Gegen die religiöse Dunkelmännerei

AbfallEs ist doch erstaunlich, wie aktuell Lenin’s Worte heute wieder sind. Im Dezember 1905 schrieb Lenin für die Zeitschrift „Nowaja Shisn“  einen interessanten Artikel gegen die religiöse Verblödung. Das war in der DDR kein Thema mehr. Wir hatten allerings die Entwicklung zum Sozialismus schon für unumkehrbar gehalten. Wir hatten geglaubt, man könne das Rad der Geschichte nicht mehr zurückdrehen. Doch die Konterrevolution von 1989 bewies uns das Gegenteil. Und nun wurden wir trotz enormer technischer Fortschritte um gute hundert Jahre zurückgeworfen. Die Religion erfuhr einen neuen „Aufschwung“, der Fürstenknecht Luther avancierte wieder mal zum großen Vorbild für die Protestanten. Pfaffenknechte dürfen in den Schulen Religion „unterrichten“ und die Unbildung und Unaufgeklärtheit der Massen nimmt mit Riesenschritten wieder zu. Man fragt sich doch: Woher kriegen die ihr Geld?

Wir leben im Kapitalismus

Die moderne Gesellschaft ist ganz auf der Ausbeutung der ungeheuren Massen der Arbeiterklasse durch eine verschwindend kleine, zu den Klassen der Grundeigentümer und Kapitalisten gehörende Minderheit der Bevölkerung aufgebaut. Das ist eine Sklavenhaltergesellschaft, denn die „freien“ Arbeiter, die ihr Leben lang für das Kapital arbeiten, „haben Anrecht“ nur auf solche Existenzmittel, die zum Lebensunterhalt der Profit erzeugenden Sklaven und zur Sicherung und Verewigung der kapitalistischen Sklaverei notwendig sind.

Unser Ziel – Entmachtung der Kapitalisten

Koltschak

Kapitalist, Pope und Kulak ziehen die Staatskarosse

Die ökonomische Unterdrückung der Arbeiter verursacht und erzeugt unvermeidlich alle möglichen Arten der politischen Unterdrückung und sozialen Erniedrigung, der Verrohung und Verkümmerung des geistigen und sittlichen Lebens der Massen. Die Arbeiter können sich mehr oder weniger politische Freiheit für den Kampf um ihre ökonomische Befreiung erringen, aber keinerlei Freiheit wird sie von Elend, Arbeitslosigkeit und Unterdrückung erlösen, solange die Macht des Kapitals nicht gestürzt ist.

Ein besseres Leben – nur im Jenseits?

Die Religion ist eine von verschiedenen Arten geistigen Joches, das überall und allenthalben auf den durch ewige Arbeit für andere, durch Not und Vereinsamung niedergedrückten Volksmassen lastet. Die Ohnmacht der ausgebeuteten Klassen im Kampf gegen die Ausbeuter erzeugt ebenso unvermeidlich den Glauben an ein besseres Leben im Jenseits, wie die Ohnmacht des Wilden im Kampf mit der Natur den Glauben an Götter, Teufel, Wunder usw. erzeugt.

Religion ist so eine Art geistiger Fusel

ReligionswaechterDenjenigen, der sein Leben lang arbeitet und Not leidet, lehrt die Religion Demut und Langmut hienieden und vertröstet ihn mit der Hoffnung auf himmlischen Lohn. Diejenigen aber, die von fremder Arbeit leben, lehrt die Religion Wohltätigkeit hienieden, womit sie ihnen eine recht billige Rechtfertigung ihres ganzen Ausbeuterdaseins anbietet und Eintrittskarten für die himmlische Seligkeit zu erschwinglichen Preisen verkauft. Die Religion ist das Opium des Volks. Die Religion ist eine Art geistigen Fusels, in dem die Sklaven des Kapitals ihr Menschenantlitz und ihre Ansprüche auf ein halbwegs menschenwürdiges Leben ersäufen. (…)

Kommunisten gegen die Dunkelmännerei

Unsere Partei ist ein Bund klassenbewußter, fortgeschrittener Kämpfer für die Befreiung der Arbeiterklasse. Ein solcher Bund kann sich nicht gleichgültig verhalten zur Unaufgeklärtheit, zu Unwissenheit und zu Dunkelmännertum in Form von religiösem Glauben.

