So werden Kriege gemacht

USA StützpunkteWarum kommt es immer wieder zu Kriegen? Allein um die Sowjetunion hatten die USA bis 1988 nahezu 400 Militärstützpunkte errichtet, mittlerweile haben die USA ihre Militärpräsenz und ihre weltweite Interventionspolitik erheblich erweitert [1]  – In seinem Buch über die Hintergründe und Technik der Aggression schrieb Albert Norden im Jahre 1952:

Die amerikanische Propaganda vom Kampf gegen den Totalitarismus und für die Demokratie dient nur als Nebelwand für die Vorstöße des amerikanischen Imperialismus. Jeder Hinauswurf von Kommunisten aus den Regierungen Frankreichs, Italiens, Belgiens, Westdeutschlands war nur der Prolog für die Überfremdung großer Industrien durch das amerikanische Kapital.

Der militärische Triumph des griechischen Monarchofaschismus unter dem Kommando von 500 amerikanischen Offizieren diente der Schaffung einer amerikanischen Militärbasis im östlichen Mittelmeer und der Sicherung der nun hereinströmenden amerikanischen Kapitalien. Die militärische Hilfe für den Puppenkaiser Bao Dai und seine französischen Protektoren erfolgt nur um den Preis großer Konzessionen an das amerikanische Finanzkapital sowohl im französischen Mutterlande wie in seinen Kolonien, die sich so immer mehr in Kolonien der USA verwandeln.

Vom Wesen des Imperialismus

Hier sind wir bei den Wesenszügen des amerikanischen Imperialismus angelangt. Denjenigen, die seine Existenz leugnen, weil Imperialismus mit offener Gebietsannektierung gleichzusetzen sei, muß geantwortet werden, daß die Annexion nur ein, aber keineswegs das einzige Kennzeichen des Imperialismus ist. Worin besteht denn sein Wesen?

Seine Hauptmerkmale sind:

  1. die Konzentration der Warenerzeugung in Monopolen,
  2. die Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital,
  3. die besonders hervorragende Rolle der Kapitalausfuhr im Unterschied zum früheren Überwiegen der Warenausfuhr,
  4. die Aufteilung der Welt unter internationale monopolistische Kapitalsverbände,
  5. die Vollendung der Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte.

1. Große Monopole beherrschen den Weltmarkt

Wo gibt es in der kapitalistischen Welt eine stärkere Konzentration der Produktion in einer kleinen Zahl gewaltiger, kapitalistischer Gebilde als in Amerika, wo zum Beispiel der von uns schon erwähnte Telephone and Telegraph Trust über mehr Reichtum verfügt, als 21 Staaten der USA zusammen? Die enorme Eisen- und Stahlproduktion der USA wird zu 80 Prozent von vier Trusten beherrscht (Morgan, Bethlehem Steel, Mellon und die Cleveland-Gruppe). Neun Zehntel der Automobilerzeugung sind bei drei Trusten konzentriert, nämlich General Motors, Ford und Chrysler. Vier Truste teilen unter sich mehr als vier Fünftel der Gummiproduktion. Drei Truste erzeugen 80 Prozent der Munitions- und Explosivstoffe, drei andere haben sich die gesamte Seifenfabrikation untertan gemacht.

2. Die Rolle des Finanzkpitals

Was das zweite Merkmal des Imperialismus betrifft, die Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital, so ist auch sie nirgendwo soweit fortgeschritten wie in den USA, wo Rockefeller und das Haus Morgan zu Symbolen geworden sind, die von der ganzen Welt begriffen werden als tyrannische Beherrschung von Bankwesen, Industrie und Handel durch ein kleines Häuflein Finanzkapitalisten.

3. Der überwiegende Kapitalexport

Die Kapitalausfuhr schließlich, die Lenin als das dritte Merkmal des Imperialismus kennzeichnete, erlangte besonders nach dem ersten Weltkrieg ein immer stärkeres Übergewicht gegenüber dem Warenexport. Man denke an die Anleihen des Hauses Morgan und anderer Bankinstitute in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre an Deutschland! Man denke an das ungeheure Tempo und Ausmaß, in dem auf allen fünf Erdteilen während der letzten Jahrzehnte und Jahre das amerikanische Finanzkapital sich in ausländischen Unternehmen aller Art festsetzte und diese Einnistung bis zur Unterwerfung ganzer Wirtschaftszweige ausdehnte! Man denke vor allem an die vielen Milliarden Dollar, die seit dem Ende des zweiten Weltkrieges an das China Tschiang Kai Scheks, an Griechenland, an die Türkei, an England und mittels des Marshallplans an viele andere Länder gegeben wurden! (siehe http://www.juramagazin.de/kapitalexport)

bullion_fort_knoxAngesichts der Tatsachen, daß über die Hälfte der Goldreserven der Welt in Fort Knox liegt und daß seit Ende des zweiten Weltkrieges bis einschließlich 1948 die Reingewinne des amerikanischen Finanzkapitals jährlich 20 Milliarden Dollar weit überschritten, wird es klar, daß die herrschende Schicht Amerikas, wenn sie diese Summen nicht nutzlos liegenlassen will, dem Kapitalexport immer größere Aufmerksamkeit widmen muß. Die schon vor dem zweiten Weltkrieg gewaltige amerikanische Industrie hat sich seit 1939 um Fabrikanlagen vermehrt, deren Umfang das Anderthalbfache der gesamten deutschen Industrie vor dem zweiten Weltkrieg beträgt. Da dem kein entsprechend gestiegener Innenverbrauch in Amerika gegenübersteht, können die formidablen Gewinne der Kriegs- und Nachkriegsjahre nicht, in größeren inländischen Neuanlagen profittragend untergebracht werden. Sie müssen auf ausländische Märkte geworfen werden. So sind die Anleihen der Regierung und der privaten Bankhäuser der USA keine Sache der Hochherzigkeit, als welche sie von einer beflissenen Propaganda ausgegeben werden, sondern ein ehernes Muß des amerikanischen Finanzkapitals.

