Die Gründung der FDJ im Jahre 1946

fdjDie SMAD maß der Freien Deutschen Jugend große Bedeutung bei. Deshalb hielt es Sergej Tjulpanow, der Informationsoffizier der SMAD für notwendig, auf dem ersten Treffen der Jugend im Juni 1946 eine kurze Rede zu halten. Es war bekannt, daß einige einflußreiche reaktionäre Vertreter der CDU und der Geistlichkeit auf die Spaltung der einheitlichen Jugendbewegung hinarbeiteten, was sich aller Voraussicht nach in der Diskussion zu dieser Frage auf dem Treffen der Jugend niederschlagen würde. Gleichzeitig war es notwendig, klar und unmißverständlich die Positionen der SMAD und folglich auch deren Forderungen zu formulieren. Denn die SMAD trug für die Durchsetzung der Beschlüsse von Potsdam die Verantwortung.

Tjulpanow sagte: „Die Sowjetische Militärverwaltung hat der deutschen Jugend weitgehendstes Vertrauen entgegengebracht und bringt es ihr noch entgegen.“ Er erklärte, man wüßte wohl, daß „ein bedeutender Teil der deutschen Jugend betrogen worden war“, daß sie „durch Tand und Flitterkram, Trompeten, Wimpel und Fanfaren von der Erkenntnis abgelenkt wurde, daß hinter all diesem eine korrumpierte, räuberische Ideologie stand“, daß Millionen junge Deutsche in einem ungerechten Krieg auf den Schlachtfeldern ihr Leben lassen mußten. „Aber auch jetzt noch“, fuhr er fort, „gibt es in Deutschland wahnwitzige Komplizen dieses Baldur v. Schirach“ (des faschistischen Reichsjugendführers), „die versuchen, das neue, demokratische Deutschland frech herauszufordern. Diese Leute, die sich einbilden, die Helden zu sein, sind in Wirklichkeit nur die Vertreter einer hoffnungslos zerschlagenen Reaktion. Der Faschismus ist heute ein Trümmerhaufen.“

GründungDDrAuf die Erfolge des vergangenen Jahres und mit Nachdruck darauf eingehend, daß in der deutschen Jugend ein gesunder Kern steckt, der die erfolgreiche Vorwärtsentwicklung garantiert, sagte er: „Zweifellos ist Euer Weg nicht leicht. Die hitleristische Ideologie hat in dem Bewußtsein der deutschen Jugend tiefe Spuren hinterlassen. In Euren Ohren gellen noch die Phrasen von einem ‚deutschen Sozialismus‘ (dem sog. ‚Nationalsozialismus‘), von einer ‚Volksgemeinschaft‘, von der welthistorischen Bedeutung der ‚Herrenrasse‘ usw.“ Und weiter sagte Tjulpanow: „Wir wissen, daß Ihr schwer arbeiten müßt, um alles zu säubern, um eine demokratische Ideologie zu schaffen. Vor Euch liegt eine gewaltige Aufgabe. Ihr müßt vor allem die Einigkeit des demokratischen Deutschlands festlegen. Ihr müßt Eure Organisation festigen und alle Versuche, die Spaltung in Eure Reihen zu tragen, Zwietracht und gegenseitiges Mißtrauen zu säen, zunichte machen. Niemals wieder darf eine Jugendorganisation sich von der Reaktion, vom Militarismus, vom Monpolkapital oder vom Chauvinismus für die Ziele des Krieges ausnutzen lassen.“

„Niemals mehr“, sagte Tjulpanow, „darf die deutsche Jugend
das Werkzeug für einen räuberischen Krieg werden.“

BlaueFahnen„Die deutsche Jugend“, so sagte er, „muß einen neuen Weg in eine friedliche Zukunft finden. Denkt daran, was der große Goethe über die geistige, moralische und schöpferische Geschlossenheit des Menschen gesagt hat. Er sagte: ‚Der ist der glücklichste Mensch, der das Ende seines Lebens mit dem Anfang in Verbindung sehen kann.’ Ihr fangt ein neues Leben, ein großes politisches Leben an, und der Anfang spielt eine sehr bedeutende Rolle. Ein guter Beginn führt zu einem guten Leben, und ein schlechter Beginn führt zu einem schlechten Ende. Deshalb ist es heute besonders wichtig, von Anfang an den richtigen Weg zu finden.“

Quelle: vgl. Sergej Tjulpanow, Deutschland nach dem Kriege (1945-1949), Dietz Verlag, Berlin, 1987, S.215 ff.

Jugendfestival FDJ Berlin singegruppe

Für viele Jugendliche, die in der DDR aufwuchsen,
wird die Zeit in der FDJ unvergeßlich bleiben!

Begriffserklärung:
FDJ – Freie Deutsche Jugend; sozialistischer Jugendverband der DDR
SMAD – Sowjetisch-deutsche Militäradministration

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