Völkerwanderungen, Grenzen und Perspektiven…

Völkerwanderung

Völkerwanderungen in Asien

Staatsgrenzen haben zumeist ihren historischen Ursprung. Nicht selten führen sie zu einer willkürlichen und strikten Trennung zwischen Staaten, Völkern und Nationen. Von Zeit zu Zeit kommt es dann, hervorgerufen  durch Krieg, Not, Rassenhaß, Verfolgung und Vertreibung, zu Völkerwanderungen. Der Kapitalismus, der die Gesellschaft in Klassen spaltet, in Besitzende und Besitzlose, nimmt keine Rücksicht auf die Wünsche und Lebensinteressen der Menschen. Gerade heute, wo Hunderttausende Flüchtlinge aus zerbombten, ausgeplünderten Ländern und Regionen wie Afghanistan, Afrika, Albanien, dem Irak oder Syrien nach Europa kommen, um sich hier ein Auskommen, eine Arbeit und eine neue Existenzmöglichkeit zu suchen, erleben wir, wie Illusionen einmal aufgebaut, schon nach kurzer Zeit zerrinnen. Natürlich ist es verlockend, wenn man den Wohlstand in einigen Ländern Westeuropas sieht, wenn man erwarten kann, soziale Unterstützung und symbolische Willkommensgeschenke zu erhalten. Doch nach einer gewissen Zeit ohne Arbeit ist auch für die Flüchtlinge die ganze Herrlichkeit vorbei. Sie macht einem Realismus Platz, schließlich doch nur „vom Regen in die Traufe“ gekommen zu sein, um hier Menschen zweiter Klasse, um Ausbeutungsobjekt zu sein. Eine Lösung ihrer Probleme aber finden sie nicht. Doch gehen wir zurück in die eigene Geschichte.

Flüchtlinge, Heimkehrer und Umsiedler nach 1945

Eine durchaus vergleichbare, durch den Krieg ausgelöste Binnenwanderung gab es Ende 1945/Anfang 1946, als der zweite Weltkrieg beendet war. Evakuierte und Flüchtlinge strebten in ihre Heimatorte zurück. Hunderttausende sogenannte „displaced persons“ – ehemalige von den Nazis Zwangsverschleppte aus allen Ländern Europas – wollten nach Hause. Heimkehrer befanden sich auf dem Weg zu ihren Familien oder suchten nach überlebenden Angehörigen. Die Umsiedlungen hatten begonnen.

MenschentraubenIm Juli 1945 war der erste offizielle Fahrplan der Deutschen Reichsbahn in Kraft getreten, doch verzeichnete dieser wegen der zerstörten Brücken und Viadukte noch manche Fußmarschstrecke. Das Fehlen von Waggons und Lokomotiven bewirkte, daß die umherziehenden Männer, Frauen und Kinder oft zu Fuß oder mit ländlichen Gespannen aller Art unterwegs waren. Hatten 1939 etwa 15 Millionen Menschen auf dem Territorium der Länder und Provinzen der sowjetischen Besatzungszone gelebt, so waren es Ende 1945 schon mehr als 16 Millionen. Sie alle wollten ernährt und untergebracht werden. Doch die Ernte des Jahres 1945 war eine der schlechtesten der letzten Jahrzehnte.  Eine Versorgung der notleidenden Bevölkerung war dringend notwendig. Und es gab zahlreiche Hilfsaktionen. Beispielsweise wurden in der „Thüringen-Aktion gegen die Not“ bis Februar 1946 5.042.000 Mark, 130.729 Haushaltgegenstände und Möbelstücke sowie 265.115 Kleidungsstücke gesammelt und an Bedürftige übergeben. Des weiteren waren 235 Näh- und 22 Handwerksstuben entstanden und 22 Kindergärten neu eingerichtet worden. Zu den bedeutendsten Leistungen zählte, daß täglich 80.000 Kindern eine warme Mahlzeit gereicht werden konnte. [1] So war das damals in der sowjetischen Besatzungszone, doch da hatten die Menschen wenigstens eine Perspektive!


Wirtschaftsflüchtlinge, Aussiedler und Pendler nach 1989

Auch nach der sogenannten „Wende“, als die DDR-Bürger erkannt hatten, daß der Sozialismus nicht mehr zu retten war, gab es eine solche „Völkerwanderung“. Scharenweise verließen die Menschen ihre Heimat. Bedingt war diese gesellschaftliche „Umschichtung“ durch die Auflösung der DDR, die Enteignung und Vernichtung fast ihres gesamten Industriepotentials und der damit verbundenen massenhaften Vernichtung von Arbeitsplätzen. Nebenbei bemerkt: In der DDR gab es Vollbeschäftigung! Sicher gab es viele Illusionen, doch sehr bald stellte sich heraus, daß die Vorzüge des Sozialismus eben nicht mit den ökonomischen Bedingungen einer kapitalistischen Gesellschaft vereinbar sind.

