Vom Sinn unseres Lebens

Sinn…so hieß einmal ein Buch, welches in der DDR den Jugendlichen beim Eintritt ins Erwachsenenalter, zur Jugendweihe, übergeben wurde. Es war eine Zeit, in der jedem Mädchen und jedem Jungen der Weg in eine gesicherte Zukunft offen stand. Es war eine friedliche Zeit, eine Zeit voller Hoffnungen und Träume. Es war eine sozialistische Zeit. Im Vorwort zu diesem Buch schrieb Erich Honecker: „Es ist ein großes Glück, daß Ihr im Frieden geboren und aufgewachsen seid. Krise und Krieg, Not, Hunger und Verwüstungen mußtet Ihr nicht am eigenen Leib verspüren. Aber noch sind die drohenden Wolken der Kriegsgefahr nicht verschwunden, ist der weltweite Kampf um den Frieden nicht bis zu Ende ausgefochten. Er braucht den Einsatz jedes einzelnen.“ [1]

Ja, wahrhaftig: es war ein großes Glück, in der DDR geboren und aufgewachsen zu sein, in einem Land, das getreu seiner Verfassung ein friedliches Land war, welches an keinem Krieg beteiligt war, ein Land, in dem es keine Arbeitslosigkeit gab und keine Obdachlosen, keine Suppenküchen und keine Ein-Euro-Jobber, keine Kinderarmut und keine Sklaverei wie die Leiharbeit. In den sozialistischen Ländern wurde, auch wenn wir nicht im Überfluß lebten und wir uns manches schwer erarbeiten mußten, das gesamte materielle und geistige Potential zum Wohle der Menschen eingesetzt. Die DDR war ein sozialistischer Staat, war ein Staat, in dem die Arbeiterklasse im Bündnis mit den Genossenschaftsbauern die Macht hatte. Die DDR war ein Staat, in dem die Produktionsmittel dem Volk gehörten und nicht einzelnen Privatpersonen. Hier konnte sich jeder eine hohe Bildung aneignen und niemand litt soziale Not. Selbst diejenigen, welche diesen Staat nicht liebten, durften Architekten, Bürgermeister oder Diplomingenieure werden, ja sie durften sogar auf Staatskosten promovieren, wie die heutige Kandesbunzlerin auch.

Trasse
Ein FDJ-Kollektiv der DDR an der Drushba-Trasse bei Swetlowodsk/Sowjetunion

Wozu braucht man eigentlich eine Bildung?

Eine umfassende Allgemeinbildung ist die grundlegende Voraussetzung dafür, daß die Menschen sachkundig und verantwortungsbewußt handeln können. Bildung und Weltanschauung prägen die Persönlichkeit eines jeden Menschen. Sie bestimmen seine seine Lebensauffassung und befähigen ihn, sein Leben sinnvoll zu gestalten. All das war in der DDR eine Selbstverständlichkeit. Jedes Kind konnte in den Kindergarten gehen, ohne daß man dafür Gebühren oder Essengeld bezahlen mußte. Jedes Kind durfte die zehnklassige polytechnische Oberschule besuchen und erhielt auf Staatskosten eine hervorragende Grund- und Allgemeinbildung. Und jeder Jugendliche erhielt garantiert eine Lehrstelle und bekam danach einen gesicherten Arbeitsplatz. Die Förderung von Begabungen und Talenten, vielseitige Freizeitgestaltung, Fahrten ins Ferienlager und der gemeinsame Urlaub mit den Eltern waren für alle Kinder selbstverständlich und erschwinglich.

Pionierpalast
Kinder und Jugendliche bei der Eröffnung des Pionierpalasts „Ernst Thälmann“ in Berlin

Heute dagegen sind Schulschließungen, überfüllte Hörsäle und Lehrermangel an der Tagesordnung. Mobbing und psychische Erkrankungen, Kriege, zunehmende Umweltverschmutzung und Atommüll gehören zu unserem Alltag. Ist das nun der Sinn unseres Lebens? Oder lohnt es sich eher, dafür zu kämpfen, daß all diese Errungenschaften, auf die wir in der DDR so stolz sein konnten, eines Tages wieder Wirklichkeit werden. Und zwar für alle Kinder dieses Landes!

Wie ist das mit der Religion?

„Der einzelne Mensch kann den Sinn seines Lebens nur innerhalb der Gesellschaft finden. Die religiösen Weltanschauungen übertragen die dem Menschen eigene Fähigkeit, sich Ziele zu setzen, auf ein irrationales Wesen, das allein der Sinnurheber sei, das die Bestimmung des Menschen kenne, und ihn auf das Endziel ausrichte. Das verdammt den Menschen dazu, für immer zu einem willenlosen Spielball gottgewollten Schicksals zu werden. Diese Auffassung vom Sinn des Lebens hat ihre realen Wurzeln in den antagonistischen Klassenbeziehungen, die auf dem Privateigentum an den Produktionsmitteln beruhen. Hier setzen sich die Gesetze der gesellschaftlichen Bewegung spontan durch. Daher wußten viele Menschen ihrem Leben keinen Sinn zu geben.“ [2]
Doch was ist nun der Sinn unseres Lebens? Jeder Mensch wird in seine Zeit hineingeboren, in bestimmte gesellschaftliche Verhältnisse, und er muß damit zurechtkommen, ob er nun will oder nicht. Heute gibt es in Europa wieder Kinderarmut, Arbeitslosigkeit, Krisen, Kriege , Flüchtlingsströme und die Völker stehen vor einer ungewissen Zukunft.

