Eine revolutionäre Freundschaft: Stalin und Kirow

Stalin Kirow

Stalin und Kirow (um 1930)

Der begeisterte Revolutionär und Liebling der Partei, S.M. Kirow*, charakterisierte Genossen Stalin mit folgenden Worten: »Genossen, man kann über die Verdienste unserer Partei, über die Erfolge unserer Partei nicht reden, ohne über den großen Organisator der von uns errungenen gigantischen Siege zu sprechen. Ich meine Genossen Stalin. Ich muß euch sagen, daß er der wirklich vollkommene, wirklich allseitige Verfechter, der Fortsetzer des Werkes ist, das uns der nunmehr schon vor zehn Jahren von uns geschiedene große Begründer unserer Partei hinterlassen hat. Es ist schwer, sich eine solche große Persönlichkeit vorzustellen, wie Stalin es ist. In den letzten Jahren, seit dem Zeitpunkt, da wir ohne Lenin arbeiten, kennen wir keine einzige Wendung in unserer Arbeit, kein einziges größeres Beginnen, keine Losung, keine Neuorientierung in unserer Politik, deren Urheber nicht Genosse Stalin, sondern irgendein anderer gewesen wäre. Die gesamte grundlegende Arbeit – das muß die Partei wissen – verläuft nach den Hinweisen, auf Initiative und unter Führung des Genossen Stalin.

Die größten Fragen der internationalen Politik werden nach seinen Weisungen entschieden, und nicht bloß diese großen Fragen, sondern auch scheinbar drittrangige oder sogar zehntrangige Fragen interessieren ihn, wenn sie die Arbeiter, die Bauern und alle übrigen Werktätigen unseres Landes betreffen. Ich muß sagen, daß sich das nicht nur auf den Aufbau des Sozialismus im allgemeinen, sondern auch auf die Einzelfragen unserer Arbeit bezieht. Nehmen wir z.B. die Fragen der Verteidigung unseres Landes, so muß mit allem Nachdruck betont werden, daß wir alle unsere Erfolge, von denen ich gesprochen habe, voll und ganz Stalin zu verdanken haben. Der mächtige Wille, das kolossale organisatorische Talent dieses Mannes sichern der Partei die rechtzeitige Durchführung großer historischer Wendungen, die mit dem siegreichen Aufbau des Sozialismus verbunden sind. Nehmt die Losungen des Genossen Stalin: ,Die Kollektivbauern wohlhabend machen’, ,Die Kollektivwirtschaften bolschewistisch machen’, ,Die Technik meistern’, die sechs historischen Bedingungen des Genossen Stalin – alles, was dem Aufbau des Sozialismus im gegenwärtigen Stadium unserer Arbeit als Leitlinie dient, geht von diesem Manne aus, und alles, was wir während des ersten Planjahrfünfts erreicht haben, wurde auf Grund seiner Weisungen errungen.« [1]

Anfang 1934 leitete Stalin die Arbeiten des XVII. Parteitags, der in die Geschichte als der Parteitag der Sieger eingegangen ist. In seinem Rechenschaftsbericht an den Parteitag über die Tätigkeit des ZK der KPdSU(B) zog Genosse Stalin die Bilanz der historischen Siege der Partei, der Siege des Sozialismus in der Sowjetunion. Gesiegt hat die Politik der Industrialisierung des Landes, der durchgängigen Kollektivierung der Landwirtschaft, der Liquidierung des Kulakentums als Klasse. Gesiegt hat die Lehre von der Möglichkeit des Aufbaus des Sozialismus in einem Lande. Die sozialistische Formation ist in der gesamten Volkswirtschaft zur unumschränkt herrschenden Kraft geworden, alle übrigen Formationen sind zugrunde gegangen. Die Kollektivwirtschaften haben endgültig und unwiderruflich gesiegt.

Stalin warnte jedoch, daß der Kampf bei weitem noch nicht zu Ende sei. Obwohl die Feinde geschlagen sind, leben dennoch Überreste ihrer Ideologie fort und machen sich nicht selten bemerkbar. Geblieben ist die kapitalistische Umwelt. Sie belebt die Überreste des Kapitalismus im Bewußtsein der Menschen und nutzt sie aus. Genosse Stalin wies darauf hin, daß die Überreste des Kapitalismus im Bewußtsein der Menschen auf dem Gebiet der nationalen Frage viel zählebiger sind als auf irgendeinem anderen Gebiet.

