Über die imperialistische Massenkultur

imagesWir werden heute überschüttet mit einer schier unüberschaubaren Menge an Veranstaltungen „Events“, Dorffesten, Mühlentagen, Sängerwettstreiten, Vereinsfesten, Einweihungsfeierlichkeiten und dergleichen mehr. Hinzu kommen Hunderte von Sportveranstaltungen und Auftritte von Bands und Comedy-Akteuren. Nicht zuletzt bemühen sich auch Theater und Orchester, Chöre, Tanzgruppen und bildende Künstler um ihren Anteil am großen Unterhaltungsrummel.

Nun ist es ja nicht so, daß wir dem Publikum den Spaß nicht gönnen. Doch geht man der Sache auf den Grund, ist das alles oft nichts weiter, als eine willkommene Ablenkung von den wirklich wichtigen Themen dieser Welt, von den brennenden Fragen unserer Zeit, deren man heute fast überdrüssig zu sein scheint. Man mag die ständigen Hiobsbotschaften aus aller Welt und aus dem eigenen Land schon nicht mehr hören: Naziaufmarsch, V-Leute, Untersuchungsausschuß, Eurokrise, Griechenland, Syrien – das „Reich der Finsternis“ des „Schlächters“ Assad (das hatten wir schon mal bei Ghaddafi!), Vernichtung der Regenwälder, Sparkurs, Welthungerhilfe, Giftmüll, Kinderarbeit, Neuverschuldung, Atomkraft, Drohnenangriff, Armut in Deutschland, Auslandseinsätze, Hartz IV und, und, und…

Statt dessen aber (wie willkommen!): die „geheime“ Aufstellung der deutschen Fußballmannschaft, bunte Spiegelüberzieher und Lappen an Autos und Fenstern, Regale voller Fanartikel – oder was eben sonst noch in den Kram paßt. Die imperialistische Massenkultur scheint da keine Grenzen zu kennen, weder künstlerische noch moralische. Erlaubt ist, was gefällt! Und da ist das Publikum nicht gerade wählerisch. Doch wie er gekommen ist, so schnell verschwindet der Spuk auch wieder – die gesellschaftliche Wirklichkeit, sie bleibt! Man braucht sich also über das offensichtliche Desinteresse der Menschen an politischen Dingen nicht zu wundern. Sie alle unterliegen der Manipulierung durch die Massenmedien. Oft wissen wir hier nicht einmal, was wirklich stimmt – und wir wissen nicht: was wird uns verschwiegen…

Was verstehen wir unter imperialistischer Massenkultur?

Es ist ein Sammelbegriff zur Charakterisierung der zumeist fließbandartig hergestellten, massenhaft produzierten und verbreiteten Kitsch-, seichten Unterhaltungs-, Schund- und Pseudokulturerzeugnisse der kapitalistischen Kulturindustrie, die die Aufgabe hat, die reaktionäre Ideologie der Bourgeoisie massenhaft zu verbreiten, der revolutionären Umgestaltung der bürgerlichen Gesellschaft entgegenzuwirken, die sozialistische Ideologie zu bekämpfen und die Kampfkraft der Volksmassen gegen die Herrschaft der Monopole zu lähmen. Die Entwicklung der imperialistischen Massenkultur ist ein charakteristisches Produkt des spätbürgerlichen Kulturverfalls.

Der dominierende bürgerliche Kulturbetrieb

Herausbildung und Entwicklung der imperialistische Massenkultur muß in engem Zusammenhang mit dem Imperialismus, mit der Zuspitzung aller sozialen Widersprüche des Kapitalismus, mit dem verstärkten ideologischen Klassenkampf der Monopolbourgeoisie gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung, mit der Herausbildung einer Kulturindustrie als ergiebigem Zweig kapitalistischen Profitstrebens und mit der zunehmenden Monopolisierung in diesem Bereich gesehen werden. In den kapitalistischen Ländern bildet die imperialistische Massenkultur die dominierende Erscheinung des Kulturbetriebes und einen Hauptzweig imperialistischer Ideologieproduktion und -verbreitung. In ihr wirken monopolkapitalistisches Profitstreben und ideologische Massenbeeinflussung im reaktionären Klasseninteresse der Monopolbourgeoisie auf das unmittelbarste zusammen. Sie bestimmen den volksfeindlichen Grundcharakter der imperialistische Massenkultur, ihre Rolle bei der geistigen Manipulierung der Volksmassen.

