Harald Wessel: Wird Geschichte uninteressant?

WesselEs ist überraschend, und dennoch keineswegs verwunderlich, wenn marxistische Philosophen mit dem, was sie vor über 30 Jahren festgestellt haben, auch heute noch vollkommen den Nerv unserer Zeit treffen. Man möchte viel mehr davon zitieren, um zu zeigen, wie aktuell der Marxismus-Leninismus ist, und daß es in der DDR durchaus möglich war, sich über die Konsequenzen einer Konterrevolution im Klaren zu sein. Vielen Magazin-Lesern in der DDR waren die klugen und aufklärenden Beiträge von Harald Wessel wohlbekannt. Doch seine umfangreicheren Werke haben wohl nur wenige gelesen. Umso wichtiger ist es, das heute zu tun…

Im Geiste der wissenschaftlichen Weltanschauung der Arbeiterklasse müssen wir davon ausgehen, daß schöpferisches, prinzipienfestes und wahrhaftiges Denken seinem Wesen nach mit der Vergeßlichkeit als Prinzip unvereinbar ist und daß der imperialistischen Manipulation zum Denkverzicht Grenzen gesetzt sind, weil das Denken, um mit Bertolt Brecht zu sprechen, zu den angenehmsten Vergnügungen des Menschengeschlechts zählt. Dennoch können wir die Augen nicht vor einer Problematik verschließen, die unsere Zeit aufwirft: Wir meinen die Tatsache, daß den neopositivistischen Vergeßlichkeitsaposteln mächtige Bundesgenossen erwachsen aus bestimmten Begleiterscheinungen dessen, was gewöhnlich Reizüberflutung genannt wird. Um es deutlich zu sagen: Unser Bemühen um ein Denken in historischen Zusammenhängen findet namentlich unter Angehörigen der jungen Generation nicht immer die Resonanz, die beabsichtigt ist.

Wie können sich Jugendliche in der Geschichte zurechtfinden?

Gewiß, die Jugend der DDR und die Mehrheit der Jugend in der BRD sind in diesem Punkte nicht zu vergleichen. Unsere Jugend lernt an den Schulen und Hochschulen. Grundgesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung kennen, historisch-materialistische Grundeinsichten, die es den jungen Leuten erleichtern, sich in der Fülle der historischen Erscheinungen zurechtzufinden. Westdeutsche Jugendliche, die an den Entwicklungsgesetzen der menschlichen Gesellschaft interessiert sind, müssen sich solche Einsichten zumeist außerhalb der offiziellen Bildungswege erwerben. Doch so erfreulich diese Fortschritte unserer Jugend und die Resultate der von der Partei der Arbeiterklasse systematisch angeregten, geführten und geförderten Geschichtspropaganda sind – Aufwand und Ergebnis stehen gegenwärtig keinesfalls in einem befriedigenden Verhältnis.

Muß man die Geschichte noch interessanter vermitteln?

Es gibt leider noch keine genaueren Analysen über das Ausmaß der effektiven historischen Kenntnisse und der Intensität der historischen Interessen unter jungen Bürgern der-DDR. Sporadische Eindrücke lassen ein differenziertes Bild entstehen: einerseits wachsende Interessen und gediegene Kenntnisse, Studien im Lenin-Aufgebot, Zirkel über Geschichte der Arbeiterbewegung und Exkursionen zu den Kampfplätzen der Väter – andererseits geringes Interesse, oberflächliche historische Tatsachenkenntnisse, Gleichgültigkeit gegenüber den schriftlichen und anderen gegenständlichen Zeugen der Vergangenheit. Gewöhnlich wird dieses unterschiedliche Resultat unserer geschichtspropagandistischen Bemühungen vorwiegend auf methodische Probleme zurückgeführt: Man müsse die Geschichte noch interessanter vermitteln. Das ist gewiß richtig und wichtig, sehr wichtig und unbedingt beachtenswert; denn allzu oft mangelt es der geschichtlichen Unterweisung an Konkretheit und der mit ihr verbundenen Interessantheit. Oft werden historische Gesetzmäßigkeiten als bloßes, abstraktes Resultat vermittelt, statt dieselben anhand der historischen Tatsachen zu entwickeln und damit zum selbständigen historischen Denken zu erziehen. Doch es gibt offensichtlich noch Probleme, die tiefer liegen.

