Kleines Wörterbuch des Marxismus: Was ist Ideologie?

antifaschMan muß es eigentlich nicht wiederholen, aber wir leben im Kapitalismus! Und so gibt es bei den ständig sich verschärfenden Diskussionen zwischen den Klassen immer wieder Unklarheiten darüber, ob ideologische Auseinandersetzungen heute überhaupt noch sinnvoll sind. Was ist denn nun eigentlich Ideologie? Ist Ideologie denn nicht in Verruf geraten? Wozu brauchen wir überhaupt eine Ideologie? Sollten wir uns nicht doch lieber den politischen Auseinandersetzungen, den praktischen Kämpfen der Klassen zuwenden? Fragen über Fragen. Das führt sogar so weit, daß bei gewissen Pragmatikern die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Faschismus als bildungsbürgerliches Geschwätz abgetan wird! Abgesehen davon, daß ein solcher wissenschaftsfeindlicher Standpunkt der herrschenden Klasse gerade recht kommt, beraubt eine solche Haltung die Arbeiterklasse im Kampf gegen die Ausbeutergesellschaft ihrer wichtigsten Grundlage, des Marxismus-Leninismus, der ja alles andere ist als theoretisches Geschwätz. Die marxistisch-leninistische Weltanschaung ist eine Anleitung zum Handeln. Erst wenn es im Kopf klar ist, wissen die Hände, was sie tun.

Der folgende Text wurde einem marxistisch-leninistischen Wörterbuch entnommen und wird hier unverändert wiedergegeben. Auch wenn manche Formulierung nicht mehr dem heutigen Sprachgebrauch entspricht und u.U. als zu trocken oder als leblos empfunden wird, sind die Kerngedanken der Erklärung auch heute noch gültig. Vielleicht ist es auch so, daß man unter den heutigen kapitalistischen Verhältnissen diesen Text mit anderen Augen liest, als das noch in der DDR der Fall warEs wäre interessant festzustellen, was davon für uns heute eine ganz neue Bedeutung erhalten hat, und wie man das Gesagte ggf. auch anders ausdrücken könnte. Der besseren Lesbarkeit halber wurden hier Zwischenüberschriften eingefügt…

Ideologie: System der gesellschaftlichen Ideen (der politischen, rechtlichen, philosophischen, moralischen, künstlerischen, religiösen usw.), die durch die materiel­len Verhältnisse der Gesellschaft, insbesondere die Produktionsverhältnisse, bedingt, bestimmte Klas­seninteressen zum Ausdruck bringen. Sie sind darauf gerichtet, das Denken, Fühlen und Handeln der Menschen im Sinne dieser Interes­sen zu beeinflussen, entspre­chende Verhaltensnormen, Einstellungen und Wertungen zu entwickeln. Die Ideologie trägt Klassencharakter.

„Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herr­schenden Gedanken, d. h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende gei­stige Macht.“ (MEW, 3, 46)

Welche Rolle spielt das Privateigentum an Produktionsmitteln?

Die Ideologie einer Klasse ist nach Inhalt und Form durch deren Stellung in einer historisch bestimmten Gesell­schaft – vor allem durch Ihr Verhältnis zum Eigentum zu den Produktionsmitteln – bedingt, wobei allgemein gilt, daß alle vorsoziali­stischen Ideologien nur in den Grenzen der Klassenpolitik eine relativ richtige Widerspiegelung der objektiven gesellschaftlichen Verhältnisse bil­den und zugleich mit Elementen der Verzerrung, der Illusionierung und der apologetischen Rechtferti­gung dieser Verhältnisse verbunden sind.

Wer bestimmt heute die öffentliche Meinung?

In der Ideologie der aufstrebenden Bour­geoisie erscheint beispielsweise Ihr eigenes Klasseninteresse als Inter­esse der gesamten Gesellschaft; die Verwirklichung ihrer Klassenziele erscheint als Realisierung des In­teresses aller unterdrückten Klas­sen und Schichten. In dem Maße, wie die zur Herrschaft gelangte Ausbeuterklasse zum Hemmnis weiterer gesellschaftlicher Entwicklung wird, dient die Ideologie dazu, ihre überlebte Herrschaft zu verteidigen, indem sie die sich herausbil­dende Ideologie der unterdrückten und ausgebeuteten Klassen bekämpft und die Ewigkeit und Unveränder­lichkeit der bestehenden Verhältnisse erklärt.

Wozu brauchen wir die marxistische Ideologie?

Die Ideologie der Arbeiterklasse ist zum Unterschied von allen anderen Ideologien  wissenschaftlich begründet, offen parteilich und eine Anleitung zum praktisch-revolutionären Handeln. Sie bringt in wissenschaftlicher Form die historische Aufgabe der Arbeiterklasse zum Ausdruck: die kapitalistische Gesellschaft und damit die antagonistische Klassenge­sellschaft überhaupt zu beseitigen und den Sozialismus und Kommu­nismus, d. h. die klassenlose Ge­sellschaft, zu errichten. Die Arbei­terklasse kann diese Aufgabe nur erfüllen, weil sie über die wissen­schaftliche Erkenntnis der gesell­schaftlichen Bewegungs- und Entwicklungsgesetze verfügt.

Warum ist marxistische Ideologie unverzichtbar?

