Die Lüge von der Zwangsvereinigung von KPD und SPD (1946)

Beier-Red 1946Der Versuch reaktionärer Kräfte, die Arbeiterklasse zu spalten, war in der DDR mißglückt. Auf einer machtvollen Versammlung im Admiralspalast Berlin am 21. und 22. April 1946 entschlossen sich die Vertreter beider Parteien, der KPD und der SPD, ihren Weg in ein friedliches und fortschrittliches Deutschland künftig gemeinsam zu beschreiten. Noch immer giften heute die bürgerlichen Medien gegen diesen historischen Zusammenschluß und sprechen von einer angeblichen Zwangsvereinigung, was aber eine Lüge ist. Doch die Voraussetzungen für eine schrittweise Einigung von Kommunisten und Sozialdemokraten waren günstig wie nie zuvor. 

Die Arbeiterklasse braucht eine einheitlich handelnde Führung

Der Aufbau demokratischer Machtorgane, die Entmachtung der Junker und Großgrundbesitzer und die ersten Erfolge bei der Überwindung der Kriegsschäden bewiesen, zu welchen Leistun­ gen die einheitlich handelnde Arbeiterklasse imstande war. Um die im Aufruf der KPD vom 11. Juni 1945 genannten Aufgaben vollständig erfüllen zu können, mußte die Arbeiterklasse in Deutschland ihre organisatorische Spaltung überwinden, einheitliche Gewerkschaften und eine revolutionäre Einheitspartei schaffen.

Erfahrungen aus der Zeit der Widerstandes gegen das Naziregime

Die Erkenntnis über die Notwendigkeit eines solchen Schrittes war während der Zeit des Faschismus auch bei Tausenden Sozialdemo­kraten gereift. Die Zusammenarbeit von Kommunisten und Sozialdemokraten im antifaschistischen Widerstandskampf, in den faschistischen Konzentrationslagern und Zuchthäusern hatte sich vielfach bewährt.

Verständigung und Aktionseinheit

Die KPD vertrat die Auffassung, daß sich die Mitglieder beider Parteien in einer Periode der Aktionseinheit bei der Lösung antifaschistisch-demokratischer Aufgaben näherkommen und ihr Kampfbündnis festigen sollten. In diesem Abschnitt der Zusammenarbeit mußten sich Kommunisten und Sozialdemokraten vor allem über die poli­tischen, ideologischen und organisatorischen Grundlagen der zu schaffenden Einheitspartei verständigen.

Ein gemeinsames Aktionsabkommen

Die Kommunistische Partei Deutschlands hielt es für falsch, sofort eine Einheitspartei zu gründen.Diese Position der KPD erwies sich als richtig. Sie bestimmte den Vereinigungsprozeß, an dessen Erfolg die er­ fahrenen Funktionäre der Kommunistischen Partei Deutschlands den Hauptanteil hatten. Einen wesentlichen Schritt zur Annäherung beider Arbeiterparteien stellte das Aktionsabkommen vom 19. Juni 1945 dar. KPD und SPD vereinbarten, gemeinsam bei der Beseiti­gung der Überreste des Faschismus vorzugehen. Vorgesehen waren gemeinsame Veranstaltungen und Diskussionen ideologischer Grundfragen. Es wurde ein zentraler Arbeitsausschuß ge­ gründet.

Das Aktionsabkommen fand unter den klassenbewußten Arbeitern in allen Besatzungs­zonen Zustimmung. Besonders in der sowje­tischen Besatzungszone verstärkte sich die Zusammenarbeit von Kommunisten und Sozialdemokraten. Mitglieder beider Parteien be­ gannen, die antifaschistisch-demokratische Ordnung gemeinsam aufzubauen. [1]


Brüder in eins nun die Hände…

Pieck Grotewohl

I. Aus der Rede Wilhelm Piecks (auf dem Vereinigungsparteitag von KPD und SPD zur SED am 21. und 22. April 1946)

Die Überwindung der Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung, die Vereinigung der beiden Arbeiterparteien zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands ist ein Ereignis von großer historischer Bedeutung für die deutsche Arbeiterbewegung, aber auch für unser deutsches Volk. Wir bereiten dem jahrzehntelangen Bruderzwist in der sozialistischen Arbeiterbewegung ein Ende und stellen damit ihre Einheit wieder her. (Beifall.) Wir schaffen durch sie die große Kraft, die es der Arbeiterklasse möglich macht, die Führung unseres Volkes beim Wiederaufbau Deutschlands, bei der Entfaltung einer wahrhaft kämpferischen Demokratie, bei der Schaffung von Garantien im deutschen Volke zur Sicherung des Friedens und bei der Vorbereitung und Verwirklichung des Sozialismus zu übernehmen.

Gegenüber den plumpen Betrugsmanövern, die von den Nazis mit dem Wort „Sozialismus“ betrieben wurden, wie auch gegenüber allen verschwommenen, unmarxistischen Auslegungen des Begriffes des Sozialismus ist in unserem Dokument eindeutig gesagt, daß die Sozialistische Einheitspartei für den Sozialismus kämpft, wie er von Marx und Engels wissenschaftlich begründet wurde. Es heißt in unseren „Grundsätzen und Zielen“, daß die Einheitspartei für die Befreiung von jeder Ausbeutung und Unterdrückung, von Wirtschaftskrisen, Armut, Arbeitslosigkeit und Imperialismus kämpft.

