Gibt es Armut in Deutschland??

ArmutVielleicht ist diese Frage nur von rhetorischer Art. Viel zu oft wird einfach nur festgestellt: Es gibt Armut in der Welt, und es gibt Reichtum. Na und, so ist das eben! Was können wir daran schon ändern! Wer von Armut nicht betroffen ist, wer also über ein gutes Einkommen verfügt oder über ein gewisses Vermögen, der hat kaum Interesse daran, die Ursachen der Armut zu ergründen, geschweige denn, das zu verändern. Viele Menschen in der BRD haben kaum Verständnis für diejenigen, die soziale Leistungen in Anspruch nehmen, obwohl immer mehr davon betroffen sind.

Sie sagen: „Wir arbeiten, damit solche Leute zu Hause sitzen können. Sie kriegen Hartz-IV – das ist ‚unser‘ Geld, das ‚Geld des Steuerzahlers‘!“ Und sie behaupten, diese Leute seien eben „Sozialschmarotzer“, sie seien nur „zu faul zum Arbeiten“. Im Fernsehen wird es ja gezeigt, zur besten Sendezeit in ausführlichen Reportagen. Also: Ganz logisch, sagen sie, daß diese Leute auf Kosten der anderen leben. Nämlich auf Kosten derer, die fleißig sind und ihre Steuern zahlen.

So werden die auf diese Weise die geBILDeten und über die WELT informierten Leser aufgehetzt gegen die anderen, die Sozialhilfe oder Hartz-IV bekommen. Wer sich also abrackert, wer täglich Hunderte von Kilometern fahren muß, um zur Arbeitsstelle zu gelangen, wer gar zu den Besserverdienern gehört, der fühlt sich natürlich durch solche „Reportagen“ geradezu bestätigt in seinem Zorn auf diese „Hartzer“. Der verlangt, man solle denen die Sozialleistungen kürzen und diese Leute endlich zur Arbeit zwingen. Es gibt sogar noch schärfere Forderungen und entsprechende Zwangsmaßnahmen der zahlenden Behörden. Und alle diejenigen, die keine Verpflichtungen weiter haben, als nur für sich selbst zu sorgen, keine Kinder, keine pflegebedürftigen Angehörigen, keine Krankheiten, keinen schlechtbezahlten Job, dafür aber ein gutes Einkommen, eine gute Rente usw., die stimmen bedenkenlos in der erbosten Chor der Verurteiler ein. Ist das nun berechtigt? Haben sie recht? Stimmt das Bild? Und sind solche Forderungen gerechtfertigt? Was ist eigentlich der Grund für diese widersprüchliche und verfahrene Situation?

Wie sieht die soziale Lage in Deutschland aus?

Gibt es nun Armut in der BRD, oder gibt es sie nicht? Und sind tatsächlich einige Menschen nur zu faul zum Arbeiten? Die erstgenannte Frage erübrigt sich, denn es gibt Armut in der BRD. Wir wollen versuchen, deren Ursachen zu ergründen. Die zweite Frage ist berechtigt.

ArmutszonenAnhand der Grafik wird deutlich, daß in den östlichen Bundesländern (d.h. in der ehemaligen DDR) verstärkte Armut herrscht. Und das ist nicht etwa die „Folge der maroden DDR-Wirtschaft“, sondern vielmehr das Ergebnis der restlosen und systematischen Ausplünderung der DDR, die Folge des „Plattmachens“ sämtlicher DDR-Betriebe. In der Bundesrepublik Deutschland gibt es etwa sieben Millionen Leistungsempfänger. Das sind diejenigen, die Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe (Hartz-IV) erhalten, weil das Geld zum Leben sonst nicht reicht. Und etwa siebzehn Prozent aller Kinder leben in relativer Armut – das sind fast drei Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren (lt. Kinderreport 2009). Daß es in einem so wohlhabenden Land wie Deutschland Kinderarmut gibt, ist mehr als skandalös; daß ihre Rate seit 1990 stärker gestiegen ist als in den meisten entwickelten Industriestaaten, sollte eigentlich Alarm auslösen. Doch im Gegenteil: der Protest hält sich in Grenzen, aus Angst vor behördlichen Schikanen oder einfach nur aus Hilflosigkeit, Verzweiflung und Resignation. Die Repressionen und die Schikanierung der sog. Hartz-IV-Empfänger nimmt weiter zu. Die Zahl der Suppenküchen (vornehm „Tafeln“ genannt) wächst von Jahr zu Jahr. Und die Werktätigen sind oft gezwungen, für Dumpinglöhne zu arbeiten.

Wer allerdings eine Arbeit hat, der merkt davon nichts, oder interessiert sich nicht dafür. Denn die Zahl der Ablenkungen, Vergnügungen und Veranstaltungen nimmt gleichfalls zu. Auch äußerlich glänzende Fassaden können über innere Notlagen nicht hinwegtäuschen. Kinder sind in Deutschland indessen häufiger von Armut betroffen als Erwachsene. Es ist doch eigentlich widersinnig, daß junge Menschen in einem Land, dessen Geburtenrate seit Jahrzehnten sinkt, einem immer höheren Armutsrisiko ausgesetzt sind. Woran liegt das? Die OECD gibt darauf folgende „plausible“ Antwort: Die Ursache für die hohe Kinderarmut in Deutschland sei, „daß Familien vor allem über Transfers und Steuernachlässe wie Kindergeld oder Kinderfreibeträge unterstützt werden, daß aber gute Betreuungsangebote der Kinderarmut wirksamer vorbeugen könnten.“ Ganz logisch, na klar! Wenn nur die Eltern das ganze Geld nicht alles versaufen würden! … als ob „Betreungsangebote“ an dieser Situation etwas ändern könnten!

