Die Oktoberrevolution in Rußland 1917

BürgerkriegIm Herbst 1917 siegte in Rußland die sozialistische Revolution. In den 20er, 30er und 40er Jahren waren im Westen Behauptungen im Umlauf, die Oktoberrevolution sei ein zufälliges Ereignis, das Ergebnis eines verhängnisvollen Zusammentreffens von Umständen und müsse auf einzelne Fehler einzelner Personen sowie auf Handlungen einer kleinen Verschwörergruppe mit Lenin an der Spitze zurückgeführt werden. Solche Behauptungen sind auch heute in vielen Lehrbüchern und populären Broschüren zu finden. Renommierte Historiker und Publizisten aber vertreten einen anderen Standpunkt. Heute zweifelt praktisch niemand mehr daran, daß die Oktoberrevolution historisch bedingt, ja unausbleiblich war, daß viele Millionen Menschen an ihr aktiv teilgenommen haben.

Die erste sozialistische Revolution der Welt

In 12 Jahren kam es in Rußland zu drei Volksrevolutionen — der Revolution von 1905-1907, der Februar (März-)revolution von 1917 und der Oktoberrevolution von 1917. Schon allein das ist ein Beweis dafür, daß die revolutionären Umgestaltungen historisch bedingt waren. Im vorrevolutionären Rußland waren die tiefen Widersprüche des Monopolkapitalismus (das Land war zu jener Zeit gerade in dieses Stadium eingetreten) eng mit jenen des feudalen Großgrundbesitzes verflochten. Rußland hatte 1917 bereits ein mittleres kapitalistisches Entwicklungsniveau erreicht, aber zahlreiche Überreste der rückständigen, mittelalterlichen Verhältnisse behalten. Und diese machen das Leben des Volkes noch schwerer. Deshalb trat die Mehrheit der Bevölkerung für eine revolutionäre Umgestaltung der Gesellschaft ein.

Die Arbeiterklasse und die Bauern in Rußland

Die Arbeiterklasse, die etwa 15 Prozent der Bevölkerung bildete, war einer brutalen Ausbeutung ausgesetzt und politisch rechtlos. Ihre Entschlossenheit zum revolutionären Kampf bewiesen zahlreiche Massenaktionen, die mit jedem Jahr größere Ausmaße annahmen. Die werktätigen Bauern, die zusammen mit den Gewerbetreibenden und Handwerkern fast 70 Prozent der Bevölkerung ausmachten, litten unter ihrer akuten Landarmut. 10,5 Millionen Bauernwirtschaften verfügten insgesamt über dieselbe Bodenfläche wie die 30.000 Gutsbesitzer. Der jahrelange ununterbrochene Kampf der Bauern um mehr Land gestaltete sich zu Massenaktionen gegen die Gutsbesitzer und die Regierung. Im 20. Jahrhundert erfuhren die kapitalistischen Verhältnisse auf dem Lande eine rasche Entwicklung. Es bildete sich eine Dorfbourgeoisie (das Kulakentum) heraus, die die armen Bauern ausbeutete. Die werktätigen Bauern erhoben sich immer entschlossener zum Kampf nicht nur gegen die Gutsbesitzer, sondern auch gegen die Dorfbourgeoisie.

Die unterschiedlichen Nationalitäten in Rußland

Rußland war ein multinationaler Staat. Etwa die Hälfte der Bevölkerung bestand aus nichtrussischen Nationalitäten und Völkerschaften, oder, wie sie verächtlich genannt wurden, aus „Anderstämmigen“. Zur sozialen Ungleichheit kam in diesem Fall noch die nationale, die wirtschaftliche Unterdrückung wurde durch eine moralisch-psychologische verschärft. Der Kampf für die nationale Gleichberechtigung und die nationale Würde verschmolz mit dem Kampf für die soziale Befreiung. Deshalb wurde das russische Proletariat von allen Völkern Rußlands unterstützt, waren doch seine Ziele allen nah und verständlich.

Auswirkungen des 1. Weltkriegs auf Rußland

Die Ziele des ersten Weltkrieges aber, der 1914 begann, waren dem Volk fremd. Dieser Krieg zwischen England, Frankreich, Rußland und den USA einerseits und Deutschland, Österreich-Ungarn und der Türkei andererseits, war von beiden Seiten ein räuberischer imperialistischer Krieg. Er löste bei der überwiegenden Mehrheit des Volkes große Unzufriedenheit und einen allgemeinen Wunsch nach Frieden (besonders bei den Soldaten) aus. Der Krieg verschärfte alle Widersprüche der alten Ordnung und brachte sie zum Vorschein.