Die wissenschaftliche Grundlage der sozialistischen Ideologie der Marxismus-Leninismus, wurde von Marx, Engels und Lenin als Ergebnis wissenschaftlicher Arbeit sowie der Verallgemeinerung der praktischen Erfahrungen des Klassenkampfes geschaffen. Er muß durch die revo­lutionäre Partei in die Arbeiter­klasse hineingetragen werden, da­mit er zur materiellen Gewalt wird. Nur dann ist die Arbeiterklasse in der Lage, ihre historische Mission zu erfüllen. Deshalb ist für die marxistisch-leninistische Partei die ideologische Arbeit Herzstück Ihrer revolutionären Tätigkeit.

Wie werden gesellschaftliche Verhältnisse verändert?

Indem die Arbeiterklasse ihre füh­rende Rolle verwirklicht, entwickelt Sie im Prozeß des sozialisti­schen Aufbaus und der Errichtung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft, sowie später beim all­mählichen Übergang zur kommuni­stischen Gesellschaft die sozialisti­sche Ideologie zur Ideologie des gesamten werktä­tigen Volkes. Da die sozialistische Gesellschaft nur bewußt errichtet werden kann, was sowohl Wissen um die gesellschaftlichen Gesetz­mäßigkeiten als auch die Herausbil­dung gemeinsamer Grundüberzeugungen und eines gesellschaftli­chen Gesamtwillens voraussetzt, ist die Vermittlung der sozialistischen Ideologie und eine ständige ideologische Erziehung unerläßlich.

War das Programm der SED richtig?

Im Programm der SED, das vom IX. Parteitag beschlossen wurde, heißt es:

„Grundanliegen der politisch-ideologischen Tätigkeit der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands ist es, die Arbeiterklasse und alle Werktätigen mit den revolutionären Ideen des Marxismus-Leninismus auszurüsten, ihnen die Politik der Partei zu erläutern, Ihr sozialistisches Denken, Fühlen und Handeln zu entwickeln, sie für die Lösung der Aufgaben zu mobilisieren und sie gegen alle Einflüsse der imperialistischen und bürgerlichen Ideologie zu wappnen.“ (Programm der SED, 94)

Im Klassenkampf um die Beseitigung des Imperialismus sowie im sozialistischen und kommunistischen Aufbau bereichert sich die sozialistische Ideologie ständig. Zwischen bürgerlicher und sozialistischer Ideologie findet ein unversöhnlicher Kampf statt; dieser ist eine wichtige Form des Klassenkampfes.

Warum bekämpft die Ausbeuterklasse die Kommunisten?

Vernachlässigung des ideologischen Kampfes der Arbeiterklasse bedeutet faktisch Stärkung der bürgerlichen Ideologie. In unserer Epoche spielt sich der ideologische Klassenkampf zwischen Sozialismus und Imperialismus zu. Besonders im Ergebnis der aggressiven Konfrontationspolitik des amerikanischen Imperialismus hat sich der ideologische Kampf enorm verschärft, wobei die bürgerliche Ideologie erneut alle Formen des Antikommunismus mobilisiert. Die Erfahrungen dieses Kampfes bestätigen Lenins Feststellung: „…bür­gerliche oder sozialistische Ideolo­gie. Ein Mittelding gibt es hier nicht … Darum bedeutet jede Herabminderung der sozialistischen Ideologie, jedes Abschwenken von ihr zugleich eine Stärkung der bürger­lichen Ideologie.“ (LW, 5, 396)

Welche Ansichten vertrat die Sozialistische Einheitspartei der DDR?

„Mit der Veränderung des Kräfteverhältnisses zugunsten des Sozia­lismus und des Friedens wächst die Rolle des ideologischen Kampfes.  Imperialistische und rechtssozial­demokratische Theorien über die angebliche Fähigkeit des Kapitalismus, Wirtschaftskrisen und grund­legende Widersprüche, Klassen und Klassenkampf zu überwinden, die kapitalistische Gesellschaft in eine durch Klassenharmonie, soziale Sicherheit, Demokratie und Gerechtigkeit gekennzeichnete Ge­sllschaft zu verwandeln, haben sich ebenso als falsch erwiesen, wie die Versuche gescheitert sind, den Sozialismus durch revisionistische und sozialreformistische Ideologien zu unterwandern. Dennoch verstärkt der Imperialismus seine ideologischen Angriffe gegen den Sozialismus, gegen den Marxis­mus-Leninismus. Im Bestreben, ein zum Untergang verurteiltes System zu erhalten, greift er zu vielfältigen antikommunistischen politischen und ideologischen Konzeptionen und Methoden des Kampfes sowie zu Provokationen und organisierter Diversion gegen den gesellschaftlichen Fortschritt. Die Sicherung eines dauerhaften Friedens und des gesellschaftlichen Fortschritts schließt deshalb die konsequente Auseinandersetzung mit den Feinden der friedlichen Koexistenz von Staaten unter­schiedlicher sozialer Ordnung, mit dem Antikommunismus und Anti­sowjetismus, dem Nationalismus und Rassismus und der Hetze ge­gen andere Völker ein.“ (Programm der SED, 19/20)

Dabei gilt es, die Auseinandersetzung auf die ex­trem antikommunistischen und friedensgefährdenden Ideologien zu kon­zentrieren und auch mit solchen bürgerlichen Ideologien im Geist der ge­meinsamen Verantwortung für den Frieden zusammenzuwirken, die sich dem aggressiven Kriegskurs widersetzen. Das verlangt Tole­ranz und Prinzipienfestigkeit, um einerseits alle Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Interesse der Sicherung des Friedens auszu schöpfen und andererseits keine Verwässerung der sozialistischen Ideologie zuzulassen.

Quelle:
Alfred Kosing: Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie, Dietz verlag, Berlin, 1985, S.245-247.

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