Erst wer erkannt hat, wie alles das zusammenhängt, wer die Ursachen der wachsenden Armut (bei gleichzeitig wachsendem Reichtum) erkannt hat, der kann sich ein objektives Urteil darüber erlauben.

Und das sind die Hintergründe und Ursachen für die derzeitige Situation

  1. Die Arbeitslosigkeit ist eine Folge der kapitalistischen Ausbeutung. Sie ist unvermeidbar, und ist zurückzuführen auf das Wirken der ökonomischen Geseze des Kapitalismus. Sie ist die Ursache für die Verelendung des Proletariats.
  2. Der Lohn ist nicht die gerechte Bezahlung für eine geleistete Arbeit, sondern nur das, was der Unternehmer dem Arbeiter zubilligt, nachdem er seinen Profit gemacht hat.
  3. Der Lohn dient überdies als Druckmittel, um die Konkurrenz innerhalb der Arbeiterklasse anzuheizen. Jede noch so geringfügige Lohnerhöhung muß immer erst erkämpft werden. Nicht immer erhalten die Arbeiter und Angestellten dafür auch Unterstützung durch die Gewerkschaften.
  4. Ein hoher Lohn ist demzufolge auch nicht das Ergebnis einer hohen Leistung, sondern oft eine Art „Schweigegeld“ für unsaubere oder kriminelle Geschäftspraktiken einer Firma bzw. ein Bestechungsmittel, um das Wohlverhalten der Beschäftigten gegenüber dem sog. „Arbeitgeber“, der Firma, der Verwaltung, der Behörde usw. zu erkaufen.
  5. Armut ist gewollt, um die Arbeiterklasse zu zwingen, für noch weniger Geld als bisher zu arbeiten, da es aufgrund der Notlage genügend Menschen gibt, die bereit sind, ihre Arbeitskraft noch weitaus billiger zu verkaufen, um existieren zu können. Man redet heute sogar schon von einer Abschaffung des Achtstundentages!
  6. Reichtum ist nicht das gerechte Ergebnis des eigenen Fleißes, sondern entspringt einesteils aus den Profiten, Renditen oder Grundrenten des Kapital- oder Grundeigentums. Andernteils kommt es aus den angehäuften Löhnen der Besserverdiener. Man muß fragen: Wem gehören denn die vielen schön restaurierten Gebäude, die Villen, Bankgebäude, Brücken und Straßen? Gehören sie dem Arbeiter, die sie gebaut hat, oder gehören sie dem Kapitalisten, der sie vermietet?
  7. Der Widerspruch zwischen Armut und Reichtum, zwischen dem Proletariat und den Kapitalisten steckt in der kapitalistischen Produktionsweise. Es ist der antagonistische Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit. Dieser Widerspruch ist unter kapitalistischen Verhältnissen nicht lösbar.
  8. Es gibt massenhaft kleine Unternehmer, sogenannte Selbständige, die sich oft sogar selbst am meisten ausbeuten, die bei Strafe ihres Untergangs zu noch schärferer Ausbeutung, zu höherem Leistungsdruck, zu noch geringerer Lohnzahlung gezwungen sind. Und es gibt einige, die dennoch in das Geheul der Verurteiler einstimmen, weil sie ihre Lage nicht richtig einschätzen können.
  9. Gibt es eigentlich noch eine Arbeiterklasse? Ja, es gibt sie. Obwohl viele Arbeiter in einem Betrieb kaum noch ein Zusammengehörigkeitsgefühl haben. Durch ein ausgeklügeltes Schichtsystem kennen sie einander nicht, sie arbeiten kaum zusammen, sie haben unterschiedliche Sorgen, unterschiedliche Löhne und unterschiedliche Arbeitsbedingungen. Jeder Fall wird juristisch sozusagen als „Einzelfall“ behandelt.
  10. Die Arbeiterklasse ist demnach zersplittert. Sie ist abgelenkt und manipuliert durch die Massenmedien und durch billige Vergnügungen. Teile und herrsche heißt das Prinzip der Bourgeoisie!
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3 Antworten zu Gibt es Armut in Deutschland??

  1. Günter Hering schreibt:

    Zu Punkt 4: Das „Bestechungsgeld“ fällt natürlich bei den verbeamteten Beschäftigten besonders üppig aus, bei den Angehörigen der Bundeswehr ebenso und auch die Tarife im „öffentlichen Dienst“ sind erfreulich hoch. Staatstreue muss eben belohnt werden…

    Eine von Sascha nicht genannte Gruppe von Einkommensschwachen wäre nachzutragen: Die Ostrentner. In der „jungen Welt“ finden sich Aussagen dazu (http://www.jungewelt.de/2015/06-17/043.php?sstr=Rentenl%C3%BCge), mehr ins Detail geht ein Artikel „Ostrenten“ auf https://versprengtelinke.files.wordpress.com/2015/01/ostrente.pdf

    • sascha313 schreibt:

      Danke, Günter. Das ist richtig! Vergeblich hatten sich die „Ostrentner“ gewünscht, die BRD-Regierung möge doch ein „Einsehen“ haben und eine Angleichung der Löhne und der Renten beschließen. Doch wer das bisher geglaubt hat, wurde längst eines „besseren“ belehrt. Übrigens: Seit wann gibt es auch für ein unterjochtes Volk eine Gleichstellungs-beauftragte? Und nicht mal die vermag irgendetwas zu verändern! Die sog. „Staatsbediensteten“ und die Mitarbeiter von Kriegsministerien gehörten im Kapitalismus schon immer zu den festen Stützen der Gesellschaft!

  2. Pingback: Das Recht auf Arbeit – ein Grundrecht | Sascha's Welt

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