Wer war Margot Honecker ?

margotImmer mehr Legenden und ein ganzes bürgerliches Lügengespinst ranken sich um die DDR und ihre Politiker. Unsinnigerweise werden immense Gelder verschwendet, um Bücher zu schreiben, Filme zu produzieren und Horrormuseen einzurichten, in denen man unser sozialistisches Vaterland als einen Unrechtsstaat verunglimpfen will. Das ist vergeblich, denn Lügen haben kurze Beine! Wer also ist die oben Genannte?

Eine Geschichte von
LIESELOTTE THOMS

„Heute haben wir das kleine O schreiben gelernt!“ Gleich würde sie es der Mutter sagen, dachte Margot, als sie an die Tür der elterlichen Wohnung klopfte. Doch die Mutter legte schon beim Öffnen den Finger auf den Mund. Margot sah an ihr vorbei ins Zimmer. Zwei fremde Männer standen dort, die scharf und gespannt die Wohnungstür im Auge behielten, sich aber finster abwandten, als sie die Sechsjährige erblickten.
„Wann kommt denn nun Ihr Mann?“ fuhren sie die Mutter an, die mühsam ihre Aufregung verbarg.
„Ich sage doch dauernd, daß ich es nicht weiß. Er ist schon lange nicht hiergewesen.“
Sie wußte es sehr gut, gerade deshalb hatte ihr Herz wie ein Hammer in der Brust getobt, als es an die Tür klopfte. Er war es nicht; erleichtert blickte sie in das Gesicht ihrer Tochter. Doch auch ihr Mann, der Kommunist Gotthard Feist, konnte jede Minute erscheinen. Hatte die Gestapo davon Wind bekommen, oder war es ein Zufall, daß sie gerade heute mit dem Haftbefehl kamen?

Schon seit Wochen wohnte Gotthard Feist nicht mehr bei seiner Familie, sondern hielt sich vor den faschistischen Verfolgern verborgen. Nun hatten die Genossen von der „Roten Hilfe“ Geld gesammelt, um ihm die Emigration in die Tschechoslowakei zu ermöglichen. Heute wollte er es sich zu Hause abholen. Bange blickte Margot der Mutter ins Gesicht. Hätte sie ihre Gedanken lesen können, so hätte sie nur den einen gefunden: Ich muß ihn warnen – ich muß ihn warnen. So aber hörte sie nur, wie die Mutter plötzlich rief: „Ich kann nicht länger warten, die Kinder müssen essen, und ich habe keinen Tropfen Maggi mehr im Haus.“ Schon war sie aus der Tür, die Maggiflasche an die Brust gedrückt. Staunend sah Margot, daß die braune Flasche noch ganz voll war…
Kurze Zeit danach kam die Mutter zurück. Immer noch atemlos, aber doch ein wenig ruhiger. Sie hatte den Vater getroffen und ihm hastig zuflüstern können: „Gefahr!“

