Meinungsmanipulation im „Dritten Reich“

Meinung1Das Propaganda-ministerium war die höchste Regiezentrale für alle Fragen der Meinungs-manipulierung. Neben der direkten ideologisch-politischen Beeinflussung des deutschen Volkes und des Auslands hatte es z. B. auch alle kulturellen Angelegenheiten und die Wirtschaftswerbung zu lenken. In der Aufgabenstellung für das Propagandaministerium, „Werbung für Staat, Kultur und Wirtschaft“ zu betreiben, kam schon zum Ausdruck, wie eng die Interessen der Monopole und des Staates verschmolzen. Ein Ergebnis dieser Interessenverschmelzung im faschistischen Deutschland war die Entstehung einer umfangreichen staatsmonopolistischen Propagandamaschinerie. Sie setzte sich aus vier Hauptelementen zusammen: aus den Organen des Staatsapparates, denen der Nazipartei und ihrer Gliederungen, denen der Wehrmacht sowie den Propagandaeinrichtungen der Monopole.

Die Gleichschaltung der Medien

Alle diese Organe waren eng miteinander verflochten, arbeiteten Hand in Hand und ergänzten sich bei der zielgerichteten Meinungsmanipulierung. Kein Ereignis, keine Anordnung und keine Maßnahme blieb für Propagandazwecke ungenutzt. Rücksichtslos wurde gefälscht und gelogen, wurden wahre Zusammenhänge so verzerrt und entstellt, bis sie den Zielen der Irreführung der Bevölkerung entsprachen. Die umfangreiche Propagandamaschinerie machte es möglich, die offene und direkte politische Einwirkung auf die Menschen zu verflechten mit einem Netz getarnter Formen, so mit der materiellen Korrumpierung, der Reglementierung der Lebensweise und anderen.

200.000 Journalisten, Publizisten, Verleger und Künstler

Die Propagandamaschinerie erhielt nicht nur einen weitgespannten Aufgabenkreis, sondern auch weitreichende Kompetenzen. Dem Goebbelsministerium unterstanden rund 200.000 Journalisten, Publizisten, Verleger und Künstler. Eine Berufsausübung für sie war nur durch die Mitgliedschaft in einer der bald gegründeten Kammern (Reichsrundfunkkammer, Reichsschrifttumskammer, Reichsfilmkammer usw.) möglich. Alle einer antifaschistischen Gesinnung Verdächtigen wurden nicht aufgenommen und erhielten damit Berufsverbot. In der Praxis wurde durch die enge Zusammenarbeit zwischen dem Propagandaministerium mit der Gestapo und dem Sicherheitsdienst (SD) das brutale Wirklichkeit, was „Reichssendeleiter“ Hadamovsky theoretisch dargelegt hatte. Das Ministerium sprach die Verbote für „unerwünschte“ Bücher und Filme sowie für andere dem Naziregime nicht genehmen Bekundungen einer humanistischen und antifaschistischen Gesinnung aus und die Gestapo setzte sie durch.

Goebbels gibt die Richtung an

Meinung2Für die Rundfunksender war im Propagandaministerium die Abteilung Rundfunk die wichtigste Befehls- und Kontrollzentrale. Goebbels selbst maß von Anfang an dem Rundfunk als Medium zur Irreführung der Massen größte Bedeutung zu. Wenige Tage nach seiner Amtsübernahme erläuterte Minister Goebbels den Mitarbeitern des Rundfunks die kommenden Aufgaben, wobei er anknüpfend an das Wahlergebnis vom 5.März ausführte: „Der Rundfunk muß der Regierung die fehlenden 49% zusammentrommeln, und haben wir sie dann, muß der Rundfunk die 100% halten, muß sie verteidigen, muß sie innerlich so durchtränken mit den geistigen Inhalten unserer Zeit, daß niemand mehr ausbrechen kann.“

