Vom Pazifismus zum Widerstand

pazifismEs gibt es nicht wenige ehrenwerte Menschen, die aus ebenso ehrenwerten Gründen Pazifisten waren. Kann man sie deshalb verurteilen? Sicherlich kann man das nicht. Ihre Motive mögen respektabel sein, doch besser ist es, Partei zu ergreifen und sich zu engagieren im Kampf gegen das Unrecht. Das stille „Sich-Heraushalten“ aus dem Streit der Welt führt oft nur neuem Unrecht. Freilich, es gehört Mut dazu und Klugheit, um zu kämpfen. 

Bertolt Brecht schrieb einmal:

Ich wäre gerne auch weise.
In den alten Büchern steht, was weise ist:
Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit
Ohne Furcht verbringen
Auch ohne Gewalt auskommen
Böses mit Gutem vergelten
Seine Wünsche nicht erfüllen, sondern vergessen
Gilt für weise.
Alles das kann ich nicht:
Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten! [1]

Was verstehen wir nun unter Pazifismus?

Der Pazifismus ist eine bürgerliche und kleinbürgerliche Bewegung und Ideologie, deren Hauptanliegen die Beseitigung des Krieges und die Bewahrung des Friedens ist. In der Gegenwart ist der Pazifismus als Form des bürgerlichen Friedensdenkens eine vielschichtige Bewegung mit teilweise recht unterschiedlichen Positionen, die sich überwiegend aktiv in der Friedensbewegung en­gagiert und mit anderen Friedens­kräften zusammenarbeitet.

Der Pazifismus erklärt die Ursachen der Kriege meist aus solchen gesellschaftli­chen Erscheinungen wie Milita­rismus, Rüstungsproduktion, Ar­mee, Waffensystemen, übersieht aber die sozialökonomischen Ursachen der Kriege. Deshalb bleibt ihm der Klassencharakter der Kriege, ihr Zusammenhang mit der Politik bestimmter Klassen und die damit verbundene Unterscheidung von gerechten und ungerechten Kriegen überwiegend verschlossen.

Die Motive der Pazifisten

Pazifisten wenden sich meist aus sittlichen Motiven gegen den Krieg, prangern den inhumanen Charakter des Krieges an und treten für den Frieden ein. Der Pazifismus hat sich im Verlauf seiner geschichtlichen Entwicklung in mancher Hinsicht gewandelt, so daß seine Rolle nur konkret-historisch beurteilt werden kann. Entstanden ist der Pazifismus in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts als Reaktion auf die Tatsache, daß die neue bürgerliche GeseIlschaft, weit davon entfernt, die Friedensideen der progressiven bürgerlichen Denker zu verwirklichen, die Menschheit in immer neue Kriege stürzte.

Die Bedrohung des Friedens durch den Imperialismus

Pazifistische Friedensgesellschaften entstanden in verschiedenen Ländern, so in England, Frankreich, Deutschland, in den USA. Sie organisierten Friedenskongresse. Der 1.Weltfriedenskongreß der Pazifisten fand 1889 statt, und wenige Jahre später wurde mit dem Internationalen Friedensbüro (ZPB) ein organisa­torisches Zentrum geschaffen. Da der Pazifismus die ökonomischen Grund­lagen der Kriegspolitik nicht sah, verkannte er auch die Bedro­hung des Friedens durch den Impe­rialismus. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges führte zu einer Krise des Pazifismus, da große Teile der pa­zifistischen Bewegung auf den Kampf gegen den Krieg verzichte­ten und so ihren Idealen Untreu wurden.

Die Sowjetunion war ein Garant für den Frieden in der Welt

Unter dem Einfluß des Weltkrieges und der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution kam es zu einem großen Aufschwung der Friedensbestrebungen, und auf dieser Grundlage formierte sich auch die pazifistische Bewegung neu. Führende Persönlichkeiten des Pazifismus wie Albert Einstein, Käte Koll­witz, Heinrich Mann, Otto Lehmann­ Rußbildt, Kurt Tucholsky und Carl von Ossietzky näherten sich den Positionen der Arbeiterbewegung und sahen in der Sowjetunion eine Friedensmacht. Auch auf internationaler Ebene entwickelte sich die Zusammenarbeit von Arbeiterbe­wegung und Pazifisten im Kampf gegen den imperialistischen Krieg und den Faschismus. … [2]

Warum man nicht beim Pazifismus stehen bleiben soll

Während die pazifistischen Bewegungen und Organisationen in den 1970er und 1980er Jahren ein gewichtiger Faktor in der internationalen Friedensbewegung waren, sind sie heute zum Hindernis bei der Erkenntnis der wahren Ursachen imperialistischer Kriege geworden.  Eigentlich hätte man denken sollen, daß die pazifistischen Kräfte aus den geschichtlichen Erfahrungen endlich eine Lehre gezogen haben. Doch das haben sie offenbar nicht. Einige haben es immer noch nicht begriffen oder wollen nicht begreifen, daß Appelle, Friedensgebete, Petitionen, öffentliches Fasten, Fahrradtouren und Friedensfeste zu nichts führen. Da werden Mahnwachen und Diskussionsnachmittage veranstaltet, da wird geredet, daß man „betrübt“ sei, wenn die Bundeswehr zu einem Neujahrsempfang der Linken eingeladen wird, und daß man „betrübt“ sei, daß keine Friedensaktivisten eingeladen wurden. Da wird geredet, daß alleine schon der Umstand, daß „so viele Leute bei der Rosa-Luxemburg-Konferenz“ gewesen seien, ein Beweis dafür sei, daß sich doch „viele gegen den Krieg und für den Frieden engagieren“. Man müsse „mehr ins Gespräch kommen“ usw. usf. [3] Das ist das dümmliche Geschwätz eines Monty Schädel. Was braucht die herrschende Klasse für die Aufrechterhaltung ihrer Ausbeuterordnung mehr, wenn sie wenigstens einen solchen Schwätzer hat! Aufklärung über den Krieg? Fehlanzeige! Sie findet dort nicht statt! „Solidarität“ mit einem solchen Schwätzer? Nie und nimmer! Er dient der Bourgeoisie!

