Das Recht auf Arbeit – ein Grundrecht

ArbeitsamtDaß es heute in der BRD eine hohe Arbeitslosigkeit gibt, ist ja schon lange nicht mehr zu leugnen. Auch wenn die angeführten Zahlen von 5-8%  gelogen sind, denn man muß die Kurzarbeiter, die Leiharbeiter (Arbeitssklaven), sämtliche in sogenannte „Umschulungsmaßnahmen“ gesteckten Langzeitarbeitslosen, die Hausfrauen und auch die arbeitslosen Jugendlichen hinzuzählen, die weitere Jahre den Eltern auf der Tasche liegen. Außerdem darf man nicht vergessen, daß die BRD Weltmeister beim Dumpinglohn ist. In keinen europäischen Land werden die Arbeiter so sehr um ihren Lohn betrogen, wie in der BRD. Von Löhnen wie 8,50 € (Mindestlohn) ist es unmöglich, eine Familie zu ernähren. Deshalb schrumft auch in sämtlichen ostdeutschen Bundesländern, wo keine oder unzureichende Arbeitsmöglichkeiten vorhanden sind, die Geburtenrate und nimmt die Einwohnerzahl ab. Deshalb gibt es Hundertausende von Pendlern und Hunderte von Auswanderern. In der DDR war das grundsätzlich anders, denn die DDR war ein sozialistisches Land! Man kann heute als Kommunist stolz darauf sein, ein Kommunist zu sein, denn obwohl der Sozialismus schon seit einem Vierteljahrhundert verschwunden ist – der Antikommunismus ist so groß wie nie zuvor! Und die Kommunisten hatten recht. Das bestätigt auch Otto Grotewohl…

In seiner Rede vor der Volkskammer der DDR am 19. April 1950 nahm Minsterpräsident Otto Grotewohl zur Lage der deutschen Arbeiterklasse Stellung:

Das Recht auf Arbeit ist eines der wichtigsten Grundrechte in einer hochentwickelten Gesellschaft, die auf weitgehender Vergesellschaftung der Produktion beruht. Die Produktion ist ein gewaltiger gesellschaftlicher Prozeß, an dem Hunderttausende und Millionen arbeitender Menschen in enger Verknüpfung und Abhängigkeit teilnehmen, wobei dem einzelnen arbeitenden Menschen im wesentlichen nichts anderes zu eigen ist als seine Arbeitskraft. Das Recht auf Arbeit ist für diese Millionenmasse der arbeitenden Teilhaber am Produktionsprozeß nichts anderes als das Recht auf einen Arbeitsplatz, der ihm die Verwertung seiner Arbeitskraft zur Schaffung der notwendigen Mittel seiner Existenz gewährleistet. Ist dem Arbeiter aber dieser Arbeitsplatz nicht gesichert, so schwebt er ständig in der Gefahr, die einzige Möglichkeit zur Erhaltung seines Lebens und seiner Existenz sowie auch der seiner Familie zu verlieren und dem Untergang oder der Mildtätigkeit preisgegeben zu sein…

Die Arbeitslosigkeit im Kapitalismus ist unvermeidlich

Der von Marx und Engels begründete wissenschaftliche Sozialismus beruht auf der allseitigen Analyse der Gesetzmäßigkeit der kapitalistischen Produktionsweise und der ihr eigentümlichen Widersprüche. Als eines der Kennzeichen dieses widerspruchsvollen Charakters der kapitalistischen Produktionsweise erkennen wir die enge und unlösliche Verbundenheit zwischen dem Anwachsen des gesellschaftlichen Reichtums in den Händen weniger und dem gleichzeitigen Anwachsen des Elends und der Verarmung der großen Masse der Träger der gesellschaftlichen Produktion. Ich beschränke mich hierbei auf den Hinweis der Bildung und Existenz einer ständig vorhandenen industriellen Reservearmee.

Marx formuliert in geradezu klassischer Form diese Zusammenhänge und ihre Gesetzmäßigkeit, indem er sagt:

„Je größer der gesellschaftliche Reichtum, das funktionierende Kapital, Umfang und Energie seines Wachstums, also auch die absolute Größe des Proletariats und die Produktivkraft seiner Arbeit, desto größer die industrielle Reservearmee… Dies ist das absolute, allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation.“ [1]

Diese Feststellung von Karl Marx ist in der Entwicklung der letzten hundert Jahre in allen ihren Etappen als absolut sicher und unumstößlich erwiesen worden. Die Existenz der industriellen Reservearmee ist ein ständiger Faktor in der Entwicklung der Gesellschaft in der Periode der kapitalistischen Produktion.

Auch Lenin, der ganz im Geiste der Lehre von Karl Marx die große und allgemein gültige Analyse des Imperialismus als höchste Stufe des Kapitalismus gab, stellt diese gesetzmäßige Beziehung zwischen kapitalistischer Produktionsweise und ständiger Neugeburt einer konstanten Armee von Arbeitslosen fest in dem Satz:

„Das durch die Arbeit des Arbeiters geschaffene Kapital unterdrückt den Arbeiter, ruiniert die Kleinbesitzer und erzeugt eine Armee von Arbeitslosen.“ [2]

Es ist eine traurige Tatsache, daß in der monopolistischen Form des Kapitalismus die Arbeitslosigkeit als eine strukturelle Erscheinung betrachtet werden muß, das bedeutet also, daß die Arbeitslosigkeit als zur Struktur der gesellschaftlichen Verhältnisse gehörig angesehen und hingenommen wird.

