Renaissance des westlichen Imperialismus?

54040Es ist nicht verwunderlich, wenn sich die Bevölkerung der BRD heute in einer Wohlstandsphase wähnt, die kein Ende zu nehmen scheint und noch gar keinen Gedanken daran verschwendet, daß nach einer Konjunktur unweigerlich wieder eine Krise zu erwarten ist. Ein gewisser, und doch der weitaus geringste Teil der wirtschaftlichen Gewinne der Industrie fließt tatsächlich in die Taschen der privaten Konsumenten. Wobei den Gigantenanteil natürlich die Monopolkapitalisten, die Großaktionäre, deren Manager und Handlanger kassieren. So besteht auch weiterhin nicht der geringste Zweifel daran, daß nur ein Prozent der Bevökerung weit 50% des Gesamtvermögens besitzt. Zwei Drittel der Bevölkerung verfügen dagegen über kein oder nur ein sehr geringes Vermögen. Das reichste Zehntel vergrößert aber seinen Anteil schon seit Jahren, besonders aber auch in Zeiten der Krise. In einem Beitrag zur gegenwärtigen ökonomische Lage schreibt German Foreign Policy:

10.08.2015

BERLIN/WASHINGTON (Eigener Bericht) – Ungeachtet der Euro-Krise steigert die deutsche Industrie ihre Ausfuhren in neue Rekordhöhen und profitiert dabei insbesondere vom boomenden Geschäft mit den USA. Hatten deutsche Firmen bereits im Jahr 2014 Produkte im Wert von 1,134 Billionen Euro und damit mehr denn je zuvor ins Ausland verkauft, so liegen die Exportbeträge in diesem Jahr bislang sogar noch deutlich höher als im Vorjahreszeitraum. Im März setzte die deutsche Industrie im Durchschnitt Waren für beinahe 3,5 Milliarden Euro täglich (!) außerhalb der Bundesrepublik ab. Dabei nahmen die Lieferungen in die USA um rund ein Fünftel zu. Wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilt, ist darüber hinaus das Auftragsvolumen der deutschen Industrie im letzten Quartal so rasant gewachsen wie schon lange nicht mehr – auch dies vor allem dank Bestellungen aus den Vereinigten Staaten. Die dramatischen Einbrüche im Rußland-Geschäft werden dadurch mehr als wettgemacht. In der Tat vollzieht sich bereits seit einigen Jahren eine Trendumkehr in der deutschen Außenwirtschaft, die vor allem die ökonomische Bedeutung Rußlands für die deutsche Wirtschaft relativiert, die transatlantischen Bindungen hingegen stärkt. Die Wende reicht in die Zeit vor der Eskalation des Ukraine-Konflikts zurück.

Exportrekorde

Ungeachtet der Euro-Krise strebt die deutsche Industrie neuen Exportrekorden zu. Erreichten die Ausfuhren von Firmen aus der Bundesrepublik bereits im vergangenen Jahr mit einem Wert von 1,134 Billionen Euro einen neuen Höchststand, so steigen sie dieses Jahr noch weiter. Im März erreichten die deutschen Exporte mit einem Monatsvolumen von 107,5 Milliarden Euro einen Allzeit-Monatsrekord; seitdem liegen sie zwar etwas darunter, aber immer noch um teilweise zweistellige Raten über dem jeweiligen Vorjahreswert. Im Juni 2015 etwa wurden, wie das Statistische Bundesamt letzte Woche mitteilte, die ohnehin schon hohen Exportsummen von Juni 2014 um 13,7 Prozent übertroffen. Für die nächste Zeit scheint bereits ausgesorgt zu sein: Laut Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums sind die Auftragseingänge bei deutschen Unternehmen im zweiten Quartal 2015 um 3,0 Prozent gestiegen – mehr als in jedem Quartal seit Anfang 2011. Ursache dafür sind Bestellungen aus dem Ausland; im Juni etwa nahmen sie um 4,8 Prozent zu.