Wissenschaftliche Weltanschauung beseitigt religiösen Nebel

Diebstahl

…heute kassiert’s der Staat

Unserem ganzen Programm liegt eine wissenschaftliche, und zwar die materialistische Weltanschauung zugrunde. Die Erläuterung unseres Programms schließt daher notwendigerweise auch die Klarlegung der wahren historischen und ökonomischen Quellen des religiösen Nebels ein. Unsere Propaganda schließt notwendigerweise auch die Propaganda des Atheismus ein; die Herausgabe entsprechender wissenschaftlicher Literatur, die von der absolutistisch-fronherrschaftlichen Staatsmacht bisher streng verboten und verfolgt worden ist, muß jetzt einen Zweig unserer Parteiarbeit bilden. Wir werden jetzt wahrscheinlich den Rat befolgen müssen, den Engels einmal den deutschen Sozialisten erteilt hat: die Literatur der französischen Aufklärer und Atheisten des 18. Jahrhunderts zu übersetzen und massenhaft zu verbreiten.

Im Kampf gegen die finsteren Mächte des Kapitals

Doch wir dürfen uns dabei auf keinen Fall dazu verleiten lassen, die religiöse Frage abstrakt, idealistisch, „von Vernunft wegen“, außerhalb des Klassenkampfes zu stellen, wie das radikale Demokraten aus der Bourgeoisie häufig tun. Es wäre unsinnig, zu glauben, man könne in einer Gesellschaft, die auf schrankenloser Unterdrückung und Verrohung der Arbeitermassen aufgebaut ist, die religiösen Vorurteile auf rein propagandistischem Wege zerstreuen. Es wäre bürgerliche Beschränktheit, zu vergessen, daß der auf der Menschheit lastende Druck der Religion nur Produkt und Spiegelbild des ökonomischen Drucks innerhalb der Gesellschaft ist. Durch keine Broschüren, durch keine Propaganda kann man das Proletariat aufklären, wenn es nicht durch seinen eigenen Kampf gegen die finsteren Mächte des Kapitalismus aufgeklärt wird.

Quelle:
W.I.Lenin, „Nowaja Shisn“ Nr.28, 3.Dez.1905, LW, Bd.10, S.70-75.
(Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

Siehe auch:
Die Kirche und der deutsche Staat
Der kirchliche Hofstaat
Die schwarzen Pfaffen und die Politik
Luthers unheiliger Geist
Der Griff der Kirche nach der Macht

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31 Antworten zu Gegen die religiöse Dunkelmännerei

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  6. GreenHope schreibt:

    Lieber Norbert,

    Mir ist bewusst, dass der Marxismus-Leninismus eine materialistische Weltsicht vertritt. Dennoch finde ich, dass das Verhältnis zwischen Politik und Religion, speziell das angestrebte Verhältnis zwischen Religion und Sozialismus keine so leichte Frage ist, wie es auf den ersten Blick vielleicht scheinen mag.

    Für mich ist klar, dass nach dem Prinzip des Säkularismus eine grundsätzliche Trennung zwischen Politik und Religion stattfinden muss. Aber wie weit soll diese Trennung gehen? Sollten auch religiöse Menschen in einer kommunistischen Partei mitwirken, solange sie ihren Glauben als reine Privatangelegenheit behandeln und keine idealistischen Positionen in die Partei tragen? Sollten religiöse Symbole wie das Kreuz, die Kippa oder das Kopftuch für öffentlich Bedienstete wie z.B. Lehrer erlaubt sein?

    Immer wieder erlebe ich wie vor allem die „Islam-Debatte“ in kulturrassistischer Art und Weise ausgetragen wird. Da wird von vorgeblichen „Feministen“ und „Feministinnen“ wie Alice Schwarzer der Islam als besonders reaktionär im Vergleich zum „aufgeklärten Westen“ dargestellt und muslimischen Frauen ihr Recht auf Selbstbestimmung, dass nunmal auch ihre Entscheidungsfreiheit ein Kopftuch zu tragen oder nicht, abgesprochen. Man schweigt hingegen über imperialistische Kriege gegen muslimisch geprägte Länder und die Unterstützung radikal-islamischer Gruppen durch den Westen und seine Marionetten vom Golf, welche die Situation für die Frauen und alle Menschen dort drastisch verschlechtert haben.