Der Vater wird von den Nazis verhaftet

Das war 1933, das Jahr, in dem Margot zur Schule kam. Die Flucht aus dem faschistischen Deutschland gelang dem Vater nicht. Auf dem Weg in die Tschechoslowakei wurde er verhaftet. Als Margot im zweiten Schuljahr war, verurteilten die braunen Henker ihn zu drei Jahren Zuchthaus. Die Anklage lautete: Hochverrat. Doch Margot, so klein sie noch war mit ihren sieben Jahren, wußte doch, daß das nicht stimmte. Wußte, daß die Nazis ihn verfolgt und eingesperrt hatten, eben weil er die Sache der Arbeiter nicht und niemals verraten würde. „Und ihr“, so sagte die Mutter zu Margot und ihrem jüngeren Bruder, „ihr dürft euch nie schämen, daß ihr die Kinder von Kommunisten seid. Ihr könnt stolz darauf sein, sosehr die Faschisten auch lügen und hetzen mögen.“ Eines Tages kam ein neuer Lehrer in Margots Klasse. Wohl um die Kinder kennenzulernen, fragte er sie nach dem Beruf ihrer Väter. Die Weingärtenschule in Halle, die Margot besuchte, lag mitten in einem Arbeiterviertel. Und so lauteten auch die Antworten der Kinder: Schlosser, Tischler, Dreher, Maurer… Als Margot an der Reihe war, hätte sie antworten müssen, ihr Vater sei Schuhmacher. Doch sie sagte laut und deutlich: „Mein Vater ist Kommunist.“
Der Lehrer zog die Augenbrauen hoch und fragte mit schmalen Lippen: „Und wo ist dein Vater?“
„Im Zuchthaus.“ Die helle Kinderstimme klang stolz und fest. Verblüffung, dann Ärger und Wut spiegelten sich im Gesicht des Lehrers, der das Hakenkreuz am Rockaufschlag trug. In der Pause nahm er Margot beiseite und erklärte ihr mit schneidender Stimme, daß sie keinerlei Anlaß hätte, so vorlaut oder gar etwa stolz zu sein. Kommunisten seien Untermenschen, zischte er, und sie solle sich lieber schämen. Seine wüsten Haßtiraden und Drohungen stürzten über Margot her wie eine schmutzige Flut.

SA Halle

SA-Aufmarsch in Halle/S. (1933)

Am liebsten hätte sie sich die Ohren zugehalten. Doch sie hörte auch so nicht mehr hin und dachte nur immer: Vater, Vater, lieber Vater! Verwundet und verstört kam sie nach Hause.
Als sie alles erzählt hatte, nahm die Mutter sie in die Arme. „Du hattest recht, mein Mädel, nicht dieser Lehrer. Bleib du nur so, wie du bist. Und morgen gehe ich zu eurem Rektor und verwahre mich dagegen, daß meine Kinder beleidigt werden.“

Erleichtert und befreit atmete Margot auf. Ja, Vater war ein Held und die Mutter auch. Immer wußte sie, was richtig und gut ist. Und nie hatte sie Angst. So will ich auch werden, gelobte sich das Mädchen. Die Mutter ging zum Rektor, brachte entschlossen ihre Beschwerde vor, und Margot wurde in Ruhe gelassen. Das lag gewiß zum Teil daran, daß der Rektor dieser Schule kein Faschist, sondern ein humanistischer Pädagoge war. Doch es lag auch an Margot selbst. Sie war immer die beste Schülerin ihrer Klasse. Auch dazu hatten ihre Eltern beigetragen. „Lerne, lerne“, sagten sie oft, „alles, was dir geboten wird. Später, wenn wir Arbeiter die Macht haben, wirst du es brauchen können.“

Nur einen Brief monatlich durfte der Vater aus dem Kerker nach Hause schreiben, doch in jedem stand die Frage.– „Margot, wie geht es in der Schule, wie lernst du?“ Sie schrieb ihm ihre Zensuren, auch, als sie einmal im Rechnen eine Drei hatte. Als dann in seinem nächsten Brief stand: „Ich hätte mir gewünscht, es wäre keine Drei gewesen“, brach Margot in Tränen aus und konnte sich lange nicht beruhigen, daß sie dem Vater auch noch solche Sorgen gemacht hatte.

Margot will Lehrerin werden

Die drei Jahre vergingen, doch Gotthard Feist kam nicht zurück. Die Faschisten verschleppten ihn ins Konzentrationslager Buchenwald, wo sie ihn noch zwei weitere Jahre marterten. Seinen Kampfesmut und seine Überzeugung aber konnten sie nicht brechen. Am 16. April 1939, einen Tag vor Margots zwölftem Geburtstag, stand er endlich wieder vor ihr. Jetzt weinte sie vor Glück, daß er lebte, daß sie ihn wiederhatten, daß ihre Familie, diese kleine, fest verschworene Gemeinschaft in einer feindlichen Zeit, nun wieder vollzählig war. Diesmal wies sie, wie schon eine ganze Weile vorher, ihre Zeugnisse mit gutem Gewissen vor – sie waren so, daß er sie mit ungetrübter Freude ansehen konnte.