Wie wird das Gedächtnis beansprucht?

Wir leben in einer Zeit der zunehmenden Reizüberflutung. Rundfunk, Fernsehen und andere Kommunikationsmittel bringen sämtliche wichtigen und auch weniger wichtigen Ereignisse rund um den Erdball in ihrer unmittelbaren Totalität in unsere Wohnzimmer. Man vergleiche einmal die Eindrücke die ein Kind oder Jugendlicher vor 50 Jahren in sich aufnehmen, mit denen der heutigen Kinder und Jugendlichen. Man vergegenwärtige sich etwa, was die Kinder der Familie Marx an Eindrücken aufnahmen: Statt Fernsehabenteuer zu sehen, lasen sie Shakespeares Dramen. Statt der täglich neuen Augenzeugenberichte mit ihrer Informationsfülle nahmen sie die Heldentaten des Spartacus in sich auf. Sie hatten Dante gelesen, Fremdsprachen gelernt, ihre Einbildungskraft an den Märchenerzählungen auf den Spaziergängen mit Vater Marx gestärkt und waren, gewiß – dank ihrem Vater, über die wesentlichen Zeitereignisse ebensogut informiert. Sie wußten über aktuelle revolutionäre und kriegerische Ereignisse Bescheid, hatten aber auch genügend Zeit und Muße, ihren Goethe, den Homer, und andere Heldengedichte auswendig zu lernen. Ihr Kurzzeitgedächtnis überwucherte nicht ihr Langzeitgedächtnis. Sie hatten ein guttrainiertes Langzeitgedächtnis, das gerade zum Einprägen historischer Tatsachen erforderlich ist.

Warum funktioniert das Lernen heute anders als früher?

Unsere Jugend hingegen hat ein erstaunlich ausgeprägtes Kurzzeitgedächtnis, aber oft ein fast rudimentäres Langzeitgedächtnis, Schillers Balladen sind zumeist nicht mehr fürs ganze Leben eingeprägt. Volkslieder werden oft überhaupt nicht mehr auswendig gelernt. Die Schlager aber wechseln von Monat zu Monat. Und die historischen Daten purzeln schon am Ende des Schuljahres, in dem sie in der Schule behandelt wurden, lustig durcheinander, Man sollte den jungen Menschen daraus keinen Vorwurf machen, sondern sich der Problematik bewußt werden um in der Erziehung systematisch das Langzeitgedächtnis zu trainieren, um die jungen Menschen selbst gegen die Reizüberflutung zu aktivieren und um die Reizüberflutung nicht im Selbstlauf lawinenartig anwachsen zu lassen. Die Dimensionen der kommunikativen Reizüberflutung sind meßbar und auch steuerbar, wenn wir uns des Problems bewußt geworden sind. Eine wohldosierte Mischung unmittelbarer Eindrücke vom Weltgeschehen und entsprechender Wesenserkenntnis, von Unterhaltung und interessanter Bildung, von Spannung und Nachdenklichkeit sollte wohl immer das Bemühen der Programmgestalter des Fernsehfunks sein.

Warum führt historische Vergeßlichkeit zu Opportunismus?

Das intakte Langzeitgedächtnis hat ja nicht nur eine erkenntnistheoretische, nicht nur eine politisch-ideologische, sondern auch eine moralisch-ethische Funktion. Prinzipienfestigkeit ist bei einem rudimentären Langzeitgedächtnis nur schwer möglich; Wer das, was noch vor zehn Jahren war, schon nicht mehr bewußt bedenkt, sondern nur dem Tage lebt, hat nicht nur als vergeßlich, sondern oft auch als wenig verläßlich zu gelten. Die historische Vergeßlichkeit ist ein Zuhälter des Opportunismus. Wer heute so sagt und morgen so, wer seine Meinung mit dem Wind wechselt, wer prinzipienlos nur dem jeweils tagesbedingten Vorteil lebt, wer gewissenlos Karrierismus betreibt, dem ist die Vergeßlichkeit sympathisch. Er benötigt die Vergeßlichkeit geradezu!

