Raubbau in ostdeutschen Wäldern

Raubbau2Es wird viel zu wenig darüber gesprochen und es droht in Vergessenheit zu geraten, wie sich die westdeutsche Bourgeoisie am Volkseigentum der DDR bereicherte. Es war nicht nur die sogenannte „Treuhand“, deren schmutzige Hände das in Jahrzehnten von den Werktätigen unseres sozialistischen Vaterlandes erwirtschaftete Volksvermögen verschacherte. Nein, es waren auch Tausende und Abertausende westdeutscher Brüder und Schwestern Spitzbuben, Kleinkrimineller, Urkundenfälscher – es waren das Adelsgezücht und die Naziabkömmlinge, bis hin zu großen Ganoven, die in Windeseile Schlüsselpositionen in Staat und Wirtschaft des okkupierten ostdeutschen Staates besetzten, die sich Wälder, Villen, Konten und Grundstücke aneigneten („rückübertragen“ ließen) und milliardenfach bereicherten. Eines dieser Beispiele sind die ostdeutschen Wälder…

Unter der Überschrift „Rettet unseren Wald“ schrieb der Forstfachmann Dr. Helmut Barciok:

Bevor ich als Rentner nach einer fast 50-jährigen Tätigkeit in der und für die Forstwirtschaft zu den aktuellen Problemen und Erscheinungen komme, nenne ich zunächst für den nicht fachkundigen Leser einige über Jahrhunderte von der Wissenschaft und Praxis gewonnene Grunderkenntnisse zur nachhaltigen Waldentwicklung und Forstwirtschaft:

  1. Nachhaltig heißt vereinfacht: Pflege, behandle und nutze den Wald so, daß nachfolgende Generationen kontinuierlich, möglichst alljährlich, bei Pflege und Förderung der Natur mindestens so viel Holz und Nebenprodukte ernten können, wie du selbst entnimmst.
  2. Arbeitsgegenstand und Wirtschaftsziel der Forstwirtschaft sind nicht Holzplantagen, Holzproduktion und Profit, sondern ist vielfältiger Wald, der seine erstrangige landeskulturelle Aufgabe (Wasser, Luft, Klima, Erholung, Naturschutz) erfüllt und der Wirtschaft stetig und in steigenden Mengen Holz liefern kann. Die Jagd ist ein willkommener Nebenzweig, der der Hauptaufgabe untergeordnet ist.
  3. Die landeskulturellen Leistungen sind nicht kostenfreies Abfallprodukt der Holzproduktion, wie es von offizieller Seite versucht wird, glaubhaft zu machen. Man denke nur an die in Brandenburg verbreiteten wachstumsarmen Sandstandorte mit geringen Holzerträgen, an nutzungsbeschränkte Wassereinzugs-, Schutz- und Erholungsgebiete, an die Erfüllung bestimmter Nachhaltigkeitszielstellungen mit höheren Kosten, z. B. an die Schaffung optimaler Baumarten- und Altersklassen-strukturen zur Stabilisierung der Wälder gegen vielerlei Schäden und zur Steigerung der Holzproduktion, an die Pflege von Wanderwegen, an Zwangssituationen durch Schadinsekten sowie an Sturm- und Schneebrüche, an die neuen Waldschäden durch Abgase und Staub. Diese Zusatzkosten können durch die Holzpreise auf einem globalisierten Markt nicht gedeckt werden. Hier hat der Staat aus Steuermitteln fest einzuplanende gesellschaftliche Vorsorgeaufgaben. In Verkennung dieser Tatsache hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz (MLUV), in das die Forstwirtschaft in Brandenburg eingeordnet ist: „In Zeiten knapper Kassen ist es dem Steuerzahler nicht auf Dauer zuzumuten, daß die Holzproduktion subventioniert wird.“ („Forstreform: 1000 Stellen fallen weg“, Märkische Allgemeine, 10.11.2006)
  4. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Aufgaben zur Sicherung einer nachhaltigen Forstwirtschaft sind in sieben Fachbereichen zusammengefaßt: Standortskunde, Ertragskunde, Forsteinrichtung, Waldschutz, Waldbau, Forstnutzung/Holzernte und forstliche Betriebswirtschaftslehre. Sie wirken komplex. Eine Heraushebung, z. B. der Forstnutzung/Holzernte, führt zu Verlusten und gefährdet die Nachhaltigkeit.
  5. Die Forstwirtschaft hat Standorts- und baumartenabhängig 100-jährige und längere Produktionszeiträume zur Erfüllung ihrer nachhaltigen Aufgaben. Dazu sind große Wirtschaftseinheiten, Wirtschaftskontinuität und Ortskenntnisse bis zu den vielfältigen Waldteilen in den einzelnen Revieren nötig. Deshalb gibt es auch heute Ziele und Anstrengungen, den Kleinprivatwald in Forstbetriebsgemeinschaften sachkundig nachhaltig zu bewirtschaften
  6. Eine nachhaltige Forstwirtschaft ist kein Holzkaufhaus, das beliebige Mengen bestimmter vom Markt aus Profitgründen geforderter Sorten zu niedrigen Preisen liefern kann, sondern in einer nachhaltig geführten Forstwirtschaft fällt Holz unterschiedlicher Baumarten, Stärken, Qualitäten, Mengen und Kosten an, auf die sich die Holzverwendung, die Holzindustrie einstellen muß. Läuft das anders, ist es mit der Nachhaltigkeit vorbei.
  7. Den staatlichen Forstbetrieben ist zur Erfüllung ihrer Aufgaben ein sehr hohes Volksvermögen und ein unverzichtbares Kultur- und Naturgut auf großen Waldflächen in weiten geographischen Räumen anvertraut. Sie müssen so in Verantwortungsbereiche (Reviere und Oberförstereien bzw. Forstämter) strukturiert sein, daß sie bis zu den kleinsten Flächeneinheiten (Abteilungen und Teilflächen) sach- und fachkundig verwaltet, betreut, kontrolliert und bewirtschaftet werden können.

