Krise – und wie weiter?

PutschNicht erst seit gestern versucht die Bourgeoisie die Folgen der Krise auf die Bevölkerung abzuwälzen. Auch im Deutschland des Jahres 1932, als der Tiefpunkt der Weltwirtschaftskrise bereits durchschritten war, vermochten erst die vom Staat ergriffenen Maßnahmen eine gewisse Belebung herbeizuführen. In seinem bereits 1983 erschienenen Buch „Ein Putsch, der keiner war“ zitiert der Autor Dr.Kurt Gossweiler den bulgarischen Arbeiterführer und Staatsmann Georgi Dimitroff [1]:

Krise

a) Wie die Bourgeoisie die Folgen der Krise von sich abwälzte

Die Hitlerregierung kam den Forderungen der Monopolherren in ihrer Lohnpolitik mit einer Gründlichkeit nach, die den bürgerlichen Ökonomen René Erbe voller Bewunderung feststellen ließ, es sei „in der Geschichte der bisherigen Konjunkturaufschwünge einmalig“, daß die tariflichen Stundenlohnsätze tatsächlich unverändert auf dem niedrigen Stand blieben, auf den sie im Verlauf der Krise heruntergedrückt worden waren. [2] Der Halbjahresbericht der Reichskreditgesellschaft für die Jahreswende 1934/35 vermerkt denn auch mit größter Genugtuung: „Reibungsschwierigkeiten, die in früheren Zeiten die Wirtschaftsmaschinerie immer wieder störten, wie etwa Arbeitskämpfe aller Art, sind nunmehr weitgehend ausgeglichen“ [3] — „ausgeglichen“ durch die völlige Entrechtung der Arbeiterschaft, die Drohung mit dem Konzentrationslager und den blutigen Terror der faschistischen Mordbanden!

b) Warum das kein „böser Wille“ ist, sondern eine Gesetzmäßigkeit

Diese Lohnpolitik der deutschen Monopolbourgeoisie entsprang durchaus nicht subjektiver Willkür, sondern dem Zwang der ökonomischen Gesetzmäßigkeiten, den Bedingungen der erweiterten Reproduktion des Monopolkapitals. Eine solche Feststellung bedeutet keineswegs eine Rechtfertigung und Entlastung der Monopolbourgeoisie, sondern im Gegenteil ihre schärfste überhaupt denkbare Verurteilung, weil sie die Unvereinbarkeit der Existenzbedingungen dieser Klasse mit den Lebensinteressen der Volksmassen ausspricht, damit zugleich die Forderung nach der Beseitigung einer solchen unmenschlichen Gesellschaftsordnung. Außerdem enthält eine solche Feststellung eine Warnung vor dem, was die Werktätigen in Westdeutschland unausweichlich früher oder später erwartet, wenn sie die Monopolherren weiterhin ungehindert schalten und walten lassen.

Fußnoten:
[1] Georgi Dimitroff auf dem VII. Weltkongreß der Kommunistischen Internationale; S. W. Pieck, G. Dimitroff, P. Togliatti, Die Offensive des Faschismus und die Aufgabe der Kommunisten im Kampf für die Volksfront gegen Krieg und Faschismus, Berlin 1957, S.85).
[2] René Erbe, Die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik 1933-1939 im Lichte der modernen Theorie, Zürich, 1958, S. 88.
[3] Reichskredit-Halbjahresbericht für die Jahreswende 1934/35, S.1.

Quelle:
Kurt Gossweiler, Der Putsch der keiner war – Die Röhm-Affäre 1934 und der Richtungskampf im deutschen Faschismus, Reprint von 1983, Papyrossa Verlags GmbH & Co. KG, Köln 2009, S.33f.

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