Woher kommt die heutige Gewissenlosigkeit?

Mehr noch. Da historische Erfahrungen keinen Selbstzweck bilden, sondern zugleich historische Lehren darstellen, die in Überzeugungen und moralisch-politischen Verhaltensnormen, in einem historischen Gewissen ihren Niederschlag finden, tendiert die historische Vergeßlichkeit zugleich zur Gewissenlosigkeit. Für den historisch gebildeten und dem Erbe der Väter verpflichteten Menschen ist die Geschichte ein normensetzender Prozeß. Ein solcher Mensch versucht beispielsweise das Kampfvermächtnis der großen Persönlichkeiten der Arbeiterbewegung als aktuelle Verpflichtung zu verstehen und zu erfüllen. Er achtet die Vertreter der älteren Generation als Verkörperung des gesellschaftlichen Gedächtnisses. Er setzt sich über deren Lebenserfahrungen nicht überheblich und opportunistisch hinweg, sondern entnimmt ihrem Lebensbericht aktuelle und zukunftsorientierte Lebensprinzipien. Und dieser Gleichklang des individuellen Lebens, Kämpfens und Arbeitens mit dem progressiven Vermächtnis des Vergangenen, mit der Verpflichtung des Tages und mit den Erfordernissen der Zukunft schafft auch Lebensinhalt und Daseinsbefriedigung.

Woher kommt die Gier nach Wohlstand und Karriere?

Der vergeßliche Opportunist und Karrierist aber hat fortwährend mit den Verdrängungen der unbewältigten Vergangenheit zu tun. Indem er Prinzipien, Vermächtnisse, Gewissensnormen und historische Erfahrungen fortwährend „vergißt“, d. h. seiner Karriere, seinem Prestige- und Wohlstandsstreben opfert, findet er keine Befriedigung in sich, sondern ist gehalten, ständig äußerlichen Ersatzbefriedigungen und Pseudoerfolgserlebnissen nachzujagen.Indem er Prinzipien, Vermächtnisse, Gewissensnormen und historische Erfahrungen fortwährend „vergißt“, d. h. seiner Karriere, seinem Prestige- und Wohlstandsstreben opfert, findet er keine Befriedigung in sich sondern ist gehalten, ständig äußerlichen Ersatzbefriedigungen und Pseudoerfolgserlebnissen nachzujagen.

Warum müssen wir unsere Geschichtspropaganda verstärken?

Es geht also hier und heute nicht nur darum, dem neopositivistischen Vergeßlichkeitsprinzip theoretisch zu widersprechen, seine opportunistische Funktion zu enthüllen und das Denken in historischen Zusammenhängen als menschenwürdiges Denken zu verteidigen, sondern es geht auch darum, unsere offensive historisch-materialistische Geschichtspropaganda noch wirksamer zu betreiben und in unserer Lebensordnung zielstrebig solche Bedingungen zu schaffen, die unserer Geschichtspropaganda einen optimalen Effekt garantieren.

Darf man die marxistische Propaganda dem Selbstlauf überlassen?