Als die Grenzen „geöffnet“ wurden…

Zum Jahresende 1989 verzeichnete das Statistische Jahrbuch der DDR eine Bevölkerung von rund 16,4 Millionen, davon waren etwa 8,6 Millionen (Lehrlinge nicht mitgerechnet)  berufstätig. Bemerkenswert ist auch, daß unter denen etwa 4,2 Millionen Frauen waren – bei gleichem Lohn für gleiche Arbeit! [1] Als jedoch im Verlaufe der Konterrevolution die Staatgrenzen der DDR „unverzüglich“ geöffnet wurden, begann die Völkerwanderung nach dem Westen. Von 1991-2008 registrierte die Statistik der nunmehr vergrößerten BRD erhebliche „Zuzüge aus den neuen Ländern in die alten Länder“ von durchschnittlich 144.000 Menschen pro Jahr. Diese Zahl pegelte sich in den letzten Jahren auf jährlich etwa 136.000 Personen ein. [2]

Zuzüge in umgekehrter Richtung in das neueroberte Land waren anfangs allerdings noch recht verhalten. Schnäppchenjäger, Konjunkturritter und andere im Westen gescheiterte Existenzen wollten ihr Glück im Osten versuchen. Wesentlich zielstrebiger aber und mit klaren Zielen reisten sehr bald westdeutsche Manager, Juristen, Militärs und Kaufleute an, die mit Hilfe einiger Überläufer die Macht übernahmen und das gesamte Eigentum des Volkes der DDR wieder in den Besitz der Monopolbourgeoisie und des Adels brachten.

Fast jeder dritte Berufstätige verließ die ehemalige DDR

Summiert man nun die Gesamtzahl der Auszügler aus den ehemaligen DDR-Bezirken von Rostock bis Suhl nach Westdeutschland, so kommt man auf 2,6 Millionen Menschen, die nach 1989 mehr oder weniger freiwillig ihre Heimat verließen. Rein statistisch betrachtet sind das rund 16% der Einwohner der damaligen DDR. Zieht man bei den Abwanderungen die nichtarbeitsfähige Bevölkerung ab, so macht das rund 30%. Grob gerechnet kann man also sagen, daß jeder dritte arbeitsfähige ehemalige DDR-Bürger seine Heimat verlassen hat. Und noch bis heute nehmen einige diese kraft- und zeitraubenden Pendlerfahrten auf sich, um zu einem Arbeitsplatz in einem anderen Bundesland zu gelangen. Auch waren deutschstämmige Aussiedler aus Rußland hochwillkommen, denn gut ausgebildete und billige Fachkräfte wurden gebraucht. Eine vielversprechende Perspektive aber hatten vor allem die egoistischsten und rücksichtslosesten, solche, die sich dem Kapitalismus aalglatt anzupassen verstanden und diejenigen, die am lautesten die DDR verleumdeten.


Welche Perspektive haben die Menschen heute?

Alle Völkerwanderungen, alle Flüchtlingsströme und alle Binnenbewegungen im Kapitalismus sind geprägt von dem Wunsch der Menschen nach einem Leben in Frieden, von dem Wunsch nach einer gesicherten Perspektive. Das alles kann der Kapitalismus den Menschen nicht bieten. Die Entwicklung der Wirtschaft, die einzig und allein geprägt ist vom Streben nach Profit, stößt nach einer Zeit der Konjunktur immer heftiger an ihre Grenzen. Krisen, Kriege, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung von Millionen und Abermillionen Menschen sind die unausweichliche Folge.  Wenn lediglich einige wenige superreiche Milliardäre und Multimillionäre davon profitieren, so gibt es nur eine einzige Möglichkeit, dieser himmelschreienden Ungerechtigkeit ein Ende zu bereiten:

  • Die Abschaffung des Kapitalimus,
  • die Beseitigung des Privateigentums an Produktionsmitteln und
  • die Errichtung der Diktatur des Proletariats!

… denn dann sind Völkerwanderungen und Grenzen nicht mehr wichtig.

Quellen:
[1] Deutsche Geschichte in zwölf Bänden, Bd.9, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin, 1989, S.140-146 (Auszüge)
[2] Statistisches Jahrbuch der DDR, Rudolf Haufe Verlag, Berlin, 1990, S.2 u.17.
[3] Statistisches Bundesamt Deutschland http://www.destatis.de

Siehe auch:
Was ist Vertreibung?

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Eine Antwort zu Völkerwanderungen, Grenzen und Perspektiven…

  1. prkreuznach schreibt:

    Hat dies auf Was war die DDR ? rebloggt und kommentierte:
    Besser kann man die Situation nicht beschreiben. Danke Sascha für diesen Beitrag.

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