Was ist sozialistische Kaderpolitik?

1083Von J.W. Stalin ist der Ausspruch bekannt: „Kader entscheiden alles.“ [1] Das Wörterbuch der Ökonomie des Sozialismus (DDR – 1984) erklärt, nach welchen Maßstäben im Sozialismus Führungspersönlichkeiten (Kader) ausgewählt wurden. Ihre moralische und politische Integrität, ihr proletarischer Klassenstandpunkt und ihre offene und ehrliche Haltung waren Grundbedingung für eine revolutionäre Entwicklung im Sozialismus. Ein Verstoß gegen diese Prinzipien bedeutete zugleich auch einen Rückschlag in der Entwicklung.

Kader: in der sozialistischen Gesellschaft Menschen, die die Verantwortung für die Leitung eines Kollektivs tragen; haupt- oder ehrenamtliche Kräfte, die durch die Wahl eines gesellschaftlichen Organs für ihre Funktion bestätigt oder durch einen von der Partei der Arbeiterklasse oder der Regierung beauftragten Leiter berufen werden. Sie tragen durch ihre Arbeit als Leiter bzw. im Leitungskollektiv persönlich die Verantwortung für die Durchführung der Beschlüsse der Partei der Arbeiterklasse, der Gesetze und Verordnungen der staatlichen Organe. Kader sind auch Nachwuchskräfte sowie Werktätige mit einer Hoch- oder Fachschulausbildung, die auf Grund ihrer politischen und fachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten planmäßig für Leitungsfunktionen entwickelt werden.

Kader zeichnen sich vor allem aus durch:

  1. unbedingte Treue zur Arbeiterklasse, ihrer Partei und zum Marxismus-Leninismus sowie ihren konsequenten Kampf um die Erfüllung der Beschlüsse;
  2. Stolz auf die Errungenschaften des Sozialismus, Liebe zur sozialistischen Heimat, unerschütterliche Freundschaft mit der KPdSU und den Völkern der Sowjetunion und Treue zum proletarischen Internationalismus;
  3. fundiertes, anwendungsbereites marxistisch-leninistisches und fachliches Wissen, kompromißlosen Kampf gegen alle Erscheinungsformen der bürgerlichen Ideologie;
  4. Parteilichkeit, Sachkenntnis, Disziplin und Schöpfertum, Bescheidenheit und Vorbildwirkung in der Arbeit und im persönlichen Leben, Entfaltung von Kritik und Selbstkritik;
  5. die Fähigkeit, Kollektive zu leiten und in der Arbeit mit den Menschen ihre schöpferischen Initiativen und Fähigkeiten voll zu entfalten sowie die sozialistische Bewußtseinsbildung zu fördern.

Die Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft hängt in hohem Maße von dem richtigen Einsatz und der Qualifizierung der Kader ab.

Kaderarbeit: Formen und Methoden zur Durchsetzung der sozialistischen Kaderpolitik. Die zielstrebige Auswahl, Erziehung, Qualifizierung und die richtige Verteilung der Kader auf die Schwerpunkte der Arbeit sind erstrangige Aufgaben der leitenden Organe der marxistisch-leninistischen Partei, des sozialistischen Staates und der gesellschaftlichen Organisationen der Werktätigen. Die Kaderarbeit ist organischer Bestandteil der wissenschaftlichen Leitungstätigkeit und der Arbeit eines jeden Leiters. Sie ist darauf gerichtet, die kadermäßigen Voraussetzungen für die Erfüllung der Aufgaben bei der Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft zu schaffen und die planmäßige Entwicklung sozialistischer Leitungskader für alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zu organisieren. Neue Leitungskader müssen planmäßig herangebildet, qualifiziert und auf die Übernahme entsprechender Funktionen vorbereitet werden. Der Kaderbedarf ist langfristig zu planen, da die Ausbildung mehrere Jahre umfaßt. Aus dem Bedarf leiten sich wichtige Schlußfolgerungen für die Entwicklung und den Ausbau des einheitlichen sozialistischen Bildungswesens ab. Die Kader sind mit einem fundierten Wissen des Marxismus-Leninismus auszurüsten und zu sozialistischen Persönlichkeiten zu erziehen, die im Interesse der sozialistischen Gesellschaft und zum Wohle der werktätigen Menschen wirken.

