Nur die Wahrheit führt uns zur Erkenntnis…

MedienAbraham Lincoln sagte einmal: „Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit, aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht.“ Denn Lügen haben bekanntlich kurze Beine. Schon Viktor Klemperer sprach darüber, wohin es führt, wenn die Massenmedien eines Landes völlig „gleichgeschaltet“ sind. [1] An der Martin-Luther-Universität Halle befaßte sich der Sprachwissenschaftler Professor Eduard Kurka mit Fragen der Überzeugungs- und Meinungsbildung. Seine Einführungen in die Rhetorik und seine wissenschaftlichen Untersuchungen zur Wirkung der Propaganda sind auch heute (nach über 40 Jahren) noch hochaktuell.

Der Antikommunismus – Grundzug imperialistischer Propaganda

Die für unsere Epoche charakteristischen Umwälzungen im gesamten System der internationalen Beziehungen haben den ideologischen Kampf zu einem wichtigen Instrument der Politik und besonders der Außenpolitik gemacht. Der scharfe ideologische Kampf ist … auf allen Schauplätzen der internationalen Beziehungen und der Beziehungen der Klassen zueinander entbrannt. Wesentlicher Grundzug der imperialistischen Massenpropaganda ist der Antikommunismus. Die Manipulierung der Menschen im staatsmonopolistischen System des Spätkapitalismus ist die Ausschaltung der Persönlichkeit, ihres eigenen Denkens und Handelns im Interesse der herrschenden Klasse. Sie hat die Funktion, die ideologische Integration in das imperialistische System und die geistige Formierung der Menschen zu erreichen. Sie ist antikommunistisch orientiert. Aus Gründen der Selbsterhaltung brauchte die imperialistische Bourgeoisie dringender denn je eine wirksame Massenbeeinflussung, die ihre apologetische Funktion zur Erhaltung ihrer Klassenherrschaft erfüllt… All das führte zu den Versuchen, alle propagandistischen Bemühungen wissenschaftlich zu untermauern. Führend darin sind die USA, wo ein immenser Ausbau der Forschungen in der angewandten Psychologie betrieben wurde. Wesen der imperialistischen Propagandadoktrin ist es, nicht auf den Verstand, sondern ausschließlich auf die Gefühle einzuwirken. Hierbei nutzt man „tiefenpsychologische“ Erkenntnisse aus. …

Über die Gefühle manipuliert…

marionetteVerschiedene bürgerliche Propagandatheoretiker ziehen zwar die Einwirkung auf eine besondere Art von Gefühlen vor. Dazu gehören negative Gefühle wie Angst und Haß, Niedergeschlagenheit, Ergebenheit in das Schicksal als Ausdruck der Einschüchterung und Lähmung der Aktivität. Verschiedene Aktivitäten werden in andere Richtung gelenkt, zum Beispiel Haltungen wie Lebensgier und Vergnügungssucht. Aber auch an sich positive Gefühle werden angesprochen, wie zum Beispiel Familiensinn und Heimattreue, um sie für aggressive politische Zwecke zu mißbrauchen. Dabei werden gezielt bestimmte Einstellungen herausgebildet wie Besitzstreben oder Prestigesucht. Diese Theoretiker hüten sich aber, völlig zu bestreiten, daß das menschliche Denken mit der objektiven Wirklichkeit zusammenhängt, daß es nicht nur vom Unbewußten, sondern auch von ökonomischen, sozialen und politischen Faktoren des gesellschaftlichen Lebens abhängt.

Gerade deshalb empfehlen maßgebliche Propagandatheoretiker, so zu verfahren, daß der Mensch nicht in erster Linie von den Informationen abhängt, die er aus unmittelbarer Erfahrung gewinnt, sondern von den Informationen, die er – in Auswahl – erhält. Die beste Effektivität in ihrem Interesse erreiche eine Propagandadoktrin, die über besonders raffinierte Methoden der Auswahl, des Kommentierens, der Schaffung sogenannter Fakten verfügt. Ablenkung durch Amüsierbetrieb und ähnliches, Krieg wider die Vernunft ist das Wesen einer solchen Konzeption.