Krisentreiber

Dabei sorgen allein die Exporte dafür, dass die deutsche Industrie weiter wächst. So sind die Aufträge, die deutsche Unternehmen aus dem Inland erhielten, im Juni um zwei Prozent gefallen. Damit zieht die Bundesrepublik ihren Profit weiterhin aus Verkäufen in andere Staaten, die sich letztlich dafür verschulden müssen; in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres stiegen etwa die deutschen Lieferungen in Krisenstaaten wie Griechenland (+1,1 Prozent), Italien (+4,6 Prozent), Portugal (+8,3 Prozent) und Spanien (+9,9 Prozent) teilweise deutlich an. Diese werden damit tendenziell noch weiter in die Verschuldung getrieben. Die deutschen Exportgewinne verschärfen damit nicht nur  aktuelle Krisen, sie drohen auch zu Treibern für Verschuldungskrisen von morgen zu werden.

Quelle: German Foreign Policy


 Stalin: Natürlich bricht das alte System zusammen und verfault. Ganz richtig. Aber richtig ist auch, daß neue Anstrengungen unternommen werden, mit anderen Methoden, mit allen Mitteln dieses sterbende System zu schützen, es zu retten. Sie ziehen einen falschen Schluß aus einer richtigen Voraussetzung. Sie stellen zu Recht fest, daß die alte Welt zusammenbricht. Aber Sie irren, wenn Sie glauben, daß sie von selbst zusammenbricht. Nein, die Ablösung eines Gesellschaftssystems durch ein anderes ist ein komplizierter und langwieriger revolutionärer Prozeß. Es ist nicht einfach ein spontaner Prozeß, sondern ein Kampf; es ist ein Prozeß, der sich im Zusammenstoß der Klassen vollzieht. Der Kapitalismus verfault, aber man kann ihn nicht einfach mit einem Baum vergleichen, der so morsch ist, daß er von selbst zu Boden stürzen muß. Nein, die Revolution, die Ablösung eines Gesellschaftssystems durch ein anderes, ist immer ein Kampf gewesen, ein mühsamer und ein grausamer Kampf, ein Kampf auf Leben und Tod.

Und jedes Mal, wenn die Menschen der neuen Welt an die Macht kamen, mußten sie sich der Versuche der alten Welt erwehren, die alte Ordnung gewaltsam wiederherzustellen; diese Menschen der neuen Welt mußten stets auf der Hut sein, stets bereit sein, die Angriffe der alten Welt auf das neue System zurückzuschlagen. Ja, Sie haben Recht, wenn Sie sagen, daß das alte Gesellschaftssystem zusammenbricht; aber es bricht nicht von selbst zusammen. Nehmen Sie z.B. den Faschismus. Der Faschismus ist eine reaktionäre Kraft, die unter Anwendung von Gewalt die alte Welt zu erhalten sucht. Was wollen Sie mit den Faschisten machen? Mit ihnen diskutieren? Sie zu überzeugen versuchen? Aber damit erreichen Sie bei ihnen nicht das Geringste.

Die Kommunisten verherrlichen keineswegs die Anwendung von Gewalt. Aber sie, die Kommunisten, sind nicht willens, sich überrumpeln zu lassen, sie können sich nicht darauf verlassen, daß die alte Welt freiwillig von der Bühne abtritt, sie sehen, daß das alte System sich gewaltsam verteidigt, und deshalb sagen die Kommunisten der Arbeiterklasse: Beantwortet Gewalt mit Gewalt, tut alles, was in Euren Kräften steht, um zu verhindern, daß die alte, sterbende Ordnung Euch zermalmt, laßt nicht zu, daß sie Fesseln um Eure Hände legt, um die Hände, mit denen Ihr das alte System niederreißen werdet! Sie sehen also, die Kommunisten betrachten die Ablösung eines Gesellschaftssystems durch ein anderes nicht einfach als einen spontanen und friedlichen Prozeß, sondern als einen komplizierten, langwierigen und gewaltsamen Prozeß. Die Kommunisten können die Augen nicht vor den Tatsachen verschließen.

