Werte des Sozialismus, die im Kampf der Arbeiterklasse um ihre Befreiung und in den realen Errungenschaften und Vorzügen der sozialistischen Gesellschaft ihre objektive Grundlage haben.

„Die Werte des Sozialismus sind keine realitätsfernen Ideale, sondern geschichtliche Errungenschaften der Werktätigen unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer Partei . . . Solche grundlegenden Werte sind:

  • die untrennbare Einheit von Frieden und Sozialismus,
  • die unverbrüchliche Freundschaft mit der Sowjetunion*,
  • die Zusammenarbeit der sozialistischen Bruderländer,
  • proletarischer Internationalismus und Solidarität,
  • soziale Gerechtigkeit und hohe Wertschätzung der Arbeitsleistungen,
  • gesellschaftliche und persönliche Freiheit,
  • sozialistische Demokratie,
  • soziale Sicherheit und Zukunftsgewißheit,
  • Kollektivität und allseitige Entwicklung der Persönlichkeit.“

(Hager: Der IX. Parteitag und die Gesellschaftswissenschaften, 69)

Quelle: Alfred Kosing, Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie, Dietz Verlag, Berlin, 1985, S.556f. (gekürzt)

* hierzu ist eine Anmerkung unbedingt erforderlich: Solange die Sowjetunion als das erste sozialistische Land der Welt für die Menschheit (und für das Weltproletariat insbesondere) einen Vorbildcharakter hatte, war die Freundschaft zur Sowjetunion eine Selbstverständlichkeit. Doch als dann mehr und mehr sozialismusfeindliche Kräfte am Werk waren, die begonnen hatten, sich theoretisch und in ihrem Verhalten vom Marxismus-Leninismus abzuwenden, die damit Grundlagen des sozialistischen Aufbaus zerstörten, bedeutete die plakative Freundschaft mit der Sowjetunion eine Gefahr für die gesamte sozialistische Weltbewegung. So kam der Untergang des sozialistischen Weltsystems als Instanz des gesellschaftlichen Fortschritts zustande!


4. DER UNSINN VON EINER „WESTLICHEN WERTEGEMEINSCHAFT“

Eine „westliche Wertegemeinschaft“ gibt es nicht, weil es keine Gemeinsamkeiten zwischen antagonistischen, einander feindlich gegenüberstehenden Klassen (wie der ausbeuterischen Bourgeoisie und dem enteigneten Proletariat) geben kann. Solche falschen Theorien verbreitet die Bourgeoisie immer wieder auf sehr unterschiedliche Weise: mal mit dem Spruch „Wir sitzen alle in einem Boot“, mal mit der verlogenen Behauptung vom „Schutz des Abendlandes“ gegen eine angebliche „Islamisierung“, mal mit solchen militaristischen Parolen wie dem „Kampf gegen den Terrorismus“. Alle diese ideologischen Angriffe der Bourgeoisie zielen darauf ab, die Arbeiterklasse zu spalten und vom Klassenkampf abzuhalten. Sie werden aber den gesellschaftlichen Fortschritt und den Sturz der Ausbeutergesellschaft nicht verhindern! Das muß man berücksichtigen, wenn man die unterschiedlichen Gesinnungen, Charaktereigenschaften und Wertmaßstäbe der Menschen richtig beurteilen will. 

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3 Antworten zu Gesinnungen, Charaktereigenschaften und Wertmaßstäbe und der Unsinn von der „westlichen Wertegemeinschaft“

  1. Hat dies auf Muss MANN wissen rebloggt und kommentierte:
    der Unsinn von der „westlichen Wertegemeinschaft“
    Veröffentlicht am 26. Juni 2015 von sascha313
    werteEs sollte uns in der heutigen kapitalistischen Gesellschaft nicht verwundern, wenn Menschen unterschiedliche Auffassungen vertreten, unterschiedliche Meinungen und Wertmaßstäbe haben, wenn sie darüber miteinander in Streit geraten, selbst über die banalsten Dinge. Wie schon an anderer Stelle erwähnt, ist es nicht immer leicht, Gleichgesinnte zu finden. Insbesondere dann, wenn es um politische Fragen geht. Denn die große Masse der Bevölkerung verhält sich eher unpolitisch. Zurückzuführen ist all das auf die tiefe Spaltung der Gesellschaft in antagonistische Klassen und die zumeist feindliche Konkurrenz (nach dem Motto: Jeder gegen jeden!) mit naturgemäß gegensätzlichen Interessen.

    Dies richtig einzuordnen, Gemeinsamkeiten herauszufinden, lösbare Konflikte von unlösbaren zu scheiden und zu erkennen, was gegnerische und was feindliche Standpunkte sind, ist ein wichtiger Schritt, wenn Menschen sich miteinander verbünden, gleiche Ziele verfolgen und zum gemeinsamen Handeln übergehen wollen. Es ist völlig klar, daß bürgerlich-reaktionäre Kräfte Einigkeit und Gemeinsamkeiten, die dem gesellschaftlichen Fortschritt dienen, mit aller Macht verhindern wollen. Darauf muß man gefaßt sein, dem kann und dem muß man sich mit aller Schärfe widersetzen.

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