Die junge Sowjetmacht und ihre Feinde

weißer terror

Weißgardistischer Terror

Ähnlich wie später auch die DDR hatte die junge Sowjetunion in den Anfangsjahren zwischen den beiden Weltkriegen viele unversöhnliche Feinde. Es waren die ehemaligen Kulaken, die zaristischen Beamten, die mit Sack und Pack ins Ausland geflüchteten Adligen und reaktionären Offiziere, die enteigneten Großgrundbesitzer und Kapitalisten, es waren die entmachteten Ausbeuter, die mit Sabotageakten und bewaffnetem Terror alles versuchten, um die Macht der Arbeiterklasse und der Bauern wieder zu stürzen und die Ergebnisse der Oktoberrevolution rückgängig zu machen. Doch als alles das nicht gelang, und die junge Sowjetmacht weiter erstarkte, sahen sich die Feinde der Sowjetunion zu dem Eingeständnis gezwungen, daß die Sowjetmacht doch viel stärker war, als sie früher gedacht hatten, und daß nur ein rücksichtsloser Kampf aller konterrevolutionären Kräfte einen Aufstand ermöglichen konnte. Sie entfalteten daraufhin umfassende konterrevolutionäre Aktivitäten.

Die Feinde der Sowjetmacht verfügten, um einen Aufstand anzuzetteln, über gewisse militärische Kader, und die ausländischen Imperialisten besaßen Geld und Waffen. Und so kam es in weiten Teilen des Landes zum Bürgerkrieg. Die Imperialisten Englands, Frankreichs, Japans und der USA begannen ihre Intervention ohne Kriegserklärung. Heimlich besetzen diese „zivilisierten“ Räuber Murmansk und Archangelsk. Die Japaner landeten in Wladiwostok. Mit englischer und französischer Unterstützung organisierten die weißgardistischen Generale Kornilow, Alexejew und Denikin eine „Freiwilligenarmee“ im Nordkaukasus. Und mit geheimer Unterstüztung der deutschen Imperialisten besetzten die weißgardistischen Generale Krasnow und Mamontow das Dongebiet.

Traktorenwerk

Arbeitsbedingungen in einem russischen Traktorenwerk

Schwer war es in dieser Periode in Sowjetrußland. Es fehlte an Brot und Fleisch, und die Arbeiter hungerten. Doch gerade diese unglaublichen Schwierigkeiten und der verzweifelte Kampf gegen sie zeigten, welche unerschöpflichen Kräfte der Arbeiterklasse innewohnten und welche hohe Autorität die bolschwewistische Partei besaß. Die Sowjetregierung erklärte: „Das sozialistische Vaterland ist in Gefahr!“ und rief das Volk zur Abwehr auf. Die Rote Armee führte den Kampf an verschiedenen Fronten. Dennoch mußte auch die Arbeit weitergehen.

A.Thorndike schrieb über diese Zeit: „Lenin ersparte den Arbeitern nichts. Er sagte ungeschminkt und deutlich, daß von ihnen die Existenz des Landes abhing. Es war schwer, in solchen alten, primitiv ausgerüsteten Werkstätten die Leistungen wesentlich zu verbessern. Aber immerhin – es ging vorwärts. Lenin hatte die Arbeiter gemahnt: »Denke daran, daß die Frage zur Entscheidung steht, ob wir es verstehen werden, für uns zu arbeiten…« Das war der Kern. Wenn diese Frage richtig beantwortet wurde, war auch entschieden, ob die Sowjetunion bestehen und aufblühen oder stagnieren und zugrunde gehen würde. Die Einstellung der Massen zu ihrem Sowjetstaat, ihre Initiative, ihr Wille, ihre Arbeits-leistungen waren das Entscheidende. Davon hing letzten Endes ab, ob sich das Land vollständig und endgültig aus dem Würgegriff des Weitimperialismus befreien konnte. Die ersten Erfolge zeigten sich zu Beginn des Jahres 1924. Die Aussaatfläche war beträchtlich gestiegen, in der Industrie waren die größten Zerstörungen beseitigt, die Versorgungslage verbesserte sich allmählich, der Lohn stieg. Jedoch: Noch immer war der Vorkriegsstand der industriellen Produktion nicht erreicht, und die inneren und äußeren Feinde störten den Aufbau nach Kräften.“ [1]