Durch den Sturz der Selbstherrschaft während der Februar (März-)revolution von 1917, durch die Abdankung des letzten russischen Zaren Nikolaus II. und den Machtantritt der bürgerlichen Provisorischen Regierung wurden die brennenden Probleme des Landes nicht gelöst. Der Krieg ging weiter, seine Last wurde mit jedem Tag schwerer. Die Provisorische Regierung weigerte sich, das Land der Gutsherren den Bauern zu übergeben. Nichts wurde getan, um die Lage der Arbeiter zu erleichtern. Die Bourgeoisie dagegen erhielt neue Vergünstigungen und weitere Rechte. Auch die nationale Frage wurde nicht gelöst. Millionen Werktätige der nichtrussischen Nationalitäten blieben weiterhin rechtlos. Deshalb griff die Volksbewegung im Jahre 1917 rasch um sich. Ihre einzelnen Richtungen — die Unzufriedenheit der Massen mit dem Krieg, der Kampf um demokratisehe Rechte und Freiheiten, der Kampf der Bauern um Land, das Streben der unterdrückten Nationalitäten nach Gleichberechtigung und der Kampf der Arbeiterklasse gegen die kapitalistische Ordnung — flössen zu einem einheitlichen Strom zusammen. Sie vereinigten sich unter der Fahne der sozialistischen Revolution, denn nur sie allein konnte die herangereiften Widersprüche lösen.

Lenin und der Kampf um die Macht

Lenin und die Bolschewiki traten 1917 für einen friedlichen Entwicklungsweg der Revolution ein. Sie wollten — und dafür gab es auch reale Voraussetzungen — über das System der Sowjets, die die Interessen des Volkes vertraten, fortschrittliche Umgestaltungen durchsetzen und die Macht an das Volk übergeben.

Die Bourgeoisie und die Gutsbesitzer, die den Zaren abgelöst hatten, gingen jedoch nicht darauf ein. Sie vereitelten alle Initiativen, die den Interessen des Volkes entsprachen, und waren nicht gewillt, die Macht an die Sowjets abzutreten, obwohl die Losung „Alle Macht den Sowjets!“ allgemein Unterstützung fand. Sie weigerten sich, den Bauern Land zu geben, und entsandten Strafabteilungen in die Dörfer. Sie lehnten die Forderungen der Arbeiter nach Errichtung der Arbeiterkontrolle über die Produktion ab, indem sie Streiks niederschlugen, Aussperrungen durchführten und die Produktion desorganisierten. Ebenso wie in der Zarenzeit genossen die nichtrussischen Völker keinerlei Gleichberechtigung. In den nationalen Gebieten schaltete und waltete nach wie vor der alte Kolonialapparat.

Der russische Adel und die russische Bourgeoisie legten weder Realismus noch Flexibilität an den Tag. Ihre politischen Führer bewiesen ebenso wie jene der kleinbürgerlichen Parteien ihr völliges Unvermögen, das entstandene Klassenkräfteverhältnis richtig einzuschätzen. Sie blieben dem Alten blind treu und glaubten an die Unerschütterlichkeit der bürgerlichen Ordnung. Deshalb mußte die volksfeindliche Macht in Rußland durch einen bewaffneten Aufstand gestürzt werden.
Lenin

Die Oktoberrevolution hat gesiegt

Am 25. Oktober (7. November) 1917 bekräftigte der II. Gesamtrussische Sowjetkongreß, dem Willen der überwiegenden Mehrheit der Werktätigen Rußlands entsprechend, den Sieg der Revolution und proklamierte die Errichtung der Sowjetmacht. Das Volk, das die Revolution vollbracht hatte, ging begeistert an den Aufbau des neuen Lebens. Jahrhundertelang benutzten die Ausbeuter ihre Staatsmaschinerie, um die Werktätigen im Zaun zu halten. Die Armee, die Polizei, die Gerichts- und Machtorgane dienten 1917 nach wie vor den herrschenden Schichten Rußlands — dem Adel und der Bourgeoisie. Diese Staatsmaschinerie war in kurzer Zeit gestürzt worden. An ihre Stelle traten sowohl im Zentrum als auch an der Basis die demokratischen Volksmachtorgane — die Sowjets der Arbeiter-, Bauern- und Soldaten- (später der Rotarmisten-) deputierten.