    Vor 1980 gab es so gut wie keine radikalen Islamisten, sie mussten erst herangezüchtet werden. Auch ich war mal Verfechter eines konsequenten Laizismus, jedoch haben mich einige Entwicklungen an der Sinnhaftigkeit meiner Position zweifeln lassen. In Frankreich ist es beispielsweise nahezu unmöglich als kopftuchtragende Muslimin einen „angemessen“ bezahlten Arbeitsplatz zu bekommen. Unter dem Vorwand des Laizismus wird so eine ganze Volksgruppe von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen.

    Mich würde daher interessieren wie du diese Problematik siehst.

    • sascha313 schreibt:

      Natürlich gibt es mit dem Umbruch der gesellschaftlichen Verhältnisse, also nach einer Revolution, immer auch Erscheinungen die erst einmal ins Gegentil umschlagen, ohne daß man immer davon ausgehen kann, daß dies auch günstig ist. Es werden viele Anhänger alter Denkmuster verschreckt, und werden so zu „Oppositionellen“, ohne daß es vielleicht sein müßte. Andererseits ist aber eine neue, fortschrittlichere Gesellschaftsordnung ohne den radikalen Bruch mit der alten ökonomischen Basis und dem darauf über Jahrhunderte gewachsenen Überbau nicht möglich. Man muß also (nach einer Revolution) den alten Staatsapparat zerbrechen.

      Es ist interessant zu lesen und zu beobachten, was in muslimisch oder orthodox geprägten Ländern und Regionen geschah. Vielfach hatte sich die religiöse Grundhaltung einfacher Menschen schon nach wenigen Jahren oder Jahrzehnten von selbst erledigt. Je nachdem, wie auch das wissenschaftliche Denken Einzug in die Schulen fand. So gab es in Afghanistan der 60er Jahre bspw. so gut wie keine jungen Frauen mehr, die ein Kopftuch trugen. Im Gegenteil, sie besuchten Schulen und Universitäten und konnten plötzlich aufatmen, weil die Gleichberechtigung ihr ganzes Leben zum Positiven veränderte.

      Der „Laizismus“, also marxistisch gesprochen: die „Trennung von Kirche und Staat“, war schon immer eine wichtige Forderung der fortschrittlichen Menschheit. Im Grunde genommen sind Marxismus und Religion so unvereinbar wie Wissenschaft und „schwarze Magie“. Lies mal, was Marx zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie schreibt. (MEW, Bd.1, 378-395.)

      Ebenso unvereinbar sind auch Religion und Bildung. Und das nicht erst, seitdem der Marximus-Leninismus Einzug in die Universitäten gehalten hat. Schon Giordano Bruno und Galilei hatten ihre Kämpfe gegen solches „Opium des Volkes“ – was kann dabei herauskommen, wenn Pfaffen in der Schule verkünden, was Recht und was Unrecht ist? Völliger Untertanengeist! Und das ist ja auch gewollt…

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  8. Harry 56 schreibt:

    Nach meinen Erfahrungen sollte man sich Menschen, welche tatsächlich gläubig sind, also keine Heuchler, Gauner und Hofschranzen der Mächtigen gegenüber immer höflich und respektvoll benehmen, dabei aber niemals aus seiner wissenschaftlichen Weltanschauung einen Hehl machen, sie bewusst verbergen.
    So ist es mögllich, in vielen alltäglichen praktischen Dingen zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit zu kommen.

    Im Sozialismus, welcher ja eine Übergangsphase, eine Brücke, ein Floß hin zum Kommunismus ist, dürfte das der beste effektivste und galanteste Weg sein, auch solche Menschen mit ins Boot zu holen, sie zum Aufbau einer neuen besseren Gesellschaft mit einzuladen. Beleidigungen, Verhöhnungen, gar willkürliche Verfolgungen von anständigen Gläubigen dürfen deshalb im Sozialismus niemals stattfinden. Natürlich alles immer bei einer klaren Trennung von Kirche und sozialistischen Staat!

    • sascha313 schreibt:

      Ach ja, Harry – Du hast ja so recht… .