Was kann man tun für den Frieden?

Um den Herrschenden in ihren kriegerischen Aktivitäten Einhalt zu gebieten, bedarf es stärkerer Argumente. Die Menschen müssen begreifen, daß der Kampf gegen den Krieg nur dann sinnvoll ist, wenn zugleich auch den Kampf gegen die kapitalistische Gesellschaftsordnung einschließt. Ohne die Verwirklichung politischer, sozialer und ökonomi­scher Gerechtigkeit wird es auf der Welt keinen Frieden geben. Zwar gibt es in der Frage, den Frieden zu sichern, grundlegende Gemeinsam­keiten zwischen Pazifi­sten und Marxisten-Leninisten, doch in diesem Punkt gehen die Auffassungen beider weit auseinander. So sagte der kommunistische Arzt und Schriftsteller

Friedrich Wolf: Es gibt kein größeres Verbrechen als nicht kämpfen wollen, wo man kämpfen muß!


Zitate:
[1] Bertolt Brecht: An die Nachgeborenen
(siehe: http://www.schmidt-salomon.de/brecht.htm  oder
http://harpers.org/blog/2008/01/brecht-to-those-who-follow-in-our-wake/ )
[2] Alfred Kosing: Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosphie, Dietz Verlag Berlin, 1985, S.396f.
[3] siehe: Junge Welt vom 13.01.2014

Ein heroisches Beispiel für den Mut des Kampfes gegen den Faschismus haben die Kommunisten geleistet. Unter großen Opfern kämpften die deutschen Kommunisten von 1933 an in der Illegalität gegen die Nazis. Sie wagten es, dem Faschismus ihren Widerstand entgegenzusetzen. Ebenso mutig kämpften auch die Völker der Sowjetunion gegen die deutsch-faschistischen Okkupanten. An ihrer Spitze standen ebenfalls Kommunisten. Der Kampf der Kommunisten und Antifaschisten wird uns für immer im Gedächtnis bleiben. Wir verneigen uns vor den Helden des antifaschistischen Widerstandes!

Siehe auch:
Der Kommunist und Arzt Dr.Friedrich Wolf
Erinnerungen sowjetischer Kommunisten: Der Partisanenführer Batja
Am Tag danach: Deutsche Kommunisten kämpften gegen die Nazis
Sie werden es wohl niemals verstehen…
So werden die Deutschen gegen andere Völker aufgehetzt
Pater Pawel – ein sowjetischer Held

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4 Antworten zu Vom Pazifismus zum Widerstand

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Letzten Endes ist es, und das können wir ganz deutlich bei der Linkspartei sehen in Fragen Ukraine, Aleppo usw., dass derjenige, der sich heraushält, bewusst oder unbewusst immer die destruktive Seite einer Auseinandersetzung unterstützt. Das war auch im Spanischen Krieg 1936 so, als die sogenannte Neutralität die Angreifer nicht nur den Faschisten Franco unterstützte.

    Zu diesem Thema mal ein kleines ironisches Gedicht:

    Der Neutrale

    Er ist nach allen Seiten aufgeschlossen,
    er schweigt sich aus, nennt oft sich gern neutral,
    wähnt sich vom reinsten Glorienschein umflossen
    und gilt als braver Mann, als hochloyal.

    Er fühlt sich wohl zumeist nur in der Mitte
    und ist als Philosoph auf Ausgleich streng bedacht.
    Wenn zwei sich streiten, ist er prompt der Dritte –
    weil Streiterei nur schlechte Aura macht.

    Was Meinung angeht, ist er ein Verächter.
    Die schafft bloß Feinde, wie er weise sagt,
    wer eine Meinung hat, dem geht es schlechter
    als einem vor Gericht, der angeklagt.

    Man lernt: Man sollte keine Meinung haben,
    sie schadet der Gesundheit bloß zumeist.
    Wer noch was meint, der lasse sich begraben –
    wie es beim Spötter Lichtenberg schon heißt.

  2. Pingback: Die Unpolitischen oder Was tun? | Sascha's Welt

  3. Hanna Fleiss schreibt:

    Klingt aber nur so, einfach deshalb, weil ich genauso ironisch sein kann wie Tucholsky oder Weinert.. Aber die beiden sind entschieden politischer in ihren Gedichten. Ich wollte ja meine Lesergemeinde nur ein bisschen ärgern, nicht gleich in die Flucht schlagen. Damit sie auch meine künftigen Gemeinheiten verdauen müssen, denn ich kann auch anders. Tucholsky und Weinert sind allerdings Vorbilder für mich, besonders mag ich Weinert mit seinem Mutterwitz. Aber Tucholsky war auch so einer …

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