Hermann Matern: Erfahrungen der KPD

Matern

Hermann Matern (1893-1971)

Revolutionäre Wachsamkeit ist eine wichtige Sache. Wachsam sein gegenüber den Abweichungen vom Marxismus-Leninismus und wachsam sein gegenüber den Verlockungen des Kapitalismus, mit denen Teile der Arbeiterklasse gekauft werden, sich freiwillig dem Diktat der Ausbeuterklasse zu unterwerfen, wachsam sein gegenüber den Einschmeichlern und falschen Propheten der Bourgeoisie – das ist die wichtigste Eigenschaft eines Revolutionärs. Die Ausbeuterklasse wird niemals freiwillig auf ihre Privilegien und auf den Profit verzichten.  Den berechtigten Forderungen der Arbeiter wird sie immer feindlich gegenüberstehen. „Es gilt, mit der opportunistischen Vertrauensseligkeit Schluß zu machen, die von der falschen Annahme ausgeht, als ob der Feind in dem Maße, wie unsere Kräfte wachsen, immer zahmer und harmloser werde. Eine solche Annahme ist grundfalsch. …“ sagte Stalin, „Man darf nicht vergessen, daß die Kenntnis und Beherrschung der Geschichte unserer Partei das wichtigste Mittel ist, um die revolutionäre Wachsamkeit der Partei-mitglieder vollauf zu sichern.“ [1] Schon vor dem 1.Weltkrieg führte Ernst Thälmann einen erbitterten Kampf gegen die opportunistische Versumpfung der Gewerkschaftsbürokratie. Auch in der KPD gab es solche Erscheinungen. Der Hamburger Aufstand 1925 erlitt eine Niederlage, weil er isoliert blieb und weil die opportunistischen Parteiführer vor der Reaktion zurückwichen. Mit allen Mitteln versuchte der Gegner immer wieder, in die Reihen der Partei einzudringen und von da aus Zersetzungsarbeit zu leisten. Brandler, Thalheimer und Ruth Fischer waren damals solche feindlichen Kreaturen. Sie wurden aus der KPD ausgeschlossen. 1951 wies Genosse Hermann Matern darauf hin, daß es einigen Feinden gelungen war, die Partei zu täuschen. Die Rolle der Tito-Clique war eine harte und ernste Warnung. Doch es sollte noch schlimmer kommen: 1956 gelangte in der Sowjetunion mit Chruschtschow ein Verräter an die Spitze der Partei…

Der zielstrebige Kampf Ernst Thälmanns um eine klare Linie in der KPD

Neben seinem unversöhnlichen Kampf gegen die „Ultra-Linken“ vergaß Ernst Thälmann nicht eine Minute lang die Wachsamkeit gegenüber der rechten Gefahr. Er machte die Partei auf die rechte Gefahr aufmerksam und forderte von den Rechten die konsequente Einhaltung der Politik der Partei. Die Rechten stellten ihre Fraktionstätigkeit nie völlig ein und vertraten weiterhin ihre von der Parteilinie abweichende Politik. Als 1927 eine verstärkte politische und wirtschaftliche Offensive von Seiten der kapitalistischen Mächte gegen die Sowjetunion erfolgte, unterstützten sie das feindliche Lager gegen die Sowjetunion. Die Hauptfrage, in der die Rechten eine der Partei entgegengesetzte Politik vertraten, war die Einschätzung der relativen Stabilisierung des Kapitalismus.

Wie war die internationale Lage nach dem 1.Weltkrieg?

Auf dem VI. Weltkongreß der Komintern im Jahre 1928 wurde die internationale Lage einer genauen Analyse unterzogen. Bereits 1925 hatte Stalin die zwei verschiedenartigen Stabilisierungen (der kapitalistischen Staaten und der sozialistischen Sowjetunion) einander gegenübergestellt. Er hatte bereits damals gesagt, daß der Hauptunterschied dieser beiden Systeme darin besteht, daß die kapitalistische Stabilisierung auf Grund der dem Kapitalismus innewohnenden Widersprüche und der damit verbundenen ständigen Verschärfung der Gegensätze nur eine vorübergehende sein kann, während die Stabilisierung in der Sowjetunion gerade dazu dient, die noch bestehenden Schwierigkeiten im sozialistischen Aufbau zu überwinden und zu einer immer größeren Festigkeit und Stabilität des sozialistischen Systems zu kommen.

