Faschismus – Getto – Massenmord

In dem erstmals 1960 in der DDR erschienen Buch „Faschismus – Getto – Massenmord“, das herausgegeben wurde vom Jüdischen Historischen Institut Warschau, wurde detailliert über die Ausrottung und den Widerstand der Juden in Polen während des zweiten Weltkriegs berichtet. Diese Dokumentation umfaßt 611 Seiten und belegt eindeutig die unvorstellbaren Verbrechen der Nazis im besetzten polnischen Nachbarland.

Besatzer Polens

Ende 1939. In einer besetzten Stadt Polens

Hier ein Ausschnitt aus dem Vorwort:
Der industriell betriebene Mord, den die Nazis an 6 Millionen europäischen Juden in den eigens hierfür geschaffenen Vernichtungszentren in Polen und in der Sowjetunion begingen, war eine Etappe, die letzte, in dem „Kampf gegen die jüdisch-bolschewistische Weltpest“. Wenige Deutsche haben sie vorausgesehen, als die Goebbels und Streicher den traditionellen Antisemitismus bestimmter Kreise in Deutschland in den 20er Jahren in eine satanische Hetze gegen jedweden Juden verwandelten. Die Synagogenschändungen, die Hetzparolen an Zäunen und Häusern, das „Deutsche, kauft nicht bei Juden!“ waren ihnen wichtige Mittel hierbei.

Judenverfolgungen in der Vergangenheit

Wir Deutschen haben alle Ursache, jede Äußerung des Antisemitismus nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern entschieden dagegen Front zu machen. Der Ruf „Wehret den Anfängen!“ gilt vielleicht nirgendwo mit größerer Berechtigung als hier. Judenverfolgungen sind in der Geschichte nicht selten. Durch das ganze Mittelalter zieht sich eine Kette von blutigen Pogromen gegen die jüdischen Gemeinden. Bekannt sind die Greueltaten, die von der katholischen Inquisition an den Juden in Spanien begangen wurden und die einige hunderttausend Juden aus Spanien vertrieb. In der Neuzeit erregten die barbarischen Pogrome, durch die der Zarismus von der Zurückgebliebenheit der russischen Verhältnisse abzulenken suchte, und die blutigen Exzesse der ukrainischen Nationalisten in den Jahren der imperialistischen Intervention gegen Sowjetrußland die Weltöffentlichkeit.

Das Spiel des deutschen Imperialismus um die Weltherrschaft

Vernichtung

Frauen mit Kindern kurz vor der Exekution

Der Ausgang des ersten Weltkrieges hielt die deutschen Imperialisten nicht ab, das verlorene Spiel um die Weltherrschaft erneut zu beginnen. Ihre Situation wurde aber durch den Sieg der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution wesentlich verändert. Der Vormarsch des Sozialismus in der Sowjetunion, das Entstehen und Erstarken der kommunistischen Parteien in der ganzen Welt und in Deutschland selbst veranlaßten den deutschen Imperialismus, den Kampf gegen den Sozialismus zum Hauptziel zu machen. Seit dem Großen Oktober ist daher die Ideologie des deutschen Imperialismus in ihrem Wesen antikommunistisch.

Politische Gangster ergriffen die Macht

Im Kampf gegen den Sozialismus verbündeten sich die rechten sozialdemokratischen Führer mit den militärisch geschlagenen deutschen Imperialisten. Ein Ergebnis dieses Bündnisses war die Weimarer Republik. Folgerichtig sah der alte reaktionäre Staatsapparat in der Verfolgung der Kommunisten seine wichtigste Aufgabe. Gegenüber den radikalen Schreihälsen, die aus mangelnder Einsicht in die wirklichen Zusammenhänge und als bezahlte Klopffechter„nationale Opposition gegen die Erfüllungspolitik“ spielten, verhielt er sich dagegen äußerst duldsam. In dieser „Opposition“ bildeten die Nazis den äußersten rechten Flügel. Ihre Führer wie Hitler, Heß, Göring, Himmler und Röhm waren durch den Krieg existenzlos gewordene Kleinbürger, die eine antikommunistische Massenbewegung schaffen wollten, um mit ihr bei den Monopolherren Anerkennung und Unterstützung zu finden. Sie begannen ihre Laufbahn als politische Gangster und beendeten sie in der gleichen Weise.

