Die Unpolitischen oder Was tun?

unpolitischEs gibt in unserer Gesellschaft eine beträchtliche Anzahl unpolitischer Menschen. Sie sind im großen und ganzen zufrieden, halten sich aus der Politik heraus, und sie finden, daß man nirgendwo auf der Welt mehr Freiheiten hat, als hierzulande. Sie wollen zwar nicht unbedingt solche amerikanischen Verhältnisse, wo jeder Polizist einen Verdächtigen auch schnell mal erschießen darf. Aber das ist alles weit weg. Sie leben sozusagen im „Rechtsstaat“, lassen sich bequem ausnutzen, und sie schauen mit schrägem Blick auf alle diejenigen, die ihre momentane Zufriedenheit nicht teilen — doch wenn sie ihre Lage erst einmal erkannt haben, ist es damit sowieso vorbei… Als Lenin im Jahre 1901 seine berühmte Broschüre „Was tun?“ schrieb, hatte er ganz gewiß die Unpolitischen nicht im Sinn, sondern solche, die sich über die Welt und ihre Zukunft Gedanken machen…

Man muß das sozialistische Bewußtsein in die Massen hineintragen. Erst dann wird sich etwas ändern, schrieb A.G.Grigorenko, und er erklärte:

Was tunIn dem großen historischen Erbe, das Wladimir Iljitsch Lenin uns hinterlassen hat, nimmt die Arbeit „Was tun?“ einen hervorragenden Platz ein. Dieses Werk hat die Aufgabe und das Aktionsprogramm des Proletariats und seiner politischen Partei für eine ganze historische Epoche mit dem klarem Licht des wissenschaftlichen Sozialismus erleuchtet. Die in diesem Buch entwickelten theoretischen Leitsätze wurden zur Grundlage der Ideologie der bolschewistischen Partei.

Die sozialistische Ideologie entsteht nicht aus der spontanen Bewegung, sondern aus der Wissenschaft, und wenn die „Ökonomisten“ die Notwendigkeit des Hineintragens des sozialistischen Bewußtseins in die Arbeiterklasse leugnen, so erleichtern sie damit das Eindringen der bürgerlichen Ideologie in die Arbeiterklasse.

Lenin erinnert daran, daß die Lehre des Sozialismus aus philosophischen, historischen und ökonomischen Theorien entstand, die von gebildeten Vertretern der besitzenden Klassen, der Intelligenz, herausgearbeitet wurden, und daß die Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus, Marx und Engels selbst, ihrer sozialen Stellung nach der bürgerlichen Intelligenz angehörten. Ebenso entstand auch in Rußland die theoretische Lehre der Sozialdemokratie als natürliches und unvermeidliches Ergebnis der Ideenentwicklung der revolutionär-sozialistischen Intelligenz. Das sozialistische Bewußtsein konnte nur von außen in die Arbeiterklasse hineingetragen werden, denn unter den Bedingungen der kapitalistischen Ausbeutung ist das Proletariat der Möglichkeit beraubt, sich an die Spitze der Wissenschaft zu stellen und sie vorwärtszutreiben.

Sozialistisches Bewußtsein entsteht nicht von allein…

„Man sagt“, schrieb Genosse Stalin, als er die Leninschen Ideen entwickelte, „daß die Arbeiterklasse in einigen Ländern selbst eine sozialistische Ideologie (den wissenschaftlichen Sozialismus) herausgearbeitet habe und sie auch in den übrigen Ländern herausarbeiten werde, weshalb es ganz überflüssig sei, sozialistisches Bewußtsein in die Arbeiterbewegung von außen hineinzutragen. Das ist jedoch ein schwerer Irrtum. Um den wissenschaftlichen Sozialismus herauszuarbeiten, muß man an der Spitze der Wissenschaft stehen, muß man mit wissenschaftlichen Kenntnissen gewappnet sein und es verstehen, die Gesetze der historischen Entwicklung eingehend zu erforschen. Die Arbeiterklasse aber, solange sie Arbeiterklasse bleibt, ist außerstande, an die Spitze der Wissenschaft zu treten, sie vorwärtszubringen und die historischen Gesetze wissenschaftlich zu erforschen: sie hat hierfür weder Zeit noch Mittel.“ [1]

Das bedeutet natürlich nicht, daß die Arbeiter an der Herausarbeitung des sozialistischen Bewußtseins nicht teilnehmen. Aber sie nehmen daran nicht als Arbeiter teil, sondern als Theoretiker des Sozialismus, sie nehmen nur dann und soweit daran teil, sagte Lenin, als es ihnen gelingt, sich das Wissen ihrer Zeit anzueignen und dieses Wissen zu bereichern.