Es gab noch einen, der sich über diese Zeugnisse freute, als wären es die seiner eigenen Tochter. Das war der Lehrer, der Margot in den letzten Schuljahren unterrichtete. Margot hatte, die Mahnung der Eltern befolgend, auch in den Fächern fleißig gearbeitet, die ihr zunächst nicht soviel „Spaß“ machten wie andere. Allmählich war dann, wie es meistens so geht, auch daran das Interesse gewachsen. Das Lernen machte Spaß, weil es Wissen brachte, und Wissen gab Sicherheit und Selbstvertrauen. Immer mehr wuchs zugleich auch in Margot der Wunsch, später Lehrerin zu werden, um anderen Kindern die gleiche Freude am Lernen und Wissen vermitteln zu können. Zu dieser Entwicklung hatte ihr jetziger Lehrer viel beigetragen. Er war ein kluger Pädagoge, der seinen Beruf sehr liebte. Und daß seine Lieblingsschülerin nun auch Lehrerin werden wollte, ließ ihn noch mehr Anteil an ihr nehmen. Freilich war zu jener Zeit der Besuch der Oberschule oder gar ein Studium den Kindern wohlhabender Eltern vorbehalten. Für ein Arbeiterkind gab es dort nur sehr selten Platz. Doch für Margot setzte sich der Lehrer ein, bis er eines Morgens in ihre Klasse kam und sagen konnte: „Mädels, ich habe einen Freiplatz für die Lehrerbildungsanstalt. Was meint ihr, wen wollen wir schicken?“
Sie überlegten nicht lange. „Margot!“ riefen gleich einige Schülerinnen im Chor.
„Ja, an Margot habe ich auch gedacht“, sagte er froh. Und Margot saß da, ganz stumm vor Glück, daß ihr großer Wunsch nun in Erfüllung gehen sollte. Sie konnte es kaum erwarten, nach Hause zu kommen und den Eltern davon zu erzählen.

Die Entscheidung

Der Vater aber sah nachdenklich in das glückliche Gesicht seiner Tochter. „Du stehst vor einer großen Entscheidung“, sagte er langsam, „und du mußt sie selbst treffen. Du sollst mir niemals den Vorwurf machen, daß ich dich falsch beraten habe. Als ich dir sagte, lerne gut, weil wir kluge und gebildete Menschen brauchen, wenn wir Arbeiter die Macht erkämpft haben, da wußte ich nicht, wann diese Zeit kommen wird. Und auch heute weiß ich nicht, wie lange es noch dauert, bis der Faschismus zerschlagen ist. Ich habe keine Sorge, daß sie dich dort auf der Lehrerbildungsanstalt faschistisch beeinflussen könnten. Aber wenn du dann Lehrerin bist, werden sie verlangen, daß du die Kinder in ihrem Geist erziehst. Würdest du das wollen?“ – „Nein“, sagte Margot leise, aber es tat sehr weh.
Schwer war es auch, ihrem Lehrer gegenüberzutreten. „Ich kann nicht, ich muß nach der Schulentlassung schnell Geld verdienen“, wich sie aus. Verständnislos, enttäuscht, dann böse sah er sie an, machte ihr Vorhaltungen. Doch sie blieb standhaft und verzichtete auf das, was sie sich so sehnlich wünschte.

Nicht ohne Grund hatte der Vater gesagt, er hätte keine Sorge, daß Margot sich von den Faschisten beeinflussen lassen könnte. In dem illegalen Widerstandskampf, den er bald wieder aufgenommen hatte, war ihm die Tochter eine gute Helferin. Sie erhielt zuerst kleine Aufträge, benachrichtigte die Genossen, wo illegale Treffs stattfanden, warnte andere, wenn Gefahr war. „Unsere kleine Genossin“ wurde sie von den Widerstandskämpfern genannt. Bald wurden die Aufträge größer. Für jeden gaben ihr die Genossen genaue Instruktionen für die Durchführung, denn auch die Gefahr der Entdeckung und Verhaftung nahm zu. Margot erfüllte ihre Aufgaben zuverlässig und geschickt. Nun trug sie Verantwortung, wurde gebraucht, arbeitete mit für die Zukunft, für die Befreiung und die Macht der Arbeiter. Dieses Bewußtsein gab der Vierzehnjährigen die Kraft, die schlimme Zeit zu bestehen, gab ihr den Mut, den sie bei Vater und Mutter immer bewundert hatte.