Die Unwissenheit der kleinbürgerlichen Massen

In ihrer Massenagitation spekulierten die Hitlerfaschisten erfolgreich auf die Unwissenheit und den Mangel an ausreichendem logischem Denkvermögen in den Köpfen der kleinbürgerlichen Massen und unentwickelter Arbeiterschichten. Ihre „Beweisführung“ war denkbar einfach: Deutschland hatte trotz seiner tapferen Soldaten den Krieg verloren. Schuld daran waren die „Novemberverbrecher“, „bolschewistische Juden“. Das Diktat von Versailles war das Mittel der „jüdisch-bolschewistisch-plutokratischen Weltverschwörung“, die tüchtigen, allen überlegenen Deutschen niederzuhalten. Man mußte also „Ordnung machen“, die „Novemberverbrecher“ davonjagen oder ihre „Köpfe rollen“ lassen, dann würde man mit dem „äußeren Feind“ schon fertig werden.

Raub

Die aus dem Verkauf von jüdischem Vermögen erzielten Beträge wurden den SS- und Polizeiführern gutgeschrieben

„Schuld sind die Juden und die Radfahrer“

In dieser primitiven, alle tieferen Zusammenhänge und die komplizierten Widersprüche des imperialistischen Systems ignorierenden Denkweise war der Haß gegen die Juden nicht zufällig. Die Wurzeln des antijüdischen Ressentiments in einigen Schichten der deutschen Bevölkerung wurden oben dargelegt. Hitler, der Staatenlose, der mit dem Antisemitismus schon in seiner Heimat Österreich bekanntgeworden war, bediente sich dessen, um die Massen irrezuführen. Sie sollten im „Judentum“ ihren Feind sehen, nicht im Imperialismus. Dadurch wollte man von der antinationalen Politik der Monopole, die das Volk verelendeten und seine physische Existenz durch die Vorbereitung eines neuen, noch blutigeren Krieges aufs Spiel setzten, ablenken und die „Fremdvölkischen“ für alle Widerwärtigkeiten des persönlichen Lebens verantwortlich machen. Die weitverbreitete ironisierende Redewendung „Schuld an allem sind die Juden und die Radfahrer“ belegt treffend die Instinktsicherheit der Kreise, die sich von dem Geschrei der Nazis nicht täuschen ließen.

Der Faschismus an der Macht

Die deutsche Monopolbourgeoisie übertrug Hitler und seiner Bande die Staatsmacht nicht, weil diese Leute fanatische Antisemiten waren, sondern sie erschienen ihr nach der Abnutzung der SPD und der bürgerlichen Parteien als die geeigneteren Werkzeuge, ihre Klassenmacht zu sichern. Der Faschismus ist die offene terroristische Diktatur der reaktionärsten, am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals. Konsequent begannen daher die Nazis den zweiten Weltkrieg vorzubereiten, indem sie den „inneren Feind“ grausam zu vernichten suchten.

Rawa Mazowiecka

Ergebnis der „Judenaktion“ vom 15. September 1939 in der polnischen Kleinstadt Rawa Mazowiecka

Auschwitz, Majdanek, Treblinka…

An erster Stelle stand die Verfolgung der Kommunisten; die Aktionen gegen die jüdische Bevölkerung gingen nebenher. Aber es muß daran erinnert werden, daß, lange bevor aus Deutschland und den von den Faschisten besetzten Ländern Millionen Juden in die Gaskammern von Auschwitz, Majdanek und Treblinka getrieben wurden, bereits Tausende von ihnen in die Konzentrationslager in Deutschland verschleppt worden waren. Die „Arisierung“ raubte den deutschen Juden ihre Arbeitsplätze, entriß ihnen Besitz und Wohnstatt.