Der Imperialismus droht mit neuen Kriegen

Auf dieser Stalinschen Definition fußten auch die Beschlüsse des VI. Weltkongresses. Sie besagten, daß die allgemeine Nachkriegskrise des Kapitalismus in der gegenwärtigen Phase in ihre dritte Periode eingetreten sei, daß die relative Stabilisierung des Kapitalismus einen verfaulenden Charakter trage. Die Widersprüche im kapitalistischen System hatten sich bereits derart zugespitzt, daß neue Katastrophen auf der Tagesordnung standen. Der Kampf um den Weltmarkt und um die Rohstoffquellen wurde mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln geführt. Durch die kapitalistische Rationalisierung wurde die Arbeiterklasse unerhört ausgebeutet. Mit allen Kräften trieben die Kapitalisten zu neuen imperialistischen Kriegen, weil ihr Ausweg aus der drohenden Katastrophe der Krieg sein sollte.

Die Strategie der kommunistischen Partei

Es ist klar, daß die Kommunistischen Parteien ihre Strategie und Taktik entsprechend dieser Charakterisierung der Weltlage festlegen mußten. Die Hauptfrage war die Vorbereitung der Arbeiterklasse auf die kommende revolutionäre Situation. Die ständige weitere Festigung der Sowjetunion verschärfte die Ökonomische Lage der kapitalistischen Staaten. Alle imperialistischen Staaten sahen voll Wut und Haß auf die Sowjetunion, in der den Ausgebeuteten der ganzen Welt zum erstenmal bewiesen wurde, daß es ohne Kapitalisten und Junker besser geht.

Die Stellung der Sozialdemokratie zur Frage der Stabilisierung

Die Sozialdemokraten predigten die lange Dauer und Festigkeit der Stabilisierung des Kapitalismus. Nach ihren „Theorien“ steckte der Kapitalismus erst noch in den Kinderschuhen. Sie entwickelten die Theorie der „Wirtschaftsdemokratie“ als des Weges des friedlichen Hineinwachsens in den Sozialismus. Diese „Theorie“ bezweckte nichts anderes, als die Arbeiterklasse vom revolutionären Klassenkampf abzuhalten, sie von der wirklichen Politik ihrer kapitalistischen Regierungen abzulenken und sie zu einem willfährigen Werkzeug der Bourgeoisie zu machen. Sie vertieften die Spaltung der Arbeiterklasse und schlossen die revolutionären Arbeiter aus den Massenorganisationen, besonders aus den Gewerkschaften, aus.

Die Sozialdemokratie als Handlanger der Bourgeoisie

Auf dem VI. Weltkongreß wurde die Politik der rechten sozialdemokratischen Führer folgendermaßen charakterisiert:

„Im jetzigen Augenblick ist diese großangelegte klassen-spalterische Politik der reformistischen Führer, die nach dem Diktat der Bourgeoisie die besten revolutionären Elemente aus den proletarischen Massenorganisationen ausschließen, ein unzertrennlicher Bestandteil ihrer Arbeitsgemeinschafts- und Koalitionspolitik mit der Bourgeoisie, um auf diese Weise von vornherein die innere Geschlossenheit der proletarischen Kampfreihen und ihre Widerstandsfähigkeit gegen die Angriffe des Kapitals zu lahmen. Sie ist ein notwendiges Glied ihrer sozialimperialistischen Politik (ihrer Rüstungspolitik, ihrer Antisowjetpolitik und ihrer räuberischen Politik in den Kolonien).“ [2]

Damit charakterisierte Stalin die Rolle der sozialdemokratischen Führer als Agenten der Bourgeoisie in der Arbeiterklasse, als ihre soziale Stütze.