Kurz vor Margots Schulentlassung traf die Familie ein großer Verlust. Nach einer kurzen, schweren Krankheit starb die Mutter. Margot trat an ihre Stelle. Wohl hätte sie gern einen Beruf erlernt, doch der Vater, der in einer Papiermühle hart arbeitete, und vor allem der kleine Bruder brauchten sie nötiger. Trotzdem hörte sie auch nach der Schule nicht auf, zu lernen. Jetzt gaben die Genossen ihr Unterricht. Sie lasen mit ihr das „Kommunistische Manifest“, lehrten sie den Marxismus verstehen und die Ziele der Partei. Sie weckten in ihr die Liebe zu dem damals einzigen Land der Welt, in dem die Arbeiter die Macht hatten, zur Sowjetunion. Dieses Land hatten die faschistischen Armeen überfallen, und es schien zuAnfang, als sei ihr Raubzug nicht aufzuhalten. Im Radio wurde gemeldet: „Die Hitlertruppen stehen kurz vor Moskau“.

„Was wird bloß werden, wenn sie Moskau nehmen?“ fragte Margot bange. Und die Genossen antworteten: „Sie werden die Sowjetunion nicht besiegen, auch wenn sie Moskau nehmen sollten. Wir Kommunisten wissen, daß wir unbesiegbar sind. Aber wir Kommunisten glauben auch!“ So wuchs die „kleine Genossin“ heran in jener Zeit der Gefahren und Sorgen, aber auch der festen, brüderlichen Verbundenheit des antifaschistischen Widerstandskampfes.

halle-1945

Eine neue Zeit bricht an

Als die Stunde der Befreiung schlug, war Margot achtzehn Jahre alt. Das Leben lag vor ihr, ein Leben, das sie herbeigesehnt, für das sie gekämpft hatte, so jung sie noch war. Der Faschismus war durch die siegreiche Sowjetarmee zerschlagen worden, nun nahmen die Genossen, die Arbeiter, das Volk selbst die Macht in ihre eigenen Hände, wie es der Vater schon in den dunkelsten Jahren vorausgesagt hatte. Zwei Jahrzehnte sind seitdem vergangen. Was ist aus der „kleinen Genossin“ von damals geworden?

Heute kennen wir sie alle: Sie heißt Margot Honecker und steht als Minister mit am Steuer unseres sozialistischen Staates. Sie leitet das Ministerium für Volksbildung, das mit dafür sorgt und darüber wacht, daß Zehntausende Lehrer die Jugend zu lebensfrohen, allseitig gebildeten Menschen erziehen können. Das klingt fast wie ein Märchen, in dem sich Wünsche wie durch ein Wunder zu erfüllen pflegen. Doch im Leben werden „Wunder“ nun einmal nur durch harte Arbeit vollbracht, und es ist auch mancher Verzicht dabei. Wer etwa glaubt, daß Margots Wunsch, Lehrerin zu werden, sich nach 1945 gleich erfüllt hätte, ist im Irrtum. Damals dachte sie zunächst selbst nicht einmal daran. Sie war beseelt von dem Willen, die Trümmer des Krieges beseitigen zu helfen und am Aufbau eines neuen Lebens mitzuarbeiten. Der Vater und viele Genossen, die sie aus dem Widerstandskampf kannte, übernahmen verantwortungsvolle Funktionen. Zuerst arbeitete sie mit ihnen zusammen in den neuen Gewerkschaften, doch dann nahm die Arbeit mit der Jugend sie gefangen. Sie war Mitglied des ersten antifaschistischen Jugendausschusses und später Mitbegründer der FDJ in Halle. Es galt, den Jungen und Mädchen, die in der Zeit des Faschismus zur Schule gegangen waren und denen der nazistische Geist die Köpfe verwirrt hatte, neue Wege und Ziele zu weisen, Ziele für die es sich lohnte, zu lernen und zu arbeiten.