Auf die Frage, welche Abweichung die Hauptgefahr darstelle – die Abweichung zum großrussischen Nationalismus oder die Abweichung zum lokalen Nationalismus –, antwortete Genosse Stalin, daß unter den heutigen Verhältnissen »die Hauptgefahr jene Abweichung darstellt, gegen die man zu kämpfen aufgehört und die man dadurch zu einer staatsgefährlichen Erscheinung hat anwachsen lassen«. [2] Notwendig ist eine systematische Arbeit zur Überwindung der Überreste des Kapitalismus im Bewußtsein der Menschen; notwendig ist eine systematische Kritik der Ideologie aller dem Leninismus feindlichen Strömungen; notwendig ist eine unermüdliche Propaganda des Leninismus, die Erhöhung des ideologischen Niveaus der Parteimitglieder, die Erziehung der Werktätigen im Geiste des Internationalismus. Mit besonderem Nachdruck betonte Stalin die Notwendigkeit, die Wachsamkeit der Partei zu erhöhen: »Man darf… die Partei nicht einlullen, sondern muß in ihr die Wachsamkeit entwickeln, darf sie nicht einschläfern, sondern muß sie im Zustand der Kampfbereitschaft halten, darf sie nicht entwaffnen, sondern muß sie bewaffnen, darf sie nicht demobilisieren, sondern muß sie im Zustand der Mobilisierung zur Verwirklichung des zweiten Fünfjahrplans halten.« [3]

In Stalins Bericht wurde ein konkretes Programm der weiteren Arbeit der Partei auf dem Gebiete der Industrie, der Landwirtschaft, des Handels, des Verkehrswesens gegeben, ein Programm der Organisationsarbeit (Kader, Prüfung und Kontrolle der Durchführung); es wurde die Aufgabe gestellt: »die organisatorische Leitung auf das Niveau der politischen Leitung zu heben«. In Stalins Bericht wurde ein Programm der Arbeit auf dem Gebiete der Kultur, der Wissenschaft, der Volksbildung und des ideologischen Kampfes gegeben. In dem Teil seines Berichts, der die Außenpolitik der UdSSR behandelte, bemerkte Genosse Stalin, daß in der kapitalistischen Welt die Wirtschaftskrise tobt und in einer Anzahl von Ländern eine fieberhafte Kriegsvorbereitung vor sich geht, insbesondere in Deutschland nach dem Machtantritt der Faschisten. Inmitten dieser ökonomischen Erschütterungen und kriegspolitischen Katastrophen behauptet die Sowjetunion weiterhin fest und unerschütterlich ihre Friedenspositionen, kämpft gegen die Kriegsgefahr und führt beharrlich eine Politik des Friedens.

»Unsere Außenpolitik ist klar. Sie ist eine Politik der Erhaltung des Friedens und der Verstärkung der Handelsbeziehungen mit allen Ländern. Die Sowjetunion denkt nicht daran, irgend jemanden zu bedrohen, und erst recht nicht, irgend jemanden zu überfallen. Wir sind für den Frieden und verteidigen die Sache des Friedens. Aber wir fürchten keine Drohungen und sind bereit, auf einen Schlag der Kriegshetzer mit einem Gegenschlag zu antworten … Denjenigen aber, die versuchen sollten, unser Land zu überfallen, wird eine vernichtende Abfuhr zuteil werden, damit ihnen in Zukunft die Lust vergehe, ihre Schweine-Schnauze in unseren Sowjetgarten zu stecken.« [4]

Auf Vorschlag S. M. Kirows nahm der XVII. Parteitag den Bericht des Genossen Stalin als Beschluß des Parteitags als Gesetz und Arbeitsprogramm der Partei für die nächste Periode an. Vom Parteitag wurde auch der zweite Fünfjahrplan der Entwicklung der Volkswirtschaft bestätigt.

Quelle:
G.F. Alexandrow, et al., Stalin – Kurze Lebensbeschreibung, Verlag für fremdsprachige Literatur, Moskau, 1947, S.148-154.

Zitate:
[1] S.M. Kirow, »Ausg. Reden und Aufsätze von 1912-1934«, M. 1939, S.609f. russ.
[2] J. Stalin, »Fragen des Leninismus«, Moskau 1946, S.575.
[3] ebd., S.586.
[4] ebd., S.531.


* Anmerkung:
Sergej Mironowitsch Kirow wurde am 1. Dezember 1934 in Leningrad von der Konterrevolution heimtückisch ermordet. Im Gespräch mit Felix Tschujew sagte Molotow 1977 über ihn: «Kirow war ein schwacher Organisator. Doch er war ein guter Unterhalter. Er war bei uns sehr beliebt. Und Stalin mochte ihn sehr. Ich kann sagen, daß er von allen am meisten beliebt war bei Stalin. Den Schatten, den Chruschtschow auf Stalin warf, als hätte er Kirow umbringen lassen, ist eine üble Verleumdung».
(Чуев Ф.И. Молотов. Полудержавный властелин. — М.: Олма-Пресс, 2002. — С.377.)

Siehe auch:
Ljubow Pribytkowa: Wie die KPdSU den Sozialismus in der Sowjetunion zerstörte
Der politische Mord im Auftrag der Bourgeoisie
Warum und von wem wurde Kirow ermordet?

DOWNLOAD: Protokolle zur Ermordung Kirows (pdf-Datei)

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5 Antworten zu Eine revolutionäre Freundschaft: Stalin und Kirow

  1. tommmm schreibt:

    Hat die Sowjetunion nicht 1939 Finnland angegriffen?

