Aus der Geschichte der Arbeiterbewegung

Aus einem Geschichtsbuch der DDR (7.Schuljahr) aus dem Jahre 1952 ist der folgende Ausschnitt entnommen. Was für uns heute noch interessant ist, ist die Tatsache, daß die Arbeiter erst durch die Auseinandersetzungen mit der Bourgeosie, erst durch den Kampf um ihre Rechte, lernten, sich zu organisieren. Und die Kämpfe waren hart und erbittert. Doch das proletarische Klassenbewußtsein wuchs…

In den Vereinigten Staaten wurden am 1. Mai 1886 große Streiks für den Achtstundentag durchgeführt. In Chikago schoß die Polizei auf Streikende. Sechs tote Arbeiter und eine Anzahl von Verwundeten lagen auf dem Straßenpflaster. Die Arbeiter demonstrierten gegen den Mord. Um einen Grund zum Eingreifen zu haben, ließen die Behörden durch bezahlte Agenten eine Bombe werfen. Das war der von der Polizei gesuchte Anlaß, erneut auf die Arbeiter zu schießen. Ihre Führer wurden verhaftet und wegen des von der Polizei veranlaßten Bombenattentates angeklagt. Das Gericht fällte sieben Todesurteile, von denen zwei in lebenslängliche Zuchthausstrafe verwandelt wurden. Die gleichen Mittel, unter Zuhilfenahme des Gerichts Arbeiter zu ermorden, wenden die Kapitalisten noch heute gegen die Arbeiterbewegung in Amerika an.

Der erste Mai

Drei Jahre später erklärte der Sozialistenkongreß in Paris den l. Mai zum Internationalen Kampftag des Proletariats. Überall, wo es Arbeiterorganisationen gab, sollte an diesem Tage die Arbeit ruhen und durch Versammlungen oder auf Demonstrationen der Achtstundentag gefordert werden. Im Jahre 1890 wurde die Maifeier zum ersten Male in vielen Ländern begangen. Friedrich Engels schrieb an diesem Tage:

„Heute … hält das europäische und amerikanische Proletariat Heerschau über seine zum erstenmal mobil gemachten Streitkräfte, mobil gemacht als ein Heer, unter einer Fahne und für ein nächstes Ziel: den … gesetzlich festzustellenden, achtstündigen Normalarbeitstag. Und das Schauspiel des heutigen Tages wird den Kapitalisten und Grundherren aller Länder die Augen darüber öffnen, daß heute die Proletarier aller Länder in der Tat vereinigt sind. Stände nur Marx noch neben mir, dies mit eignen Augen zu sehn!“

Die Unternehmer versuchten vielfach, die Maidemonstrationen zu stören. Sie ließen Polizei einsetzen. Dabei gab es in mehreren Fällen Tote. Arbeiter, die an der Maifeier teilgenommen hatten, wurden oftmals entlassen und ihre Namen auf „schwarze Listen“ gesetzt; das bedeutete, daß es diesen Arbeitern sehr schwer gemacht wurde, neue Arbeit zu erhalten. Doch trotz aller Verfolgungen demonstriert seither am 1. Mai die organisierte Arbeiterschaft ihre internationale Solidarität und Kampfbereitschaft für Frieden, Demokratie und Sozialismus.

Streikbewegungen

Engels 1892

Maidemonstration der Londoner Arbeiter 1892 (Auf der Tribüne 3.v.l. Friedrich Engels)

In allen Ländern sahen die Arbeiter, wie die Monopolkapitalisten immer größere Gewinne einsteckten. Sie sahen aber auch, daß sich ihre eigene Lage ständig verschlechterte. Für ihren Lohn konnten sie sich immer weniger kaufen. Dazu kam, daß in regelmäßigen Zeitabständen Wirtschaftskrisen entstanden, die Massenarbeitslosigkeit mit sich brachten. Gegen diese steigende Ausbeutung setzten sich die Arbeiter in immer stärkerem Maße zur Wehr. Sie führten Kämpfe um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Ihr wirksamstes Mittel war dabei der Streik.

In England gelang es dem Verband der Gasarbeiter, durch einen Streik für seine Mitglieder den Achtstundentag zu erringen. Die Londoner Dockarbeiter kämpften um höhere Entlohnung. Von Arbeitern aus dem ganzen britischen Weltreich durch Geldsammlungen unterstützt, legten sie den Schiffsverkehr im Hafen einen Monat lang still und erreichten, daß ihre Forderung bewilligt wurde. Auch in den Vereinigten Staaten von Amerika führten die Arbeiter häufig zähe Streiks durch, die von Unternehmern und Polizei aufs schärfste bekämpft wurden. In Frankreich endete der große Generalstreik vom Mai 1906 mit einem Mißerfolg, weil die Leitung der Gewerkschaften nicht entschieden und zielklar auftrat. Auch in Deutschland kam es zu großen Streiks.

Durch diese Kämpfe lernten die Arbeiter ihre Kraft kennen. Sie wurden mit Mut und Zuversicht erfüllt.

Quelle:
Lehrbuch für den Geschichtsunterricht, 7. Schuljahr, Ausgabe 1952, Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin, 1955, S.309f.

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