Lenin – Genius der Revolution

Lenin Bauern

Lenin im Dorf

Es lohnt sich immer wieder, von Lenin und über Lenin zu lesen. Um so mehr, als dies von einem berichtet wird, der Lenin so gut kannte wie kaum ein anderer – von Stalin. Lenin ist, auch für uns heute, nicht nur wegen seiner umfangreichen wissenschaftlichen Tätigkeit (es gibt über fünfzig Lenin-Bände!), sondern auch wegen seines hohen staatsmännischen Geschicks, seiner Prinzipientreue, seiner Aufrichtigkeit und nicht zuletzt wegen seiner Liebe zum einfachen Volk ein leuchtendes Vorbild. Dasselbe kann man allerdings auch von Stalin sagen. In seiner Rede auf einem Gedenkabend der Kremlkursanten am 28. Januar 1924 charakterisierte Stalin die Eigenschaften Lenins wie folgt:

BESCHEIDENHEIT

Es gilt als ausgemacht, daß ein „großer Mann“ sich gewöhnlich zu den Versammlungen verspätet, so daß die Versammlungsteilnehmer klopfenden Herzens auf sein Erscheinen warten, wobei vor dem Erscheinen des „großen Mannes“ ein Raunen durch die Reihen der Versammlungsteilnehmer geht: „Pst…Ruhe… er kommt.“ Diese Zeremonie schien mir nicht überflüssig, denn sie imponiert, flößt Achtung ein. Wie groß war aber meine Enttäuschung, als ich erfuhr, daß Lenin schon vor den Delegierten zur Versammlung gekommen war und in irgendeiner Ecke schlicht und einfach ein Gespräch führte, ein ganz gewöhnliches Gespräch mit ganz gewöhnlichen Konferenzdelegierten. Ich verhehle nicht, daß mir dies damals als eine gewisse Verletzung gewisser notwendiger Regeln erschien. Erst später begriff ich, daß diese Schlichtheit und Bescheidenheit Lenins, dieses Bestreben, unbemerkt zu bleiben oder jedenfalls nicht aufzufallen und seine hohe Stellung nicht hervorzukehren – daß dieser Zug eine der stärksten Seiten Lenins ist, dieses neuen Führers neuer Massen, der einfachen und gewöhnlichen Massen der „untersten“ Schichten der Menschheit.

KRAFT DER LOGIK

Ausgezeichnet waren zwei Reden Lenins, die er auf dieser Konferenz (1905 in Tammersfort/Finnland, N.G.) hielt: über die gegenwärtige Lage und über die Agrarfrage. Leider sind sie nicht erhalten geblieben. Es waren zündende Reden, die die ganze Konferenz in stürmische Begeisterung versetzten. Die ungewöhnliche Überzeugungskraft, die Einfachheit und Klarheit der Beweisführung, die kurzen und allgemeinverständlichen Sätze, das Fehlen jeder Pose, das Fehlen aller auf Eindruck berechneten schwindelerregenden Gesten und effektvollen Phrasen – all das unterschied Lenins Reden vorteilhaft von den Reden gewöhnlicher „Parlamentsredner“. Aber mich fesselte damals nicht diese Seite der Reden Lenins. Mich fesselte jene unüberwindliche Kraft der Logik in Lenins Reden, die zwar ein wenig trocken ist, dafür aber die Zuhörerschaft völlig in ihren Bann zieht, sie allmählich elektrisiert und sie dann, wie man zu sagen pflegt, restlos gefangennimmt. (…) Ich glaube, daß diese Besonderheit der Reden Lenins die stärkste Seite seiner Rednerkunst ist.

KEIN LAMENTIEREN

(…) Ich entsinne mich, wie wir bolschewistischen Delegierten, eng zusammengedrängt, auf Lenin blickten und ihn um Rat fragten. Die Äußerungen mancher Delegierten verrieten Müdigkeit, Niedergeschlagenheit. Ich erinnere mich, wie Lenin als Antwort auf solche Reden bissig durch die Zähne hervorstieß: „Lamentieren Sie nicht, Genossen, wir werden sicher siegen, denn wir haben recht.“ Haß gegen lamentierende Intellektuelle, Glauben an die eigenen Kräfte, Glauben an den Sieg – darüber sprach damals Lenin mit uns. Man fühlte, die Niederlage der Bolschewiki ist nur vorübergehend, die Bolschewiki müssen in nächster Zukunft siegen. „Nicht lamentieren im Fall einer Niederlage“ – das ist gerade jene Besonderheit in Lenins Wirken, die ihm half, eine grenzenlos ergebene und auf ihre Kräfte vertrauende Armee um sich zusammenzuschweißen.