    • Hanna Fleiss schreibt:

      Harry, dass es in der DDR zeitweise zu Drangsalierungen der Jungen Gemeinden kam, hing doch damit zusammen, dass gerade von der evangelischen Kirche eine heftige Propaganda zum Beispiel gegen die Jugendweihe und gegen den Sozialismus allgemein geführt wurde. Die evangelische Kirche hatte sich ja nie von der westdeutschen evangelischen Kirche wirklich getrennt, und von daher kam immer neue Munition gegen die DDR. Andererseits hatte die DDR 1983 in Eisleben, Luthers Geburtsort, das Gedenken groß aufgezogen. Von der „Kirche im Sozialismus“ hast du sicher schon mal was gehört. Die Pfaffen machten äußerlich, aber nur äußerlich, „auf Sozialismus“, wühlten aber im Untergrund gegen die DDR.

      Starker Ausdruck war zum Beispiel, dass sich viele Leute in den achtziger Jahren plötzlich zur evangelischen Kirche bekannten, weil sie unter dem Dach der Kirche ihre antisozialistische Haltung, genannt Opposition, ausleben konnten. Ich bin der Ansicht, dass die DDR da etwas blauäugig war. Natürlich ist es klar gewesen, dass auch die kirchlich gebundenen DDR-Bürger mitgenommen werden sollten, aber für meine Begriffe ging das nach verschiedenen Vorfällen doch etwas zu weit. Das kannst du auch daran sehen, dass es Betriebe gab, die 1990 plötzlich einen Pfarrer als Betriebsdirektor hatten, weil der auch mal ein paar Schrauben gekauft hatte.

      Und noch etwas, ich hatte da in Brandenburg ein Erlebnis. Ich war mit einer Reisegruppe in einem Dorf, in der Kirche, der Pfarrer erzählte sehr lebendig von der Geschichte des Dorfes und Brandenburgs allgemein, und dann fiel mein Blick auf die schön renovierte Kirche, als der Pfarrer gerade beschrieb, wie sehr die Kirche „unter den Kommunisten gelitten“ habe, und ich fragte, wann die Kirche renoviert worden war. Der Pfarrer stutzte etwas und meinte: „1984!“ Dazu muss man also nichts mehr sagen, von wegen Leiden unter den Kommunisten.

      Der Kirche wurde alles in den Allerwertesten gesteckt, sie hatten eigene Zeitschriften und den Union-Verlag, wo antikommunistische Propaganda gedruckt wurde, eine Behinderung kirchlicher Aktivitäten gab es nicht, im Gegenteil, die DDR renovierte zum Beispiel den großen Dom zu Greifswald und weihte ihn staatsoffiziell ein, wie auch viele andere Kirchen in Dörfern und kleinen Städten. Dein Hinweis, man solle die Gläubigen im Sozialismus nicht verfolgen, scheint mir dann doch der westlichen Propaganda geschuldet zu sein.

      • Politnick schreibt:

        Hanna schrieb: „Ich bin der Ansicht, dass die DDR da etwas blauäugig war.“ Nein, war sie nicht. Unser Pfarrer musste regelmäßig in Abteilung Inneres antreten und Bericht erstatten was in seiner Kirche abgeht.
        Freundschaft 😉

  9. Politnick schreibt:

    Wir sehen doch gerade jetzt, wie Religionen vom Kapitalismus missbraucht werden. Dies wird möglich durch die unterschiedliche Entwicklung der Völker dieser Welt und insbesondere durch die untrennbare Verbindung von Kultur und Religion in islammisch geprägten Ländern. Tatsächlich predigt der Koran Rückständigkeit und absolute Unterwürfigkeit und das kommt dem Kapitalismus doch gerade recht!

    Freundschaft 😉

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  11. Hanna Fleiss schreibt:

    Und du meinst, Politnick, er hat dort wahrheitsgemäß berichtet, nämlich dass in seiner Kirche die sogenannten Oppositionellen von ihm gegen die DDR aufgehetzt wurden? Sicher, die DDR wollte wissen, was in den Kirchen abläuft, aber hat sie es wirklich erfahren? Und wenn, welche Maßnahmen wurden denn ergriffen? Nein, oberstes Ziel war, erstens die Kirche nicht zu verärgern, zweitens war es ja wichtig, dass die vorgeblichen Betbrüder und -schwestern sich nicht unter dem Dach der Kirche gegen die DDR zusammenrotten, was ja geschehen ist, und drittens wurde das Pack, das sich da in den Kirchen traf, doch nicht so ernst genommen, wie man das hätte tun müssen. Sonst wäre es doch gar nicht möglich gewesen, was sich 89 auf den Straßen tat!