Das kann nur erreicht werden durch die Verwandlung des kapitalistischen Eigentums an Produktionsmitteln gesellschaftliches Eigentum, durch die Verwandlung der kapitalistischen Warenproduktion in eine sozialistische, für und durch die Gesellschaft betriebene Produktion. Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands kämpft für die klassenlose sozialistische Gesellschaft. (Lebhafte Zustimmung.) Mit dieser klaren Darlegung ihres sozialistischen Endzieles hat sich die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands eindeutig auf den Boden des konsequenten wissenschaftlichen Sozialismus gestellt. (Beifall.)

In den „Grundsätzen und Zielen“ ist aber nicht nur das sozialistische Endziel unserer Partei aufgestellt, sondern es wurde auch der Weg aufgezeigt, den die Arbeiterklasse zu diesem Ziele einzuschlagen hat. Es wird dort in nicht mißzudeutender Weise erklärt, daß die grundlegende Voraussetzung zur Errichtung der sozialistischen Gesellschaft die
Eroberung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse ist. (Zustimmung.)


 II. Aus der Rede Otto Grotewohls auf dem Vereinigungsparteitag

Mögen die Schwierigkeiten, die sich vor uns auftürmen, noch so groß sein, wir dürfen nicht verzagen und die Hände kleinmütig und tatenlos in den Schoß legen. Unser Volk, besonders das deutsche Proletariat, hat seinen Mut, sein Selbstgefühl, seinen Stolz und seinen Unabhängigkeitssinn ebenso nötig wie sein Brot. (Bravo!) Deshalb gilt es, zunächst wieder das Klassenbewußtsein, das in der zwölfjährigen Nazizeit fast völlig verlorengegangen ist, zu erwecken und zu stärken. (Lebhafter Beifall.) Erst wenn große Massen der Werktätigen aller Schichten zum vollen Bewußtsein ihrer geschichtlichen Aufgabe gelangt sind, werden die Kräfte entfaltet, die erforderlich sind, um die Entwicklung zum Sozialismus auch in Deutschland vorwärtszutreiben. Die Schaffung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands ist schon allein deshalb eine zwingende Notwendigkeit.

Wie soll der Arbeiter, der Bauer, der Handwerker, der Beamte und Angestellte, der Ingenieur, der Arzt oder der sonstige Intellektuelle, woher soll die Frau und die Jugend das Bewußtsein von der geschichtlichen Aufgabe unseres Volkes erwerben, woher sollen alle Schichten unseres Volkes zur einheitlichen Willensbildung kommen, wenn sie durch Werbeparolen zweier Arbeiterparteien von Zweifeln über die Richtigkeit des Weges hin und her gerissen werden? (Zustimmung.) Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands wird die Arbeiterklasse zum Bewußtsein ihrer Aufgabe erwecken, sie mit dem notwendigen einheitlichen Willen erfüllen und unter einheitlicher Führung Herz, Hirn und Hände aller konzentrieren auf die Verwirklichung der Gegenwartsforderungen, die in den Grundsätzen und Zielen der Partei niedergelegt sind. Ist dieses Ziel erreicht, dann ist der Sozialismus noch keineswegs verwirklicht…

Niemals darf es wieder geschehen, daß falsche Illusionen in der Arbeiterklasse geweckt werden. Niemals darf etwas als ein Stück Sozialismus marktschreierisch gepriesen werden, was nichts anderes ist als eine soziale Reform, eine kleine Erleichterung der Lage der Arbeiterschichten im Rahmen der kapitalistischen Wirtschaft. (Lebhafter Beifall.)

Niemals darf vergessen werden, daß erst die Verwandlung des Privateigentums an Grund und Boden und an den Produktionsmitteln in gesellschaftliches Eigentum, die Verwandlung der Warenproduktion in eine für und durch die Gesellschaft betriebene Produktion endgültig den Sozialismus verwirklicht. (Erneuter Beifall.)

Erst dann ist die Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft im Profitinteresse einzelner unmöglich und allen Nationen, allen Menschen die freie Ausübung ihrer Rechte und die Entfaltung ihrer Fähigkeiten sowie der Friede endgültig gesichert. [2]

Quellen:
[1] Geschichte. Lehrbuch für die Klasse 10, Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, 1977, S.62. (mit Zwischenüberschriften versehen, N.G.)
[2] Der Sozialismus – Deine Welt, Verlag Neues Leben, Berlin 1975, S.185f.

Bemerkungen:
Um allen Geschichtsfälschungen in bundesdeutschen Schulbüchern und dem dümmlichen Geschwätz geltungsbedürftiger „DDR-Bürgerrechtler“ entgegen-zutreten, sei vermerkt, daß am 21./22.4.1946 mit der Vereinigung von KPD und SPD zur SED ein langgehegter Wunsch der deutschen Arbeiterklasse in Erfüllung ging. Hinzu kommt, daß nicht nur der Sozialdemokrat Otto Grotewohl, sondern auch der Kommunist Wilhelm Pieck erfahrene Funktionäre waren, die großes Ansehen bei den deutschen Arbeitern genossen. Voller Dankbarkeit schrieb Otto Grotewohl an den 18 Jahre älteren Wilhelm Pieck: „Alles wäre wohl nicht so gut gelungen, wenn der Weg uns nicht zusammengeführt hätte. Deine Lebenserfahrung, Deine Ruhe und Festigkeit, Deine Güte und Weisheit haben viel dazu beigetragen, mich zu befähigen, unsere Aufgaben zu erfüllen.“ (Heinz Vosske: Otto Grotewohl, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1979, S.51)

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