Die trotzkistische Plattform vergiftet die KPD mit „sozialdemokratischem Ideengerümpel“

1927 stellte die Kommunistische Partei auf dem Parteitag in Essen die neuen Aufgaben für den Kampf um die Gewinnung der Massen. Der Essener Parteitag bedeutete den Sieg über die trotzkistischen Elemente und war ein gewaltiger Schritt vorwärts in der Entwicklung der Partei zu einer Partei neuen Typus. Genosse Thälmann unterstrich besonders, daß die Kommunisten in verstärktem Maße in den Gewerkschaften aktiv arbeiten müssen, um die Gewerkschaften zu wirklichen Kampforganisationen zu machen und sie auf die großen Auseinandersetzungen und die revolutionären Kämpfe vorzubereiten. Der Parteitag gab die Losung heraus, die Gewerkschaften zu stärken und den Einfluß der rechten Gewerkschaftsführer zu brechen. Diese Politik der Stärkung und Aktivierung beantworteten die rechten Gewerkschaftsführer mit Massenausschlüssen und Spaltungsmaßnahmen. Ihre Absicht war, die Gewerkschaften immer mehr zum Anhängsel der Unternehmerverbände und zum „Schlichtungsverein“ zu machen. Sie wollten die Streikkämpfe der Arbeiterklasse durch die „Schlichtungspolitik des Staates“ ersetzen und predigten den Arbeitern, daß der Streikkampf Verluste bringe und daß die Schiedssprüche der Schlichtungsausschüsse und der Regierung für die Arbeiter vorteilhafter seien. Sie wollten die Klassenharmonie mit den Konzernherren. Darum schlössen die reformistischen Gewerkschaftsführer ganze Gewerkschaftsverbände aus den Gewerkschaften aus, wenn diese durch die Arbeit der Kommunisten zu wirklichen Kampforganen der Arbeiterschaft wurden.

Brandler damals: „Zwingt die Bonzen!“ – heute: „Umfairteilen!“

Die RGO (Revolutionäre Gewerkschafts-Opposition) hatte die Aufgabe, alle Kräfte einzusetzen, um die Gewerkschaften zu revolutionären Kampforganen zu machen. Die RGO war kein Gewerkschaftsersatz, sondern eine Zusammenfassung der aus den Gewerkschaften altsgeschlossenen und der in den Gewerkschaften arbeitenden oppositionellen Kräfte. Es kam darauf an, die Streikbrecherpolitik der reformistischen Gewerkschaftsführer zu zerschlagen und Streiks nicht von ihrer Zustimmung abhängig zu machen, denn das hätte bedeutet, auf Streiks um Lohn und Brot zu verzichten. Die organisierten und unorganisierten Arbeiter mußten ihre Streikkämpfe unter selbstgewählten Streikleitungen führen, um ihre Lebensinteressen zu verteidigen. Das war die Aufgabe der RGO. In dieser Situation stellten sich die Rechten offen gegen die Politik der KPD. Sie wollten Streikkämpfe nur führen, wenn die rechten Führer der Gewerkschaften zustimmten. Diese Politik hätte für die KPD bedeutet, auf die Führung der Arbeiterklasse zu verzichten. Die Losung der Brandleristen war: „Zwingt die Bonzen!“ Diese Losung hatte zum Inhalt, die Kommunistische Partei der Politik der reformistischen Gewerkschaftsführung zu unterstellen, die Interessen der Arbeiter zu verraten und auf Streikkämpfe zu verzichten.

Mit einer solchen Politik ist es natürlich unmöglich, die Gewerkschaften zu wirklichen Klassenkampforganisationen umzugestalten. Diese Politik bedeutet nichts anderes, als daß die Kommunistische Partei auf die Positionen der Sozialdemokratie herabsinkt und sich selbst liquidiert. Noch deutlicher wurde das Liquidatorentum der Rechten in ihrer Losung der „Produktionskontrolle in der gegenwärtigen Situation“. Das hieß mit anderen Worten: Produktionskontrolle der Arbeiter im kapitalistischen Staate, und war nur ein anderer Name für die sozialdemokratische „Wirtschaftsdemokratie“.

Die Kapitulanten hetzen vor allem gegen Stalin

Die Rechten traten offen mit ihrer reformistischen Plattform gegen die Partei auf und formierten schließlich selbständige Gruppen innerhalb der Partei. Nicht genug, daß sie durch ihre opportunistischen Ansichten die Partei bewegen wollten, die marxistisch-leninistischen Positionen zu verlassen – jetzt versuchten sie noch durch Fraktionskampf, die Einheitlichkeit und Geschlossenheit der Partei zu sprengen. Die Rechten hatten die engste Verbindung zu den rechten Kapitulanten in der KPdSU( B ), zu Bucharin und Konsorten, Sie lehnten, ebenso wie diese, die Möglichkeit des sozialistischen Aufbaus in der Sowjetunion ab, hetzten hinterhältig gegen die führende Rolle der Sowjetunion und vor allem gegen Genossen Stalin.