4. Streit um die Rohstoffquellen

Wenden wir uns dem vierten Merkmal des Imperialismus zu, der Aufteilung der Welt unter die internationalen Monopole! Dafür war vor dem zweiten Weltkrieg die Aufteilung der Chemiemärkte der Erde unter die drei großen Truste in Amerika, Deutschland und England charakteristisch. Heute erleben wir ähnliches bei der Aufteilung der Ölquellen der kapitalistischen Welt unter die beiden Riesentruste Standard Oil und den englischen Royal Dutch Shell. Daß dabei nicht immer eitel Harmonie herrscht, daß die Gegensätze zwischen den einzelnen kapitalistischen Trusten auf höherer Ebene immer von neuem auf- und ausbrechen, das steht auf einem anderen Blatt.

5. Der Kampf um die Neuaufteilung der Welt

Denn die Konkurrenz ist ja mit der Aufteilung der Welt nicht beendet, sondern verschärft sich dadurch, weil – und das führt uns zum fünften Merkmal des Imperialismus – es keine Ausweichmöglichkeit für die einzelnen kapitalistischen Gruppierungen in bisher noch unerschlossene Gebiete mehr gibt. Die Welt ist vergeben (…) Aus dem eben Gesagten geht nun zweifelsfrei hervor, daß die Durchdringung und Kolonialisierung eines Landes durchaus nicht nur in seiner Besetzung bestehen muß. Lenin schrieb:

„Spricht man von der Kolonialpolitik der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte und die ökonomische und politische Teilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – Kolonien besitzende und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigsten Formen der abhängigen Länder, die politisch formell selbständig sind, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.“ [2]

Gerade in dem letzten Satz findet man die Form, die der amerikanische Imperialismus mit Vorliebe bei seiner Vasallisierung anderer Länder benutzt, indem er ihnen zwar der Form nach ihre Selbständigkeit beläßt, sie aber in Wirklichkeit ökonomisch, militärisch und diplomatisch von sich abhängig macht. Ihm ist es dabei – und die amerikanischen Staatsmänner geben das offen zu – gleichzeitig darum zu tun, diese Länder als Ausfallstellungen und Kriegsbasen gegen die Sowjetunion zu benutzen. Der Fall Westdeutschland bietet das überzeugendste Beispiel dafür, wie der amerikanische Imperialismus unter Bruch internationaler Verpflichtungen ein Land um seine Unabhängigkeit bringt, um es als ein militärpolitisches Werkzeug für die Verwirklichung der Absichten der 60 herrschenden Familien der USA zu mißbrauchen.

Quelle:
Albert Norden, So werden Kriege gemacht, Dietz Verlag, Berlin, 1952, S.97-100.


Dies wurde, wie gesagt, bereits 1952 festgestellt. Dazwischen folgte eine Periode, in der sich das internationale Kräfteverhältnis deutlich zugunsten der sozialistischen Länder veränderte. Doch inzwischen gelang es dem Kapitalismus, das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Sicherlich könnte man dem Gesagten noch einiges hinzufügen (z.B. über die aktuelle Verschärfung der Situation in Syrien, der Ukraine und Israel, über die besondere Rolle Chinas, über die weltweite Finanzkrise, über die aufkeimende Protestbewegung in Chile, Guatemala, Mali, Palästina, Brasilien  und in anderen Ländern, über die Folgen der atomaren Bedrohung, über die unterschiedliche Rolle der Kommunistischen Parteien usw.). Die Gegensätze haben sich weiter verschärft. Und nach wie vor trifft zu, was schon Lenin sagte: „Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.“ [3]

Und noch ein Hinweis aus dem Vorwort Lenins zu der vorliegenden Schrift: „Ohne die ökonomischen Wurzeln dieser Erscheinung begriffen zu haben, ist es unmöglich, auch nur einen Schritt zur Lösung der praktischen Aufgaben der kommunistischen Bewegung und der kommenden sozialen Revolution zu machen.“ [4]

[1] Grafik: Taschenlexikon für Zeitungsleser, Dietz Verlag, Berlin, 1988, S.145.
(siehe dazu auch: USA-Militärstützpunkte)
[2] W.I.Lenin, „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ , Dietz Verlag, Berlin, 1975, Werke in 6 Bd., Bd.II, S.725f.
[3] W.I.Lenin, ebd., S.766.
[4] W.I.Lenin, ebd., S.653.

Siehe:
Die Erdölmafia
Krieg in der Ukraine: Obama, pfeifen Sie Ihren Hund zurück!

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3 Antworten zu So werden Kriege gemacht

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