KEINE ÜBERHEBLICHKEIT

(…) Der Sieg pflegt manchen Führern zu Kopf zu steigen, sie hochmütig und überheblich zu machen. Meist beginnen sie in solchen Fällen den Sieg zu feiern, auf ihren Lorbeeren auszuruhen. Lenin aber glich solchen Führern nicht im geringsten. Im Gegenteil, gerade nach dem Sieg wurde er besonders wachsam und vorsichtig. Ich erinnere mich, wie Lenin damals den Delegierten nachdrücklich auseinandersetzte: „Erstens darf man sich vom Sieg nicht berauschen lassen und überheblich werden, zweitens muß man den Sieg verankern; drittens muß man den Gegner vernichten, denn er ist nur geschlagen, aber bei weitem noch nicht vernichtet.“ Mit beißendem Spott überschüttete er die Delegierten, die leichtsinnig versicherten: „Von nun an ist es aus mit den Menschewiki.“ Es war ihm ein leichtes zu beweisen, daß die Menschewiki noch immer in der Arbeiterbewegung wurzeln haben, daß man sie geschickt bekämpfen muß, wobei man die Überschätzung der eigenen Kräfte und besonders die Unterschätzung der Kräfte des Gegners auf jede Weise zu vermeiden hat. (…)

PRINZIPIENFESTIGKEIT

Parteiführer müssen die Meinung der Mehrheit ihrer Partei achten. Die Mehrheit ist eine Macht, mit der der Führer rechnen muß. Lenin verstand das nicht schlechter als jeder andere Parteiführer. Aber Lenin wurde niemals zum Gefangenen der Mehrheit, besonders, wenn diese Mehrheit keine prinzipielle Basis hatte. Es gab Momente in der Geschichte unserer Partei, da die Meinung der Mehrheit oder die Augenblicksinteressen der Partei mit den Grundinteressen des Proletariats in Konflikt gerieten. In solchen Fällen trat Lenin ohne Bedenken entschlossen für die Prinzipientreue ein und wandte sich gegen die Mehrheit der Partei. Mehr noch, er scheute sich nicht, in solchen Fällen buchstäblich einer gegen alle aufzutreten, wobei er davon ausging – wie er oft sagte –, daß „prinzipienfeste Politik die einzig richtige Politik ist“. (…)

GLAUBE AN DIE MASSEN

Theoretiker und Parteiführer, die die Geschichte der Völker kennen, die die Geschichte der Revolutionen von Anfang bis Ende studiert haben, sind zuweilen von einer peinlichen Krankheit befallen. Diese Krankheit heißt Scheu vor den Massen, Unglaube an die schöpferischen Fähigkeiten der Massen. Auf diesem Boden entsteht manchmal ein gewisser Aristokratismus der Führer den Massen gegenüber, die zwar in der Geschichte der Revolutionen nicht bewandert, aber berufen sind, das Alte niederzureißen und das Neue aufzubauen. Die Furcht, daß das spontane Element entfesselt werden könnte, daß die Massen „allzuviel zerstören“ könnten, der Wunsch, die Rolle eines Schulmeisters zu spielen, der die Massen nach Büchern zu lehren sucht, aber nicht von den Massen lernen will – das ist die Grundlage dieser Art von Aristokratismus.

Lenin war das gerade Gegenteil solcher Führer. Ich kenne keinen anderen Revolutionär, der so fest an die schöpferischen Kräfte des Proletariats und an die revolutionäre Zweckmäßigkeit des proletarischen Klasseninstinkts geglaubt hätte wie Lenin. Ich kenne keinen anderen Revolutionär, der so schonungslos die selbstgefälligen Kritiker des „Chaos der Revolution“ (…) zu geißeln verstanden hätte wie Lenin. Ich erinnere mich, wie Lenin während eines Gesprächs auf die Äußerung eines Genossen, daß „nach der Revolution die normale Ordnung wiederhergestellt werden muß“, sarkastisch bemerkte: „Es ist schlimm, wenn Menschen, die Revolutionäre sein wollen, vergessen, daß die normalste Ordnung in der Geschichte die Ordnung der Revolution ist.“