  12. Politnick schreibt:

    Hanna schrieb:
    „Und du meinst, Politnick, er hat dort wahrheitsgemäß berichtet,…“
    Kann ich nicht beurteilen, ich war nicht dabei. Aber der Pfarrer war ja nicht der Einzige der aus der Kirche an Abteilung Inneres berichtet hat, die hatten auch ihre eigenen Mitarbeiter in den Kirchen rumsitzen.
    Freundschaft 😉

    • Hanna Fleiss schreibt:

      Politnick, ich weiß nicht, ob die Mitarbeiter der Abt. Inneres in den Kirchen einfach nur „rumsaßen“. Aber wenn sie das nicht taten, war jede Aktivität im Grunde nutzlos, weil kaum bis keine Reaktionen des Staates erfolgten.

      In den Kirchen konnten die Leute nach Lust und Laune rumhetzen, ohne dass der Staat entschieden eingriff und dort aufräumte. Vielleicht im Vertrauen darauf, dass die Sowjetunion keine Änderung der Gesellschaftsverhältnisse in der DDR zulassen würde. Was sich aber änderte unter Gorbatschow.

      Aber genau bin ich da nicht informiert, mir waren Kirchen immer suspekt, ich kann das nur von außen einzuschätzen versuchen. Du scheinst da ja besser informiert zu sein, falls du dich nicht auch auf Vermutungen stützt.

      • Politnick schreibt:

        Hanna, ich weiß was in meiner Kirche 1989 Thema war aber was es ganz bestimmt nicht war, daß gegen die DDR gehetzt wurde. Was da besprochen wurde, das konnte und sollte auch jeder Mitarbeiter des Staatsapparates und der Stadt- sowie Bezirksleitung hören, daß z.B. ein W. Fischer aus Erfurt seine Ölmühle gerne wieder in Familienbesitz gehabt hätte, weil sie unter den damaligen Bedingungen hoffnungslos dem Verfall preisgegeben war.

        Aber die Stadtleitung war ja für solche Sachen taub auf den Ohren. Die hätten ja am liebsten das ganze Andreasviertel abgerissen und anstatt die Besitzer von Bauwerken des nationalen kulturellen Erbes zu unterstützen hat man sie nach dem Westen vergrault. Werner Fischer jedoch ist geblieben und hat die Ölmühle nach 1990 wieder aufgebaut. Auch wenn in vielen Dingen der Osten vom Westen überrannt wurde, es waren und sind bis heute bis auf ein paar Westimporte Erfurter welche die Geschicke der Stadt in der Hand haben und lenken.

        Und es waren ehemalige SED Genossen die 1995 meine Kündigung unterschrieben haben.

        Freundschaft 😉

      • sascha313 schreibt:

        …naja, Politnick, was heißt „gehetzt“. Bekanntlich haben sich ja gerade unter dem Dach der Kirche, in deren Gemeinderäumen, genau die Leute versammelt, die alles andere wollten als die DDR aufbauen. Sie wollten „den Westen“ haben, und möglichst schnell und mit allen Vorzügen des Sozialismus. Daraus gingen dann in der Masse, wo sie sich stark fühlten, auch jene Schreihälse hervor, die „Wir sind ein Volk!“ riefen. Wieviele von diesen „Bürgerrechtlern“ sind denn heute noch übrig? Ab und zu, wenn sie mal wieder gebraucht werden, dürfen sie singen. Und das bezahlt die Stiftung.

        Und dann. Bemerkungen darüber was irgendwo so oder anders gelaufen ist, und im Stile und geeignet für diejenigen, die sich bereits aufgrund einiger fettgedruckter Überschriften ein Urteil bilden, sind ganz und gar wertlos, da man eine Sache nur dann beurteilen kann, wenn man alle Gründe und Hintergründe kennt. Aber wer liest schon gerne längere Texte, wo man auch nicht immer weiß was daran stimmt. Und wenn es „ehemalige SED Genossen“ waren, die die Kündigung unterschrieben… ist also wieder mal die SED schuld? So einfach kann man sich es machen…. Es ist eben alles eine Frage des Klassenstandpunktes!

