Gehirnwäsche durch Fernsehen

tvWieviele Stunden verbringen Sie täglich vor dem Fernseher?  Welche TV-Sendungen bevorzugen Sie? Haben Sie den Eindruck, daß das Fernsehprogramm Ihre Meinungen und Ihren Lebensstil beeinflußt? Dann sollten Sie hier weiterlesen. Daß das Fernsehen, geschickt gehandhabt, das großartigste Instrument zur geistigen Manipulierung ist, braucht man der herrschenden Klasse nicht erst beizubringen. Konkurrenzlos ist das Fernsehen durch seine überragenden Möglichkeiten, den Bürgern das Denken abzugewöhnen. Dazu sind vielfältige Mittel geeignet. Darüber schreibt der Sozialpsychologe Horst Eberhard Richter folgendes…

1. Da ist das Ritual des Zwei-Minuten-Statements. Irgendein Anlaß regt das Publikum zum Fragen an. Warum randalieren die Autonomen? Woher kommt die Gorbimanie? Weshalb haben die Deutschen mehr Angst vor der Atomenergie als ihre Nachbarn? Stets ist ein Experte zur Hand, der in Minutenschnelle zwar nichts erklärt, aber ein oder zwei griffige Thesen deklamiert. Natürlich ist es ein ausgesuchter Prominenter, von dem die Redaktion vorher weiß, daß er sagen wird, was er sagen soll.

TV2Die Hauptsache, das Publikum hat auf der Stelle eine zudeckende Antwort und nicht länger Grund, sich und vielleicht noch andere mit unbequemen Grübeleien zu beschweren. Inzwischen steht ein Stamm solcher Statement-Experten zur Verfügung, die jedes Problem in zwei Minuten brillant wegdeuten: Spezialisten für Gene, Atome, Krawalle, Terrorismus, Hunger in Afrika – und Generalisten für Zeitgeist, Kulturkrise, Zukunft, Mythos, Apokalypse oder neues Denken.

2. Für die Beteiligung an geistiger Tätigkeit sind nur indifferente Fragen anzubieten: Raten von Berufen, Personen, Begriffen, historischen Fakten usw. Dabei werden die geistigen Werkzeuge, die zu eigentlichem Denken genutzt werden könnten, auf Spiele abgelenkt: Gedankenübungen als bloße Gedächtnis- und Geschicklichkeitstests, als unterhaltsames Fitneßtraining – weit weg von allen vitalen Problemen –, ein schöner Erfolg von Erziehung und Gewöhnung.

3. Zum kritischen Weiterdenken anregende Eindrücke lassen sich schnell wieder löschen durch Kontrastprogramme: Heinrich Böll zwischen Didi Hallervorden und Fußball, Südafrika-Apartheid zwischen Krimi und »Was isses«; fröhliche Werbung nach Massensterben im Sudan oder Ölpest in Alaska. Schnellverdrängung durch Programm-Mix.

4. Fast ohne eigene Anstrengung befreit das Fernsehen vom Denken bereits durch seine Punktualität. Es präsentiert nur das Jetzt und Hier. »Der Fernsehmensch schätzt Aktualität, nicht Geschichte«, sagt N. Postman. Das Medium zerhackt die Wirklichkeit gar nicht absichtsvoll. Aber die Überfülle seiner Bilder zwingt das Gehirn zu augenblicklichem Vergessen – es ist das effektivste aller Vergessens-Trainings überhaupt -, damit immer wieder ein Rest von Aufnahmekapazität gerettet wird.

TV4Die Süchtigkeit, mit der die endlosen Folgen der Seifenopern verfolgt werden, erklärt sich aus der Erholung von dem ratternden Stakkato der üblichen Momentaufnahmen. Hier wird mal die Kontinuität des Lebensflusses ein Stück weit in der Fiktion simuliert. Aber der Umgang des Mediums mit der Wirklichkeit ist geschichtslos. Mag der Minister vor der Kamera jeden Tag das gleiche oder etwas ganz anderes sagen – es ist ohne Belang. Es zählt ohnehin nur, was er heute sagt. Die Zuschauer müssen nicht mehr verfolgen, wie eins aus dem anderen hervorgeht, weil sie immer nur an der Spitze des Prozesses hängen und nicht mehr seine historische Linie erkennen, erst recht nicht seine Zielrichtung in die Zukunft- eine Art von synthetischem Alzheimer-Syndrom.