Der Entwicklung der Kader dienen Kaderprogramme, die ihrer Funktion und Bedeutung nach vor allem Leitungsinstrument zur planmäßigen Qualifizierung und Verteilung der Kader sind. Die ständige Erhöhung des Niveaus der Arbeit mit den Kadern, ihre Auswahl, Entwicklung sowie ihre politische und fachliche Aus- und Weiterbildung sind ein Schlüsselproblem für die Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft. Um die Kontinuität auf kaderpolitischem Gebiet auch für die Zukunft zu sichern, ist es eine unerläßliche Voraussetzung, die kaderpolitische Lage, die politische und fachliche Qualifizierung, die Erfahrungen und Haltungen der Kader zu analysieren und vorausschauend die Anforderungen an Partei, Staat und Wirtschaft einzuschätzen.

Besondere Aufmerksamkeit ist vor allem der Arbeit mit der Kaderreserve und jungen Nachwuchskadern zu widmen. Hier geht es zum einen darum, in allen Ebenen Kader zu entwickeln, die den Anforderungen der 80er Jahre gerecht werden. Zum anderen gilt es, durch sorgfältige Auswahl, Qualifizierung und Einsatz die kaderpolitische Zusammensetzung der leitenden Organe zu sichern. Das verlangt, auf lange Sicht Kader heranzubilden, die klassenverbunden und mit hoher Einsatzbereitschaft verantwortungsbewußt Funktionen übernehmen können.

Die Leitungsorgane der Partei, des Staates, der Wirtschaft und der Massenorganisationen erarbeiten dazu ein Kaderprogramm, in dem die Hauptprobleme der Kaderarbeit und die konkreten Maßnahmen ihrer Verwirklichung für 5 Jahre festgelegt werden. Ausgehend von einer kaderpolitischen Analyse, umfaßt das Kaderprogramm vor allem Maßnahmen

  • für die marxistisch-leninistische und fachliche Aus- und Weiterbildung;
  • zur Auswahl, Vorbereitung und Arbeit mit der Kaderreserve und mit jungen Nachwuchskadern, besonders aus der materiellen Produktion;
  • zur rechtzeitigen Vorbereitung von Kadern und Arbeitskollektiven für die Entwicklung von Wissenschaft und Technik, für Ratio-nalisierungs- und Investitionsmaßnahmen;
  • zur Vorbereitung von Kadern für einen Einsatz im Ausland;
  • zur Auswahl, Qualifizierung und zum Einsatz von Frauen für leitende Funktionen;
  • zur Delegierung von Kadern zum Hoch- und Fachschulstudium und zur schwerpunktmäßigen Verteilung der Hoch- und Fachschulabsolventen sowie
  • zur Festlegung des prognostischen Kaderbedarfs für 10 Jahre und länger.
  • Das Kaderprogramm ist ständig zu ergänzen. In Jahresplänen sind kontrollier- und abrechenbare Festlegungen zu treffen. [2]

Quelle:
Wörterbuch der Ökonomie des Sozialismus, Dietz Verlag, Berlin, 1984, S. 447f.

Anmerkungen:
[1] J.W. Stalin: Rede im Kremlpalast vor den Absolventen der Akademien der Roten Armee am 4. Mai 1935. In: J.W. Stalin, Werke, Dortmund, Bd.14, S.22.
[2] Man kann hier sicher noch hinzufügen, daß sich sozialistische Kader dadurch auszeichnen, daß Wort und Tat bei ihnen eine Einheit bilden. Karrierismus und und Intrige sind dem Sozialismus zutiefst wesensfremde Erscheinungen.

zu Punkt 4) Entfaltung von Kritik und Selbstkritik. Siehe auch hier.
Vorsicht: Die Kritik ist eine scharfe Waffe! Sie treibt den Betroffenen stets in die Defensive. Wer Menschen zum Erfolg führen will, der sollte viel mehr motivieren als kritisieren können. Nur wer andere zu begeistern versteht, der ist imstande, sie zu führen und zu eigener Initiative zu veranlassen.

Siehe auch:
Was ist ein Kommunist?
Kritik und Selbstkritik, eine mächtige Waffe des Proletariats
Über den kommunistischen Hochmut

Dieser Beitrag wurde unter Demokratie, Kommunisten, Kommunistische Partei, Meine Heimat DDR, Sozialistische Wirklichkeit veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Was ist sozialistische Kaderpolitik?

  1. MURAT O. schreibt:

    Hat dies auf MURAT O. rebloggt.

  2. Pingback: Im Streit mit nichtkommunistischen Strömungen | Sascha's Welt

  3. Pingback: Wilhelm Pieck: Zur Kaderpolitik der KPD | Sascha's Welt

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