Eine revolutionäre Situation???

2265171Angesichts der Ratlosigkeit und des chaotischen Aktionismus, in den die bürgerlichen Regierungen allemal verfallen, wenn es wieder einmal irgendwelche Krisen und Skandale zu bewältigen gibt, könnte man leicht auf den Gedanken kommen: jetzt bricht alles zusammen… Doch weit gefehlt! Zwar übt die Bourgeoisie einen immer größeren Druck auf die Medien aus, und es werden immer neue Themen herausgegriffen, um den Sozialismus und die DDR madig zu machen, aber daraus folgt noch lange nicht, daß das imperialistische Herrschaftssystem nun kurz vor dem Zusammenbruch steht. Schön wär’s! Doch es fehlt die Orientierung. Gerade auch, weil in der BRD von einer „starken proletarischen revolutionären Partei“ ganz und gar nicht die Rede sein kann. Die Zeit ist also offenbar noch nicht reif für eine Revolution.

Doch schauen wir uns einmal an, wie Stalin auf dem XVII. Parteitag der Allunions-KP(B) 1934 die politische Lage einschätzte, kurz nachdem in Deutschland die Nazis an die Macht gekommen waren [1]:

Manche Genossen glauben, die Bourgeoisie müsse, sobald die revolutionäre Krise da sei, unvermeidlich in eine ausweglose Lage geraten, ihr Ende sei also bereits vorausbestimmt, der Sieg der Revolution sei dadurch bereits gesichert und sie brauchten bloß auf den Sturz der Bourgeoisie zu warten und Siegesresolutionen zu schreiben. Das ist ein schwerer Irrtum. Der Sieg der Revolution kommt nie von selbst. Man muß ihn vorbereiten und erkämpfen. Ihn vorbereiten und erkämpfen kann aber nur eine starke proletarische revolutionäre Partei. Es gibt Momente, da die Lage revolutionär ist, die Macht der Bourgeoisie bis auf die Grundfesten erschüttert ist, der Sieg der Revolution aber dennoch nicht kommt, da keine revolutionäre Partei des Proletariats vorhanden ist, die genügend Stärke und Autorität besitzt, um die Massen zu führen und die Macht zu erobern. Es wäre unvernünftig zu glauben, daß solche „Fälle“ nicht vorkommen können.

Es dürfte nicht schaden, sich in diesem Zusammenhang die prophetischen Worte Lenins über die revolutionäre Krise in Erinnerung zu rufen, die er auf dem II. Kongreß der Kommunistischen Internationale gesagt hat [2]:

Lenin1Lenin2Soweit also J.W. Stalin, der sich zur politischen Lage äußerte, indem er W.I.Lenin zitierte.


Was ist eine revolutionäre Situation?

W.I. Lenin hob drei Hauptmerkmale hervor:

  1. Für die herrschenden Klassen ist es unmöglich, ihre Herrschaft unverändert aufrechtzuerhalten; die eine oder andere Krise der ‚oberen Schichten‘, eine Krise der Politik der herrschenden Klasse, die einen Riß entstehenn läßt, durch den sich die Unzufriedenheit und Empörung der unterdrückten Klassen Bahn bricht. Damit es zur Revoution kommt, genügt es in der Regel nicht, daß die ‚unteren Schichten‘ in der alten Weise ’nicht leben wollen‘, es ist noch erforderlich, daß die ‚oberen Schichten‘ in der alten Weise ’nicht leben können‘.
  2. Die Not und das Elend der unterdrückten Klassen verschärfen sich über das gewöhnliche Maß hinaus.
  3. Infolge der erwähnten Ursachen steigert sich erheblich die Aktivität der Massen, die sich in der ‚friedlichen‘ Epoche ruhig ausplündern lassen, in stürmischen Zeiten dagegen sowohl durch die ganze Krisensituation als auch durch die ‚oberen Schichten‘ selbst zu selbständigem historischen Handeln gedrängt werden. [3]

Aber nicht jede revolutionäre Situation mündet in eine Revolution. Zu den objektiven Voraussetzungen muß die subjektive Voraussetzung hinzukommen: die Fähigkeit der revolutionären Klasse zu revolutionären Massenaktionen, die die alte Regierung stürzen oder erschüttern. Diese Fähigkeit kann die Arbeiterklasse nur unter Führung ihrer marxistisch-leninistischen Partei erwerben. Die Bewußtheit und Organisiertheit der revolutionären Klasse sind von ausschlaggebender Bedeutung für die Durchführung einer Revolution. Das Vorhandensein einer marxistisch-leninistischen Partei ist die wichtigste subjektive Voraussetzung für den revolutionären Sturz des Imperialismus. Mit dieser Auffassung von der revolutionären Situation als der notwendigen Vorbedingung für die Revolution grenzt sich der Marxismus-Leninismus vom Putschismus ab, der die Bedeutung des subjektiven Faktors, der revolutionären Führung, verabsolutiert. [4]

Und von Stalin können wir dem noch warnend hinzufügen:

„Manche Genossen glauben, die Bourgeoisie müsse, sobald die revolutionäre Krise da sei, unvermeidlich in eine ausweglose Lage geraten, ihr Ende sei also bereits vorausbestimmt, der Sieg der Revolution sei bereits gesichert und sie brauchten bloß auf den Sturz der Bourgeoisie zu warten und Siegesresolutionen zu schreiben. Das ist ein schwerer Irrtum. Der Sieg der Revolution kommt nie von selbst. Man muß ihn vorbreiten und erkämpfen. Ihn vorbreiten und erkämpfen kann aber nur eine starke proletarische revolutionäre Partei.“ [5]

Hören wir schließlich, was Baschar al-Assad dazu sagte:

„Die Revolutionen setzen Wissen und Ideen voraus, nicht Unwissen. Die Revolutionen setzen ein Vorwärts gehen voraus und nicht den Rückgang in vergangene Jahrhunderte. Revolutionen werden gemacht, um die gesamte Gesellschaft zu erleuchten, nicht ihr den Strom abzuschneiden. Normalerweise wird die Revolution vom Volke gemacht, nicht durch aus dem Ausland importierte Individuen, die ihre ‚Revolution‘ dem Volke aufdrücken wollen. Sie wird für das Volk gemacht, nicht gegen seine Interessen.“ [6]

Quellen:
[1] J.Stalin, Werke, Dietz Verlag Berlin (DDR), 1955, Bd.13, S.266.
[2] W.I.Lenin, Ausg.Werke in sechs Bänden, Dietz Verlag Berlin, 1971, Bd.V, S.652.
siehe auch: J.W.Stalin, Werke, Dietz Verlag Berlin (DDR), 1955, Bd.13, S.266.
[3] W.I.Lenin, Der Zusammenbruch der II.Internationale, in: Lenin, Werke Bd.21, S.206f.
[4] Kleines politisches Wörterbuch, Dietz Verlag, Berlin (DDR), 1967, S.566.
[5] J.Stalin, Rechenschaftsbericht an den XVII.Parteitag, in: Stalin, Werke, Bd.13, S.266.
[6] Bashar al-Assad, „Es geht um den Frieden! Es geht um unser syrisches Vaterland!

Siehe auch:
Was versteht man unter einer Revolution?
Baschar al-Assad: „Es geht um den Frieden! Es geht um unser syrisches Vaterland!“

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2 Antworten zu Eine revolutionäre Situation???

  1. martinemko schreibt:

    (weit oben fehlt ein „nicht“ hinter „daraus folgt noch lange“)

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