Faschismus: Arbeitssklaven — Quelle des Profits

Siemens Sie hatten es sich etwas kosten lassen, die Bank- und Konzernherren, die Nazis zu fördern und die NSDAP zu einer starken Partei zu machen, der im Januar 1933 die Macht in Deutschland übergeben wurde. (Diese finanzielle Unterstützung begann bereits im Jahre 1923, als in der Inflationszeit der Konzernherr Thyssen 100.000 Goldmark für die Kasse der Nazipartei spendete.)

Am 20. Februar 1933, eine Woche vor dem von den Nazis gelegten Brand im Reichstagsgebäude in Berlin, versammelte sich eine Gruppe von Schwerindustriellen und Bankiers bei Hermann Göring. Adolf Hitler hielt eine Rede. Er versprach die Wiederaufrüstung und bekräftigte als Regierungschef seine alten Zusagen an die Industrie. Göring bat anschließend um Unterstützung für die NSDAP. Offenherziger noch als Hitler erklärte er:

„Das Opfer würde uns leichter zu tragen sein, wenn man stets vor Augen hält, daß diese Wahlen (Reichstagswahlen vom 5. März 1933 – d. V.). bestimmt die letzten sein werden, mindestens in den nächsten zehn Jahren, wahrscheinlich aber in den nächsten einhundert Jahren.“

Die Industriellen spendeten drei Millionen Mark für den Wahlfonds der Nazipartei.

Hitler Schacht

Hitler und Schacht

Am 28. Mai 1933 schrieb der Schwerindustrielle Krupp im Namen des Reichsverbandes der deutschen Industrie an den Präsidenten der Deutschen Reichsbank, Hjalmar Schacht, die Vertreter aller Wirtschaftszweige wären übereingekommen, die Sammlungen zu konzentrieren und eine „Hitler-Spende“ einzurichten. Hitler habe diesem Vorschlag zugestimmt. Das entscheidende Rundschreiben über die „Adolf-Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft“ vom 14. Juni 1933 hatten Gustav Krupp vom Reichsverband der deutschen Industrie und Carl Köttgen von der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände unterzeichnet. Darin hieß es, daß sich ein Kuratorium mit Krupp als Vorsitzendem gebildet habe, das vorschlage, jährlich von je 1.000 RM der Lohn- und Gehaltssumme mindestens 5 RM zu spenden.

Wie korrekt sich die Konzernherren an diese Übereinkunft hielten, zeigt die Abrechnung der IG Farben. Dieser Konzern überwies in den Jahren von 1933 bis 1945 an, die Nazipartei und den faschistischen Staat einen Betrag von 84.300.343,- RM, der sich aus der Hitler-Spende, aus Spenden für die Naziorganisationen, das Winterhilfswerk und sonstigen Spenden zusammensetzte. Ein besonders exklusiver Kreis von Großindustriellen und Bankgewaltigen unterstützte neben der Nazipartei auch die SS. Diesem „Freundeskreis des Reichsführers der SS“ gehörten anfangs an: Hjalmar Schacht, Kurt von Schröder, Gottfried Graf von Bismarck u.a. Diese Männer vertraten die Großbanken, die Stahl- und Kaliindustrie und andere Bereiche der Grundstoffindustrie sowie die großen Versicherungsanstalten. Sie waren unter den ersten Förderern Hitlers gewesen und fanden sich jetzt wieder im „Freundeskreis Himmler“ zusammen. Ihre Interessen und die Interessen der SS stimmten überein. Die Herren der Wirtschaft vertrauten Himmler, vertrauten dem Manne, dem die SS, die Gestapo und die gesamte Polizei unterstanden. Oswald Pohl, Leiter des SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes, sagte:

„Daß jemals eine Einladung zur Mitgliedschaft abgelehnt worden wäre, ist unwahrscheinlich, und ich habe auch von keiner erfahren, da Industrielle sich eher zur Aufnahme in den Freundeskreis drängten in Anbetracht der Vorteile, die sie sich immerhin davon versprachen, daß sie in persönliche Beziehungen zu Himmler und anderen maßgeblichen Leuten der Partei sowie der Wirtschaft getreten wären.“

Es ist daher nicht erstaunlich, daß dieser „Freundeskreis“ schnell anwuchs. Seine Mitgliederliste enthielt die wichtigsten Konzerne, darunter den Flick-Konzern, die Vereinigten Stahlwerke, den Siemens-Konzern, die Rheinmetall-Borsig AG; die IG Farben u. a. Dieser „Freundeskreis“ zahlte, beginnend mit dem Jahre 1936, der SS größere Summen, die mindestens eine Million Reichsmark jährlich betrugen und die Himmler für seine „besonderen Aufgabengebiete zur Verfügung gestellt“ wurden. Zu diesen Sonderaufgaben der SS gehörte die Ausrottung von Millionen Menschen in den Konzentrationslagern und der rücksichtslose und grausame Terror gegen jeden Widerstand im deutschen Volk und gegen fremde Völker.

