Thomas Mann (1875-1955): Der Antibolschewismus, die Grundtorheit unserer Epoche

Thomas MannThomas Mann (1875-1955)
war einer der bedeutendsten deutschen Dichter. Er setzte die besten Traditionen des bürgerlichen Humanismus fort. Nach der Machtübertragung an die Nazis 1933 ging er ins Exil. Zentrales Thema seines bedeutenden kritisch-realistischen Werkes ist der als historische Notwendigkeit begriffene Verfallsprozeß der kapitalistischen Gesellschaft. Thomas Mann schrieb Romane, wie „Buddenbrooks“, „Der Zauberberg“ und „Doktor Faustus“, sowie meisterhafte Novellen und Essays. Bekannt wurden auch seine aufrüttelnden und mahnenden antifaschistischen Rundfunkansprachen an die deutschen Hörer.
Thomas Mann

Ich glaube, ich bin vor dem Verdacht geschützt, ein Vorkämpfer des Kommunismus zu sein. Trotzdem kann ich nicht umhin, in dem Schrecken der bürgerlichen Welt vor dem Kommunismus, diesem Schrecken, von dem der Faschismus so lange gelebt hat, etwas Abergläubisches und Kindisches zu sehen, die Grundtorheit unserer Epoche. Der Kommunismus ist als Vision viel älter als der Marxismus und enthält auch wieder Elemente, die erst einer Zukunftswelt angehören. Älter ist er, weil schon die religiösen Volksbewegungen des ausgehenden Mittelalters einen eschatologisch-kommunistischen Charakter hatten: schon damals sollten Erde, Wasser, Luft, das Wild, die Fische und Vögel allen gemeinsam gehören, auch die Herren sollten um das tägliche Brot arbeiten, und alle Lasten und Steuern sollten aufgehoben sein. So ist der Kommunismus älter als Marx und das 19. Jahrhundert. Der Zukunft aber gehört er insofern an, als die Welt die nach uns kommt, in der unsere Kinder und Enkel leben werden, und die langsam ihre Umrisse zu enthüllen beginnt, schwerlich ohne kommunistische Züge vorzustellen ist, das heißt, ohne die Grundidee des gemeinsamen Besitz- und Genußrechts an den Gütern der Erde, ohne fortschreitende Einebnung der Klassenunterschiede, ohne des Recht auf Arbeit und die Pflicht zur Arbeit für alle.

Aus: DER ANTIBOLSCHEWISMUS – DIE GRUNDTORHEIT UNSERER EPOCHE. (1946)

Quelle:
Thomas Mann, Eine Materialsammlung für Festveranstaltungen zum 80. Geburtstag des Dichters, Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands, Berlin, 1955, S.103.

Was ist Bolschewismus?
Bolschewiki [russ. -´ki:; Sing. -wik] m Pl.: histor. Bezeichnung für die Mitglieder der KPdSU. Der Begriff entstand 1903 auf dem II. Parteitag der SDAPR, als die um Lenin gruppierten revolutionären Marxisten bei den Wahlen zu den zentralen Parteiinstitutionen die Mehrheit (russ. «bolschinstwo») errangen und daraufhin Bolschewiki genannt wurden, während die opportunistische Minderheit die Bezeichnung Menschewiki erhielt. (Quelle: BI Universallexikon in fünf Bänden, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1985, Bd.1, S.279.)

Der Begriff „Bolschewismus“ ist etwa gleichzusetzen mit „Kommunismus“, wobei sich Thomas Mann hier eindeutig auf die Sowjetunion unter Lenin und Stalin bezieht. „Ich möchte keine Zweifel lassen“, sagte er in einem Referat, „an meiner Ehrerbietung vor dem meiner Zeit angehörigen historischen Ereignis der Russischen Revolution. Sie hat in ihrem Lande längst unmöglich gewordene, anachronistische Zustände beendet, ein zu 90 Prozent analphabetisches Volk intellektuell gehoben, das Lebensniveau seiner Massen unendlich menschlicher gestaltet.“ Aus: MEINE ZEIT (1950), ebd.S.104.

Siehe auch:
Albert Einstein: Warum Sozialismus?
Hermann Kant und die DDR-Literatur
Der Sozialismus war und ist lebensfähig
W.Ulbricht: Warum Marxismus-Leninismus?
Über Perspektiven im gesellschaftlichen Leben
Die antikommunistische Manipulierung der Schuljugend der BRD

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