Daher Lenins Geringschätzung gegen alle diejenigen, die auf die Massen von oben herabsahen und sie nach Büchern lehren wollten. Daher Lenins unermüdliche Mahnung: Von den Massen lernen, den Sinn ihres Handelns erfassen, die praktische Erfahrung des Kampfes der Massen sorgfältig studieren. Glaube an die schöpferischen Kräfte der Massen – das ist gerade jene Besonderheit im Wirken Lenins, die es ihm ermöglichte, das Walten des spontanen Elements zu erfassen und seine Bewegung in die Bahn der proletarischen Revolution zu leiten. (…)

Quelle:
J. Stalin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1952, Bd.6, S.47-57

Siehe auch:
Lunatscharski: Über Lenin

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9 Antworten zu Lenin – Genius der Revolution

  1. Pingback: Lenin – wie er war | Sascha's Welt

  2. Alexander Schnorfeil schreibt:

    Lieber Sascha, Iese Ihre Texte immer sehr gerne, dass Sie aber ein Stalinfan sind, finde ich doch sehr irritierend! Hat Stalin nicht alle wichtigen Mitkämpfer von Lenin umgebracht?! Und voll gegen Lenins Ansicht von: „Sozialismus in einem Land“ gefaselt?! – was auf längere Sicht zu Sozialismus in keinem Land führt. Imperialisten sind niemals so saudum, von „Imperialismus“ in einem Land zu quaken! Solches quaken würden sie als übler Verrat am Imperialismus überall verstehen, und solche Verräter nötigenfalls aufhängen. Lenin und seine Leute hätten Stalin sicher ausgeschaltet (fiktiv !). Ich denke: Stalin hochjubeln schadet jedem linken Projekt! Muss man sich solch einen Masochismus antun ?

    • sascha313 schreibt:

      Sie irren Herr Schnorrfeil, ich bin kein Stalinfan. Stalin war (nach Lenin – auch ohne mich!) der bedeutendste kommunistische Staatsmann überhaupt und der oberste Befehlshaber der siegreichen Sowjetarmee, die 1945 die Welt vom Faschismus befreite. Das haben Sie vielleicht vergessen! Ihre Bemerkung ist ein blasser Abglanz der Conquestschen und Solzhenizynschen Lügen. Sie zeugt von Unkenntnis der Geschichte und hängt dem trotzkistischen Irrglauben an, man könne den Sozialismus niemals in einem Land allein aufbauen, was die Sowjetunion aber glänzend widerlegte. Mit Verrätern und Antikommunisten wie Trotzki, Sinowjew, Kamenjew, Tuchatschewski, Blücher usw. haben sich Lenin und auch Stalin viel zu lange herumgestritten. Erzählen Sie mir also nicht solchen Unsinn, Sie würden meine Texte gerne lesen! Sie haben sie nicht gelesen, sonst wüßten Sie das! Sie sind ein pseudolinker Antikommunist!

    • Harry 56 schreibt:

      Herr Alexander Schnorfeil, der Aufbau des Sozialismus in zunächst leider nur einem Lande, darüber waren weder Lenin noch Stalin glücklich und begeistert. Das kann man aus den Schriften dieser beiden großen Revolutionäre aus den frühen 20er Jahren ganz deutlich herauslesen. Dennoch erkannten sie, dass unter den damaligen konkreten Umständen, sowohl innenpolitisch, von den ökonomischen Möglichkeiten, von der schier riesigen Größe des Landes her der Aufbau des Sozialismus möglich sein kann.

      Ein außenpolitisches Plus war, kam hinzu, dass es außerhalb des jungen Sowjetstaates kein einheitliches geschlossenes imperialistisches Weltsystem gab, welches von einer einzigen Führungsmacht fast ALLEIN angeführt wurde.(Wie heute die USA. Und selbst heute folgen keinesfalls alle Imperialistenstaaten den USA widerspruchslos in deren augenblicklichen Feldzug gegen Russland, China, Iran……!) Die damaligen imperialistischen Mächte waren viel zu sehr mit ihren eigenen Interessensgegensätzen beschäftigt, um in einer einzigen eisernen Einheitsfront den jungen Sowjetstaat zu erdrosseln. Es gab zwar die Intervention von 14 imperialistischen Staaten zwischen 1918 und 1921, jede Menge wildesten bürgerlichen Klassenhasses (Churchill & Co.), doch waren das eher militärisch-ökonomische Raubzüge, wo jeder sich bediente wo er konnte.

