Warum gibt es im Kapitalismus keine bezahlte Vollbeschäftigung?

arbeitenImmer wieder hört man das dumme Geschwätz bürgerlicher Politiker von einer möglichen „Vollbeschäftigung“. Doch das wird es im Kapitalismus niemals geben. In der DDR, der Sowjetunion und den anderen sozialistischen Staaten hingegen war es eine Selbstverständlichkeit, daß jeder Bürger eine Arbeit hatte, mit der er seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte. Da gab es keine „Arbeitslosen“! Sind etwa die sogenannten „Arbeitslosen“ in der BRD nur zu faul zum Arbeiten? Seid ihr denn zufrieden mit eurem Mindestlohn, mit euren acht Euro fuffzig oder zwölf? Kommen noch die Flüchtlinge hinzu. Und die sozialen Probleme werden größer…

Gibt es nun etwa Streiks, gibt es höhere Lohnforderungen? Kaum. Die Gewerkschaften einigen sich mit den „Arbeitgebern“. Und was geben die euch? Die Arbeit gebt ihr denen doch, indem ihr denen Eure Arbeitskraft verkauft. Und zu welchem Preis? Gerade mal drei Prozent mehr? In einer Stunde habt Ihr euren Lohn erwirtschaftet. Und der Rest? Den kassiert der Unternehmer – o.k. dann macht nur weiter so wie bisher, oder wartet bis zur nächsten Bundestagswahl. Da wird dann alles anders…


Zunächst müssen wir hier folgendes klarstellen:

Es ist völliger Unfug, von  „Arbeitslosigkeit“ zu sprechen. Es gibt schlichtweg keine Arbeitslosen. Wenn jemand seine Wohnung putzt, so ist das Arbeit. Wenn jemand seine Wäsche wäscht, so ist das Arbeit. Wenn eine Mutter die Kinder versorgt, so ist das Arbeit. Wenn jemand Modelle bastelt, so ist das Arbeit. Wenn jemand sein Essen kocht, so ist das Arbeit. Wenn jemand Angehörige pflegt, so ist das Arbeit. Wenn sich jemand ehrenamtlich engagiert, so ist das Arbeit. Nur mit dem Unterschied, daß all diese Leute dafür nicht entlohnt werden. (Siehe: Das Märchen von den „Arbeitnehmern”)

Die Statistiken werden gefälscht

Nun, da es schon nicht möglich ist, die „Arbeitslosigkeit“ zu beseitigen, werden die Statistiken gefälscht oder mit allen möglichen Tricks „bereinigt“. Dafür wurden sogenannte „Jobcenter“ geschaffen, das „Arbeitslosengeld“ wurde in Sozialhilfe umgewandelt und es wurde „Hartz4“ eingeführt, um die Arbeitslosen besser verwalten, d.h. besser kontrollieren und bei Verletzung ihrer Meldepflichten besser sanktionieren zu können. (Wer bezahlt eigentlich diese ganzen Verwaltungskräfte?) Und alle paar Monate erscheinen neue „Erfolgsmeldungen“ der sogenannten „Agentur“ für Arbeit, die regelmäßig vom Rückgang der Anzahl ihrer „Kunden“ berichten.

Über 8 Millionen Arbeitslose und 200.000 Flüchtlinge

Alle diese Tricks, und das Bild einer „Wohlstandsgesellschaft“ können nicht darüber hinwegtäuschen, daß es in der BRD über 8 Millionen Menschen gibt, die keine Arbeit haben, keine geeignete Arbeit finden, oder sich mit Mini-Jobs herumschlagen müssen. Hinzu kommen massenhaft Flüchtlinge, die in den Kriegsgebieten oft alles verloren haben – ihre Wohnung, ihre Existenz, oft sogar Angehörige, Kinder, Verwandte. Und in vielen Familien ist es hierzulande schon zur Gewohnheit geworden, daß jedes arbeitsfähige Familienmitglied zwei oder drei Jobs gleichzeitig ausübt. Da werden nach Feierabend noch Zeitungen ausgetragen, wird in Büros und Praxisräumen geputzt oder es werden noch Schreibarbeiten verrichtet – und alles das nur, damit die Familie am Monatsanfang wieder die Miete, den Strom und die Versicherungen bezahlen kann, oder die Raten für das Haus.

Der Traum vom eigenen Heim

Natürlich ist ein Haus ein gewisser Luxus. Oft haben gewissenlose Makler die schönsten Konditionen zusammengerechnet, um den Kredit für ein kleines Budget möglichst annehmbar zu machen. Aber bezahlt werden muß es doch. Und natürlich gibt es unter den Sozialhilfeempfängern heute auch Leute, die alle Hoffnung aufgegeben haben, jemals wieder eine Arbeit finden zu können, die Flaschen aufsammeln, um sich was zu essen kaufen zu können. Gern wird denen unterstellt, sie wollten gar nicht arbeiten. Doch was Arbeit betrifft, sollte man mal die 500 reichsten Familien Deutschlands befragen, wie man „durch fleißige Arbeit“ reich und immer reicher wird…

Warum gibt es eigentlich „Arbeitslosigkeit“?