  13. Hanna Fleiss schreibt:

    Tja, Politnick, wenn du weißt, was in „deiner Kirche“ gesprochen wurde, warst du auch einer von den falschen gläubigen Betbrüdern? Wann hast du denn deine Liebe zu Jesus entdeckt? Und wenn ich Erfurt lese, dann denke ich an Göring-Eckardt und bin im Bilde. Und du bist also der Meinung, dass „dein Pfarrer“ ein Freund der DDR war? Du, ich habe jede Menge Pfarrer kennengelernt bei meinen Reisen durch Brandenburg, und ich versichere dir, ein Freund der DDR war nicht unter ihnen. Und in Erfurt soll das anders gewesen sein? Der Pfarrer hat nur von Jesus und sein Amen gesprochen? Ich bin beeindruckt.

    Was willst du damit sagen, dass dich ehemalige SED-Genossen gekündigt haben? Dass es sone und solche Genossen gab, dürfte dir hier doch deutlich geworden sein, erstens. Und zweitens: Die dich kündigten, die ehemaligen SED-Genossen, standen doch selbst unter Druck nach der Währungsumstellung. Die „Westeigentümer“ wollten sich die Hände nicht schmutzig machen, sondern sie verlangten die Übernahme der Betriebe ohne Belegschaft. Ist dir das neu?

    Übrigens, was die Kündigung angeht: Meine Kündigung erhielt ich mit der Unterschrift eines dieser neugebackenen Betriebsdirektoren, eines erzkatholischen Bayern, Gift und Galle gegen die DDR spritzenden sogenannten Publizisten, der höchstens seinen Federhalter führen konnte. Du hattest wenigstens noch den Vorteil des einheimischen Rausschmeißers. Beklag dich nicht, es gab Schlimmeres in dieser Zeit.

    Und was die Ölmühle angeht: Du Ärmster, musstest du die ganze Zeit darauf verzichten. Ich fühle mit dir. Es ist ja auch schrecklich, Tag für Tag und Jahr für Jahr ohne Ölmühle leben zu müssen. Und wie hast du mit deiner neuwestlichen Arbeitslosigkeit gelebt? Keine Klage? Mensch, Politnick, ich könnte dich beneiden. Du musst ein harter Bursche sein: keine Ölmühle und dazu arbeitslos.

    • Politnick schreibt:

      Erzähle Du doch mal, was hast Du getan um die Konterrevolution in der DDR zu verhindern!?

      Im Übrigen ist es ziemlich schräg und unsachlich wie Du und auch Sascha hier diskutieren. Eure Taktik ist, mir und auch anderen Mitstrietern mit unhaltbaren Behauptungen (Liebe zu Jesus, nur zwei Bücher im Bücherschrank usw.) etwas unterzuschieben. Solche persönlichen Angriffe gehen am Thema total vorbei und genau da dürft Ihr Euch nicht wundern, wenn ihr dafür keinen Applaus bekommt, weder von mir noch von anderen Mitlesern.

      Ehrlich und Sachlich kommt am Weitesten, diesem Motto bin ich immer treu geblieben. Ebenso der ML Weltanschauung. Und genau deswegen werde ich auf Eure persönlichen Anfeindungen hier nicht weiter eingehen. Mit Eurer Art zu diskutieren jedoch erweist Ihr der großartigen Idee des Sozialismus keinen Dienst und schon gar nicht denjenigen die sich dafür eingesetzt haben und bis heute dafür stehen.

      MfG

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Politnick, du widersprichst dir doch selbst. Du schreibst, du seiest „in deiner Kirche“ gewesen, und im gleichen Atemzug schreibst du aber auch, du seiest der „ML Weltanschauung“ immer treu gewesen. Bist sozusagen ein frommer Marxist-Leninist?
        Da beißt sich was, musst du doch selber merken. Die Weltanschauung der Marxisten-Leninisten ist materialistisch und nicht religiös-idealistisch. Musst dich schon für eine Richtung entscheiden. Von persönlichen Anfeindungen, wenn man über diesen Widerspruch stolpert, kann keine Rede sein.

