Igor Adabaschew: Droht uns der Weltuntergang?

RuinenSchon zu allen Zeiten haben sich die Menschen Gedanken gemacht, wie wohl einmal ihre Zukunft aussehen wird. Im Jahre 1977 erschien im Verlag Mir (Moskau)  und Urania-Verlag (Berlin) ein Buch, in dem sich Wissenschaftler darüber Gedanken machen. Der sowjetische Zukunftsforscher Igor Adabaschew schrieb: Im Unterschied zum Tier kennt der Mensch heute in vielen Fällen fast keine begrenzenden Faktoren. Überall, wo es ihm notwendig erscheint, ist er bestrebt, die Natur zu verändern – Das sind keine allmählichen Wandlungen mehr, sondern sehr rasche Veränderungen…

Der größte Widerspruch unserer Epoche besteht darin, daß noch immer in einem Teil der Welt der Kapitalismus herrscht, obwohl er in die allgemeine Krise eingetreten ist und bereits nicht mehr den modernen Produktivkräften entspricht. Das Verhältnis des Kapitalismus zur Natur wird vielleicht am besten durch den folgenden Satz charakterisiert: Profit heute und nach mir die Sintflut. Durch die kapitalistische Gesellschaft haben sich Zerstörung und Plünderung der Natur noch beschleunigt. Im Vergleich zu diesen mit Unbedacht geweckten Kräften erscheinen Blitze, Vulkanausbrüche, sogar Erdbeben wie Kleinigkeiten. Es ist kein Zufall, daß heute in den USA die Zerstörung der Natur besonders zutage tritt und die Widersprüche zwischen Mensch, Natur und Industrie in ihrer ganzen Schärfe enthüllt werden.

Welche „Zukunftsvisionen“ bietet der Kapitalismus?

Ein bekannter amerikanischer Wissenschaftler, Professor Barry Commoner, schrieb darüber: »Mit jedem Tag wird deutlicher, immer klarer, daß wir für die vielen Wohltaten, die wir von der modernen Technik erhalten, einen hohen Preis zu entrichten haben: Wir vernichten die Natur. Die Vorzüge des Autotransports bezahlen wir mit Krankheiten und Zerstörungen, hervorgerufen durch den Smog. Die Anwendung von Chemikalien führt nicht nur zu einer Steigerung des Ernteertrags, sondern auch zur Vernichtung der Tiere, nützlicher Insekten und Fische, sie bringt auch eine Zerstörung der ökologischen Systeme mit sich. Die Nutzung der Kernenergie ist mit dem Risiko verbunden, die verderbliche Strahlung zu vergrößern. Die industriell entwickelten Länder der Welt ernten in erster Linie nicht nur die Früchte des Überflusses, den die Technik erbringt, sondern sie leiden auch in erster Linie unter den von ihr hervorgerufenen Zerstörungen des Milieus.

In früheren Zeiten waren die Veränderungen der Umwelt, hervorgerufen durch die Entwicklung der Technik, in der Regel lokal, rasch vorübergehend. Die neuen Gefahren sind unbegrenzt, weder im Raum noch in der Zeit. Noch kann man nicht sagen, wohin das führt: Möglicherweise droht uns eine die ganze Welt überziehende Sintflut oder, umgekehrt, eine neue Eiszeit.« [1]

Wird die menschliche Gesellschaft überleben?

Wird die Natur dem wissenschaftlich-technischen Fortschritt standhalten? Auf diese Fragen geben die Wissenschaftler der sozialistischen Länder eine optimistische Antwort, obwohl auch sie den Alarmcharakter der Situation nicht leugnen. Das unterschiedliche Herangehen an das Problem der Wechselbeziehung zwischen Mensch und Natur ist keinesfalls zufällig.

Kann man optimistisch sein?

Klammert man die unsinnige, durch nichts ernsthaft akzeptable Linie des Pseudooptimismus mit ihrem leeren Geschwätz aus, die bemüht ist, die drohende, bereits deutlich erkennbare ernste ökologische Krise in den entwickelten kapitalistischen Ländern zu vertuschen, dann kann man sagen: In der wissenschaftlichen Literatur des Westens, aber auch bei den meisten Politikern und »Geschäftsleuten«, hat sich ein »ökologischer Pessimismus« breitgemacht. Die bürgerlichen Wissenschaftler sehen eine zweifache Verkürzung der Lebensdauer voraus. Sie nehmen an, daß die Hälfte der Menschheit um die Mitte des 21. Jahrhunderts aussterben und daß die Natur vollständig vergiftet und zerstört sein wird, daß auch das Weltmeer stirbt. Als einzigen Ausweg betrachten sie die Herstellung eines sorgfältig austarierten »globalen Gleichgewichts«, sie rufen dazu auf, in Malthusscher Manier [2] die Bevölkerungszahl zu reduzieren, keine Erweiterung des Produktionsvolumens mehr zuzulassen, sich vom Fortschritt loszusagen. Die Wahrheit aber liegt woanders.

Welche Lösungen bietet der Kapitalismus?

