Johannes R. Becher: Was ist Glück?

GlückWas ist Glück? Im Unterschied zu dümmlich-billigen Schlagertextern, die gewissenlos, und nur um des eigenen Gewinns willen irgendwelche hohlen, gefühlsduseligen Texte über Liebe, Glück und  Zweisamkeit auskotzen, um ein angebliches Bedürfnis der Massen zufriedenzustellen, hatten sozialistische Schriftsteller und Dichter stets das Wohl der Menschen im Sinn. Sie verstanden ihre Freuden und ihre kleinen Sorgen, und sie sahen das große Ziel einer gerechten und friedlichen Gesellschaft. Lächerlich ist es auch, von „Lotto-Glück“ zu reden. Niemals wird ein Lottogewinner allein durch seinen plötzlichen Reichtum zu einem glücklichen Menschen. Und eine Lüge ist es, wenn irgendwelche Pfaffen oder solche Volksverführer und Demagogen, wie der sogenannte „Dalai Lama“, den Menschen weiszumachen versuchen, es sei nur ihre persönliche Einstellung aussschlaggebend für ihr Glück. Es ist dumm, wenn jemand so etwas glaubt. Hier ist nun, was der deutsche Dichter Johannes R. Becher unter Glück verstand:

Glück

Johannes R. Becher

Was ist das Glück? Ist es ein Augenblick:
Die Stunden stehen plötzlich still, die schwanken,
Ist das das Glück: versunkene Gedanken,
Sie ziehen dich tief, tief in die Zeit zurück…

Ist das das Glück: ich seh, aus einem Stück
Sind Himmel, Meer und alle Festen wanken?!
Ist das das Glück: wenn ich die Hand dir drück‘?
War es das Glück, als unsre Arme sanken

Und spürten, wie das Leben draus entschwand?
Wer könnte drauf eine Antwort geben.
Da keiner nach dem Tode noch gestand…

Mir scheint, ich habe Glück in diesem Leben,
Da ich in meiner Zeit gewaltigem Streite
Die Waffe führe auf der richtigen Seite.

Quelle: Vom Sinn Deines Lebens, Verlag Neues Leben, Berlin, 1959, S.335.


Besser und kürzer und treffender kann man es nicht sagen. Und hier ist, was das kulturpolitische Wörterbuch der DDR dazu schreibt:

Glück umfaßt die Idealvorstellungen von der Lebensweise des einzel­nen in der Gesellschaft, Vorstellungen von den Mitteln und Wegen zur Realisierung des Ideals sowie Vorstellungen von Gefühlswelt des Menschen. Je nach der ideologischen Funktion, dieser Glücksbegriff im System einer Welt­anschauung zu erfüllen hat, tritt die eine oder andere Seite besonders in den Vordergrund. Jede Klasse entwickelt, entsprechend ihrer weltanschau­lichen Haltung, ihren eigenen Glücksbegriff. In der Kunst sind die Glücksvorstellungen Grundlage der Gestal­tung des Schönen. Mit dem auf­strebenden Bürgertum und seinem Kampf gegen die ideologische Stütze der Feudalherrschaft, gegen die Reli­gion, wurde das Glück ebenso wie Freiheit und Gleichheit in den Rang der unveräußerlichen (bürgerlichen) Menschenrechte erhoben. Als die Bourgeoisie die politische Macht er­rungen hatte, sah sich das Volk in seiner Hoffnung auf ein glückliches Leben betrogen.

Im Kapitalismus wurde das Glück zu einer Ware

Die Bourgeoisie er­richtete mit der kapitalistischen Ge­sellschaft eine Ordnung, in der alles, auch menschliches Glück, zur Ware, Mit­tel zum Zweck wird, um Profit zu erjagen. Das Glück von Millionen Men­schen wurde bedenkenlos in zwei Weltkriegen geopfert. Der Kampf der Bourgeoisie ist mit der Entste­hung des Sozialismus in einem Teil der Welt noch erbitterter und gefähr­licher geworden. Sie kann dem Mar­xismus-Leninismus keine einheitliche Weltanschauung zur Verschleierung ihrer Klassenziele entgegensetzen und nutzt daher die verschiedensten ideologischen Elemente.

Wie wird heute der Glücksbegriff verfälscht?