Wie war nun die Lage in der DDR?

jungarbeiter

Ein Jungfacharbeiter in der DDR

In unserer Republik ist ein Teil der Produktionsmittel, die großen Industriebetriebe, die großen landwirtschaftlichen Güter, die Verkehrsmittel und Geld- und Kreditinstitute, Eigentum des Volkes. In diesem Teil der Wirtschaft ist die Ausbeutung des Menschen beseitigt. Daneben aber besteht noch ein nicht unwesentlicher und nicht unwichtiger Teil der Wirtschaft, der sich im Besitz und in der Verfügung von Privatpersonen befindet. Über dem ganzen Wirtschaftsleben aber steht der Wirtschaftsplan. Der Plan regelt die Produktion, die Verteilung der Güter, die Versorgung der Bevölkerung, die Finanzfragen. Der Plan regelt auch den Einsatz der Arbeitskräfte. Abgesehen davon, daß ein Teil der Wirtschaft sich in Volkseigentum befindet, ein anderer, nicht unwesentlicher Teil in Privathand, ist die Arbeitskraft für uns bereits ein allgemeines nationales Gut, dessen Nutzbarmachung und Wirksamwerden durch den für die gesamte Volkswirtschaft geltenden Plan geregelt werden. Der einzelne Arbeiter ist in unserer demokratischen Ordnung nicht mehr ein dem Kapitalbesitzer willkürlich überlassenes Ausbeutungsobjekt, sondern Bestandteil der gesamten wirtschaftlichen Kraft der Nation, die durch den Volkswirtschaftsplan sinnvoll gelenkt wird und dessen Mittler und Mitgestalter der arbeitende Mensch selber ist. Die Pflege der Arbeitskraft ist darum für uns eine nationale Aufgabe…

Wir sind berechtigt zu sagen, daß es auch bei uns in der Deutschen Demokratischen Republik keine strukturelle Arbeitslosigkeit gibt, dagegen besteht in der ganzen Volkswirtschaft — vor allem in den volkswirtschaftlich wichtigsten Punkten — ein fühlbarer Mangel an Arbeitskräften. Allein der Volkswirtschaftsplan 1950 fordert die Zuführung von 250.000 zusätzlichen Arbeitskräften in unsere Wirtschaft, und die dem Zweijahrplan folgenden neuen langfristigen Pläne werden weitere Hunderttausende, vielleicht sogar Millionen neuer zusätzlicher Arbeitskräfte erfordern. Im Bereich der Deutschen Demokratischen Republik ist der Anspruch auf den Arbeitsplatz real gesichert. Wir müssen sogar noch Arbeitskraftreserven suchen.

[1] Karl Marx: Das Kapital, Erster Bd., Dietz Verlag, Berlin 1957, S.679.
[2] W.I.Lenin: Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus. In: W.I.Lenin, AW2, Bd.I, Dietz Verlag, Berlin 1955, S.66.

Quelle: Otto Grotewohl, Reden und Aufsätze, Bd. II, S.27ff.

Siehe auch:
Gibt es eine Armut in Deutschland?
Das Gerede von der schwindenden Arbeitslosigkeit

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3 Antworten zu Das Recht auf Arbeit – ein Grundrecht

  1. Harry 56 schreibt:

    Zu obigen Beitrag ein meiner Meinung nach passender Link:
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/gericht-stoppt-pilotenstreik-bei-der-lufthansa-13793322.html

    Interessant, nicht wahr?

    Erinnern wir uns: Als vor einiger Zeit das BUNDESSOZIALGERICHT die oftmals schon unmenschliche Sanktionspraxis der Jobcenter rügte. (Man beachte hier unbedingt: Im Aufsichtsrat der BA in Nürnberg sitzen auch führende DGB-Bonzen! Hat man von DENEN jemals zu dieser unmenschlichen schändlichen Praxis ein Wörtchen der Kritik gehört?) mit Hinweis auf das Grundgesetz der BRD, passierte, nach einigen aufgeblasenen heuchlerischen bis dümmliche Getue in gewissen Medien —– gar nichts! Alles läuft weiter wie gehabt!

    Weiter: Vor einiger Zeit wurde eine gewisse Frau Helga Hahnemann, zuvor beschäftigt bei einem Hamburger Jobcenter, auf Grund ihrer ÖFFENTLICHEN Kritik an der oftmals so unmenschlichen Sanktionspraktik gegen Hartz 4 Empfänger, zunächst von ihrer Arbeit suspendiert, später ganz rausgeworfen. Sie klagte anschließend bei einem zuständigen Gericht auf Wiedereinstellung. Nach meinem aktuellen Kenntnisstand bis heute ohne jeglichen Erfolg!!!

    Was sagen uns alle diese Fälle? Wessen Interessen werden denn wirklich von dieser angeblich so „unabhängigen“ Justiz bedient? Könnten solche einfachen Beispiele nicht noch dem Dümmsten, Blödesten aufzeigen, wie diese angebliche „soziale Demokratie“, diese angeblich so „soziale Marktwirtschaft“ bei oft schon kleinster „Aufmüpfigkeit“ wirklich funktioniert? Wie wird sich die Gewerkschaft der Piloten nun verhalten? Warten wir’s mal ab!

  2. Pingback: Die DDR war ein Rechtsstaat | Sascha's Welt

  3. Pingback: Ferdinand Freiligrath: Ehret die Arbeit… | Sascha's Welt

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