5. Einzuimpfen ist: Nach Wahrheiten zu suchen ist überflüssig, langweilig, unnötig anstrengend. Einfälle sind nur zum Werben, Überreden, Totreden und Siegen da. Wer schlägt wen in »Pro und Contra«, in Talk-Shows, in Politiker-Streitgesprächen?

6. Vorbild fürs Politikprogramm ist das Kommunikationsmuster der unverdorbenen Familie. Die Eltern-Politiker reden, die Kinder-Zuschauer hören zu. Die Politiker wissen selbstverständlich von vornherein, ohne sich danach zu erkundigen, was das Publikum bewegt. Und so lassen sie sich nur großzügig herbei, ihre fürsorglichen Entscheidungen zu vermitteln, zu verdeutlichen, verständlich zu machen (was infolge der Dummheit der Zuhörer-Zuschauer, wie Wahlen zeigen, nicht immer gelingt, weswegen künftig noch intensiver und länger verdeutlicht, vermittelt und verständlich gemacht werden muß).

7. Zweifeln, Ratlosigkeit, Kopfzerbrechen sollten nur bei einfachen Bürgern dargestellt werden, damit man sieht: Die brauchen Rat und Führung von oben. Angehörige der Machtelite sollten auf der Mattscheibe stets sattelfest mit fertigen Erkenntnissen und Strategien erscheinen. So werden sie als Vordenker akzeptiert, von denen man auf unterer Ebene nur hören muß, wo es lang geht.

TV3Also keine Live-Sendungen, bei denen Politiker unpräpariert mit unbequemen Fragen von Bürgern konfrontiert werden könnten. Journalisten, die Spitzenpolitiker live interviewen, haben in Auftreten, Körperhaltung und Fragestil hinreichende Ehrerbietung zu signalisieren, ihre Fragen vor der Aufnahme von den Interviewten absegnen zu lassen, Antworten mit dankbarem Kopfnicken zu bestätigen, skeptische oder gar kritische Nachfragen unbedingt zu unterlassen.

8. Merke: Bilder erlösen vom Denken, weil sie suggestiver und weniger anstrengend sind als Texte. Was die Leute sehen, glauben sie unmittelbar. Was sie hören, wollen sie mitunter doch noch im Kopf nachvollziehen, insbesondere wenn Redner sie durch ausführliche Gedankenketten und Begründungen dazu herausfordern. Also bediene man sich zum Einpflanzen von Meinungen guter Vereinfacher, die wenig aussagen, aber optisch so erscheinen, daß die Leute ihnen glauben, noch bevor sie den Mund aufmachen. Fernseh-Reagan hat praktisch nie etwas gesagt und trotzdem, vielmehr deshalb als künstliche Symbolfigur grandioser Väterlichkeit eine ganze Nation eingelullt.

Quelle: Horst Eberhard Richter, Die hohem Kunst der Korruption, Verlag Volk und Welt Berlin, 1990, S.229ff.

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3 Antworten zu Gehirnwäsche durch Fernsehen

  1. Samy Yildirim schreibt:

    Lieber Norbert,

    Mir fallen da der Roman „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury, 1966 von Francois Truffaut verfilmt, und der Film „They Live!“ (USA, 1988) ein.  In „Fahrenheit 451“ sind die Haeuser alle mit feuerfestem Plastik ueberzogen.Die Feuerwehr kommt nicht mehr, um Braende zu loeschen, sondern um sie zu legen. Buecher sind verboten. Sie werden verbrannt, sobald man sie entdeckt.Der Besitzer der Buecher wird gleich mit verbrannt. 451 Grad Fahrenheit ist 232 Grad Celsius, also die Temperatur, bei der Buecherpapier Feuer faengt und mit Brennen anfaengt. In „They Live!“ haben Ausserirdische die Welt im Griff. Ueberall gibt es Botschaften, die nur unterbewusst wahrgenommen werden:“Konsumiere!“ – „Gehorche!“ – „Keien eigenen Gedanken!“ – „Stelle die Autoritaeten niemals in Frage!“ – „Sieh fern!“Konsequenterweise sind es die Fernsehsender, die mit dem TV-Programm Strahlen aussenden, die dafuer sorgen, dass diese Botschafen nur unterbewusst wahrgenommen werden koennen.Eine Widerstandsbewegung hat Brillen entwickelt, die die Strahlung neutralisieren, sodass man nun sehen kann.Sie werden sls „Terroristen“ bezeichnet.Schliesslich gelingt es den Widerstaendlern, die Fernsehsender abzuschalten.Den Menschen gehen die Auge nauf. 

    Fiat Lux!

    Samy Yildirim Zaandam / Nordholland / Niederlande

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