Übernahme der Macht durch die Sowjets

Auf dem Lande wählten die werktätigen Bauern die Dorfsowjets. Aus den Industriebetrieben, Ämtern und Truppenteilen entsandten die Arbeiter, Angestellten und Rotarmisten ihre Deputierten in die Stadtsowjets. Regelmäßig wurden Sowjetkongresse einschließlich der Gesamtrussischen einberufen. An den Wahlen in die örtlichen und zentralen Machtorgane beteiligte sich die gesamte werktätige Bevölkerung.

Im November 1917 wurde durch ein Dekret der Sowjetregierung (des Rates der Volkskommissare) in allen Fabriken und Werken die Arbeiterkontrolle eingeführt. Dann ging der Sowjetstaat zur Nationalisierung einzelner Betriebe über. Am 1. Juni 1918 waren bereits über 500 große kapitalistische Fabriken und Werke verstaatlicht. Am 28. Juni unterzeichnete W.I.Lenin das Dekret des Rates der Volkskommissare über die allgemeine Nationalisierung der Großindustrie, der Banken und des Verkehrswesens.

In den nationalisierten Betrieben wurden Werkverwaltungen gebildet, die aus Arbeitern, Vertretern der Gewerkschaften und Spezialisten bestanden. Durch die Abschaffung des gutsherrlichen Eigentums an Grund und Boden löste die Oktoberrevolution mit einem Schlag die Bodenfrage. Entsprechend dem Dekret über den Grund und Boden wurden mehr als 150 Millionen Hektar Land, das gesamte Vermögen der Gutsbesitzer, alle Krön-, Kloster-und Kirchenländereien entschädigungslos enteignet und den Arm- und Mittelbauern übergeben.

Das alte Rußland, das mit Recht als „Völkergefängnis“ galt, existierte nicht mehr. In der Deklaration der Rechte der Völker Rußlands verkündete die Sowjetmacht die volle Gleichberechtigung der Völker. Die Arbeiter und Bauern der großen und kleinen Völker Rußlands gingen an die Bildung gleichberechtigter sozialistischer Sowjetrepubliken.

In den Städten zogen Arbeiter aus ihren Elendsquartieren in die guten Wohnungen der Bourgeois, höheren Beamten und nichtwerktätigen Elemente um. Die ärztliche Betreuung der werktätigen Bevölkerung wurde unentgeltlich. Die Sowjetregierung ging an die Verwirklichung der Arbeitsgesetzgebung, die den Achtstundentag und die Sozialversicherung garantierte.

Große Veränderungen waren auch im geistigen Leben zu verzeichnen. Die Errungenschaften der Kultur, Wissenschaft, Technik, Kunst und Literatur wurden dem werktätigen Volk zugänglich gemacht. Der Schulunterricht wurde unentgeltlich und in der jeweiligen Muttersprache erteilt. Die Beseitigung des Analphabetentums unter der erwachsenen Bevölkerung wurde in Angriff genommen.

Die Errungenschaften der Revolution fanden in der ersten sowjetischen Verfassung ihren Niederschlag. Sie wurde am 10. Juli 1918 vom V. Gesamtrussischen Sowjetkongreß angenommen.

Die Konterrevolution schläft nicht

Intervention

Vom Feind umzingelt – Rußland 1918

Das friedliche Leben der jungen Sowjetrepublik wurde jedoch unterbrochen, kaum daß es begonnen hatte. Die entmachteten sozialen Schichten und gesellschaftspolitischen Gruppen, die vorher reich und privilegiert gewesen waren, begannen einen hartnäckigen Kampf gegen die siegreiche Revolution. […] Hier muß betont werden, daß die Sowjetmacht auch nach dem Sieg der Revolution keineswegs bestrebt war, alles Alte sofort und schonungslos zu zerstören und die Vertreter dieses Alten zu liquidieren. Selbstverständlich verzichtete sie dabei nicht auf die Programmziele der kommunistischen Partei. Selbstverständlich kam ein Kompromiß mit den Gutsbesitzern über den Boden überhaupt nicht in Frage. Selbstverständlich wurde die sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft angetrieben. Selbstverständlich mußte der alte Staatsapparat der Gewalt und Unterdrückung der Werktätigen zerstört werden, was schließlich auch getan wurde. Der neue, auf der Grundlage der Sowjets entstandene Staatsapparat hatte die Interessen der Werktätigen, nicht aber der Ausbeuter zu verteidigen. Der neue Staat hatte die Absicht, die sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft schrittweise zu vollziehen, und beeilte sich nicht mit der Nationalisierung der Industriebetriebe (die allgemeine Nationalisierung begann erst im Sommer 1918).

