Der Mut und die Tragik des Janusz Korczak

Korczak

Janusz Korczak (1878-1942)

Der Völkermord, der vom deutschen Faschismus während des Zweiten Weltkriegs begangen wurde, soll niemals mehr aus dem Gedächtnis der zivilisierten Menschheit verschwinden. Die Hitlerbarbaren haben 6 Millionen jüdische Menschen ermordet. Sie überlieferten Dutzende Millionen Sowjetbürger, Polen, Franzosen, Tschechen, Menschen fast aller europäischen Länder, einem grausamen Tode. Die Schuljugend erfährt heute aus ihren Lehrbüchern kaum etwas über die Verbrechen der Hitlerbande. Hatte die Mehrheit der Deutschen überhaupt begriffen, daß man Verbrechen an anderen nicht tatenlos zusehen durfte? Denkfaulheit, moralische Trägheit, Verzagtheit und schlechtes Gewissen hatten viele Deutsche davon abgehalten, jenen Schrei des Entsetzens auszustoßen, den die vom Faschismus gequälten Völker erwarteten, als 1945 das Ausmaß der Verbrechen bekannt wurde. Der Märtyrergang des polnischen Dichters, Pädagogen und Arztes Janusz Korczak (1878-1942) belegt die Grausamkeit der Nazis…

Kinder Lodsch

Deportation jüdischer Kinder aus Lodsch ins Vernichtungslager Kulmhof

238. Ende 1942, Warschau (Warszawa). Aussage des Schriftstellers Jehoszua Perle über die Deportation von 200 Kindern aus dem Janusz-Korczak-Waisenhaus im Warschauer Getto:

Ich muß hier noch einmal die banalen Worte wiederholen, daß es keine Feder gibt, mit der dieses furchtbare Bild beschrieben werden könnte. Die faschistischen Kindermörder waren von einer wilden Wut erfaßt, sie schossen unaufhörlich. 200 Kinder standen zu Tode erschrocken da. Gleich würden sie bis auf das letzte erschossen werden. Und dann geschah etwas Außergewöhnliches: Diese 200 Kinder schrieen nicht, 200 unschuldige Wesen weinten nicht, keines von ihnen lief davon, keines verbarg sich. Sie schmiegten sich nur wie kranke Schwalben an ihren Lehrer und Erzieher, ihren Vater und Bruder, an Janusz Korczak, damit er sie behüte und beschütze.

Janusz Korczak (Dr. Goldschmidt), ein bedeutender Pädagoge und Schriftsteller, ging zusammen mit jüdischen Kindern aus dem Warschauer Getto ins Todeslager Treblinka.

Er stand in der ersten Reihe. Er deckte die Kinder mit seinem schwachen, ausgemergelten Körper. Die Hitlerbestien nahmen keine Rücksicht. Die Pistole in der einen, die Peitsche in der anderen Hand, bellten sie: ,Marsch!’ Wehe den Augen, die dieses furchtbare Bild mit ansehen mußten. Janusz Korczak, barhäuptig, mit einem Lederriemen um den Mantel, mit hohen Stiefeln, gebeugt, hielt das jüngste Kind an der Hand und ging voraus. Ihm folgten einige Schwestern in weißen Schürzen, und dann kamen die 200 frisch, gekämmten Kinder. Die Kinder waren von allen Seiten von deutschen, ukrainischen und jüdischen Polizisten umgeben. Im Judenrat hatte man inzwischen erfahren, was auf der Siennastraße 16 vor sich ging. Man begann zu telefonieren, hin und her zu laufen, wollte retten. Aber wen wollte der Judenrat retten? Nicht die 200 Kinder, er wollte nur Janusz Korczak retten. Er dankte den Herren vom Judenrat, die alle Juden Warschaus geopfert hatten, und schritt an der Spitze seiner Kinder zum Verladeplatz. Die Steine weinten, als sie diese Prozession sahen, doch die faschistischen Mörder trieben die Kinder mit Peitschen weiter und schossen immer wieder. Bis zum heutigen Tag fehlt jede Spur, wo Janusz Korczak mit den 200 Kindern geblieben ist. Allen Anzeichen nach ist von ihnen nichts übriggeblieben. Mögen diese wenigen Worte die Einleitung zu jener bluterfüllten Chronik sein, die den Namen ‚Janusz Korczak und seine 200 Kinder’ trägt. Das ist die Würdigung eines einfachen Gettojuden, die Würdigung der Tat Korczaks.