Was waren die Ergebnisse der DDR-Forstwirtschaft

Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse und der langjährigen Praxis in Deutschland, auch in der DDR, war es möglich, eine nachhaltige, hochproduktive, intensive Forstwirtschaft zu schaffen und zu betreiben. Sie war in der Lage, die großen Verluste durch die Kriegsvorbereitung, die Kriegsführung und die Kriegsfolgen (sehr starke Übernutzungen und Zerstörungen) auszugleichen. So hat die DDR eine vorbildliche Forstwirtschaft mit größtenteils wachstumsstarken und holzmassenreichen Wäldern hinterlassen, von denen heute in hohem Maße gezehrt wird. „Die Erhebung der Bundeswaldinventur hat… erbracht, daß in Brandenburg die höchsten Vorräte aller Zeiten stocken, …“ (Waldbericht 2006) „Der Vorrat hat sich … innerhalb einer Zeitspanne von 30 Jahren verdoppelt.“ (Waldbericht 2000).

Mit „Forstreformen“ täuscht man über das eigentliche Ziel hinweg

Die Forstwirtschaft in Brandenburg hat seit Bestehen des Landes mehrere Reformen erlebt. Es wurde massiv Personal abgebaut. 1992 gab es 6.584 Beschäftigte. Drei Jahre später war die Zahl der Stellen auf 4.290 reduziert, im Jahre 2000 waren es 3.212, 2003 2.743, 2005 2.650 und am 1.4.2007 noch 2.588 Stellen. Der Planentwurf für das Jahr 2008 sieht 2.458 Beschäftigte vor.

Die Anzahl der Ämter für Forstwirtschaft wurde 2002 bereits von 18 auf 10 verkleinert, die der Oberförstereien von 111 auf 72. Die Zahl der Reviere sank von 656 auf 504. Jedes Revier ist damit durchschnittlich für 2.100 Hektar Wald zuständig, jede Oberförsterei für durchschnittlich 15.000 Hektar. 1,1 Millionen Hektar, darunter 274.000 Hektar Landeswald unterstehen der Forstverwaltung.

Quelle:
Horst Jäkel (Hrsg.) DDR – unauslöschbar, GNN-Verlag, 2008, S.218ff.


Raubbau am Wald bringt Profit

Raubbau1Eine Zahl aus einer anderen Region: „In Thüringen wurden im Jahr 2008 über 2,4 Millionen Kubikmeter Rohholz eingeschlagen“ (OTZ) – In den Holzverarbeitungsbetrieben rollt alle 10 Minuten ein neuer Langholztransporter ein. Der Wald läßt sich eben verhältnismäßig einfach zu Geld machen. Nachdem er an die vormals enteigneten Fürsten und andere „Heimkehrer“ aus dem Westen „rückübertragen“ wurde, wird fleißig abgeholzt.

Ein wesentlicher Irrtum von Dr. Barciok besteht z.B. darin, daß er meint, der kapitalistische Staat müsse ein Interesse daran haben, den Wald zu schützen und zu hegen. Das Gegenteil ist der Fall. Der Staat ist nur das Instrument der herrschenden Klasse. Und die derzeit herrschende Klasse hat – anders als in der DDR – nur ein Interesse: Wie kann man alles, was nicht niet- und nagelfest ist, möglichst schnell zu Geld machen. Schon daß der Autor die lächerliche Kapitalisten-Formulierung „in Zeiten knapper Kassen..“ aufgreift, zeigt, daß ihm der Unterschied zwischen Sozialismus und Kapitalismus nicht klar ist!

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