Das „präparierte“ Denken…

Um einige Methoden zu erwähnen, die in der sogenannten gewöhnlichen Propaganda und auch, der rhetorischen Argumentation verwendet werden, sei an das „Auswählen“ und „Präparieren“ der Information (d.h. ihre Verfälschung), diverse Methoden der Ablenkung und das sogenannte „konkrete“ und „sachliche“ Herangehen an die Propaganda erinnert. „Sachliches Herangehen“ bedeutet die Analyse der Stärken und Schwächen der Argumentationsmethoden, um den Praktikern zu zeigen, welche menschlichen Gefühle, Stimmungen, Stärken und Schwächen am besten angesprochen werden. So appelliert man unter anderem an das Besitzstreben, das durch Aufpeitschung von Bedürfnissen bis zur Besitzgier gesteigert wird, und stellt dagegen das Schreckgespenst des Kommunismus, bei dem jedes „Privateigentum Diebstahl“ sei!

Nicht die Wahrheit erkennen, sondern GLAUBEN…

Es geht den Propagandisten der imperialistischen Ideologie nicht um die Wahrheit, sondern um die Glaubwürdigkeit, die sie mit allen Mitteln erreichen wollen. Der britische Publizist Lindley Fräser verwirft in seinem Buch „Propaganda“ zwar das Goebbelssche Rezept der „großen Lüge“, empfiehlt aber, so zu lügen, daß keine Entlarvung droht. In der psychologischen Kriegführung wurde die Methode entwickelt, zunächst durch genaue, detaillierte Meldungen, die als wahr sofort nachgeprüft werden konnten und oft verblüffend wirkten, eine große Glaubwürdigkeit zu erreichen, um dann durch eine große Lüge diese Glaubwürdigkeit auszunutzen. Die Menschen fielen darauf herein, und die Propaganda erfüllte ihren Zweck.

Falsche Behauptungen werden öfter wiederholt

Die Mittel der antikommunistischen Massenpropaganda sind – um nur die wichtigsten zu nennen – Lügen, Verleumdungen (so wird eine Wesensverwandtschaft von Faschismus und Kommunismus behauptet, dagegen der gesetzmäßige Zusammenhang von Imperialismus und Faschismus vertuscht), die ständige Wiederholung von Behauptungen ohne Beweis und Beleg, die Verdrehung der Tatsachen und die Umkehrung der Werte. Diese Methoden gilt es zu erkennen. Man muß sie ständig aufdecken, analysieren und bekämpfen. Wir müssen unterscheiden, ob es sich um eine zielstrebige, organisierte und systematische Tätigkeit handelt oder um vereinzelte antikommunistische Ausfälle oder Vorurteile.

Le Bon: „Psychologie der Massen“

Eng damit hangt die massenpsychologische Orientierung der imperialistischen Massenmanipulation zusammen, die auch die Lehrbücher der Rhetorik bestimmt. Es gibt auch bürgerliche Rhetoriker, die sich von der Massenpsychologie distanzieren und eine demokratische Grundorientierung vertreten. Sehr zwiespältig und nicht ohne Unbehagen ist das Kapitel über massenpsychologische Grundlagen der Rede bei Weiler („Das Buch der Redekunst“, Düsseldorf 1955) abgefaßt. Die Massenpsychologie ist bei Frank-Böhringer („Rhetorische Kommunikation“, Quickborn bei Hamburg 1963) nicht erwähnt, dafür jedoch im Anhang durch die „Eristik“ Schopenhauers ersetzt, also die Kniffe und Taktiken der „Kunst, recht zu behalten“.