Quelle: J.W. Stalin: Unterredung mit dem englischen Schriftsteller H.G. Wells, 23. Juli 1934. In: Werke (15 Bde.), Dortmund 1976, Bd.14, S.16. „Bolschewik“, 1934. No. 17.

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5 Antworten zu Renaissance des westlichen Imperialismus?

  1. sukhan schreibt:

    Die Frage ist, ob es sich tatsächlich um eine „Renaissance“ handelt. Tot war der Imperialismus ja nie – nur zwischenzeitlich ausgebremst bzw. zurückhaltender durch die Existenz der Sowjetunion und des sozialistischen Blocks. Der herrschenden klasse in Form ihrer kapitalstärksten Gruppierungen, ihrer Eliten, ihrer ideologischen Schützenhelfer und Wegbereiter (inklusive derjenigen mit „sozialistischem“ Etikett á la Chruschtschow, Gorbatschow etc.) kann die Aufteilung und Nutzbarmachung des Planeten für die Kapitalvermehrung niemals weit genug gehen. Nicht weil die Herrschenden böse Menschen sind, sondern weil es in der Natur der Sache der Ausbeutergesellschaft liegt – Ausbeuter und Ausgebeutete werden von der kapitalistischen Logik gleichermaßen gezwungen, ihre Interessen zu verfolgen. Dass die Mittel zur Durchsetzung dieser Interessen höchst ungleich verteilt sind, dafür sorgt der bürgerliche Staat mit seiner Justiz, Polizei, Armee usw.
    J.W: Stalin hat – im Gegensatz zu manch anderen sozialistischen Anführern – eine erstaunlich klare Sicht auf die Machtverhältnisse. Erstaunlich, weil die bürgerliche Propaganda es geschafft hat, den Mann als Teufel in Menschengestalt darzustellen, dessen einziges Interesse ein irrationales Machtstreben zum persönlichen Vorteil wäre. Ich muss sagen, je mehr ich Texte von Stalin selbst, aber auch Bücher wie die aufschlußreiche Schrift von Ludo Martens – „Stalin anders betrachtet“ – studiere, umso mehr verstehe ich, WARUM ausgerechnet J.W. Stalin das Hassobjekt Nr. 1 der internationalen Bourgeoisie ist.

    • sascha313 schreibt:

      Ja, sukhan, Du hast natürlich recht: der Begriff „Renaissance“ ist wenn nicht unglücklich, dann eigentlich sogar falsch. Ich habe ihn aber stehengelassen, weil er von GFP so benutzt wird. Manchen mag es heute fast so erscheinen, daß einer neuer „Aufschwung“ die Vitalität der „Marktwirtschaft“ beweist. Daher ist der Kommentar Stalins das beste Gegengewicht (und aktuell zumal) zu einem solchem Fehlurteil…. Deshalb immer wieder: STALIN lesen!!!

      Manchmal müssen Kommunisten mit bürgerlich beeinflußten Menschen eben reden, wie mit einer kranken Kuh. (Auch Stalin tat das im Gespräch mit H.G.Wells. Und es dauerte ziemlich lange, bis Wells da ein Licht aufging. Da kann man bei Stalin viel lernen.)

      • Harry 56 schreibt:

        sascha313 schreibt: 11. August 2015 um 8:59 „… Ich habe ihn aber stehengelassen, weil er von GFP so benutzt wird.“

        Lieber Genosse Sascha, es ist leider nicht nur dieser Begriff. Diese „GFP“ -Internet-Plattform ist mir schon ziemlich lange recht suspekt. Ich mag hier gar nicht ewig, endlos konkret auf viele dieser Publikationen zu allen möglichen aktuellen Fragen im einzelnen eingehen. Doch mit einer wirklich wissenschaftlich-sozialistischen Weltanschauung hat diese – von wem auch immer gesponsorte – (vielleicht auch ganz konkret gelenkte?) – Internet-Plattform AUF ALLE FÄLLE nur sehr sehr wenig, – bis fast garnichts – zu tun!

