Der Henker steht schon vor der Türe…

Henker„Wohin wir blicken, macht die Bourgeoisie gewaltige Fortschritte. Sie will die ganze Welt nach ihrem Maßstabe einrichten und auf einem bedeutenden Teil der Erde wird ihr dies gelingen… aber, vergeßt es nicht – Der Henker steht vor der Türe.“ (Friedrich Engels)

Als Karl Marx und Friedrich Engels sich im Jahre 1846 bei einem Gespräch mit dem utopischen Kommunisten Wilhelm Weitling auseinandersetzten, wo dieser sich gegen eine Theorie des wissenschaftlichen Sozialismus gewandt hatte, entgegnete Marx ihm: „…niemals noch hat die Unwissenheit jemandem genutzt“. [1] Weitling hegte pseudo-revolutionäre Illusionen. Doch es bedarf einer wissenschaftlichen Weltanschauung und einer gebildeten Arbeiterklasse, um revolutionäre Veränderungen in der Gesellschaft zu erzielen. Marx und Engels hatten längst erkannt, daß einzig und allein die Arbeiterklasse einen nationalen Führungsanspruch besitzt, und daß es der Arbeiterklasse nicht gleichgültig sein kann, ob und in welcher Form eine Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse stattfindet. In ironischer Form nahm daher auch Friedrich Engels dazu Stellung…

Hat die Bourgeoisie gesiegt???

Selbst in den barbarischen Ländern macht die Bourgeoisie Fortschritte. In Rußland entwickelt sich die Industrie mit gewaltigen Schritten und macht selbst aus Bojaren mehr und mehr Bourgeois … Die Juden werden verfolgt – ganz im im Interesse der ansässigen christlichen Bürger, denen die Hausierer das Geschäft verdarben. … Und all diese glorreichen Fortschritte der „Zivilisation“ in der Türkei, in Ägypten, in Tunis, in Persien und andern barbarischen Ländern, worin besteht sie anders als in den Vorbereitungen für das Aufblühen einer zukünftigen Bourgeoisie? … Wohin wir blicken, macht die Bourgeoisie gewaltige Fortschritte. Sie trägt das Haupt hoch und fordert ihre Feinde trotzig heraus. Sie erwartet entscheidende Siege, und ihre Hoffnung wird nicht getäuscht werden. Sie will die ganze Welt nach ihrem Maßstabe einrichten und auf einem bedeutenden Teil der Erde wird ihr dies gelingen.

Der Kapitalismus ist nicht der Weisheit letzter Schluß…

Wir sind keine Freunde der Bourgeoisie, das ist bekannt. Aber wir gönnen ihr diesmal ihren Triumph. Wir können ruhig lächeln über den hochfahrenden Blick, mit dem sie namentlich in Deutschland auf das scheinbat so kleine Häuflein der Demokraten und Kommunisten herabsieht. Wir haben nichts dawider, wenn sie überall ihre Absichten durchsetzt. Noch mehr. Wir können uns sogar eines ironischen Lächelns nicht erwehren, wenn wir sehen, mit welchem schrecklichen Ernst, mit welcher pathetischen Begeisterung fast überall die Bourgeois ihren Zwecken nachstreben. Die Herren glauben wirklich, sie arbeiteten für sich selbst. Sie sind beschränkt genug zu glauben, daß mit ihrem Siege die Welt ihre definitive Gestaltung bekomme. Und doch ist nichts augenscheinlicher, als daß sie nur uns, den Demokraten und Kommunisten, überall den Weg bahnen, als daß sie höchstens einige Jahre unruhigen Genusses erobern werden, um alsdann sofort wieder gestürzt zu werden. Überall steht hinter ihnen das Proletariat, hier an ihren Bestrebungen und teilweise an ihren Illusionen teilnehmend, wie in Italien, und der Schweiz, dort schweigsam und zurückhaltend, aber unterderhand den Sturz der Bourgeoisie vorbereitend…

Vergeßt es nicht, ihr Herren!

Wir können noch mehr tun. Wir können den Bourgeois das alles geradezu sagen, wir können mit offenen Karten spielen. Sie mögen es vorher wissen, daß sie nur in unsrem Interesse arbeiten. Sie können darum doch ihren Kampf gegen die absolute Monarchie, den Adel und die Pfaffen nicht aufgeben. Sie müssen siegen oder schon jetzt untergehen… Kämpft also mutig fort, ihr gnädigen Herren vom Kapital… ihr müßt die mehr oder weniger besitzlosen Klassen in wirkliche Proletarier, in Rekruten für uns, verwandeln, ihr müßt uns durch eure Fabriken und Handelsverbindungen die Grundlage der materiellen Mittel liefern, deren das Proletariat zu seiner Befreiung bedarf. Zum Lohn dafür sollt ihr eine kurze Zeit herrschen. Ihr sollt Gesetze diktieren, ihr sollt euch sonnen im Glanz der von euch geschaffenen Majestät, ihr sollt bankettieren im könglichen Saal und die schöne Königstochter freien, aber, vergeßt es nicht –  „Der Henker steht vor der Türe.“ [2]

Quelle:
[1] vgl. J.Streisand, Deutsche Geschichte in einem Band, S.140.
[2] Friedrich Engels, Die Bewegungen von 1847, in: MEW, Bd.4, S.494-503,
(Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

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