Zur gleichen Zeit wurde ein neues, demokratisches Schulwesen geschaffen, das auch neue Lehrer brauchte. An die fortschrittlichen Werktätigen erging die Aufforderung, sich in Neulehrerkursen das Wissen dafür anzueignen. Plötzlich sah Margot die Erfüllung ihres großen Wunsches in greifbare Nähe gerückt. Und sie sprach ihn aus: „Jetzt könnte ich doch Lehrerin werden.“ Doch die Genossen sagten: „Was willst du, du bist doch jetzt schon Jugenderzieher. Wir müssen solche Menschen zu den Lehrgängen schicken, die noch nicht so viel Erfahrung haben wie du. Dich brauchen wir hier.“ Keiner soll glauben, daß es Margot leichtgefallen wäre, ihre persönliche Neigung wieder zurückzustellen. Freilich fand sie bald Freude an der neuen Aufgabe, die ihr übertragen wurde: die Arbeit mit den Kindern, aus der später die Pionierorganisation erwuchs. Dabei arbeitete sie eng mit den Lehrern zusammen. 1947 organisierte sie bei Weißenfels das erste Kinderferienlager der Stadt Halle – ein noch nie dagewesenes und in jenen Notzeiten äußerordentlich schwieriges Unterfangen. Es wurde ein großer Erfolg und machte sie sehr glücklich. Immer hatte sie alle Hände voll zu tun. Abends aber, wenn noch Zeit blieb, lernte sie. Die Bücher des jüngeren Bruders, der jetzt die Oberschule besuchte, kannte sie bald genauso gut wie er. Bei Vorträgen über Pädagogik, die durch ihre Mithilfe zustande kamen, war sie eine der aufmerksamsten Zuhörerinnen.

Die jüngste Volkskammerabgeordnete der DDR wird Minister

Feist PieckSo wuchsen ihr Wissen und ihre Erfahrungen. Als 1949 die Deutsche Demokratische Republik gegründet wurde, beglückwünschte Margot als jüngste Volkskammerabgeordnete den ersten deutschen Arbeiterpräsidenten, Wilhelm Pieck, mit einem Blumenstrauß. Jahrelang arbeitete sie im Zentralrat der FDJ, der ihr die Leitung der Pionierorganisation übertrug. 1954 war es endlich soweit: Margot Honecker wurde zum Studium nach Moskau delegiert. Auch hier, wie damals in der Schule, bestand sie ihre Prüfungen mit ausgezeichneten Ergebnissen.

Damit war ein Ziel ihrer Wünsche erreicht, jetzt wurde auch das andere Wirklichkeit: der Weg zur Pädagogik. Das sah zwar anders aus, als sie es sich früher vorgestellt hatte, aber es war viel verantwortungsvoller und nutzbringender geworden. Sie wurde Abteilungsleiter für Lehrerbildung im Ministerium für Volksbildung, arbeitete auch in anderen Abteilungen und lernte das große Haus mit seinen vielfältigen Aufgaben in- und auswendig kennen. 1958 wurde sie Stellvertreter des Ministers und fünf Jahre später Minister. Das ist ein hohes Amt, und manche Schüler, die sie besuchen oder die ihr begegnen, wenn sie in die Schulen kommt, haben zuerst ein wenig Herzklopfen. Doch dann sehen sie: Margot Honecker ist eine junge Frau, die selbst eine Tochter in ihrem Alter hat und mit der Jugend fröhlich ist. Man kann mit ihr gelegentlich auf Schülerbällen tanzen, man findet Verständnis für Fragen und Schulsorgen, verliert darüber das Herzklopfen und vergißt manchmal sogar, daß man mit einem Minister spricht.