Arbeitssklaven — Quelle des Profits

Schon allein die großen Rüstungsaufträge hatten sich für die Mitglieder des „Freundeskreises“ bezahlt gemacht. Doch sie erhielten von der SS bedeutend mehr, nämlich die billigen Arbeitssklaven aus den Konzentrationslagern, die sie nach eigenem Belieben ausbeuten konnten und aus deren Einsatz die Monopole große Extraprofite zogen. Zu den Konzernen, die von 1936 an mit dem Einsatz von Häftlingen begannen, gehören die IG-Farben-Werke. Vergleicht man die Höhe der Spenden mit dem Gewinn der IG Farben, dann erkennt man, daß es sich für die Aktionäre gelohnt hat, den Nazis und der SS große Beträge zuzuschieben.

Im Jahre 1939 besagen die IG Farben 177 inländische Betriebe und etwa 300 Auslandsgesellschaften. Vier Jahre später, 1943, war die Zahl der inländischen auf 380 und die der ausländischen auf rund 500 angewachsen. Der Reingewinn des Konzerns stieg sprunghaft und betrug im Jahre 1943 822 Millionen Reichsmark. Der Einsatz der billigen Arbeitssklaven aus den Konzentrationslagern Buchenwald und Sachsenhausen, aus Monowitz und der Mädchen und Frauen aus Ravensbrück hatte sich bezahlt gemacht. Kostete doch ein Facharbeiter in der gestreiften Kleidung des KZ-Häftlings bis zum Jahre 1944 pro Tag 5,- RM, dann 6,- RM und ein Hilfsarbeiter bis zum Jahre 1944 2,50 RM, dann 4,- RM. Von diesem Gelde erhielten die Häftlinge nicht einen Pfennig.

Die in den IG Farben zusammengeschlossenen Unternehmen produzierten auch Massenvernichtungsmittel, beispielsweise das Gas „Zyklon B“, mit dem die Häftlinge, wenn sie nicht mehr arbeitsfähig – also für die Konzernherren und die SS uninteressant – waren, in den Tod befördert wurden. Die Konzern- und Bankherren zogen aus dem Schweiß und dem Blut, aus dem Hunger und der körperlichen Erschöpfung von Millionen Häftlingen Millionen Mark an Gewinn. Zynisch konnte der Verantwortliche der IG Farben für die Bunaproduktion, Otto Ambros, bereits im Jahre 1941 feststellen: Es „wirkt sich unsere neue Freundschaft mit der SS sehr segensreich aus“. Den Tod von Millionen unschuldiger Frauen und Männer „segensreich“ zu nennen, blieb einem deutschen Monopolkapitalisten vorbehalten, einem jener Männer, die über Leichen gingen und gehen, wenn es sich um ihren Profit handelt.

Unmenschliches Strafregime

Bei der Schilderung der furchtbaren und barbarischen Strafen, die im Konzentrationslager Ravensbrück auf der Tagesordnung standen, darf nicht übersehen werden, daß die von der Gestapo angeordnete Verschleppung in das Konzentrationslager bereits eine grausame Strafe war. Dazu kam die Arbeit, die unter den geschilderten Umständen eine permanente Strafverschärfung bedeutete. Täglich 24 Stunden mußten Mädchen und Frauen mit Schlägen, Fußtritten, Hundebissen, Peitschenhieben und anderen Mißhandlungen rechnen. Wie sich auch die Häftlinge verhielten, um nur nicht aufzufallen – die verrohten, zum Quälen gedrillten und teilweise auch sadistisch veranlagten SS-Aufseherinnen und Mannschaften suchten und fanden Anlaß, sich auszutoben. Sei es, daß die Betten schlecht gebaut waren, daß ein Häftling sein Kopftuch nicht vorschriftsmäßig umgebunden hatte, daß ein Knopf am Kleide aufgegangen war oder fehlte – alle diese „Vergehen“ wurden mit harten Strafen geahndet. Durch Mißhandlungen lernten viele Häftlinge die Lagerordnung kennen. Auf diese Weise erfuhren die Opfer der SS, was alles verboten war, wofür sie geohrfeigt und getreten wurden und wie wenig ihnen erlaubt war …

Quelle:
Autorenkoll., Frauen-KZ Ravensbrück, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1982, S.87ff.

Siehe auch:
Warum der Faschismus auf fruchbaren Boden fällt…
Das Frauen-KZ in Ravensbrück

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