        In der Frage der Ölmühle kann ich dir leider nicht helfen. Du weißt aber, dass die DDR nicht sofort das nötige Geld geben konnte, wenn ein Bürger einen Wunsch geäußert hatte, auch wenn dieser Wunsch im Sinne von Teilen der Allgemeinheit bestand. Das kannst du dir doch selber erklären, denn was wollte der Mann machen? Er wollte mit dieser Ölmühle, die allen gehörte und die sicher in schlechtem Zustand war, an sein Eigentum erinnern, das man ihm „weggenommen“ hatte, und verlangte sogar noch Hilfe von der DDR – weil er hoffte, sie eines Tages wieder voll in Besitz nehmen zu können. Und so ist es sicher auch gekommen. Das werden die Verantwortlichen im Rat der Stadt auch so gesehen haben, vermute ich. Und diesen Vorgang prangerst du an als Beispiel dafür, wie undemokratisch die DDR war. Da schweigt des Sängers Höflichkeit.

        Versuch doch mal, in Erfurt zum Beispiel einen neuen Jugendklub aufzumachen, und du wirst dein blaues Wunder erleben. Nämlich, welche Hilfe dir der bundesdeutsche Staat leisten würde, wenn du durchscheinen ließest, dass du ein paar „linke Gedanken“ hättest.
        Wobei es sogar fraglich ist. ob dieser Staat überhaupt an Jugendklubs interessiert ist, egal, welcher Richtung.

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Politnick, entschuldige, du hattest mich ja gefragt, was ich getan hätte, um die Konterrevolution zu verhindern. Meine Antwort kurz und knapp lautet: Ich habe gearbeitet, und ich wusste, dass ich für den Sozialismus arbeite, und ich habe mich mit ganzer Kraft im Rahmen der mir zugeteilten Aufgaben dafür eingesetzt.

        Aber gestatte mir die Frage, was du eigentlich getan hast, um die Konterrevolution zu verhindern. Ich werde es dir sagen: Du bist nach eigener Aussage in die Kirche gelatscht und hast gebetet. Worum du gebetet hast, kann ich nur vermuten, aber ganz gewiss nicht darum, der liebe Gott möge die Konterrevolution verhindern.

      • sascha313 schreibt:

        Ach, „Politnick“ – während meiner NVA-Zeit hat man als Politnik (wie damals auch in der UdSSR) immer einen aufrichtigen Genossen bezeichnet, mit einem klaren marxist.-lenist. Klassenstandpunkt. Das aber vermisse ich bei Dir. Naja, das ist ja weiter nicht schlimm! Deswegen bist Du sicherlich trotzdem ein ordentlicher Mensch. Aber wie paßt das zusammen? Du redest hier von „Deiner“ Kirche, von „Eurem“ Pfarrer, und auf Deiner Website bezeichnest Du die Staatsgrenze der DDR als „innereutsche Grenze“ und beschreibst, wie die DDR-Bürger von der „Stasi“ „bespitzelt“ wurden… deutlicher geht’s kaum! – „ehrlich und sachlich“…

  14. Politnick schreibt:

    Hi Sascha,

    das Wort Hetze ist nicht von mir sondern Hanna hat es benutzt worauf ich geantwortet habe. Und dann wissen wir beide doch ganz genau, daß nicht das Volk die Konterrevolution vollbracht hat, sondern die Partei und Staatsführung selbst hat die DDR einfach so weggeschmissen.

    Ich stelle die Frage „Warum habt Ihr uns verraten!?“ und genau das macht meinen Klassenstandpunkt doch mehr als deutlich.

    Freundschaft 😉

    • sascha313 schreibt:

      Du irrst, nicht die Partei hat das Volk verraten, sondern die Konter-revolutionäre im Bündnis mit reaktionären und imperialistischen Kräften. Machtkämpfe also auch da! Also Klassenstandpunkt heißt hier auf der Seite der Arbeiterklasse. Hättest Du noch was anderes in Deinem Bücherschrank (außer Abusch und Mein Kampf) würdest Du’s wissen.