Vom Opportunismus zum Verrat

Es ist klar, daß diese Politik eine große Gefahr für die Festigkeit der Kommunistischen Partei bedeutete. Dieser Politik Vorschub zu leisten, ihr gegenüber Nachsicht zu üben, hätte bedeutet, die Kommunistische Partei aus einer revolutionären Arbeiterpartei in eine bürgerliche Arbeiterpartei zu verwandeln. Das war der Sinn der Politik der Rechten. „Die rechte Fraktion Brandler-Thalheimer führt den Kampf gegen die politische Grundlinie der Komintern und der RGI* und versucht, die Partei vom Wege der proletarischen Revolution auf den Weg des demokratischen Reformismus zu stoßen und an Stelle des Kampfes gegen die konterrevolutionäre Sozialdemokratie eine Annäherung an besonders ,linke‘ sozialdemokratische Führer zu vollziehen. Sie entwickelte sich vom Standpunkt des Opportunismus zum Standpunkt des Liquidatorentums und des Parteiverrats, und sie befindet sich heute in einer gemeinsamen Front mit den Feinden der proletarischen Revolution.“ [3] *RGI — Rote Gewerkschaftsinternationale

Genosse Stalin sagte über die Gefährlichkeit der rechten Abweichung:

„Der Sieg der rechten Abweichung in den kommunistischen Parteien der kapitalistischen Länder würde den ideologischen Zusammenbruch der kommunistischen Parteien und eine gewaltige Stärkung des Sozialdemokratismus bedeuten. Was heißt aber eine gewaltige Stärkung des Sozialdemokratismus? Es ist dies eine Stärkung und Festigung des Kapitalismus, denn die Sozialdemokratie ist die Hauptstütze des Kapitalismus in der Arbeiterklasse. Folglich würde ein Sieg der rechten Abweichung in den kommunistischen Parteien der kapitalistischen Länder zur Förderung der Vorbedingungen führen, die zur Erhaltung des Kapitalismus notwendig sind.“ [4]

Gibt es eine kapitalistische Stabilisierung?

Die parteifeindliche Politik der Rechten wurde durch die Versöhnler innerhalb der Kommunistischen Partei unterstützt. Sie entwickelten eine politische Plattform, in der sie als Hauptlinie zum „Kampf gegen zwei Fronten“ aufforderten und zwar gegen die Rechten und gegen den „falschen innerparteilichen Kurs der KPD“. Diese Plattform bedeutete in Wirklichkeit nichts anderes, als die Unterstützung der Politik der Rechten und die Politik des Kampfes gegen die revolutionäre Thälmannsche Führung der Kommunistischen Partei. Diese Plattform wandte sich gegen die Beschlüsse des VI. Weltkongresses und besonders gegen die Beschlüsse der deutschen Partei. Sie warfen dem Zentralkomitee und der Gesamtpartei vor, die Beschlüsse des VI. Weltkongresses falsch ausgelegt zu haben. Sie glaubten an die kapitalistische Stabilisierung für lange Zeit und erkannten deren Relativität nur formal an. Faktisch vertraten sie den Standpunkt der absoluten Stabilisierung des Kapitalismus und lehnten die Feststellung seines schwankenden und verfaulenden Charakters ab. Daraus ergab sich auch ihre Einstellung zur Sowjetunion und zu den konkreten Aufgaben der KPD. Sie unterschätzten die Kriegsgefahr und verneinten die Vorbereitungen der imperialistischen Staaten zu einem Krieg gegen die Sowjetunion. Deshalb erkannten sie auch nicht die zentrale Aufgabe für die KPD an, nämlich den aktiven Kampf gegen den imperialistischen Krieg, gegen den Faschismus und für die Verteidigung der Sowjetunion zu führen. Darin kam ihr sowjetfeindlicher Charakter offen zum Ausdruck. Auch sie machten in „Wirtschaftsdemokratie“. Ihre Forderung war: „Enteignung und Nationalisierung der Truste, der Banken und des Großgrundbesitzes im Rahmen des kapitalistischen Staates“. Was solch eine Enteignung und Nationalisierung bedeutet, zeigt uns am besten die Verstaatlichung der englischen Kohlengruben und Eisenbahnen.