Unter anderem war eine weitgehende Ausnutzung des sogenannten Staatskapitalismus (Gründung sowjetischer Aktiengesellschaften unter Beteiligung des Privatkapitals, Entwicklung von Konzessionen sowie Verpachtung einzelner staatlicher Fabriken und Werke an Privatunternehmer) vorgesehen. Wie W.I.Lenin schrieb, beabsichtigte man, „…den Übergang zu den neuen gesellschaftlichen Verhältnissen sozusagen mit der größten Anpassung an die damals bestehenden Verhältnisse, nach Möglichkeit schrittweise und ohne gewaltsame Eingriffe zu vollziehen.“ [1]

Wie verhielt sich die Bourgeoisie?

Die russische Bourgeoisie lehnte jedoch diese Vorschläge ab. Sie war kategorisch gegen jede Initiative der Sowjetmacht. Von Anfang an verfolgte sie ihren schonungs- und kompromißlosen Kurs auf die Vernichtung der Sowjetrepublik. Das veranlaßte den Sowjetstaat, die sozialistischen Umgestaltungen zu forcieren und die Zerschlagung des Alten entschiedener, schneller und umfassender voranzutreiben. Wir wollen damit keineswegs behaupten, daß eine ruhige Entwicklung der Revolution und eine störungsfreie Verwirklichung der revolutionären Umgestaltungen möglich gewesen wäre. All das konnte ohne eine Beeinträchtigung der Interessen der früher herrschenden Klassen nicht durchgeführt werden. Selbstverständlich hätten diese Klassen in jedem Fall für das „Ihre“ gekämpft und es bis zur kleinsten Privatbank gegen die Staatsmacht verteidigt.

Es gibt kaum eine Revolution, bei der die gestürzte Klasse nicht um die Erhaltung ihrer Herrschaft gekämpft hätte. Die Ausmaße, der Charakter, die Dauer und Hartnäckigkeit des Widerstandes sind jedoch in verschiedenen Ländern unterschiedlich. Dieser Widerstand muß sich nicht unbedingt zu einem Bürgerkrieg ausweiten.

Besonders hartnäckigen Widerstand gegen die siegreiche sozialistische Revolution leisteten die Ausbeuter in Rußland, wo es zu einem langwierigen Bürgerkrieg kam. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, daß Rußland das erste Land war, in dem die Macht der Werktätigen errichtet wurde. Hier spielte der psychologische Faktor eine große Rolle. Da alle früheren Versuche der Arbeiterklasse, die Macht an sich zu reißen, erfolglos geendet hatten, waren die konterrevolutionären Kräfte davon überzeugt, daß sie auch diesmal früher oder später ihren Willen durchsetzen würden. Zweitens war Sowjetrußland der einzige Arbeiter-und-Bauern-Staat der Welt und bekam keinerlei staatliche Unterstützung von außen. Die Konterrevolution dagegen erhielt von den mächtigsten kapitalistischen Ländern allseitige Hilfe. Gerade durch diese Hilfe, die sich zu einer direkten militärischen Invasion, zu einer antisowjetischen militärischen Intervention auswuchs, wurde der Bürgerkrieg in Rußland besonders heftig und hartnäckig.

Welche Schlußfolgerungen können wir heute daraus ziehen?