      • Politnick schreibt:

        Lieber Sascha,

        Deine Antwort bezüglich meiner Bücher ist sehr arrogant und überheblich. Und ja, ich habe mein Leben lang gearbeitet und dafür einen sehr sehr hohen Preis bezahlt: Meine Gesundheit. Und was die Partei betrifft, genau da saßen die Konterrevolutionäre und damit im Politbüro, in der Nationalen Front und somit mittendrin im Staatsapparat. Wenn wir schon den Untergang der DDR analysieren wollen, müssen wir uns dieser Wahrheit stellen. Ansonsten ist der Begriff Konterrevolution eine hohle Phrase.

        Freundschaft 😉

      • sascha313 schreibt:

        Tut mir leid, Rolf, ich wollte Dir nicht zu nahe treten. Aber Du suchst an der falschen Stelle. Und was die Bücher betrifft…
        Ach was – lies mal hier: http://kurt-gossweiler.de/?p=870 – vielleicht verstehst Du, was Kommunisten damals bewegt hat! Und Kurt Gossweiler war bei weitem nicht der einzige, der sich Sorgen machte, aber die richtigen Schlußfolgerungen zog.

      • ALL dein Gefasel von “Arbeit“ und so …
        Meine Güte! … als ob Sascha oder ich nie körperlich gearbeitet hätten … als ob ich nicht im KERKER war, gehungert hätte, Gefoltert worden wäre und AUFRICHTIGE GENOSSEN aufgrund ihrer Qualen !!! dem Leben abgesagt hätten!!

        Hunderten von AUFRICHTIGEN BIN ICH DORT, wo ich mich niemals befinden wollte begegnet: AUßer MIR SELBER: alle diese GUTEN und AUFRECHTEN Genossen :: SORRY: Sie sind fast alle an der Grausamkeit, die ihnen und ihren Familien angetan wurden ZERBROCHEN … und wenn nicht, so SCHWEIGEN sie darüber, was ihnen angetan wurde!!! — WAS ICH verstehe!!! … DOCH ich bin aus einem anderem Holz geschnitzt: DEM Holz des Lebens — trotz aller menschlicher Schwäche und Verwirrtheit, die mir mit 55 Jahren immer noch zu eigen ist.

        DU willst einfach nicht einsehen, dem falschen Herrn, den du zu Gott oder Jesus verklärt hast / verklären musstest!!! abzuschwören, WEIL es sich dabei um ein religiöses PHANTASMA handelt, das nichts, aber auch gar nichts mit dem Christentum oder dem Évangelium zu tun hat!!

  15. Rolf schreibt:

    @Sascha: Es stimmt – die konterrevolutionären Kräfte hatten die Macht übernommen. Dazu zähle ich aber auch das Volk der DDR-Bürger (ein Teil der Arbeiterklasse), die ihre Zukunft ihr Leben (Die DDR, den Sozialismus) aufgegeben haben/hatten und den Konsum gewählt haben.

    Ich kenne einige „DDR-Studierte“, sie wollten etwas besseres werden, sagten seit 90 „Grüß Gott? Und jetzt? jetzt jammern sie wieder … weil keine „großen Wessis“ – etwas BESSERES – aus ihnen geworden ist.

    Wir sollten hier nicht den Fehler begehen und die Schuld der Partei – dem Sozialismus geben. Wir waren die Partei, die Basis und auch unser Sozialismus. Wir, wir alle tragen die Schuld.

    Rolf

    • sascha313 schreibt:

      Ja, natürlich. Diese „Grüßgötter “ liefen schon 1990 in Trachtenjacken rum. Noch bevor die bayrischen Kolonialherren sich als „Berater“ und „Führer“ andingten. Die ersten, die sofort in den Westen verschwanden, waren auch nicht unbedingt diejenigen, die die DDR besser machen wollten. Ganz im Gegenteil. Und Du hast recht – bis auf den letzten Satz. Wie meine ich das? Peter Hacks schrieb mal:

      „Jede kommunistische Bewegung zu jeder Zeit seit 1848 ist zu einem etwa konstanten Anteil mit Kräften durchsetzt, denen die ganze Sache zu anstrengend ist und die potentiell bereit sind, die Friedensangebote, die die Bourgeoisie ihnen macht, wohlwollend zu prüfen.“ (Quelle: Peter Hacks „Am Ende verstehen sie es“, Eulenspiegel Verlag Berlin, 2005, S.112.)

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