Über Perspektiven im gesellschaftlichen Leben

Perspektive

Leningrader Perspektiven – Der Nowoismailowskij Prospekt um 1960 (Foto: I.Holland)

Unter einer Perspektive versteht man zweierlei: zum einen die Lehre von der Darstellung von Gegenständen auf einer gegebenen Fläche, wie sie von einem bestimmten Standpunkt aus nach Gestalt und Farbe dem Betrachter erscheinen, zum anderen die Aussicht auf eine schöne Gegend oder in die Zukunft. Doch das erstgenannte soll uns hier nicht so sehr interessieren. Wichtiger sind die Perspektiven des gesellschaftlichen Lebens. Gibt es eine solche Perspektive? Und wenn ja, worin besteht sie?

In seinem Buch über „Die Freude als Mittel der Erziehung“ schreibt Hans Berger: „Die Perspektive ist eine besondere Weise der Einstellung des Menschen auf seine Zukunft. Die Frage nach den Perspektiven einer persönlichen oder gesellschaftlichen Entwicklung stellen heißt, sich mit dem zukünftigen Schicksal einer Person, einer Klasse, eines Volkes zu beschäftigen.“ [1] Ohne eine klare Perspektive wird jeder Versuch, eine Änderung im gesellschaftlichen Leben herbeizuführen, im Ansatz steckenbleiben, weil es heute nicht mehr um die Frage eines verbesserten Kapitalismus gehen kann, sondern nur noch um die Entscheidung: Sozialismus – oder Barbarei! Stalin bezeichnete die Frage der Perspektive als „eine der wichtigsten Fragen unserer Partei“. [2] Die Kommunisten haben darauf eine Antwort.

Wie kann man eine sinnvolle Perspektive gewinnen?

Ganz einfach. Um in die Zukunft sehen zu können, muß man die gesellschaftlichen Zusammenhänge und Hintergründe, die jeweiligen Interessen der Menschen in der Gegenwart erkennen und die Abläufe und ihre Ursachen aus der Vergangenheit verstehen. Das wiederum ist nicht ganz so einfach, denn die derzeit herrschende Klasse unternimmt alles nur Denkbare, um sowohl die Gegenwart als auch die Vergangenheit mit dem Schleier der Apologetik der derzeitig herrschenden Gesellschaftsordnung zu versehen. Apologetik heißt: „theoretische Rechtfertigung und Verteidigung historisch überlebter Anschauungen, Interessen und Zustände“ [3]. Dazu Hans Berger: „Wenn man die Perspektiven einer bestimmten gesellschaftlichen oder persönlichen Entwicklung erfassen will, muß Klarheit über die gesellschaftlichen Kräfte und deren objektiven Entwicklungstendenz herrschen, aus denen sich das Ziel ihrer Entwicklung notwendigerweise ergibt. Nur aus dieser Erkenntnis heraus kann auch eine wissenschaftlich fundierte Überzeugung von der Möglichkeit der Realisierung der Perspektiven gewonnen werden. Nicht jeder Vorstellung, die sich insbesondere Individuen, aber auch Klassen und Völker von ihrer Zukunft machen, liegt jedoch die Erkenntnis objektiver Entwicklungsgesetze zugrunde. Sehr oft werden die Perspektiven von den verschiedensten materiellen und kulturellen gesellschaftlichen und individuellen Beweggründen bestimmt, die im Gegensatz zum historischen Fortschritt stehen. Immer jedoch bleiben sie, wie jede Bewußtseinsform, Ausdruck der gesellschaftlichen Verhältnisse.“ [4]

Jeder Mensch hat eigene Zukunftsvorstellungen

Karl Marx und Friedrich Engels haben sich eingehend mit der Frage nach dem Ursprung gesellschaftlicher Perspektiven befaßt. Die Begriffe: Ideal, Bestimmung und Beruf sind ein Ausdruck dieser Gedanken, die sich jeder Mensch irgendwann einmal über seine eigene, individuelle Zukunft macht. Marx und Engels schreiben:

Beruf

Diese Ausführungen zeigen sehr deutlich, wie die verschiedenartigen Existenzbedingungen, in die die Menschen hineingestellt sind, ihr Handeln und ihre Zukunftsvorstellungen bestimmen. Häufig schaffen sich bestimmte Personen oder Menschengruppen ihre eigenen Idealvorstellungen, streben im Interesse ihrer eigenen, zukünftigen Entwicklung nach der Befriedigung bestimmter Bedürfnisse. Doch sind diese verschiedenartigen Wünsche lediglich aus der jeweiligen Situation heraus entstanden. Sie sind oft subjektiver Natur, den jeweiligen Interessen untergeordnet und stehen nicht immer im Einklang mit der historischen Notwendigkeit.

besoffene Jugend

…sind das die Perspektiven der heutigen Jugend?

Mit einem klaren Ziel in die Zukunft

Stalin hat sich dazu mehrfach und sehr ausführlich geäußert: „Wir können nicht vorwärtsschreiten, wenn wir nicht wissen, wohin wir schreiten müssen, wenn wir das Ziel der Bewegung nicht kennen. Wir können nicht ohne Perspektiven bauen, ohne die Gewißheit, daß wir, nachdem wir begonnen haben, unsere sozialistische Wirtschaft zu bauen, sie auch wirklich aufbauen können. Ohne klare Perspektiven, ohne klare Ziele kann die Partei den Aufbau nicht leiten. Wir können nicht nach Bernsteins Rezept leben: Die Bewegung ist alles, das Ziel ist nichts. Wir, als Revolutionäre, müssen im Gegenteil unseren Vormarsch, unsere praktische Arbeit dem wichtigsten Klassenziel, dem proletarischen Aufbau, unterordnen. Tun wir das nicht, dann geraten wir unvermeidlich und unbedingt in den Sumpf des Opportunismus.

Ferner. Ohne klare Perspektiven für unseren Aufbau, ohne die Gewißheit, daß der Sozialismus errichtet werden wird, können die Arbeitermassen nicht bewußt an diesem Aufbau teilnehmen, können sie die Bauernschaft nicht bewußt führen. Ohne die Gewißheit, daß der Sozialismus errichtet werden wird, kann es keinen Willen zum Aufbau des Sozialismus geben. Wer hätte Lust zu bauen, in dem Bewußtsein, daß der Bau doch nicht vollendet wird? Daher führt ein Fehlen der sozialistischen Perspektiven für unseren Aufbau dazu, daß der Wille des Proletariats zu diesem Aufbau unvermeidlich und unbedingt geschwächt wird.“ [5]

Erst mit dem Sozialismus verschwinden die zahlreichen, auf die Erhaltung der bürgerlichen Gesellschaft gerichteten wertlosen Perspektiven, und sie werden ersetzt durch echte Zukunftsvorstellungen, die den humanistischen Idealen der Menschheit entsprechen. (Soviel nur erst mal als Anfang. Dazu später mehr.)

Quelle:
[1] Hans Berger: Die Freude als Mittel der Erziehung, Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin, 1957, S.11.
[2] J.W. Stalin: Fragen und Antworten, Rede in der Swerdlow-Universität 9. Juni 1925, in: J.W. Stalin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1953, Bd.7, S.176.
[3] Meyer’s Lexikon A-Z, VEB Bibliographisches Institut Leipzig 1980, S.49.
[4] Hans Berger, a.a.O. S.12f.
[5] J.W. Stalin: Über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei, in: J.W. Stalin, Werke, Bd.8, S.249f.

Siehe auch:
J.W. Stalin: Über die Schwierigkeiten der Perspektive
Kapitalismus: Eine verlorene Generation
Leben in der DDR Lebensweise und Familie

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