ArbeitDie „Arbeitslosigkeit“ ist eine für den Kapitalismus typische Erscheinung des Mangels an Erwerbsmöglichkeiten für einen Teil der Werktätigen. Sie wird hervorgerufen durch das Wirken ökonomischer Gesetze des Kapitalismus. Im Prozeß der kapitalistischen Akkumulation entsteht eine industrielle Reservearmee. Der wissenschaftlich-technische Fortschritt führt zu Rationalisierung und massenhafter Einsparung von Arbeitskräften. Viele Produkte werden aus Kostengründen in Billiglohn-Ländern hergestellt, und selbst ein Aufschwung der Wirtschaftsentwicklung bringt keine neuen Arbeitsplätze hervor. Das kann man alles nachlesen im „Kapital“ von Karl Marx.

Welche Formen der „Arbeitslosigkeit“ gibt es?

Die sogenannte „Arbeitslosigkeit“ tritt in verschiedenen Formen auf, z.B. als latente „Arbeitslosigkeit“, saisonale „Arbeitslosigkeit“ (z.B. im Bauwesen, in der Landwirtschaft), fließende „Arbeitslosigkeit“ (betrifft Werktätige, die der hohen Arbeitsintensität nicht mehr gewachsen sind und die bis zur Übernahme einer neuen Beschäftigung erwerbslos sind), stockende „Arbeitslosigkeit“ (z.B. Gelegenheitsarbeiter). Unter den Bedingungen der wissenschaftlich-technischen Revolution wird die strukturelle „Arbeitslosigkeit“ immer bedeutsamer, sie setzt Beschäftigte ganzer Industriezweige frei (z.B. Bergbau) oder bewirkt weitgehende Berufsumschichtungen.

Kann eine Konjunktur für Vollbeschäftigung sorgen?

ArbeitsamtDas ist natürlich eine Illusion. Der Umfang der „Arbeitslosigkeit“ schwankt mit dem industriellen Zyklus, er ist in der Phase der Krisen und der Depressionen am größten und geht in der Phase der Belebung und des Aufschwungs zurück. In der Periode der allgemeinen Krise des Kapitalismus ist die „Arbeitslosigkeit“ selbst in Zeiten der Hochkonjunktur eine ständige Erscheinung und nimmt einen chronischen Charakter an. Hinzu kommt noch die immer mehr zunehmende Kurzarbeit, bei der die Arbeiter nur während eines Teils des Arbeitstages oder der Arbeitswoche beschäftigt sind. Die „Arbeitslosigkeit“ ist ein wesentliches Element der Verelendung des Proletariats; sie drückt auf den Lohn der Beschäftigten und senkt das durchschnittliche Realeinkommen der Arbeiterklasse. Die „Arbeitslosigkeit“ wird ebenso wie die Kurzarbeit zur weiteren Steigerung der Arbeitsintensität ausgenutzt und verschlechtert auch auf diese Weise die Lebenslage der Werktätigen. Im Kapitalismus wird es – wie gesagt – nie eine Vollbeschäftigung geben. Nicht einmal annähernd!

Die „Arbeitslosigkeit“ im Kapitalismus ist gesetzmäßig

needworkDie sogenannte „Arbeitslosigkeit“ ist ein besonders deutlicher Ausdruck der Fäulnis des Kapitalismus. Die entwickelten kapitalistischen Staaten versuchen, sie durch konjunkturelle Maßnahmen einzudämmen. Aber auch diese Maßnahmen wie alle Versuche, eine „Vollbeschäftigung“ im Kapitalismus zu erreichen, können die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten, die die „Arbeitslosigkeit“ verursachen, nicht aufheben. Die Zunahme der „Arbeitslosigkeit“ wurde in den letzten Jahren zu einer ständigen Erscheinung. Je größer die industrielle Reservearmee der „Arbeitslose“n, desto höher ist der Druck auf die Beschäftigten, den jeder von ihnen ist mehrfach ersetzbar durch wartende „Arbeitslose“. Erst im Sozialismus verschwindet die „Arbeitslosigkeit“, da hier die ökonomischen Bedingungen ihrer Entstehung beseitigt sind.

Quelle: Vgl. Kleines politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin, 1973, S.66.


