Die KZ der deutschen Faschisten 1933-45

Die faschistischen KZ

Faschistische Konzentrationslager (1936-45)

Die Konzentrationslager (KZ) waren Haft-, Zwangsarbeits- und Vernichtungslager der Hitler-Faschisten. Sie wurden 1933 eingerichtet, um die politischen Gegner der Faschisten, die Funktionäre und Mitglieder der Parteien und Organisationen der Arbeiterklasse, besonders der KPD, auszuschalten und zu vernichten. Die Häftlinge wurden ohne Gerichtsverfahren auf unbestimmte Zeit eingesperrt. Seit Beginn des 2. Weltkrieges dienten die KZ außerdem zur systematischen Ausrottung anderer Völker, insbesondere der Sowjetbürger, Polen und Juden.

Ab 1942 wurde der Einsatz von Häftlingen in der Rüstungsindustrie verstärkt, das Wirtschaftsverwaltungs-Hauptamt der SS übernahm die Leitung des KZ-Systems. Außerdem gab es eine Anzahl von Vernichtungslagern wie Auschwitz-Birkenau, Belzec, Kulmhof, Sobibór und Treblinka sowie in den besetzten Gebieten Wehrmachts-KZ (wie in Osaritschi/Belarussische Sowjetrepublik), Arbeitslager und Ghettos mit Zuständen wie in den KZ. Durch Massenvernichtung, Zwangsarbeit, menschenverachtender Experimente, Unterernährung und Krankheit wurden von 18 Millionen Häftlingen aus fast allen europäischen Ländern etwa 11 Millionen ermordet.

berüchtigte KZ

1944 bestanden insgesamt 28 Hauptlager mit über 2.000 Außenlagern. Von den etwa 18 Millionen Menschen, die in KZ inhaftiert waren, fielen 11 Millionen der Gewaltherrschaft zum Opfer, etwa 4,5 Millionen davon wurden in Auschwitz mit den Giftgasen des IG-Farben-Konzerns umgebracht. In Buchenwald und anderen Lagern organisierten Antifaschisten, an der Spitze Mitglieder kommunistischer Parteien vieler Länder, den Widerstand, retteten vielen Menschen das Leben und bereiteten die Befreiung vor; in allen großen KZ bildeten sich internationale Komitees, die den Kampf der Häftlinge verschiedener nationaler Organisationen leiteten.

Kinder im faschistischen KZ Auschwitz

Kinder in AuschwitzMit den Niederlagen der faschistischen Wehrmacht wurden die SS-Wachmannschaften noch brutaler und mordgieriger. Wollten sie doch möglichst viele Spuren ihrer Verbrechen vernichten und die Zeugen ihrer Untaten beseitigen. So begann die SS gegen Ende des 2.Weltkriegs die KZ zu evakuieren. In Marschkolonnen wurden die entkräfteten Häftlinge in Transporte verfrachtet oder auf der Flucht vor den Allierten ziellos über die Landstraßen getrieben. Tausende Häftlinge schleppten sich unter schärfster Bewachung durch die angrenzenden Städte und Dörfer. Wer zusammenbrach oder zu flüchten versuchte, wurde von der SS an Ort und Stelle gnadenlos erschossen. Noch heute findet man (auf dem Gebiet der ehemaligen DDR) vereinzelt an verschiedenen Orten Gedenksteine, die an die Opfer der Todesmärsche erinnern. Sie wurden alle in der DDR von Schulkindern und den Anwohnern regelmäßig gepflegt. Das gibt es heute nur noch selten…

Quelle:
Meyer’s Jugendlexikon, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1976, S.371f.
BI Universal-Lexikon, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1986, Bd.3, S.196

Siehe auch:
Faschismus
Die Lebensbedingungen im KZ Buchenwald
Das Wehrmachts-KZ in Osaritschi
Das faschistische KZ Dachau
Das Frauen-KZ in Ravensbrück
Faschismus – Ghetto – Massenmord
Der Nürnberger Prozeß: Epilog


Im Kommentar dazu (s.u.) ein Gedicht des großen deutschen Dichters
Johannnes R.Becher: Kinderschuhe aus Lublin. (Danke, Inson!):

  • Inson (Besucher)
  • 26. Apr 2012 @ 08:08:30

Johannes R. Becher

Kinderschuhe aus Lublin

Von all den Zeugen, die geladen,
Vergeß ich auch die Zeugen nicht,
Als sie in Reihn den Saal betraten,
Erhob sich schweigend das Gericht.

Wir blickten auf die Kleinen nieder,
ein Zug zog paarweis durch den Saal.
Es war, als tönten Kinderlieder,
Ganz leise, fern, wie ein Choral.

Es war ein langer bunter Reigen,
Der durch den ganzen Saal sich schlang.
Und immer tiefer ward das Schweigen
Bei diesem Gang und Kindersang.

Voran die kleinsten von den Kleinen,
sie lernten jetzt erst richtig gehen
-Auch Schuhchen können lachen, weinen -.
Ward je ein solcher Zug gesehn!

Es tritt ein winzig Paar zur Seite,
Um sich ein wenig auszuruhn,
Und weiter zieht es in die Weite-
Es war ein Zug von Kinderschuhn.

Man sieht, wie sie den Füßchen passten-
Sie haben niemals weh getan,
Und Händchen spielten mit den Quasten.
Das Kind zog gern die Schuhchen an.

Ein Paar aus Samt, ein Paar aus Seiden,
Und eines war bestickt sogar
Mit Blumen, wie sie ziehn, die beiden
Sind ein schmuckes Hochzeitspaar.