In ihrer Mehrzahl sind die bürgerlichen Wissenschaftler nicht in der Lage, sich in der wahren Wechselbeziehung zwischen der modernen wissenschaftlich-technischen Entwicklung und der Umwelt zurechtzufinden. Bewußt oder unbewußt verabsolutieren sie den konkreten Typ der Wechselbeziehungen »Mensch-Natur«, wie er sich unter den Bedingungen des Kapitalismus formierte, und wenden ihn auf die gesamte Menschheit und auf den Planeten an. Aber die reale Welt entwickelt sich auf unterschiedlichen Wegen. Wenn der alte kapitalistische Weg der planlosen Gesellschaft, der auf einem System des Privatunternehmertums, des uneinheitlichen, nicht koordinierten persönlichen Besitzes an den Naturressourcen und darauf beruht, daß jedes Monopol aus seinem »Fetzen Natur« den maximalen Profit herausschlägt, wenn dieser Weg tatsächlich zum Anwachsen der Widersprüche zwischen Gesellschaft und Natur und letztendlich in die ausweglose Sackgasse führt, so führt die neue feste Straße der gesamten Menschheit — der Weg der planmäßigen kommunistischen Entwicklung — zur beständig wachsenden Verbesserung der Wechselwirkungen zwischen der menschlichen Gesellschaft und der Umwelt.

Welche Lebensperspektiven bietet der Kommunismus?

Bereits seit den ersten Tagen der Sowjetmacht erfreuten sich der Schutz der menschlichen Umwelt und die rationelle Nutzung der Naturressourcen großer Aufmerksamkeit von Seiten des ersten sozialistischen Staates. Erstrangige Bedeutung maß W.I. Lenin diesen Fragen bei. (3) Seine Ideen über ein sorgsames Verhältnis zu den Reichtümern der Natur, ihre ökonomische, möglichst vorteilhafte Nutzung für das ganze Volk, werden in breitem Umfang mit Leben erfüllt.

Das stürmische Wachstum von Wissenschaft und Technik machte das uralte Problem der Beziehungen zwischen Mensch und Natur besonders aktuell. Schon die ersten Sozialisten waren der Meinung, ein wichtiger Charakterzug der künftigen Gesellschaft würde in der Annäherung des Menschen an die Natur bestehen. Seither ist eine lange Zeit vergangen. Wir haben die neue Gesellschaft errichtet und vieles im Leben realisiert, wovon die Vorläufer des wissenschaftlichen Sozialismus nur träumen konnten.

Ein Artikel in der Verfassung der Sowjetunion

Verfassung

Artikel der sowjetischen Verfassung zum Schutze der Natur:

Die Erfahrung, die das erste Land des Sozialismus in einem halben Jahrhundert gesammelt hat, zeigt anschaulich, daß eine wirtschaftliche und umsichtige Nutzung der Naturressourcen, die Fürsorge für Grund und Boden, den Wald, die Flüsse, für reine Luft, für die Pflanzen- und Tierwelt eine ureigene Angelegenheit des Kommunismus ist. Eine vernünftige, planmäßige Nutzung der Naturreichtümer wird die Natur nicht nur erhalten und bereichern, sondern auch alle Voraussetzungen schaffen für weitere Erfolge in der Entwicklung von Industrie und Landwirtschaft, in der kontinuierlichen Steigerung der Arbeitsproduktivität und auf dieser Grundlage auch in der unablässigen Hebung des materiellen und kulturellen Lebensstandards unserer Generation und künftiger Generationen.

Quelle: Igor Iwanowitsch Adabaschew, Tragödie oder Harmonie? Verlag MIR und Urania Verlag Leipzig/Jena/Berlin, 1977, S. 26ff.

Anmerkungen:
[1] Commoner, Barry, 1977 [1976]: Energieeinsatz und Wirtschaftskrise, Die Grundlagen für den radikalen Wandel (The poverty of power [dt.]), Reinbek
[2] Der englische Geistliche und Ökonom Th.R.Malthus versuchte mit seiner unwissenschaftlichen Theorie des Bevölkerungswachstums die Not und das Elend der Arbeiterklasse zu rechtfertigen und die Notwendigkeit von Kriegen zu begründen.


Fazit: Die rücksichtslose imperialistische Ausbeutung der Naturressourcen und die weithin fehlende Rekultivierung der geschundenen Natur führt zu einem immer größer werdenden Ungleichgewicht zwischen Mensch und Umwelt. Nur eine radikale Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse kann die Menschheit vor der ökologischen Katastrophe retten. Doch dazu bedarf es zuallerst der Einsicht, daß in erster Linie der Kapitalismus schuld an dieser verheerenden Entwicklung ist. Eine Lösung der Menschheitsprobleme ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht möglich. Die Weltuntergangsstimmung, die von bürgerlichen Ideologen und religiösen Fanatikern immer wieder verbreitet wird, entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Grundlage. Sie dient lediglich dazu, die Menschen von den realen Problemen der kapitalistischen Gesellschaft abzulenken, ihnen Angst einzuflößen, und ihr Vertrauen in die eigene Kraft zu untergraben. Auch wenn dieser Text bereits im Jahre 1977 gechrieben wurde, so steht doch immer noch unumstößlich fest, daß der Kapitalismus nicht imstande ist, die Menschheitsprobleme zu lösen. Erst wenn die Macht der heute herrschenden Klasse, die Macht der Ausbeuter und Unterdrücker gebrochen ist und deren Machtinstrument, der bürgerliche Staat, zerschlagen ist, erst wenn das Volk endgültig die Macht in den Händen hält und die entscheidenden Produktionsmitteln des Volkes Eigentum sind, dann sind auch die ökologischen Probleme lösbar. Ein noch größeres Problem, welches hier nicht genannt wurde, ist die zunehmende Brutalisierung: Krieg, Gewalt und Kriminalität.  Auch in dieser Frage gibt es nur einen radikalen Ausweg: Die Beseitigung der Ausbeutergesellschaft!

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