Der Ratschlag des Vaters

MargotHWenn man sie dann verwundert fragt: „Wie sind Sie Minister geworden?“, erzählt sie wohl ein wenig aus ihrem Leben und sagt dazu: „Ihr habt heute alle Möglichkeiten – nutzt sie richtig aus. Manchmal gefällt euch dieses und jenes nicht, das eine ist vielleicht nicht euer Lieblingsfach, und ihr vernachlässigt es. Seht, ich habe erfahren, daß es furchtbar schwer ist, später nachzuholen. Vieles, was ich für meine Tätigkeit brauche, habe ich mir mühsam erarbeiten müssen, viele Stunden, viele Nächte hat das gekostet. Das könnt ihr euch alles ersparen. Darum lernt, lernt alles, was euch geboten wird.“ Das war einst der Rat ihres Vaters, des Kommunisten. Heute ist es der Rat des Ministers, der Rat der Partei und des sozialistischen Staates an alle, die jung sind und eine glückliche Zukunft erstreben.

Quelle:
Die Zaubertruhe – Ein Almanach für junge Mädchen, Bd.XII, 1966, S.74ff.

Honeckers

Margot und Erich Honecker

Margot Honecker, geb. 17.4.1927, ist ein Arbeiterkind. Eine Freistelle an einer Lehrerbildungsanstalt lehnte sie ab, weil sie die Kinder nicht im Sinne des Faschismus erziehen wollte. Nach 1945 bekleidete sie verschiedene Funktionen in der Jugendorganisation. Von 1949-54 und erneut seit 1967 war sie Mitglied der Volkskammer der DDR und gehörte seit 1950 dem ZK der SED an. Nach 1954 übernahm sie verschiedene leitende Funktionen im Ministerium für Volksbildung. Ab 1963 war sie Minister für Volksbildung. Auf der Pädagogenkonferenz im Jahre 1971 sagte sie: „Die Monopolbourgeoisie förderte mit allen Mitteln den Opportunismus und den Revisionismus in der internationalen Arbeiterbewegung. Aber die Ideen des Marxismus, von Lenin in Anwendung auf die Epoche des Imperialismus weiterentwickelt, wurden trotz alledem in der Oktoberrevolution zum Siege geführt. (…) Die Sowjetunion schuf anstelle des rückständigsten Bildungswesens des alten zaristischen Rußlands in historisch kurzer Frist das vorbildlichste Bildungswesen der Welt.“ (Begrüßungsansprache am 16.Nov.1971)

NACHTRAG: Margot Honecker starb am 06. Mai 2016 im Akter von 89 Jahren. Soe war eine bedeutende, hochangesehene kommunistische Persönlichkeit. An der Seite ihres Mannes, Erich Honecker, kämpfte sie entschieden für eine sozialistische Erziehung der Jugend und für die Verteidigung des Sozialismus in der DDR.

Siehe auch:
Margot Honecker: …und der Zukunft zugewandt.

Hier ein Video zum 60.Jahrestag der Gründung der DDR am 7. Oktober 2009; möglicherweise wurde auch dieses Video heimlich aufgenommen und ohne Zustimmung der Anwesenden über youtube verbreitet. Wie Klaus Huhn in der jW vom 2. April 2012 bestätigt, hat Genossin Honecker niemals auch nur einem dieser Sensationsreporter ein Interview gewährt.

siehe: http://www.jungewelt.de/2012/04-07/056.php

Ein Interview mit Margot Honecker (jW vom 11.11. 2015):

151111 Margot Honecker Interview

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6 Antworten zu Wer war Margot Honecker ?

  1. Pingback: Margot Honecker: …und der Zukunft zugewandt ! | Sascha's Welt

  2. prkreuznach schreibt:

    Schade, ich kann das Video nicht sehen. Das muss man auf die „Junge Welt“-Seite. Dazu braucht man aber ein Abo.

  3. Pingback: Margot Honecker ist gestorben | Sascha's Welt

  4. Pingback: Die Absetzung Erich Honeckers durch das Politbüro | Die Trommler - Archiv

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