Es geht darum, sich der Problematik der Reizüberflutung, d.h. der Problematik der Ökonomie der Information, der Optimierung der Kommunikation und der bewußten Organisation von Zeit für Besinnung bewußt zu werden. Wir können die „Ökonomie unserer Nerven“ nicht dem Selbstlauf überlassen. Es geht ferner darum, das menschliche Langzeitgedächtnis zu trainieren und viele unwesentliche kurzzeitliche Informationen den Computern zu überlassen. Es geht darum, die in der spätkapitalistischen Gesellschaft verbreitete Statussymbolik der individuellen Wohlstandskarriere in ihrer Wirkung auf DDR-Bürger systematisch zugunsten unserer Dynamik des progressiven Geistes weiter einzuschränken. Es ist für das Ansehen eines modernen Menschen wichtiger, solide Geschichtskenntnisse zu haben und in historischen Zusammenhängen denken zu können, als die Werbesprüche der ohnehin verlogenen Waschmittelreklame im Kurzzeitgedächtnis mit sich herumzutragen. Es ist besser, ein reines politisches Gewissen zu haben, als ein superweißes Hemd zu tragen. Es ist gesünder, Marx, Engels, Lenin, Dante, Goethe und Gorki zu lesen, als sich über eine materielle Neuanschaffung des Nachbarn zu ärgern.

Kurzum: Es geht darum, der neopositivistisch projektierten Amputation des menschlichen Denkens nicht nur verbal und grundsätzlich, sondern offensiv und praktisch entgegenzutreten. Doch bevor wir auf diese Probleme erneut zurückkommen, müssen wir noch ein Wort zur geistigen Urheberschaft des neopositivistischen Vergeßlichkeitsprinzips sagen.

Wer ist der Urheber der neopositivistischen Geschichtsvergessenheit?

Der neopositivistische Versuch, das menschliche Denken auf kurzzeitliche Nutzenskombinatorik zu reduzieren und damit das eigentliche, regelrechte Denken aus den Köpfen verschwinden zu lassen, der Versuch, die Vergeßlichkeit zum tragenden Prinzip des „Denkens“ zu erheben und damit das prinzipienfeste Denken stillschweigend auszulöschen, der Versuch also, der staatsmonopolistisch geforderten und geförderten Opportunität des Denkens und Verhaltens eine Art philosophischer Weihe zu geben, stammt natürlich nicht originär von Hans Albert selbst. Der Mannheimer Modephilosoph versteht sich auch hier als Apologet positivistischer und neopositivistischer Vorläufer, als Nachsprecher von Thesen, die Karl Popper, der Erfinder der „Stückwerk-Technologie“ in Geist und Politik, bereits in seinem 1957 erschienenen Buch „Das Elend des Historizismus“ vertreten hatte.

Warum ist der Oportunismus in der BRD so verbreitet?

Popper wollte schon damals die „Stückwerk-Technologie“ als eine „rationale Alternative zur utopischen Technik geschichtsphilosophisch orientierter Denker“ verstanden wissen. Allein, der an sich billige Trick, alle jene Denker, die aus der Geschichte Lehren zu ziehen bereit sind, als „Techniker der Utopie“ anzuschwärzen, denen man die Opportunität als „rationale Alternative“ entgegensetzen müsse, verfing seinerzeit noch nicht. Erst mit der weiteren Entfaltung der staatsmonopolistischen Regulationsbemühungen in den fortgeschritteneren imperialistischen Ländern, Bemühungen, die ja ihrem Wesen nach nur Stückwerk sein können, gewann auch die Antiphilosophie der Opportunität und des Stückwerks breitere Resonanz. Davon profitiert Hans Albert. Seine Philosophie der Opportunität stellt Opportunität in der Philosophie dar. Er schwimmt auf der Woge der Konjunktur des opportunistischen Denkens und Verhaltens in Westdeutschland.

Quelle: Zur Kritik der bürgerlichen Ideologie. Harald Wessel: Philosophie des Stückwerks, Akademie Verlag Berlin, 1971, S.42-47. (Zwischenüberschriften eingefügt.)

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4 Antworten zu Harald Wessel: Wird Geschichte uninteressant?

  1. Vorfinder schreibt:

    Danke, Sascha, für die Erinnerung an dieses wichtige Buch. Ich habe es gleich aus dem Regal geholt.
    .“… und daß es in der DDR durchaus möglich war, sich über die Konsequenzen einer Konterrevolution im Klaren zu sein.“ Weil diese Wahrheit immer noch zu viele verweigern, stecken wir nun seid 25 Jahren in der Barbarei. Die imperialistische Barbarei zu schlagen wird nicht gelingen im Hoffen, sicher aber wenn es uns gelingt, dass Menschen studieren was sie befähigt den Sozialismus zu ergreifen.