Mit Bändchen, Schnallen und mit Spangen,
Zwergenhafte Wesen, federleicht-
Und viel’ sind viel zu lang gegangen,
Und sind vom Regen durchgeweicht.

Man sieht die Mutter auf den Armen
Das Kind, vor einem Laden stehn:
„Die Schuhchen, die, die weichen, warmen,
Ach, Mutter, sind die Schuhchen schön!“

„Wie soll ich nur die Schuhchen zahlen.
Wo nehm das Geld ich dafür her…“
Es naht ein Paar von Holzsandalen,
Es ist schon müd und schleppt sich schwer.

Es muß ein Strümpfchen mit sich schleifen,
Das wundgescheuert ist am Knie…
Was soll der Zug? Wer kann’s begreifen?
Und diese ferne Melodie…

Auch Schuhchen können weinen, lachen…
Da fährt in einem leeren Schuh
Ein Püppchen wie in einem Nachen
Und winkt uns wie im Märchen zu.

Hier geht ein Paar von einem Jungen,
Das hat sich schon als Schuh gefühlt,
Das ist gelaufen und gesprungen
Und hat auch wohl schon Ball gespielt.

Ein Stiefelchen hat sich verloren
Und findet den Gefährten nicht,
Vielleicht ist er am Weg erfroren-
Ach, damals fiel der Schnee so dicht…

Zum Schluß ein Paar, ganz abgetragen,
Das macht noch immer mit, wozu?
Als hätte es noch was zu sagen,
Ein Paar zerrissener Kinderschuh.

Ihr heimatlosen, kinderlosen,
Wer schickt euch? Wer zog euch aus?
Wo sind die Füßchen, all die bloßen?
Ließt ihr sie ohne Schuh’ zu Haus…?

Der Richter kann die Frage deuten.
Er nennt der toten Kinder Zahl…
Ein Kinderchor. Ein Totenläuten.
Die Zeugen gehen durch den Saal.

Die Deutschen waren schon vertrieben,
Da fand man diesen schlimmen Fund.
Wo sind die Kinder nur geblieben?
Die Schuhe tun die Wahrheit kund:

Es war ein harter, dunkler Wagen.
Wir fuhren mit der Eisenbahn.
Und wie wir in dem Dunkel lagen,
so kamen wir im Dunkel an.

Es kamen aus den Läden allen
Viel Schuhchen an in einem fort,
Und manche stolpern schon und fallen,
Bevor sie treffen ein am Ort.

Die Mutter sagte: “Wieviel Wochen
Wir hatten schon nichts Warmes mehr!
Nun wird ich uns ein Süppchen kochen.“
Ein Mann mit Hund ging nebenher:

„Es wird sich schon ein Plätzchen finden“,
So lachte er, „und warm ist’s auch,
Hier braucht sich keiner abzuschinden…“
Bis in den Himmel kroch ein Rauch.

„Es wird euch nicht an Wärme fehlen,
Wir heizen immer tüchtig ein.
Ich kann Lublin nur warm empfehlen,
Bei uns herrscht ewiger Sonnenschein.“

Und es war eine deutsche Tante,
die uns im Lager von Lublin
Empfing und „Engelspüppchen“ nannte,
Um uns die Schuhchen auszuziehn,

Und als wir fingen an zu weinen,
Da sprach die Tante: „Sollt mal sehn,
Gleich wird die Sonne prächtig scheinen,
Und darum dürft ihr barfuß gehen…

Stellt euch mal auf und lasst euch zählen,
So, seid ihr auch hübsch unbeschuht?
Es wird euch nicht an Wärme fehlen,
Dafür sorgt unsere Sonnenglut…

Was, weint ihr noch? ‚s ist eine Schande!
Was tut euch denn, ihr Püppchen, weh?
Ich bin die deutsche Märchentante!
Die gute deutsche Puppenfee.

’s ist Zeit, ihr Püppchen, angetreten!
Was fällt euch ein denn, hinzuknien.
Auf, lasst uns singen und nicht beten!
Es scheint die Sonne in Lublin!“

Es sang ein Lied die deutsche Tante.
Strafft sich den Rock und geht voraus,
Und dort, wo heiß die Sonne brannte,
Zählt sie uns nochmals vor dem Haus.

Zu hundert, nackt in einer Zelle,
Ein letzter Kinderschrei erstickt…
Dann wurden von der Sammelstelle
Die Schuhchen in das Reich geschickt.

Es schien sich das Geschäft zu lohnen,
Das Todeslager von Lublin.
Gefangenenzüge, Prozessionen.
Und- eine deutsche Sonne schien…

Wenn Tote einst als Rächer schreiten,
Und über Deutschland hallt ihr Schritt,
Und weithin sich die Schatten breiten-
Dann ziehen auch die Schuhchen mit.

Ein Zug von abertausend Zwergen,
So ziehen sie dahin in Reihn,
Und wo die Schergen sich verbergen,
Dort treten sie unheimlich ein.

Sie schleichen sich herauf die Stiegen,
Sie treten in die Zimmer leis.
Die Henker wie gefesselt liegen
Und zittern vor dem Schuldbeweis.

Es wird die Sonne brennend scheinen.
Die Wahrheit tut sich allen kund.
Es ist ein großes Kinderweinen,
Ein Grabgesang aus Kindermund…

Der Kindermord ist klar erwiesen.
Die Zeugen all bekunden ihn.
Und nie vergeß ich unter diesen
Die Kinderschuhe aus Lublin.

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