Begriffserklärung: Je höher die Arbeitsproduktivität ist, desto mehr Produkte werden vom einzelnen Arbeiter in der gleichen Zeit produziert. Das heißt, es steigt der Wert der benötigten und verbrauchten Produktionsmittel im Verhältnis zum gezahlten Lohn. Um konkurrenzfähig zu bleiben, setzt der Kapitalist diesen erzielten Profit ein, z.B. zur Anschaffung neuer Maschinen. Damit erhöht sich der Wert der eingesetzten Produktionsmittel. Es steigt der Profit, nicht der Lohn. Die Entwicklung der Technik verschlechtert also die Lage der Arbeiter, denn die nicht mehr benötigten Arbeiter werden entlassen. Würde sich also der Kapitalist nicht ständig den durch die Mehrarbeit der Lohnarbeiter erzeugten Profit aneignen, so wäre sein Kapital bald völlig verbraucht. Die Arbeiter haben nichts als ihre eigene Arbeitskraft. Und die müssen sie dem Kapitalisten verkaufen, um überhaupt existieren zu können. Und die Produktionsmittel verbleiben weiterhin in der Hand der Kapitalisten. Sie sind also nicht durch Sparsamkeit reich geworden, sondern durch den angeeigneten Profit.


Zur „Arbeitslosen“-Statistik schreibt Klaus Wallmann sen. (Randzone):

„Erneut sei die Zahl der ‚Arbeitslosen‘ leicht gesunken, so der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA) Frank-Jürgen Weise, der für den Juni die Zahl 2.809 Millionen verkündete. Zwar ist die sai­son­be­rei­nigte ‚Arbeits­lo­sig­keit‘ in den letzten Monaten gestiegen (BA-Bericht Juni 2012, S.12f), doch Weise rechnet natürlich lieber nicht mit einer allgemeinen ‚Trendwende zum Schlechteren’. Blicken wir wie gewohnt auf die aussagekräftigere Zahl der Leistungsempfänger, die weiterhin bei knapp sieben Millionen verharrt. 767.982 Menschen erhielten im Juni ‚Arbeitslo­sen­geld‘ I, weitere 4.473.425 mußten mit Hartz IV (ALG II) überleben, und 1.704.360 Menschen erhielten Sozial­geld. Das sind zusammen 6.945.767 Leistungsempfänger. Auch diese Zahl zeigt noch nicht das wahre Ausmaß, denn hinzu kommen noch die Empfänger von Wohn­geld, von Kinderzuschlag, von Grund­si­che­rung im Alter oder von Sozi­al­hilfe nach SGB XII. Und liest man auch noch die Fußnoten im BA-Bericht, die von Hochrechnungen und ‚Untererfassung’ schwätzen, so sind wohl selbst diese hochoffiziellen Zahlen noch nicht das Ende der Fahnenstange. Der ständig bejubelte ‚Erfolg’ der Arbeitsmarktpolitik der Monopolregierungen in den vergangenen Jahren wird durch den eigenen Bericht der Bundesarbeitsagentur vom Dezember 2004 treffend charakterisiert. Damals gab es offiziell 4.321.000 Leis­tungs­emp­fänger, die Arbeits­lo­sen­geld bzw. ‚Arbeits­lo­sen­hilfe‘ erhielten. Heute sind es fast sieben Millionen!“

Quelle: http://www.randzone-online.de/?p=14864


Siehe auch:
Das Gerede von der schwindenden „Arbeitslosigkeit“
DDR: Das Recht auf Arbeit

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4 Antworten zu Warum gibt es im Kapitalismus keine bezahlte Vollbeschäftigung?

  1. eipram schreibt:

    Sehr guter Artikel, ja, leider ist die Realität so und noch viel grausamer, weil Menschen, sind diese erst einmal unten angekommen, wird sich leider nichts ändern! Nur wenige, i.d.R. duch Beziehungen und viel Glück, schaffen es aus diesem Keller wieder heraus!

    Die BRD, einst der Traum vieler DDR-Bürger, ist leider zum Albtraum mutiert! Spätestens nach Einführung der sogenannten Hartz – Gesetze hat die BRD – Verwaltung sämtlich Menschlichkeit, sofern diese im Vorfeld jemals vorhanden gewesen war, verloren!

    Arbeitslose, die schwächsten in der Gesellschaft, werden regelrecht sanktioniert, schikaniert und diszipliniert! Es herrscht teilweise offene Willkür! Anträge werden mitunter bewusst geschreddert bzw. vernichtet, einzig allein aus dem Grund, um durch die Politik vorgegebene Einsparungspotenziale zu erreichen!

    Menschen müssen daher hungern, können keine Mieten pünktlich zahlen bzw. anderen sonstigen finanziellen Verpflichtungen nicht nachgekommen. Ein wahrer Teufelskreislauf!

    Menschen in Angst und auf Trab zu halten, scheint die neue Devise zu sein im selbsterklärten „Sozial- u. Rechtsstaat“ BRD zu sein!

    7 Millionen Menschen, dass muss man sich mal vorstellen, fast 10 Prozent der Gesamtbevölkerung! Dabei gibt es genug zu tun in diesem Land!

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