    Lenin sagt: „Eigentlich bleibt uns „nur“ das eine übrig: unsere Bevölkerung so „zivilisiert“ zu machen, daß sie alle Vorteile der persönlichen Beteiligung an der Kooperation begreift und zu dieser Beteiligung schreitet“.

    • Harry 56 schreibt:

      Was nützen die besten Bücher, die beste Aufklärung, die besten Absichten, wenn nicht wenige Bürger eines sozialistischen Staates, angefangen von einfachen Werktätigen bis hin zu hohen Staatsfunktionären unbedingt einen Trabant gegen einen Volkswagen, einen Wartburg lieber gegen einen Mercedes eintauschen möchten, Urlaub nicht nur in anderen sozialistischen Ländern, sondern auch mal gern in einigen jener Länder verbringen möchten, welche leider noch immer in das leider noch immer große Teile der Welt umspannende imperialistische WELTSYSTEM integriert sind?

      Das Sein bestimmt das Bewusstsein, so sagen Max und Engels völlig richtig in den berühmten Feuerbach-Thesen. Haben nicht alle bisherigen Konterrevolutionen diese These bestätigt? Hätten diese Konterrevolutionen tatsächlich so schnell und fast geräuschlos 1989/1990 über die Bühne gehen können, hätte der Sozialismus schon vor Jahrzehnten in den kapitalistisch fortgeschrittesten Ländern mit den am weitesten entwickelten Produktivkräften, errichtet werden können? (Was in jenen fernen Jahren ja nicht zuletzt so viele Büttel von angeblichen „Arbeiterparteien“ und ähnlichen „Gewerkschaftler“-Gelichters zugunsten der Bourgeoisie verhindert haben!)

      Alle bewussten Konterrevolutionäre als auch ihre vielen Mitläufer ließen sich keinesfalls von rein politischen und ideologischen „Standpunkten“ in jenen Jahren ab 1989/90 leiten, sondern erster Linie von rein materiellen Interessen.

      Die Parallelen zwischen den damaligen „Flüchtlingen“ in den „Westen“ und den heutigen angeblichen (Bürgerkriegs????)-„Flüchtlingen“ mit ihren in Wahrheit im Grunde sehr ähnlichen materiellen Motiven, sind doch im Grunde für jedermann mit den Händen zu greifen. Und wie schon damals, handelt es sich auch heute nur um einen von Seiten der imperialistischen Regimes des „Westens“ höchst professionell aufgezogenen Menschenhandel, um massenhaften „Frischfleisch“-Import für die Reichen und Besitzenden zwecks weiterer und vielleicht noch größerer Geschäftemacherei. Es ist einfach eine Tatsache, dass in den reichen imperialistischen Aufnahmeländern, damals wie heute, an diesen „Flüchtlingen“, an diesem Menschenimporthandel eine Menge VERDIENT wird!

      Man sieht, wie sehr Marx und Engels einfach nur recht hatten und noch immer haben, immer sind es bestimmte materielle Interessen, die letztlich Denken und Handeln der Menschen bestimmen, ob von Besitzlosen, Machtlosen oder Besitzenden, Herrschenden, mal so, mal so….. !