  • Revolutionen sind gesetzmäßig. Es findet sich wohl kaum ein Land, in dessen Geschichte es keine Revolution gegeben hätte. Eine Revolution ist nicht das Ergebnis des Willens einzelner Personen. Sie ist ein Ausdruck herangereifter Bedürfnisse und spiegelt die Widersprüche in der Entwicklung der Gesellschaft wider. Wenn diese objektiv entstandenen Widersprüche und Bedürfnisse nicht auf eine andere Weise gelöst werden, kommt es zu einer Revolution. So — das zeigen die Erfahrungen der Geschichte — verläuft die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft.
    Die Revolution stößt immer auf den Widerstand der alten, überlebten Kräfte, die den Sieg des Neuen zu verhindern suchen und für die Erhaltung ihrer Herrschaft kämpfen. Davon, in welchem Maße die alten Kräfte Widerstand leisten, hängt es ab, wie hart und erbittert der Kampf wird. So war es in den früheren Epochen, so ist es auch beim Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus.
  • Klassenharmonie gibt es nicht! Wie die Theorie besagt und die Praxis zeigt, kann dieser Übergang auch ohne Bürgerkrieg erfolgen. Aber der Widerstand der gestürzten Ausbeuterklassen ist unausbleiblich. Eine Klassenharmonie ist unmöglich, es kann keine idyllische Ablösung des Kapitalismus durch den Sozialismus geben. Die Bourgeoisie leistet erbitterten Widerstand, und seine Formen sind mannigfaltig. Es ist aber durchaus denkbar, daß sich in einem Lande, daß sich im internationalen Maßstab ein solches Kräfteverhältnis herausbildet, das es der Bourgeoisie unmöglich macht, einen Bürgerkrieg zu entfesseln. (Das ist vor allem durch die Entstehung und Festigung des Sowjetstaates, durch die Entstehung und Festigung des sozialistischen Weltsystems möglich geworden.)
  • Gewaltsamer Sturz der bürgerlichen Herrschaft. In Rußland aber konnte der Weg der sozialistischen Revolution infolge der Umstände, von denen wir schon gesprochen haben, nicht friedlich sein. Der Sturz der Herrschaft der Bourgeoisie erfolgte gewaltsam, und der darauffolgende Kampf weitete sich zu einem Bürgerkrieg aus. Dieser Krieg nahm jedoch nur infolge der ausländischen Einmischung einen so hartnäckigen und langwierigen Charakter an. Die ausländische Intervention hatte keinerlei juristische oder moralische Rechtfertigung, sondern war zweifellos eine reaktionäre Aktion, die sich gegen den Fortschritt richtete und die alte, morsche Ordnung zu schützen trachtete. Sie war ein Versuch, das Rad der Geschichte zurückzudrehen.
  • Reaktionäre Kräfte und feindliche Interventen. Die Intervention bedeutete eine grobe Verletzung der Souveränität Rußlands, eine rücksichtslose Einmischung in seine inneren Angelegenheiten und stellte ein krasses Beispiel für den „Export der Konterrevolution“ dar. Die Intervention forderte zahlreiche Opfer und hatte ungeheure Verluste zur Folge. Um die von den Interventen und Weißgardisten zerstörte Volkswirtschaft wiederherzustellen, waren mehr als 5 Jahre, eine ganze historische Etappe notwendig. Somit waren die Hauptkräfte der Völker Rußlands im Laufe von mehr als 8 Jahren auf den Kampf gegen die feindliche Invasion und auf die Beseitigung ihrer Folgen gerichtet.
  • Bilanz der Bürgerkrieges in der Sowjetunion. Man braucht wohl nicht extra zu beweisen, wie sehr dadurch der weitere sozialistische Aufbau und die gesamte Entwicklung des Sowjetlandes behindert und gebremst wurde. Die Bilanz des Bürgerkrieges ist lehrreich und wichtig. Sie zeigt, daß die junge Sowjetrepublik im Kampf gegen die vereinten Kräfte der inneren Konterrevolution und der internationalen Reaktion den Sieg davontragen konnte.
  • Die proletarische Revolution war erfolgreich. Der Versuch, den Arbeiter-und-Bauern-Staat und die Errungenschaften der Oktoberrevolution auf militärischem Weg zu vernichten, endete mit einem totalen Mißerfolg. Und dies kann wohl kaum als Zufall bezeichnet werden. Der Bürgerkrieg ist in die Geschichte des Landes eingegangen und im Gedächtnis des Volkes geblieben. Er hat in Millionen von Menschen das Bewußtsein ihrer Stärke und die Überzeugung von der Richtigkeit jener Sache gefestigt, für die sie gekämpft und die sie erfolgreich verteidigt haben.

[1] W.I.Lenin, Werke, Bd.33,S.72

Quelle:
Juri Poljakow, Bürgerkrieg in Rußland, Ursachen, Charakter und Bedeutung
APN-Verlag, Moskau 1981

Anmerkung:
Die Vernichtung der UdSSR auf militärischem Wege war tatsächlich nicht möglich. Statt dessen wurden die revolutionären Errungenschaften durch den „friedlichen“ Revisionismus zerstört. Die Zahl der Opfer geht inzwischen auch in die Hunderttausend…

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2 Antworten zu Die Oktoberrevolution in Rußland 1917

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