Die schwarzen Pfaffen und die Politik

PfaffeAuf welcher Seite dieser russische Pope steht, sieht man hier sehr deutlich. Nicht nur in rückständigen Ländern ist es so, daß das ungebildete Volk Orientierung sucht bei religiösen Ratgebern, auch in den hochindustrialisierten kapitalistischen Ländern ergreift das religiöse Dunkelmännertum die ungebildeten Massen. Die Pfaffen aller Arten mischen sich in die Politik ein, gehen in die Schulen und verblöden die Kinder, erzählen den naiv Gläubigen vom Himmelreich und von der ewigen Seligkeit, die sie einst erwartet. Sie lenken ab vom Klassenkampf und erziehen ihre „Schafe“ zu Demut, Friedfertigkeit und Geduld. Und sie verbünden sich nicht selten mit den reaktionärsten Kreisen*. Ganz klar, daß da nicht nur die Bereicherungssucht und das Machtstreben des Klerus dahintersteckt, sondern auch eine staatliche Absicht. Nämlich die, daß die Verblödung der Volksmassen der herrschenden Klasse gerade ins Konzept paßt. Die Erklärung Lenins aus dem Jahre 1905 liest sich so, als wäre sie erst gestern geschrieben…

Die moderne Gesellschaft ist ganz auf der Ausbeutung der ungeheuren Massen der Arbeiterklasse durch eine verschwindend kleine, zu den Klassen der Grundeigentümer und Kapitalisten gehörende Minderheit der Bevölkerung aufgebaut. Das ist eine Sklavenhaltergesellschaft denn die „freien“ Arbeiter, die ihr Leben lang für das Kapital arbeiten, „haben Anrecht“ nur auf solche Existenzmittel, die zum Lebensunterhalt der Profit erzeugenden Sklaven und zur Sicherung und Verewigung der kapitalistischen Sklaverei notwendig sind. Die ökonomische Unterdrückung der Arbeiter verursacht und erzeugt unvermeidlich alle möglichen Arten der politischen Unterdrückung und sozialen Erniedrigung, der Verrohung und Verkümmerung des geistigen und sittlichen Lebens der Massen. Die Arbeiter können sich mehr oder weniger politische Freiheit für den Kampf um ihre ökonomische Befreiung erringen, aber keinerlei Freiheit wird sie von Elend, Arbeits-losigkeit und Unterdrückung erlösen, solange die Macht des Kapitals nicht gestürzt ist.

Die Religion ist eine von verschiedenen Arten geistigen Joches, das überall und allenthalben auf den durch ewige Arbeit für andere, durch Not und Vereinsamung niedergedrückten Volksmassen lastet. Die Ohnmacht der ausgebeuteten Klassen im Kampf gegen die Ausbeuter erzeugt ebenso unvermeidlich den Glauben an ein besseres Leben im Jenseits, wie die Ohnmacht des Wilden im Kampf mit der Natur den Glauben an Götter, Teufel, Wunder usw. erzeugt. Denjenigen, der sein Leben lang arbeitet und Not leidet, lehrt die Religion Demut und Langmut hienieden und vertröstet ihn mit der Hoffnung auf himmlischen Lohn. Diejenigen aber, die von fremder Arbeit leben, lehrt die Religion Wohltätigkeit hienieden, womit sie ihnen eine recht billige Rechtfertigung ihres ganzen Ausbeuterdaseins anbietet und Eintrittskarten für die himmlische Seligkeit zu erschwinglichen Preisen verkauft.

Die Religion ist das Opium des Volks. Die Religion ist eine Art geistigen Fusels, in dem die Sklaven des Kapitals ihr Menschenantlitz und ihre Ansprüche auf ein halbwegs menschenwürdiges Leben ersäufen. Doch der Sklave, der sich seiner Sklaverei bewußt geworden ist und sich zum Kampf für seine Befreiung erhoben hat, hört bereits zur Hälfte auf, ein Sklave zu sein. Durch die Fabrik der Großindustrie erzogen und durch das städtische Leben aufgeklärt, wirft der moderne klassenbewußte Arbeiter die religiösen Vorurteile mit Verachtung von sich, überläßt den Himmel den Pfaffen und bürgerlichen Frömmlern und erkämpft sich ein besseres Leben hier auf Erden. Das moderne Proletariat bekennt sich zum Sozialismus, der die Wissenschaft in den Dienst des Kampfes gegen den religiösen Nebel stellt und die Arbeiter vom Glauben an ein jenseitiges Leben dadurch befreit, daß er sie zum diesseitigen Kampf für ein besseres irdisches Leben zusammenschließt.

Quelle:
W.I. Lenin, Sozialismus und Religion, in: Werke, Bd.10, S.70f.

* der damals bereits in der Schweiz lebende BRD-Schriftsteller Rolf Hochhuth schrieb 1963 in seinem Drama „Der Stellvertreter“ über die geheimen Verbindungen der katholischen Kirche zu den Nazis und entlarvte damit deren Verstrickung und das Verschweigen des Massenmordes der deutschen Faschisten an den Juden. Die katholische Kirche unterstützte gezielt die deutschen Faschisten (anfangs und auch später – z.B. Rattenlinie)

Siehe auch:
Dunkelmännertum!
Gegen die religiöse Verblödung der Menschheit
Der politische Klerikalismus
Die Kirche im Faschismus
Wegschauen und weitergehen…

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2 Antworten zu Die schwarzen Pfaffen und die Politik

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