      Was nützen also die besten Wahrheiten, die besten Bücher, alle Aufklärerei in sozialistischen Ländern mit, zumeist rein historisch bedingt(!), teilweise noch weniger entwickelten Produktivkräften, wenn sie sich nicht unmittelbar, sozusagen sofort mit den Händen greifbar MATERIELL auszahlen?
      Beste soz.Grüße

      • sascha313 schreibt:

        Ganz recht. Die Verwertungsbedingungen des Kapitals haben sich verschlechtert. Aber ist es tatsächlich so, daß nunmehr (anstelle „der Idee“ von einer besseren Gesellschaft) das pure Streben nach Wohlstand und Besitz „zur materiellen Gewalt“ geworden ist? Wenn dem so wäre, könnten wir auf sämtliche Aufklärung verzichten, könnten wir Kant, Hegel, Heine, Marx und Lenin sofort auf den Müll werfen und uns voll und ganz auf eine wollüstige Gegenwart konzentrieren. Wollen WIR das??? Man verkennt das menschliche Geschlecht, wollte man dies unterstellen! Erkenntnisse setzen immer auch Verstand voraus. Und dann natürlich Wissen!

  2. Harry 56 schreibt:

    Nun ja, bei vielen dieser damaligen Leute mit ihrem Streben nach „westlichen Wohlstand“ ist inzwischen eine Menge Ernüchterung eingekehrt. Auch und nicht zuletzt auch bei vielen ehemaligen DDR-Bürgern. Vor einigen Monaten hatte ich ungarische Arbeitskollegen, von denen einige total unzufrieden mit den heutigen Verhältnissen in Ungarn sind. Und sie meinten, damals, „im Kommunismus“, wäre es VIELEN Leuten besser gegangen! Ähnliches hört man hier und da, zumeist nur in privaten Gesprächen, von vielen Leuten aus den ehemaligen sozialistischen Ländern, einschließlich der UdSSR..

    Es gibt inzwischen in allen damaligen „Ostblock“- Staaten schon Millionen von enttäuschten „Liebhabern“ des Kapitalismus, und zwar aus wahrlich rein MATERIELLEN Interessen. Massenhafte Armut in Ungarn, Rumänien, Bulgarien, auch bei den angeblichen „Musterschülern“ des Kapitalismus in CZ und Polen. Überhaupt, massenhafte Armuts/Arbeitsmigration in anderen Länder sprechen eine deutliche Sprache. Oder: Die ehemalige DDR hat seit 1990 etwa 4 Millionen Menschen verloren, Litauen hatte im letzten Jahr der UdSSR etwa 4,3 Millionen Menschen, heute nur noch 1,5 Millionen…..
    Wo sind sie alle geblieben?

    Früher oder später werden es wieder materielle Interessen sein, welche erneut Millionen Menschen in Bewegung versetzen werden, um in eine bessere Zukunft zu gelangen.

    Wichtig dabei ist aber, ihnen schon HEUTE klar zu machen, dass keinerlei „Reformen“ oder sonstige „Geld“-(„FIAT MONEY“)-Euro-Ja/Nein-Hirngespinste, keinerlei endlos ausposaunte „Krisen“ eine Lösung bieten, sondern nur die energische Errichtung des Sozialismus, also weitestgehendes Volkseigentum an den Produktionsmitteln, Grund und Boden, den Naturreichtümern, eine vernünftige, demokratisch aufgezogene Planwirtschaft. (Vorrerst, zunächst, als reiner Übergang, auch noch mit „Geldwirtschaft“, einer sozialistischen Staatsbank, auch Krediten, Vertragsbeziehungen aller Art, etc……)

    Der Sozialismus muss also als die einzig wahrhafte, praktikable ALTERNATIVE zu diesem fauligen, verwesenden unmenschlichen Kapitalismus aufgezeigt werden. Aber eben nicht nur aus rein ideellen, ideologischen Motiven, sondern aus selbstverständlich rein materiellen, materiellen natürlich im Sinne und zu Gunsten aller diese Welt bevölkernden (MIT!)Menschen, ohne Not, Armut und Ausbeutung, kriminellster Umweltvergiftung, endlosen Verbrechen und Kriegen.

    Die Naturreichtümer, Wissenschaft und Technik sind heute schon die Garanten für ein gutes, reichhaltiges und vor sorgenfreies Leben für ALLE Menschen dieser Welt, ABER, ABER eben nur unter neuen, sozialistischen Verhältnissen.

    Beste soz.Grüße

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