    • sascha313 schreibt:

      „Die Sowjetunion denkt nicht daran, irgend jemanden zu bedrohen, und erst recht nicht, irgend jemanden zu überfallen.“ (s.o.) Das ist nunmal eine etwas längere Geschichte – doch soviel dazu in Kürze:

      Geführt von deutschen Offizieren, bereitete die finnische Armee den Überfall auf die UdSSR vor. Die Regierungen Englands, Frankreichs und der USA stellten Finnland bereitwillig die hierzu erforderlichen Mittel zur Verfügung. Finnland bedrohte Leningrad (die Grenze verlief 30 km vor Leningrad). Das große, von vielen Millionen Menschen besiedelte Industrie- und Kulturzentrum der Sowjetunion lag im Wirkungsbereich der finnischen Geschütze. Nur 2-3 Flugminuten trennten es von den finnischen Flugplätzen. An ihrer gesamten Grenze trafen die Finnen Kriegsvorbereitungen.

      Die Sowjetregierung sah sich aus diesen Gründen gezwungen, Leningrad und die nordwestlichen Grenzen der Sowjetunion zu sichern. Der Vorschlag der Sowjetregierung zum Abschluß eines gegenseitigen Beistandspaktes wurde von Finnland abgelehnt. Der Ablehnung verfiel auch ihr weiterer Vorschlag, die Grenze auf der Karelischen Landenge einige Dutzend Kilometer zu verlegen und der Sowjetunion die Halbinsel Hangö zwecks Anlegung zur Verteidigung Leningrads erforderlichen miltärischen Stützpunkten gegen eine Überlassung beträchtlicher anderer Gebiete zu verpachten.

      Die Regierung Finnlands erklärte die allgemeine Mobilmachung. Am 30. November 1939 verübten finnische Truppen eine Reihe von provokatorischen Übergriffen an der sowjetischen Grenze. Die Rote Armee ging daraufhin zur Offensive über. Sie hatte den Krieg gegen eine gut ausgerüstete Armee und unter den äußerst schwierigen Verhältnissen eines nordischen Winters zu führen. Unter Mitwirkung ausländische Spezialisten war an der Grenze zu Finnland die stark befestigte „Mannerheim-Linie“ angelegt worden, die als uneinnehmbar galt. Der Roten Armee gelang jedoch der Durchbruch wie auch die Überschreitung der nicht zufrierenden Sümpfe.

      Im Verlauf von drei Monaten wurde die finnische Armee geschlagen. Als die Sowjettruppen nunmehr auf die finnische Hauptstadt vorrückten, erklärten sich die Finnen zum Frieden bereit. Am 12. März 1940 wurde der Friedensvertrag unterzeichnet.

      (Quelle: Große Sowjet-Enzyklopädie 2 Bde., Verlag Kultur und Fortschritt Berlin, 1952, Bd.I, S.736.)

  2. tommmm schreibt:

    Danke. Ich hatte bisher nur die Wikipediea – Informationen verfügbar. In meinen Gedanken spielt sich folgendes ab: Die Bedrohung von Leningrad war sicher real, aber dass ist bei jeder Grenzstadt der Fall, kann also kein Kriegsgrund sein. Die Sowjetunion versucht also einen friedlichen Gebietstausch um sich etwas Vorland zu schaffen. Finnland lehnt das ab, was meiner Meinung nach legitim ist.

    Jetzt greift die Sowjetunion einfach mal so Finnland an, weil diese nicht tauschen wollen. Das sie die Mannerheimlinie überwinden, heißt für mich, das nicht nur die Finnen eine starke Armee vorbereitet hatten, sondern auch die Sowjetunion muss ja dafür schon starke Kräfte zusammengezogen haben und auch schon Angriffspläne entwickelt haben, was ja eine gewisse Zeit dauert, also eine bewußte Aktion war.

    Es war dann also einfach mal so ein Präventivschlag. „Wen wir es nicht gemacht hätten, hätten uns die anderen angegriffen.“ Diese Rethorik ist jedoch nicht mit dem Völkerrecht vereinbar.

    • sascha313 schreibt:

      Das gehört eigentlich nicht hierher (auf den finn.-russ. Winterkrieg kommen wir daher an anderer Stelle zurück.) – dennoch: so einfach ist das nicht. Petrograd/Leningrad war, wie gesagt, das wichtigste wirtschaftlich-politische Zentrum im Norden. Hätte die Sowjetunion weiterhin tatenlos zusehen sollen, wenn (nicht irgendeine beliebige Grenzstadt! – sondern) ihr wichtigstes Zentrum im Handstreich erobert worden wäre? Das Völkerrecht hat die Bourgeoisie noch nie interessiert. Vorausgegangen waren dem nicht nur die genannte Grenzprovokation, sondern zuvor schon zahlreiche Überfälle durch die Truppen Koltschaks, Judenitschs und des Generals Miller im Norden mit Hilfe finnischer und polnischer Truppen und weißgardistischer Verbände. In den baltischen Häfen waren englische Geschwader erschienen, auf Befehl der Interventen hatten im Baltikum verbliebene deutsche Truppenteile und russische Weißgardisten, die sich in Finnland und im Baltikum verborgen gehalten hatten, die baltischen Sowjetrepubliken angegriffen usw. usf. (wikipedia ist eine geeignete Quelle für die Geschichtsfälschung)

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