Besonders geeig­net erweisen sich Begriffe, die schein­bar klassenindifferent sind, einen sogenannten allgemeinmenschlichen In­halt besitzen und für die Massen eine positive emotionale Bedeutung haben. Alle diese Eigenschaften tref­fen auf den Begriff Glück zu. Man nutzt seine Unbestimmtheit aus und pre­digt nebeneinander den religiös ein­gestellten Menschen, daß Glück ein Ge­schenk Gottes sei und man es daher auch nicht erkämpfen könne; den Besitzlosen wird das Glück der Beschei­denheit und Bedürfnislosigkeit als erstrebenswertes Ziel gepriesen, oder Glück wird ausschließlich auf den emo­tionalen Zustand eines seelischen Wohlbehagens reduziert, der heute bereits medikamentös herbeigeführt werden kann.

Das „Glück“ als Instrument im kapitalistischen Management

Sogar in der Arbeits­welt soll das Glück zur konkreten „Führungsaufgabe“ werden, aber wiederum nur, weil man sich den „ganzen“ Menschen als Ausbeutungsobjekt dienstbar machen will. Diese Vielfalt von Glücksidealen, die den Menschen von den bürgerlichen Ideologen scheinbar zur Wahl angeboten wer­den, mischt man außerdem mit antikommunistischen Ausfällen. Verhin­dert werden soll die Erkenntnis der Perspektivlosigkeit der spätbürgerlichen Gesellschaft, die Erkenntnis, daß echtes Glück nur dort Bestand hat, wo sich das Volk für immer von Ausbeutung und Unterdrückung befreit. (→ Manipulierung)

Was ist nun wirklich Glück?

Erst der Marxismus-Leninismus entdeckte im Proletariat diejenige gesellschaftliche Kraft, die entsprechend dem Entwicklungsstand der Produktivkräfte in der Lage und berufen ist, die gesellschaftlichen Ver­hältnisse grundlegend zu revolutionieren und die gesellschaftlichen Wurzeln des Unglücks des Volkes für immer auszurotten. Mit der Errichtung der sozialistischen Gesellschaft werden die politischen und ökonomischen Verhältnisse überwunden, unter denen die Menschen ihr persönliches Glück nur im Kampf aller gegen alle durchsetzen können, Verhältnisse, unter denen eine kleine Minderheit ein fragwürdiges Glück auf dem Unglück der Masse des Volkes aufbaut.

Das wirkliche Glück in der sozialistischen Gesellschaft

Das Wohl der Menschen, ihr Glück in einem friedlichen Leben, in Demokratie und Sozialismus ist der Sinn und das Ziel des Programms der SED. Die gemeinsame Verwirklichung dieses marxistisch-leninistischen Programms des Sozialismus vereinigt die Anstrengung aller Bürger der DDR und bietet unerschöpfliche Möglichkeiten für die Entfaltung der vielseitigen Fähigkeiten und Talente. Die Macht des werktätigen Volkes unter Füh­rung der marxistisch-leninistischen Partei ist daher die wesentlichste gesellschaftliche Voraussetzung für ein beständiges persönliches Glück jedes einzelnen. Erst im Sozialismus wird auch die Verantwortung des einzelnen für sein persönliches Glück in der Gesellschaft zu einer notwendigen Bedingung für das Glücks aller.

…eine glückliche Persönlichkeit

Glück ist weder Geschenk noch Mäßigkeit. Glück ist wesentlich der Prozeß der sich entwickelnden sozialistischen Persönlichkeit. Eine reiche und glückliche Persönlichkeit entwickelt sich aber nur, wenn sie sich Ziele setzt, durch deren Verwirklichung sie über sich selbst hinauswächst, wenn sie ihr Leben eng mit der Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft und deren humanistischen Zielen verknüpft.

Das Glück liegt im Arbeiten, Lernen unsd Streben

Die sozialistische Arbeit, das Lernen und das Streben nach neuen Erkenntnissen, die gesellschaftliche Tätigkeit auf den verschiedensten Gebieten, Familie und Freundeskreis, die Aneignung des kulturellen Reichtums – das sind nur einige Bereiche des menschlichen Lebens, in denen sich der Mensch als sozialistische Persönlichkeit bewähren und Glück finden kann. Die Freude am Wachsen und Gedeihen der sozialistischen Mensehen gemeinschaft und am eigenen Anteil daran, die Freude über persönliche Erfolge und an der Schönheit des Lebens widerspiegelt diesen Entwicklungsprozeß auch emotional und rational als Glück.

Quelle:
Kulturpolitisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin 1970, S.197f.

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