Welchen Einfluß haben die Massenmedien?

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Ist wirklich alles in Ordnung?

Die antagonistischen Widersprüche im staatsmonopolistischen Kapitalismus, die Gegensätze zwischen Reich und Arm sind unversöhnlich. Und sie werden ständig größer. Unter den heutigen staatsmonopolistischen Verhältnissen haben sich die Massenmedien zu gigantischen Instrumenten zur Vertuschung dieser Realitäten und zur geistigen Manipulierung der Menschen entwickelt. In der imperialistische Massenkultur zeigt sich die Kultur- und Kunstfeindlichkeit des Imperialismus. Im gegenwärtigen staatsmonopolistischen Kulturbetrieb ist die beherrschende Stellung der imperialistische Massenkultur nicht zu trennen von der Ausnutzung der kulturellen Produktion im Fernsehen und Rundfunk, in der Film- und Schlagerproduktion, im kapitalistischen Presse- und Verlagswesen für die volksfeindlichen Klasseninteressen der Monopolbourgeoisie.

Welche Tendenzen gibt es?

  • Flucht aus der Wirklichkeit des Imperialismus in Traum-, Ersatz- oder Pseudowelten über Videos, Kinderfilme und Comic-Hefte,
  • Kultivierung von Brutalität, Gewalt und Verbrechen durch Computer- und Internetspiele sowie durch wirklichkeitsfremde und gewaltverherrlichende Videoclips und Filme,
  • Reduzierung des Menschlichen auf das Triebhafte durch sexistische und pornographische Darstellungen und Abbildungen,
  • massenhafte Inszenierung und Verbreitung von Pseudowelten des „schönen Scheins“,
  • Glorifizierung des Lebensstils der monopolkapitalistischen Herrschaftsschicht und der sie umgebenden Emporkömmlinge, der Adelsprößlinge und der „Erfolgsmenschen“ des imperialistischen Herrschaftssystems
  • Propagierung eines von Antikommunismus geprägten imperialistischen Menschenbildes usw.

Die Verbreitung dieser ideologischen Leitbilder ist verbunden mit einer fortschreitenden Deformierung und Manipulierung der geistig-kulturellen Bedürfnisse der Volksmassen durch die kapitalistische Kultur- und Vergnügungsindustrie.

Die Deformierung von Kunst und Kultur

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Kunst?

Das Zusammenleben der Menschen ist heute gekennzeichnet von einem fortschreitenden Verfall der sozialen Beziehungen, Sitten und Normen. Die Umgangsformen werden rauher und herzloser. Infolge der Ausbeutung entwickelt sich eine zunehmende Entfremdung der Menschen von der Arbeit und ihrer gesellschaftlichen Umwelt. Allmählich wird auch der noch an den Sinn menschlicher Existenz und menschlichen Schaffens glaubende, optimistische Mensch des aufsteigenden Bürgertums durch den pessimistischen, resignierenden Typ verdrängt. Der ganze Prozeß läuft auf eine hochgradige Enthumanisierung der zwischen-menschlichen Beziehungen hinaus. Das widerspiegelt sich auch in Kunst und Kultur in unserer spätbürgerlichen Gesellschaft.

Wie wirkt die Kunst auf den Betrachter?

Die Vorherrschaft der imperialistische Massenkultur geht einher mit der ständigen Pflege reaktionärer Kultur- und Geistesströmungen der Vergangenheit, mit der Deformierung und Entstellung von Teilen des humanistischen Kulturerbes, mit Versuchen, modernistischer Kunst eine größere Massenbasis zu verschaffen, mit der Zurückdrängung aller Elemente einer demokratischen und sozialistischen Kultur in den kapitalistischen Ländern sowie mit dem ständigen Kampf gegen die in den sozialistischen Ländern entstandenen Kultur. Nur durch die Überwindung des Imperialismus werden letztlich die sozialen Grundlagen dieser menschenverachtenden Massenkultur beseitigt.

Quelle:
vgl. Kleines politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin (DDR), 1973, S.352f.

Siehe auch:
Imperialistische Kulturpropaganda
Absturz in Irreale: Perspektiven von Kunst und Kultur in unserer Zeit

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