Die Kommunisten warnten: „Wer Hitler wählt, wählt den Krieg!“

Die Hitlerbarbaren haben 6 Millionen jüdische Menschen ermordet. Sie überlieferten Dutzende Millionen Sowjetbürger, Polen, Franzosen, Tschechen, Menschen fast aller europäischen Länder, einem grausamen Tode. Bevor sie darangingen, „eine Technik der Entvölkerung“ (Hitler) zu entwickeln, folterten und mordeten sie Hunderttausende Deutsche. Das „andere Deutschland“, die Widerstandsbewegung der deutschen Antifaschisten machte die Gefahr dem deutschen Volk begreiflich. „Wer Hitler wählt, wählt den Krieg!“, warnten die Kommunisten bereits 1932. Sie warnten nicht nur, sie organisierten den Widerstand gegen den Faschismus, und sie brachten die meisten Opfer. Viele Deutsche haben die Warnungen nicht wahrhaben wollen.

Denkfaulheit, moralische Trägheit und Feigheit

Als die Sowjetarmeen, brüderlich vereint mit den Soldaten der Alliierten und den Kämpfern der Widerstandsbewegungen, die Menschheit von ihrem barbarischsten Feind befreiten, waren auch Deutschlands Städte und Dörfer in Schutt und Asche zusammengesunken. Hatte die Mehrheit ihrer Bewohner begriffen, daß man das Verbrechen an den anderen nicht tatenlos dulden, den Verbrechern nicht mit verschränkten Armen zusehen darf? Denkfaulheit, moralische Trägheit, persönliche Verzagtheit und schlechtes Gewissen haben viele Deutsche abgehalten, jenen Schrei des Entsetzens auszustoßen, den die vom Faschismus gequälten Völker erwarteten, als 1945 die Größe der Verbrechen bekannt wurde. Allzu viele schwiegen, wollten „nichts mehr davon hören!“

Die DDR – ein antifaschistischer Staat

In der Deutschen Demokratischen Republik wurde der Imperialismus beseitigt. Damit wurde dem Faschismus, Rassismus und Antisemitismus der Nährboden entzogen. Die Herrschaft der Arbeiter und Bauern kennt keine geschändeten jüdischen Friedhöfe und Synagogen, keine mit Hakenkreuzen und Drohungen gegen jüdische Mitbürger bemalten Hauswände. Es gibt keine Lehrer, die sich rühmen, Grausamkeiten gegen Juden begangen zu haben. Hier wird die Jugend im Geiste der Völkerfreundschaft, des Humanismus erzogen. Die DDR wahrt die Ehre und Würde der deutschen Nation. Ihre Politik ist darauf gerichtet, friedliche Beziehungen mit allen Staaten zu pflegen und Kriege zu verhindern.

Quelle:
Faschismus – Getto – Massenmord, Dokumentation über Ausrottung und Widerstand der Juden in Polen während des zweiten Weltkrieges. Rütten & Loening, Berlin, 1960.

In diesem Buch sind lediglich die Nazi-Verbrechen in Polen dokumentiert, nicht erfaßt sind die grauenhaften Schandtaten und der Massenmord an der Bevölkerung in der Sowjetunion. Das alles übersteigt heute jegliche Vorstellungskraft; auch aus diesem Grunde ist das hier aufgeführt. Angesichts des wiederaufkommenden Faschismus in Europa ist es dringend geboten, diese historischen Erfahrungen erneut und mahnend anzusprechen.

„Laßt uns die Warnungen erneuern,
auch wenn sie schon wie Asche in unserem Mund sind…“
„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!“ (Brecht)


Siehe auch:
Die Liquidierung des Ghettos Rymanów
Die KZ der deutschen Faschisten (1933-45)
Das faschistische KZ Dachau
Lebensbedingungen im KZ Buchenwald
Der Nürnberger Prozeß: Epilog

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3 Antworten zu Faschismus – Getto – Massenmord

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