AJHI, Ring II, Nr. 199: J. Perle, Churban Warsze (Die Zerstörung Warschaus). (Übersetzung aus dem Jiddischen)

Kulmhof

Deportation von deutschen und tschechoslowakischen Juden aus dem Lodscher Getto ins Todeslager Kulmhof

237. 31. August 1942, Schieratz (Sieradz). – Auszug aus einem Lagebericht der Gestapo in Schieratz über die Deportation der Juden aus dem Kreis:

… Die Juden aus dem Kreis Schieratz sind im Monat August 1942 evakuiert worden. Die Evakuierung vollzog sich planmäßig und ohne besondere Schwierigkeiten. Der Kreis Schieratz ist jetzt judenfrei …

AIM, Gestapo Lodsch, Nr 241, S. 188.

Schieratz

Deportation von Juden aus dem Kreis Schieratz ins Todeslager Kulmhof

Quelle:
Faschismus-Getto-Massenmord, Dokumentation über Ausrottung und Widerstand der Juden in Polen, Rütten & Loening, Berlin, 1960

Siehe auch hier:
19 GEBOTE FÜR ELTERN – von Janusz Korczak
10 ЗАПОВЕДЕЙ РОДИТЕЛЯМ ОТ ЯНУША КОРЧАКА (russ.)

Dieser Beitrag wurde unter Faschismus, Kapitalistische Wirklichkeit, Kriminelle Gewalt, Verbrechen des Kapitalismus veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Der Mut und die Tragik des Janusz Korczak

  1. martinemko schreibt:

    Tja, zu deiner Einleitung, Sascha: „soll niemals mehr aus dem Gedächtnis der zivilisierten Menschheit verschwinden“? RICHTIG! Aber schon bei Leuten, die sich selbst als Kommunisten bezeichnen, kann man das Grausen bekommen, bis sich der Magen umdreht: http://einarschlereth.blogspot.de/2014/12/die-grote-verleumdungskampagne-der.html

    • sascha313 schreibt:

      Möglicherweise ist bei diesem einarschlereth nun der endgültige Altersschwachsinn eingetreten, wenn er diese betagte Nazi-Dame so „ruhig und glasklar“, und den dazugehörigen Zeitungsausschnitt so ausführlich und in voller Länge präsentiert und mit seinem (und anderer) dümmlichen, nazistischen Kommentaren „verziert“. Ich kann mir nicht vorstellen, daß ein halbwegs gebildeter Mensch solch einen haarsträubenden Schwachsinn von sich gibt. Die Nazis in den USA werden ihm applaudieren.

      Daß er sich aber als einen „Kommunisten“ bezeichnet, alldieweil für ihn alle Menschen a priori seine Brüder/Schwestern seien, ist nicht nur eine Beleidigung für einen Kommunisten, und sie charakterisiert nicht nur seine bisherige Unkenntnis, sondern darüberhinaus auch seine Anfälligkeit gegenüber dem Faschismus. So geschieht es eben, wenn man keinen klaren Klassenstandpunkt hat. Darin unterscheidet er sich nicht im geringsten von den Nazi-Mitläufern im „3.Reich“.

      Muß man hier noch etwas „beweisen“??? – ich denke NEIN. Wir brauchen hier nicht die gesamte Thematik des Nürnberger Tribunals zu wiederholen… Hast Du etwas dagegen, wenn wir den Link zu diesem nazistischen Dreck des einarschlereth löschen?

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