Der Ruhrkampf bewies: Einheitsfront der Arbeiter ist möglich!

Die Zusammenarbeit zwischen Rechten und Versöhnlern gegen die Linie der Partei kommt am klarsten in den großen wirtschaftlichen Kämpfen der Arbeiter des Ruhrgebiets während der Weltwirtschaftskrise (1929 bis 1932) zum Ausdruck. Hier führte die Partei erstmalig in großem Rahmen ihre Aufgaben im Sinne der Zusammenschweißung der Arbeiterfront m der Praxis durch. In diesem gewaltigen Ruhrstreik organisierte die Partei, gegen den Willen der reformistischen Gewerkschaftsführer, Streikkomitees und führte den Kampf mit den organisierten und unorganisierten Arbeitern unter selbstgewählten Streikleitungen. Der Ruhrkampf bewies, daß die Arbeiterklasse geeint werden kann, wenn eine zielklare Führung vorhanden ist, die es versteht, die Arbeitermassen über die Ziele aufzuklären, sie für diese Ziele zu mobilisieren und die richtigen Kampfformen zu finden.

Der Kampf der KPD um prinzipielle Klarheit und Konsequenz

Die Brandler-Anhänger fielen der Partei in diesen Kämpfen offen in den Rücken, paktierten mit den reformistischen Gewerkschaftsführern und fanden stärkste Unterstützung bei den Versöhnlern. Angesichts dieser Lage war die Partei gezwungen, den Kampf gegen die Rechten und Versöhnler mit aller Entschiedenheit zu führen. Mit prinzipieller Klarheit und Konsequenz ging die Partei an diese Aufgabe. Die Partei hatte nach der Liquidierung der „Ultralinken“ stark an Einfluß unter den Massen gewonnen. Zur weiteren Steigerung des Masseneinflusses war es nötig, daß die rechte Gefahr und das Versöhnlertum innerhalb der Partei liquidiert und Ihr Einwirken auf die Massen unschädlich gemacht wurden.

Es geht um die Existenz der Partei

Genosse Stalin charakterisierte die Situation in der Partei folgendermaßen:

„Es handelt sich nicht nur um Rechte oder Versöhnler, sondern um die Existenz der deutschen Kommunistischen Partei selbst. Wir haben die Kommunistische Partei. Aber neben und innerhalb der deutschen Kommunistischen Partei gibt es zwei Kräfte, die die Partei von innen zersetzen und Ihre Existenz bedrohen. Dies Ist erstens die Fraktion der Rechten, die innerhalb der Kommunistischen Partei eine neue, antileninistische Partei mit ihrer eigenen Zentrale, mit ihren eigenen Presseorganen organisiert und die Disziplin der Partei tagaus tagein verletzt. Dies ist zweitens die Gruppe der Versöhnler, die mit ihren Schwankungen die Fraktion der Rechten stärkt.“ [5]

Die verlogene Wittorf-Affäre

Die Rechten traten immer offener als Parteifeinde auf. Gemeinsam mit den Versöhnlern unternahmen sie den ungeheuerlichen Versuch, die Führung der Partei zu erlangen, indem sie eine Verleumdungskampagne gegen Genossen Thälmann starteten. Mit verlogener moralischer Entrüstung versuchten sie ihre Fraktionen innerhalb der Partei zu stärken und wurden zu einer ernsthaften Gefahr für die Partei. Es gelang ihnen auf schmutzige Weise, Genossen Thälmann für ganz kurze Zeit aus der Führung des ZK zu drängen. Dazu diente ihnen der sogenannte Fall Wittorf. Dieser, ein leitender Funktionär in Hamburg, hatte sich Unterschlagungen von Parteigeldern zuschulden kommen lassen und war unnachsichtig aus der Partei ausgeschlossen worden. Die Rechten brachten unter der stärksten Unterstützung der Versöhnler diese Affäre mit Genossen Thälmann in Verbindung und hatten mit ihren ungeheuerlichen Anschuldigungen tatsächlich für kurze Zeit Erfolg.

Die Feinde der Partei beschuldigten Ernst Thälmann der Unterschlagung

Erst durch den Eingriff des Genossen Stalin wurde der Sachverhalt richtiggestellt, wurden die wahren Absichten dieser parteifeindlichen Agenturen, wurde der Angriff auf die Linie des VI.Weltkongresses entlarvt. In der Sowjetunion verbreitete die Bucharin-Bande die gleichen Verleumdungen, um die Bemühungen ihrer Kreaturen in Deutschland um die Absetzung des Genossen Thälmann aktiv zu unterstützen.