Die „schwierige Kunst der Täuschung“, die sich als verbale Diversion in der psychologischen Kriegführung äußert, hat vor allem Auswirkungen auf die Sprachpolitik des Klassengegners. Die raffinierten Methoden dieser Beeinflussung gehen letztlich auf die Begründer der bürgerlichen Massenpsychologie Sighele und Le Bon zurück. Nach Le Bons Buch „Psychologie der Massen“, das in Westdeutschland und den USA immer wieder neu aufgelegt worden ist und in Lehrbücher über Menschenführung und Rhetorik vielfach eingeflossen ist, sind der „Massenseele“ folgende Eigenschaften zugeordnet [2]:

  • Die Masse sei intellektuell gehemmt und durch die völlige Entpersönlichung des einzelnen ganz und gar unkritisch. Hier setzt Le Bon eine Masse voraus, die durch die kapitalistische Manipulation so geformt wurde. Als Massenerscheinung ist heute die schrankenlose Hemmungslosigkeit eine typische Erscheinung für den Kapitalismus.
  • Nach Le Bon ist das „Unbewußte (Irrationale) das Geheimnis der Massenkräfte. Soziale Organismen könnten keinen tiefgehenden Wandlungen unterworfen sein (hier zeigt sich der reaktionäre Pferdefuß!), und das Unwirkliche sei in gewissen Fällen wahrer als das Wirkliche. Der einzelne sei nicht mehr er selbst, sondern ein Automat geworden. Auch wenn Le Bon den Massen in bestimmten Fällen heroische Eigenschaften zubilligt, so ist seine Grundkonzeption die Massenverachtung. Der Anteil des Unbewußten sei bei der Masse ungeheuer, der Anteil der Vernunft sehr klein. Nichts Beständigeres gebe es in der Masse als das Erbgut der Gefühle. Die Massen seien „weibisch“, das heißt triebhaft, beweglich, erregbar und „knetbar“.

Die zwei verführerischen Tricks

Dementsprechend fallen auch die Rezepte Le Bons aus, die er für die Massenführung gibt. Sie erinnern uns sehr an die Propagandakonzeption und -praxis Hitlers und Goebbels‘. Dazu gehört vor allem die Ächtung der logischen, sachlichen Beweisführung. Der Redner muß schreien, beteuern, wiederholen und darf niemals den Versuch machen, einen Beweis zu erbringen. Die „Masse“ erkenne nur die Macht an, denn sie sei herrschsüchtig und unduldsam. Welche Bedeutung die Gedankengänge Le Bons für die Manipulation mit sprachlichen Mitteln haben, zeigen folgende Anweisungen:

  1. Wirkung der Begriffe: Über Bilder, Worte und Redewendungen heißt es: „Werden sie kunstgerecht angewandt, so besitzen sie wirklich die geheimnisvolle Macht, die ihnen einst die Adepten der Magie zuschrieben … Worte, deren Sinn schwer zu erklären ist, sind oft am wirkungsvollsten,“ Als Beispiele sind „Demokratie“, „Sozialismus“, „Freiheit“, „Gleichheit“ und andere genannt. Bewußt wird also gefordert, daß mit diesen Begriffen bei den Massen keine klaren Vorstellungen verbunden sein dürfen. Hingegen ist die Wirksamkeit und Eigengesetzlichkeit sprachlicher Prägungen, die mit einem – sozialpsychologisch gesehen – fest eingeschliffenen Assoziations- und Bewertungsstereotyp verbunden sind, im Prinzip richtig erkannt, aber mißbraucht, „Mit bestimmten Worten verbinden sich zeitweilig bestimmte Bilder: Das Wort ist der Klingelknopf, der sie hervorruft.“
  2. Die Kunst der Täuschung: Die Regierungskunst besteht nach Le Bon nicht zuletzt darin, daß man die Worte „meistern“ lernt, vor allem die „schwierige Kunst“ der Täuschung. Denn ohne Illusionen kann die Masse nicht leben. Nach Le Bons richtiger Bemerkung übernahm zeitweise auch die Wissenschaft diese Funktion, geriet aber in Mißkredit, weil sie nicht mehr genug zu versprechen wagte! Wie sehr erinnert uns das an gewisse „Futurologen“ in Westdeutschland und ihre ideologische Funktion im staatsmonopolistischen Kapitalismus. Weiter lesen wir bei Le Bon: „Triebkraft der Völkerentwicklung war niemals die Wahrheit, sondern der Irrtum.“ Wer die Masse „zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer“.