Feinde im eigenen Land

Koltschakopfer 1919

Opfer der Koltschak-Banditen in Nowosibirsk 1919

„Zu den objektiven Schwierigkeiten, die sich aus dem Aufbau und der Beseitigung der Überreste der schrecklichen Vergangenheit ergaben, kam die Tätigkeit der Trotzkisten hinzu, die behaupteten, daß der Sozialismus in Rußland überhaupt nicht aufzubauen wäre, weil die Rückständigkeit viel zu groß sei.“ [2] Das sei an folgendem Beispiel belegt: Eine von Trotzki gesandte Komission besichtigte Ende 1922 die Hüttenwerke in Jenakijewo. Iwan Pawlowitsch Bardin, der spätere Architekt und Erbauer des Kuznezker Hüttenwerks beschreibt die Situation so: „Dieser Kommission gehörten einige alte Fachleute an, denen das schicksal der Sowjetregierung gleichgültig war. In ihrem tiefsten Inneren sehnten sich die alten Männlein nach den ehemaligen Herren.“ Und diese Kommission verfügte die Schließung der Werke. Weiter berichtet I.Bardin: „Ich war erschlagen, vernichtet. Welch eine Ungerechtigkeit! Welch ein unerhörtes Verhalten! Ich protestierte: Es gehe nicht an, einen lebendigen, tätigen Betrieb zu vernichten. Aber alles war vergebens. Ich konnte damals nicht wissen, daß das die Schädlingspolitik der Ingenieure, die der Kommission angehörten, daß dies die Aufgabe war, die Trotzki ihnen gestellt hatte. An einem sonnigen Maitag des Jahres 1923 wurden sämtliche Öfen und Kessel ausgelöscht. Die Werke waren tot.“ [3]

Feinde im Ausland

„Auch in den kapitalistischen Ländern, die das Sowjetland wie ein Meer umgaben, waren die Feinde der Sowjetmacht, wie Urquhart, Hoover und Deterding und die Scharen der russischen Emigranten, tätig. Henri Deterding, der Besitzer des Ölkonzerns Royal Dutch Shell, hatte sich durch den Aufkauf von Besitztiteln und Aktien längst enteigneter Erdölfirmen zum »Eigentümer« von 60 Prozent der russischen Erdölfelder gemacht. Er wurde zum Wortführer im Kampfe gegen das Sowjetland. So stand er im Hintergrund der internationalen Konferenzen von Genua und Den Haag, auf denen es immer wieder um die von der Sowjetregierung »geschädigten Interessen« der ausländischen Kapitalisten ging.

HenriDeterding LydiaDeterding
Deterding heiratete 1924 in Paris die Tochter des zaristischen Generals Pawel Kudojarow, Lydia Pawlowna. Seine Frau stieg später in den Rang einer Prinzessin auf, weil sie – wie der »russische Kronprätendent Kyrill, als Haupt des kaiserlichen Hauses von Rußland«, bekanntgab – der russischen Sache im Exil die wertvollsten Dienste geleistet habe. Der zum englischen Pair ernannte Sir Henri und seine Frau, die »Prinzessin«, verbündeten sich mit Diplomaten und Banditen, Geschäftsleuten und abgehalfterten Generälen. Sie führten einen Handelskrieg gegen Sowjetrußland und versuchten alles, ihn in einen neuen Interventionskrieg umzuwandeln.“

Ein eiskalter Verbrecher: Herbert Hoover

Herbert Hoover„In den USA war Herbert Hoover in den Jahren 1921 bis 1928 Handelsminister und dann bis 1932 Präsident. Mehr braucht nicht gesagt zu werden, damit begriffen wird, warum während dieser Zeit die Sowjetunion von den USA diplomatisch nicht anerkannt wurde und warum der sowjetisch-amerikanische Handel nur sehr zögernd in Gang kam. Obwohl die Möglichkeiten des Warenaustauschs unerhört groß waren, betrug im Zeitraum von 1921 bis 1925 der Umfang nur etwa drei Fünftel des kaum nennenswert gewesenen Vorkriegshandels. Herbert Hoover konnte es ebensowenig verwinden wie Deterding und Urquhart – die hier stellvertretend für Dutzende anderer und auch stellvertretend für das von ihnen verkörperte imperialistische System genannt sind -, daß ihm von den Sowjets das Geschäft seines Lebens verdorben worden war. Er haßte die Sowjetunion. Daraus machte er auch kein Hehl. Das waren tödliche Gefahren, die von innen und außen den sich erhebenden jungen Riesen wieder in die Knie und in die alten Fesseln zu zwingen drohten.“ [4]

Interview HooverWelche Ansichten Hoover bezüglich Sowjetrußlands vertrat, versteht sich beinahe von selbst. Damit hierüber auch der geringste Zweifel unmöglich sei, hat er einige Jahre später seine Einstellung zur Sowjetmacht in lobenswerter Offenheit selbst ausgesprochen. Im August 1931 hatte er ein längeres Gespräch mit dem Sekretär der »People’s Lobby«, Benjamin C. Marsh. In diesem Gespräch äußerte Hoover: »Um die Wahrheit zu sagen, Marsh, es ist das Ziel meines Lebens, Sowjetrußland auszulöschen (to crush out).« Marsh fragte darauf Hoover: »Auch wenn Sie Frauen und Kinder verhungern lassen?« Hoover sagte; »Ja!« [5]

Quelle:
[1] Annelie und Andrew Thorndike, Das russische Wunder, Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin 1962, S.162f.
[2] ebd. S.164.
[3] ebd.
[4] ebd. S.165.
[5] ebd. S.99.

Siehe auch:
Warum der Sozialismus siegen wird…
Trotzki verrät die junge Sowjetmacht

Dieser Beitrag wurde unter Arbeiterklasse, Geschichte, Geschichte der UdSSR, Konterrevolution veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Die junge Sowjetmacht und ihre Feinde

  1. Pingback: Der sowjetfeindliche Verschwörer Trotzki | Sascha's Welt

  2. tommmm schreibt:

    Seit 2003 gibt es ein Koltschak Denkmal in Irkutsk.

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