Wer führt nun das Volk aus dem Schlamassel?

Honecker

Erich Honecker im Gespräch mit Jugendlichen

„Zu allen Zeiten“, so setzt das Zitat sich weiter fort, „gab es auch Menschen, die den Sinn ihres Lebens darin sahen, durch ihre Arbeit, ihre Beharrlichkeit und ihren Opfermut dazu beizutragen, die Menschheit vorwärtszuführen. Hierbei gerieten sie oft mit den Interessen der herrschenden Klassen in Konflikt bzw. nahmen bewußt den Kampf gegen sie auf. Nicht nur Wissenschaftler, Kulturschaffende, revolutionäre Kämpfer, sondern auch die vielen Namenlosen, die vielleicht selbst keinen Sinn in ihrem Leben sahen und sehen konnten, haben objektiv durch ihre Tätigkeit die Entwicklung vorangetrieben. Ihre Arbeit, ihre Leiden waren nicht umsonst, waren nicht sinnlos. Ihre Anstrengungen sind aufgehoben und bleiben erhalten in den Errungenschaften der folgenden Generationen. Doch erst mit der Errichtung der sozialistischen Gesellschaft unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei, die ausgerüstet ist mit einer wissenschaftlichen Weltanschauung, braucht niemand mehr zu befürchten, ein sinnloses Leben führen zu müssen.“ [3]

Quellen:
[1] Vom Sinn unseres Lebens, Verlag Neues Leben Berlin (DDR), 1983, S.5.
[2] Kulturpolitische Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin (DDR), S.482.
[3] ebd.
Fotos aus: Vom Sinn unseres Lebens, a.a.O., S.4 (Franke), S.168 (Eckebrecht), S.256 (Busch)

…auch wenn der letzte Satz vermutlich die eine oder andere Frage aufwerfen wird,
(Wie soll das denn mal weitergehen? Wo ist denn die Arbeiterklasse? Und wo ist die Partei? Wo gibt es heute noch Sozialismus? Ist der denn nicht überall gescheitert? Und was wäre die Alternative?) doch siehe dazu hier: Der Weg der roten Fahne

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3 Antworten zu Vom Sinn unseres Lebens

  1. prkreuznach schreibt:

    Es es nicht gelungen geeigneten Nachwuchs heranzuziehen, der Führungsaufgaben übernehmen und die Arbeiterklasse vertreten konnte. Bei aller guten Bildung ist die politische Bildung, oft als „Rotlichtbestrahlung“ verspottet, auf der Strecke geblieben.
    Durch Versäumnisse und falscher Medienpolitik.(Es durfte nur über Positives berichtet werden. Das Negative und Probleme sind „unter den Teppich gekehrt“ worden.), informierten sich die meisten DDR-Bürger/innen über die Westmedien und glaubten blindlings, was da erzählt wurde.
    Die Konterrevolutionäre, welche sich „Bürgerrechtler“ nannten, waren gebildete Leute, die ihre Bildung dem Arbeiter- und Bauernstaat DDR zu verdanken haben. Doch sie haben erfolgreich ihren Staat bekämpft. Derer und ihrer Organisationen sind immer mehr geworden.Ihre erfolgreiche Psychologie ist vom MfS unterschätzt worden. Weitere Fehlleistungen des MfS haben zum Erfolg der Konterrevolutionäre beigetragen. Sie erhielten logistische Unterstützung aus der BRD, insbesondere von Teilen der Partei DIE GRÜNEN aus der BRD. Da die Politikerinnen und Politiker der GRÜNEN Diplomatenstatus hatten, wurde der Straftatbestand „ungesetzliche Verbindungsaufnahme“ ausgehebelt. Alles konterrevolutionäre Material konnte unkontrolliert hin und her transportiert werden. Die nächste Ausgabe DIE TROMMLER http://www.die-trommler.net wird sich näher mit dieser Thematik befassen.

  2. sascha313 schreibt:

    ..naja, ganz so ist es ja nicht – es wurde in der DDR schon immer viel Kritisches geschrieben, es gab viele Auseinadersetzungen. Eher – kann man sagen – ist es ja heute so, daß die Zeitungen nur noch voll des Lobes über die bürgerliche Politik (bspw. der Merkel-Regierung) sind. Und ich denke dabei auch an das sog. „positive Denken“, das im bürgerlichen Management beinahe zur Ikone erhoben wurde.

    Warnungen hat es schon vor 1989 genug gegeben, allerdings waren auch die Revisionisten nicht untätig, sie waren zu allen Zeiten überaus aktiv. Da das einige führende Genossen (einschl.. E,H,) zu spät erkannten, wurde es auch vielen einfachen Arbeitern erst nach 1990 bewußt – als sich nämlich herausstellte, was sich hinter dem Gorbatschowismus verbirgt – nämlich die Konterrevolution! Da hast Du recht – ohne westliche „Hilfe“ wäre der Umsturz niemals geglückt…

  3. Pingback: Unterrichtsfach „Ethik“ – oder gezielte Verblödung? | Sascha's Welt

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