Die Wirkung seiner Rede

Diese Stelle im Manuskript des Redetextes hatte Goebbels mit seinem Grünstift, den er immer für Unterstreichungen und Signierungen zu gebrauchen pflegte, dick am Rande angekreuzt. Er hatte sich vorgenommen, an dieser und einigen anderen, nach seiner Meinung wichtigen Passagen, die Gesichter seiner Zuhörer aufmerksam zu fixieren und an den Gesichtsausdrücken und den Beifallsbekundungen ihre Bereitschaft zur Realisierung dieser Ziele abzulesen. Goebbels, der seine maßlose Eitelkeit immer aufs Neue zu befriedigen suchte, war diesmal angesichts des seinem Redefluß interessiert folgenden und ihm immer wieder Beifall spendenden Publikums besonders zufrieden. Goebbels sprach vom Rundfunk als einem „Diener am Volk“. Er bezeichnete ihn als „ein Mittel zur Vereinheitlichung des deutschen Volkes“. Der Rundfunk dürfe aber nicht wie in der Vergangenheit von „blassen Theorien“ leben, denn nur mit Hilfe „glutvoller Ideale“ könne man ein Volk erobern. Der Minister versuchte so, mit Hilfe der nationalen und sozialen Demagogie die Rundfunkmitarbeiter, die noch nicht völlig auf den Nazikurs eingeschwenkt waren, zu umgarnen. Wenn sie bereit waren, sich der Nazipartei anzuschließen und an der Irreführung der Bevölkerung sich zu beteiligen, dann waren sie, dachte Goebbels bei sich, als Helfer willkommen. Wenn nicht – nun es gab genug Möglichkeiten, Macht und Gewalt einzusetzen. Mit Nachdruck bekräftigte der Minister in seiner Rede, daß der Rundfunk nun geistig, willensmäßig und technisch auf einer Höhe stehen müsse, die dem „Erneuerungswillen“ der Regierung „würdig“ sei.

Fest in der Hand der Nazis

Meinung3Viele der Rundfunkmitarbeiter wurden willige Parteigänger der Nazis. Bei einem bedeutenden Teil war dieser Schritt überhaupt nicht mehr nötig – sie hatten ihn schon längst während des Faschisierungs-prozesses des Rundfunks in den letzten Jahren der Weimarer Republik getan. Andere, den Nazis Unliebsame, wurden entlassen. Einige verübten Selbstmord, weil sie keinen Ausweg mehr sahen. In kurzer Zeit war der Rundfunk fest in der Hand der Nazis und diente ihnen wie alle anderen Propagandamittel zur ständigen politisch-ideologischen Einwirkung auf die Bevölkerung. 12 Jahre lang wurde die faschistische Meinungsmanipulierung Tag für Tag, Stunde für Stunde praktiziert. Lüge und Heuchelei, Meinungsterror und Demagogie wirkten zusammen und umgarnten die Menschen, damit ihr Denken und Handeln zielgerichtet gelenkt werden konnte.

Der Imperialismus wird trotzdem untergehen

Aber so groß auch die Anstrengungen der faschistischen Propagandamaschinerie waren – die gesetzmäßigen Grenzen jeder imperialistischen Meinungsmanipulierung konnten auch sie nicht aufheben. Weder Terror noch Propaganda vermochten die von der KPD geführte antifaschistische Widerstandbewegung zu zerschlagen. (…) Die imperialistische Meinungsmanipulierung kann nur zeitweilig eine scheinbar feste Bindung der Massen an das imperialistische Regime erreichen. Sie kann auch nicht die historischen Gesetze außer Kraft setzen, die das höchste Stadium des Kapitalismus zu seinem letzten machen.

Quelle:
Klaus Scheel, Krieg über Ätherwellen, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin, 1970, S.56ff.

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3 Antworten zu Meinungsmanipulation im „Dritten Reich“

  1. Günter Hering schreibt:

    Seit 1945 funktioniert es in den Westsektoren / in der BRD auch ohne Reichspropagandaministerium ausgezeichnet. Die Methoden waren eingeübt, wurden und werden aktualisiert und durch die US-amerikanische psychologische Kriegsführung verfeinert. Und dann wundern sich die Herrschenden und ihre Medien, dass das tumbe Volk auf den Ausdruck „Lügenpresse“ kommt!

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