Pater Pawel – ein sowjetischer Held

Pater_Pawel

Pater Pawel – Veteran des Großen Vaterländischen Krieges

Bei der heldenhaften Verteidigung der Stadt Leningrad und während der Blockade durch die faschistische Wehrmacht spielte auch die Russisch-Orthodoxe Kirche eine gewichtige Rolle. Nachdem Stalin das Volk zum vereinten Kampf gegen den deutschen Faschismus und zur Verteidigung der Heimat aufgerufen hatte, wandte sich auch der Metropolit Sergej an die russischen Gläubigen. Tausende von ihnen schlossen sich den Partisanen an oder meldeten sich freiwillig zum Einsatz an der Front. Von „religiöser Unfreiheit“ in der Sowjetunion wurde in der westlichen Welt viel gelogen. Über eine Begegnung mit einem sowjetischen Geistlichen im Jahre 1948 schreibt die Berliner Arbeiterveteranin Emmy Koenen:

Frau Dr. Stark-Wintersig*, die der CDU angehörte, hatte den Wunsch, das Kirchenproblem zu studieren. Sie wollte selbst einem Gottesdienst beiwohnen. Wir entschieden, gemeinsam zur Andacht in die größte Moskauer Kathedrale zu gehen. Das Innere zeugte von großem Reichtum. Ich war erstaunt über die vielen Besucher. Als wir die Kathedrale verließen, gab es unter uns Diskussionen über Toleranz und Fürsorge gegenüber Gläubigen. Der Anlaß waren Straßenbahnwagen, die hier regelmäßig warteten, um die Kirchenbesucher in ihre Wohnbezirke zurückzufahren. Dr. Stark-Wintersig hatte das in der Hauptstadt der Sowjetunion niemals erwartet. In Leningrad trafen wir mit dem Stellvertreter des Metropoliten von Leningrad, Nowgorod und Pskow, Pater Pawel (Terassow) zusammen.

Wir waren erstaunt über die hohen sowjetischen Orden, die er trug. Er erklärte, als sowjetischer Patriot habe er die russische Mutter Erde gegen die deutschen Faschisten verteidigt und dafür den Orden „Für besondere Verdienste bei der Verteidigung Leningrads“ erhalten. Die zweite hohe staatliche Auszeichnung habe er „Für ehrenvolle patriotische Arbeit“ bekommen. Er wurde mit Fragen überschüttet. Obwohl mir die Position der Kirche bei völliger Trennung vom Staat nicht fremd war, hörte ich viele neue Fakten. Ich erfuhr Einzelheiten über die wirtschaftlichen Grundlagen der Kirche sowie die Ausbildung von jungen Priestern. Aufhorchen ließen uns Tatsachen über die Rolle der Kirche bei der 900 Tage andauernden barbarischen Belagerung Leningrads. Der Metropolit antwortete erschöpfend auf alle Fragen. Als von uns aus nochmals nach der wirtschaftlichen Selbständigkeit gefragt wurde, beendete der wohlbeleibte Pater Pawel, breit lachend, das Gespräch mit dem Ausruf: „Sehe ich so aus, als ob die Kirche in wirtschaftlichen Nöten ist?“

* war 1948 in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) Berliner Abgeordnete und Stadträtin für Sozialwesen

Quelle:
Emmy Koenen, in: Im Zeichen des Roten Sterns – Erinnerungen an die deutsch-sowjetische Freundschaft, Dietz Verlag Berlin, 1974, S.258f.
Foto: Artur Bondar

Siehe auch:
Die Blockade: deutscher Völkermord in Leningrad
Blockade – oder der traurige 12.Dezember

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2 Antworten zu Pater Pawel – ein sowjetischer Held

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