visionenDie raffinierteste „Kunst“, die im Imperialismus entwickelt wurde, ist die Taktik, die Menschen glauben zu machen, daß sie sich selbst ihre Meinung bilden, sie in Wirklichkeit jedoch geschickt dahin zu lenken, wo man sie haben will. Die skizzierten Gedankengänge Le Bons machen deutlich, daß solche Praktiken schon gänzlich jenseits jeder vertretbaren Taktik von Propaganda und Agitation liegen und als Massenbetrug bezeichnet werden müssen. Auch die ethischen Maßstäbe und Normen sind klassenmäßig ausgehöhlt.

Solche Auffassungen sind in der amerikanischen Propagandatheorie und Meinungsforschung weitergeführt worden. Als Beispiel führen wir das Buch von Edward L. Bernays „Wie macht man Meinungen?“ an, in dem empfohlen wird: „Man muß die Menschen durch Manipulieren ihrer Instinkte beherrschen.“ [3] Wehe dem Journalisten, Redner oder Publizisten, der die Ratschläge und Rezepte der einschlägigen Handbücher imperialistischer Meinungsfabriken nicht beachtet und seine Zuhörer oder Zuschauer informieren will! So ging es Fred Friendly bei der amerikanischen Fernsehgesellschaft „Columbia Broadcasting System“, als er zurücktreten mußte, weil er Filmberichte und Professorendiskussionen über Vietnam gesendet hatte.

Die Massen führen, heißt sie aufzuklären…

Massenverachtung und Elitestandpunkt sind dem sozialistischen Volksführer und Redner fremd. Die Massen führen heißt, sie aufzuklären, sich über Verstand und Gefühl an ihre Aktionsbereitschaft zu wenden, die Einsicht in die Notwendigkeit gesetzmäßiger Entwicklungen und Handlungen zu vermitteln. Das heißt – und dafür können August Bebel, Lenin, Walter Ulbricht und andere Führer der Arbeiterbewegung als Kronzeugen in ihrer rednerischen Wirksamkeit gelten –, von den Massen zu lernen und sie zu vertreten, sie jedoch nicht der Spontaneität zu überlassen. Dazu gehört auch die Aufgabe, auf der Grundlage von Einsicht in die Notwendigkeit Anforderungen zu stellen, an ihre Opferbereitschaft und ihren Heroismus zu appellieren, für die Erreichung hoher Menschheitsziele ihre schöpferische Aktivität zu wecken, wobei auch der einzelne denkt, mitplant und handelt. Dafür setzt auch der Redner alle seine Kräfte und Fähigkeiten ein, zur weiteren Entwicklung der sozialistischen Demokratie.

Quelle:
Eduard Kurka, Wirksam reden – besser überzeugen, Dietz Verlag Berlin (DDR), 1970, S.68-74. (Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

[1] Victor Klemperer schrieb darüber: „Es gibt in der LTI keinen anderen Übergriff technischer Wörter, der die Tendenz des Mechanisierens und Automatisierens so nackt zutage treten ließe, wie dieses ‚gleichschalten’.“ (Victor Klemperer, LTI, Notizbuch eines Philologen, Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig, 1978, S.165)
[2] Gustave Le Bon: Psychologie der Massen, Leipzig, 1932, S.83-92.
[3] Zit. nach Harald Wessel: Woher kommen richtige Meinungen? Aus dem Kopf oder aus der Konfektion. In: Neues Deutschland ( B ), 5. Juni 1966.


„Die Sprache ist die unmittelbare Wirklichkeit des Denkens.“

(Karl Marx)


Siehe auch:
Die Sprache verrät den Feind
…unterschwellige Beeinflussung
Meinungsmanipulation im „Dritten Reich“
Mißbrauch der Gefühle
Wissen Sie, was LTI bedeutet?

(P.S. eine andere Version des gleichen Textes: hier)

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