Die Rolle der Persönlichkeit

Bekannt ist die Äußerung Stalins „Kader entscheiden alles“. Tatsächlich ist der Einfluß bedeutender Persönlichkeiten auf den Gang der Geschichte sehr groß – vorausgesetzt, sie sind in der Lage, die Volksmassen in deren eigenem Interesse und zu deren Vorteil zu beeinflussen. Ohne Führung ist das Volk eine unkoordinierte Menschenmenge. In seinem Buch über Ernst Thälmann schrieb der kommunistische Schriftsteller Willi Bredel über die Rolle dieses bedeutenden Arbeiterführers:

Es ist eine dumme und vulgäre Behauptung reaktionärer Historiker, daß der Marxismus die besondere Bedeutung hervorragender Persönlichkeiten leugne. Ignoriert wird schlankweg, was Karl Marx über die Menschen, die „ihre Geschichte machen“, geschrieben hat. In seiner Schrift „Der Achtzehnte Brumaire“ heißt es:

„Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen.“

Und Stalin äußerte sich über dieselbe Frage in einer Unterredung mit dem deutschen Schriftsteller Emil Ludwig:

„Der Marxismus verneint keineswegs die Rolle hervorragender Persönlichkeiten oder daß die Geschichte von Menschen gemacht wird … Allerdings machen die Menschen die Geschichte nicht so, wie es ihnen die Phantasie eingibt, nicht so, wie es ihnen gerade einfällt. Jede neue Generation findet bestimmte Verhältnisse vor, die bereits in fertiger Gestalt vorhanden waren, als diese Generation zur Welt kam. Und die großen Männer sind nur insofern von Bedeutung, als sie imstande sind, diese Verhältnisse richtig zu verstehen, zu verstehen, wie sie zu ändern sind. Wenn sie diese Verhältnisse nicht verstehen und sie so verändern wollen, wie es ihnen ihre Phantasie eingibt, so geraten diese Männer in die Lage eines Don Quichotte.“

Die Voraussetzung eines wirklichen Führers, daß er die Bedingungen des geschichtlichen Handelns erkennt und begreift, bedingt vor allem Volksverbundenheit. Der proletarische Führer ist verbunden mit der Arbeiterschaft und der Partei der Arbeiter, und sie, die Partei, ist die politische Führerin der Arbeiterklasse und bringt die wahren Führer der Arbeiter hervor.

Das sogenannte „Führerprinzip“ der Hitlerfaschisten war nichts anderes als das Prinzip einer Diktatur im Auftrage einer Minderheit von Ausbeutern und Kriegstreibern, die ihre Gewaltherrschaft über das Volk ausübten und sich dabei jeder Kontrolle des Volkes entzogen haben.

ThaelmannDer Arbeiterführer Ernst Thälmann hingegen, getragen vom Willen und Vertrauen der Parteimitgliedschaft, Vorsitzender einer nach dem Organisationsprinzip des demokratischen Zentralismus gewählten Parteileitung, die gemeinsam berät, gemeinsam beschließt, gemeinsam führt, war ein wahrhafter Volksführer. In den Jahren vor dem ersten Weltkrieg hatte die deutsche Arbeiterbewegung in August Bebel einen Führer von außerordentlicher Popularität. Nach Bebels Tod hat die deutsche Sozialdemokratie eine solche Persönlichkeit nicht mehr hervorgebracht. Im Kriege und in der Revolution wurden Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg durch ihre Treue, ihre Kühnheit und Entschlossenheit die Helden der vorwärtsdrängenden Arbeiter. Die Reaktion ermordete beide, denn die junge Kommunistische Partei sollte enthauptet werden.

In der Tat war die deutsche Arbeiterschaft jahrelang ohne eine besonders hervortretende Führerpersönlichkeit. Erst als Ernst Thälmann innerhalb der Kommunistischen Partei und dann über den Rahmen der Partei hinaus in den Massen der Arbeiter der ärmeren Bauernschaft und des städtischen Kleinbürgertums Vertrauen und Ansehen gewann, von Millionen verehrt und geliebt, hatten die Werktätigen Deutschlands wieder einen Führer. Ernst Thälmann wurde der Erbe von August Bebel, von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg.

Quelle:
Willi Bredel, Ernst Thälmann – Beitrag zu einem politischen Lebensbild, Dietz Verlag, Berlin 1950, S.83f.

Siehe auch:
  Über die „Freiheit der Andersdenkenden“

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