      Man kann daher niemals von vornherein von einer absoluten Möglichkeit oder einer absoluten Unmöglichkeit des Aufbaus des Sozialismus ausgehen.
      Es wird immer von sehr konkreten inneren und äußeren Abhängen. Das hat die bisherige Geschichte klar bewiesen.

      Und wozu alle sonstigen „linken Projekte“ von „linken“ politischen Scharlatanen und Betrügern weltweit geführt haben wissen wir: Endlose imperialistischen Kriege mit Massenmorden, Not, Elend, Verwahrlosung, Vernichtung ganzer Staaten und Gesellschaften, Kein einziges „linkes Projekt“ von „Sozialisten“, Sozialdemokraten und Scheinkommunisten hat je zu irgend etwas geführt. Und der „Reformer“ „Gorbi“-Gorbatschow, ist er heute nicht der meistgehasste Mann in Russland?

      Erst wo überall wirkliche Kommunisten – also keine bürgerlichen „Linken“ Schwätzer! – mutig und unbeirrt zur Tat geschritten sind, gab es einen wirklichen sozialistischen Aufbau. Und in diesem Sinne waren eben Lenin, Stalin u.v.a. Leute Giganten, welche alle deren damaligen und heutigen(!) „Kritiker“ mit einem müden Lächeln in ihren Westentaschen hätten verschwinden lassen können.

      Falls Sie sich doch einmal näher und ernsthafter mit dieser Problematik beschäftigen möchten, so würde ich Ihnen gerne J.W.STALIN empfehlen, die von ihm höchstpersönlich authorisierte Ausgabe von „Fragen des Leninismus“. Kann man über ZVAB sehr preisgünstig erwerben.

      In diesem Sinne beste soz. Grüße

    • Doed schreibt:

      Es gibt viel interessante Lektüre und ich möchte bis jetzt noch kein abschließendes Urteil bilden. Max Seydewitz – Stalin oder Trotzki –> http://www.offen-siv.net/Lesenswertes/stal_tro.pdf

      Auch ich war immer über Stalinisten verwundert und hatte gedanklich den Vergleich mit Hitler im Kopf (ähnlich wie es uns in der Schule beigebracht wurde). Lesen Sie selbst und machen Sie sich ein eigenes Bild. Trotzki, mag er sich auch intellektuell bemüht haben und sicherlich das ein oder andere Richtige gesagt haben, so schätze ich ihn aber als sehr hassgeleitet, rückgratlos und selbstverliebt ein.
      Wichtig ist, dass man sich dieser Zeit bewusst wird, mit allen Attacken der westlichen bürgerlichen und royalen Staaten gegenüber dem Sowjetstaat. Dieser war seit seiner Entstehung im permanenten Krieg mit den alten und neuen Eliten. Die Zeiten waren anders als heute mit vielen inneren und äußeren Feinden die dieses System beseitigen wollten. An Stalin wird die Zeit während des Bürgerkriegs wohl kaum spurlos vorbeigegangen sein.

      • sascha313 schreibt:

        Danke, Doed, für den Hinweis auf Max Seydewitz. Es ist bekannt, daß in der Schule in der BRD Stalin mit Hitler gleichgesetzt wird, und es es ist auch bekannt, daß der Antikommunismus auch heute noch zu den Grundpfeilern des Geschichtsunterrichts gehört. Das beginnt schon damit, daß m.W. im Geschichtsbuch der 8.Klasse, wo es um das 19./20.Jh. geht, nicht ein einziges Mal vom Kapitalismus die Rede ist und Marx gerade mal mit einer knappen halben Seite erwähnt wird. Man spricht von „Eliten“, wenn man die Ausbeuterklasse meint, und von „Völkergemeinschaft“, wenn man das Banditentum der internationalen Bourgeoisie meint. Was an der Ausbeuterklasse elitär (Elite = Auswahl, Auslese; die Besten) ist, kann ich beim besten Willen nicht feststellen. Stalin hat z.B. während der ausländischen Intervention und im Bürgerkrieg der Sowjetunion (wie viele andere Kommunisten auch!) eine hervorragende Rolle gespielt. Die Zeiten sind zwar anders geworden, aber die Klassenverhältnisse von Ausbeuterklasse und werktätiger Klasse, sowie die Unterdrückung und Verdummung des Volkes sind wiederum die gleichen wie damals auch.

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