Der Sozialismus in den Händen der Arbeiterklasse ist eine scharfe Waffe

Die Arbeiterklasse, sagte Lenin, fühlt sich spontan zum Sozialismus hingezogen, denn die sozialistische Theorie zeigt tiefgehend und richtig die Ursachen des Elends der Arbeiterklasse auf und weist den Weg zu ihrer Befreiung von der kapitalistischen Sklaverei. Deswegen erfassen die Arbeiter die Theorie so leicht. Aber „die am weitesten verbreitete (und in den mannigfaltigsten Formen ständig wiederauferstehende) bürgerliche Ideologie drängt sich“ — in der kapitalistischen Gesellschaft — „trotzdem spontan dem Arbeiter am meisten auf“. [2]

Und Lenin zieht die Schlußfolgerung, daß der Sozialismus nur dann zu einer scharfen Waffe werden kann, wenn er mit der Arbeiterbewegung vereinigt wird. Dieser Leninsche Grundsatz wurde von Genossen Stalin mit außerordentlicher Kraft vertreten und entwickelt.

„Was ist wissenschaftlicher Sozialismus ohne Arbeiterbewegung?“, schrieb Genosse Stalin. „Ein Kompaß, der, macht man von ihm keinen Gebrauch, nur verrosten kann, und dann müßte er über Bord geworfen werden. Was ist Arbeiterbewegung ohne Sozialismus? Ein Schiff ohne Kompaß, das auch so am anderen Ufer landen wird, das jedoch, wenn es einen Kompaß hat, das Ufer bedeutend schneller erreichen und weniger Gefahren ausgesetzt sein würde. Vereinigt beides, und ihr erhaltet ein prächtiges Schiff, das direkt nach dem anderen Ufer steuert und den Hafen unbeschädigt erreicht. Vereinigt die Arbeiterbewegung mit dem Sozialismus, und ihr erhaltet die sozialdemokratische Bewegung, die auf direktem Wege dem ‚gelobten Land‘ entgegenstreben wird.“ [3]

Deswegen, fährt Genosse Stalin fort, ist es die Pflicht der Sozialdemokratie*, in die spontane Bewegung der Arbeiter das sozialistische Bewußtsein hineinzutragen und die fortgeschrittenen Kräfte des Proletariats zu einer zentralisierten Partei zu vereinigen, stets an der Spitze der Bewegung zu marschieren und unermüdlich alle zu bekämpfen, die der Verwirklichung dieser Aufgaben hindernd im Wege stehen.

Quelle:
Grigorenko: Über das Werk Lenins Was tun? Dietz Verlag Berlin, 1951.

Zitate:
[1] J.Stalin, „Kurze Darlegung der Meinungsverschiedenheiten in der Partei“, in: Werke, Bd.1, S.86; Einzelausgabe S. 12.
[2] W.I.Lenin, „Was tun?“, in: Ausgewählte Werke, Bd.I, S.209; Einzelausgabe S.75.
[3] J.Stalin, „Kurze Darlegung…“, in: Werke, Bd.1, S.88/89; Einzelausgabe S.15.

*die Sozialdemokratische Partei Rußlands SDAPR(B) war die Partei Lenins. Sie wurde auf Vorschlag Lenins auf Beschluß des VII.Parteitages (6.-8. Mai 1918) in „Kommunistische Partei Rußlands (Bolschewiki) – KPR(B)“ umbenannt.

Lenin schreibt (1902): Um Sozialdemokrat zu werden, muß der Arbeiter eine klare Vorstellung haben von dem ökonomischen Wesen und dem sozialen und politischen Gesicht des Gutsbesitzers und des Pfaffen, des hohen Beamten und des Bauern, des Studenten und des Lumpenproletariers, muß er ihre starken und schwachen Seiten kennen, muß er sich in den landläufigen Phrasen und all den Sophistereien auskennen, mit denen jede Klasse und jede Schicht ihre egoistischen Neigungen und ihr wahres »Innere« verhüllt, muß er sich darin auskennen, welche Institutionen und welche Gesetze diese oder jene Interessen zum Ausdruck bringen und in welcher Weise sie es tun. (Lenin, Was tun?, Werke, Bd.5, S.355-551.)

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