„Wittorf ist der frühere Sekretär der Hamburger Organisation, der der Veruntreuung von Parteigeldern beschuldigt wurde. Er wurde deswegen aus der Partei ausgeschlossen. Die Versöhnler im Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Deutschlands nutzten die nahe Bekanntschaft Wittorfs mit Genossen Thälmann aus – obwohl Genosse Thälmann nichts mit dem Verbrechen Wittorfs zu tun hatte –, um die Sache Wittorf in eine Sache Thälmann zu verwandeln, und versuchten, die Führung der Kommunistischen Partei Deutschlands zu stürzen. Sie entfernten Thälmann von der Führung, beschuldigten ihn der Korruption und veröffentlichten eine ,entsprechende‘ Resolution ohne Wissen und Sanktion des Exekutivkomitees der Komintern. Auf diese Weise ergab sich faktisch statt einer Durchführung der Direktive des VI. Kongresses der Kommunistischen Internationale über den Kampf gegen das Versöhnlertum, statt eines Kampfes gegen die rechte Abweichung und das Versöhnlertum die gröbste Verletzung dieser Direktive, ergab sich ein Kampf gegen die revolutionäre Führung der Kommunistischen Partei Deutschlands, ein Kampf gegen den Genossen Thälmann, ein Kampf, der.die Bemäntelung der rechten Abweichung und die Festigung des Versöhnlertums in den Reihen der deutschen Kommunisten bezweckte.“ [6]

Mit Hilfe des Genossen Stalin wurde dieser Angriff zerschlagen, wurden die Rechten und Versöhnler entlarvt und der parteizersetzenden Arbeit überführt. Die Rechten Brandler, Thalheimer, Walcher und andere wurden im Dezember 1928 aus der Partei ausgeschlossen.

Quelle:
Hermann Matern, „Die Rolle Ernst Thälmanns bei der Schaffung der revolutionären Massenpartei der Arbeiterklasse“, Dietz Verlag Berlin 1951, S.22-31. (Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

Zitate:
[1] Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki), Kurzer Lehrgang, Dietz Verlag Berlin, 1951, S.408f.
[2] „Thesen und Resolutionen des VI. Weltkongresses der Kommunistischen Internationale“,
„IV. Der Klassenkampf, die Sozialdemokratie und der Faschismus.“
[3] Aus der Resolution der Reichsparteikonferenz der KPD vom 3. November 1928.
[4] J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, Dietz Verlag, Berlin 1951, S.250.
[5] J.W. Stalin, Werke, Bd.11, S.301/302, russ.
[6] J. Stalin, „Fragen des Leninismus“, S.272.

Siehe auch:
KPD – Die Kommunistische Partei
Hermann Matern: Bedingungen für eine neue KPD
Die ideologische Offensive der KPD
Die Lehren aus dem Hamburger Aufstand

Nachbemerkung:
Man muß zugeben, daß Stalin damals recht hatte. Seine Vorhersagen sind in vollem Umfang eingetreten. Durch die Einverleibung der sozialistischen Länder konnte sich der Kapitalismus erneut stabilisieren. Thälmann und Stalin wurden ermordet, ihre Warnungen mißachtet und die revolutionäre Wachsamkeit der Kommunisten ließ nach. Der Virus des Revisionismus war in das Herz eingedrungen und hatte die gesunden Abwehrkräfte zum Erliegen gebracht. Das Volk ließ sich beirren, die Menschen gingen den falschen Propheten auf den Leim. Natürlich war die Versuchung groß, denn das Geld schien auf der Straße zu liegen. Ergeben fügte das Volk sich in sein Schicksal. Und so verlief die Konterrevolution in den vormals sozialistischen Ländern fast ohne Blutvergießen. Doch nach wie vor gilt das, worauf auch Lenin schon hinwies: Der Imperialismus ist parasitärer, verfaulender Kapitalismus – und wir befinden uns in der Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus, sozusagen am „Vorabend der Revolution“, von der wir natürlich nicht wissen, wann und wo sie stattfinden wird. Doch das ist ein neues Thema…

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