        Ganz klar gesagt: Ewiges links-bürgerliches pseudo-linkes, vordergründig fast schon monstranzenhaft vorgetragenes (verlogen?) „Anti-Deutsch“ verklärtes Schwadronieren über alle möglichern „Opfer“ (ganz aktuell etwa „der Griechen“…) der „Deutschen“ ohne Ende. – Der wirkliche Klassenkampf findet eben unter den verschiedensten bunten Mäntelchen statt!

    • Harry 56 schreibt:

      sukhan schreibt:
      11. August 2015 um 8:16
      „J.W.Stalin hat – im Gegensatz zu manch anderen sozialistischen Anführern – eine erstaunlich klare Sicht auf die Machtverhältnisse. “

      Sehr gut erkannt!

      Denn in Gegensatz zu unzähligen „sozialistischen“ oder „marxistischen“ kleinen „revolutionären“(nur mit der Feder!!!) Lohnschreibern als Redakteure oder „marxistischer Theoretiker“ so vieler ehemaligen „Arbeiterparteien“(in Zeitungen, Broschüren, Bücgern…) á la Kautsky & Co…., vor allem dank vieler kleiner oft mühsam ersparter Proleten-Groschen, waren Lenin, J.W.Stalin und viele andere hervorragende Bolschewiki eben nicht nur „hochintellektuelle“ Schwätzer, sondern IMMER auch herausragende ORGANISATOREN revolutionärer Tätigkeit.

      Diese typische kleinbürgerliche, bürgerliche verblödende Weltabgewandtheit vieler sonstiger damaliger und heutiger „Arbeiterführer“ oder „Gewerkschaftler“, „Linker“ konnte bei ihnen schon rein PRAKTISCH gar nicht erst aufkommen.

      Es daher auch vollkommen klar und logisch, dass J.W.Stalin allen heutigen Machthabern und deren fetten Arschablecker- und Systemlakaien DAS Hassobjekt Nummer.1 ist und, so langen deren Herrschaft noch leider andauert, auch immer bleiben wird!

  2. sukhan schreibt:

    Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Lektüre der Protokolle der als „stalinistische Schauprozesse“ geschmähten Strafprozesse der Jahre 1937/38. Im Gegensatz zur Propaganda der bürgerlichen Geschichtsschreibung kommen die dort Angeklagten ausführlich zu Wort und äußern sich freimütig und umfangreich. Allein die Vernehmung von N. Bucharin ist eine Lektüre, die wirklich lohnt. Da saß kein Opfer eines irren Diktators und paranoiden Willkürherrschers, sondern ein intellektuell und rhetorisch beschlagener Verschwörer, der in aller Offenheit ausführt, wie er und seine Mitverschwörer durch Terror, Sabotage, Zusammenarbeit mit imperialistischen Diensten usw. die Restauration des Kapitalismus in der UdSSR erreichen wollten. Gerade im Falle Bucharins, der sich ausdrücken kann und dem man als Theoretiker und gesellschaftswissenschaftlicher Autor einen Überblick über größere Zuzsammenhänge unterstellen kann, wird deutlich, dass es in den Klassenkämpfen der Zeit ab 1917 niemals eine Periode gab, in der nicht versucht wurde, das sozialistische Experiment gewaltsam zu beenden. In diesem Licht gewinnen Stalins Handlungen und Entscheidungen zum Aufbau des Sozialismus in einem Lande und zur Stabilisierung der Sowjetmacht die Bedeutung, die sie für den – zumindest zeitweiligen – Erfolg des proletarischen Staates hatten. Ganz zu schweigen vom Sieg über den Faschismus, eine historische Tat, die alleine schon das Regime Stalins auf der „Haben-Seite“ der Geschichte ansiedelt. Stattdessen entblöden sich die bürgerlichen Ideologen nicht, Stalin und die Sowjetmacht mittels ihrer ahistorischen Totalitarismus-Theorie mit dem Führer des faschistischen Deutschlands und der faschistischen Form der kapitalistischen Klassenherrschaft gleichzusetzen.

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