Wilhelm Pieck: Eine Begegnung mit Lenin

Wilhelm Pieck

Wilhelm Pieck (1876-1960)

Bei seinem ersten Besuch in der Sowjetunion im Jahre 1921 hatte Wilhelm Pieck die Gelegenheit Lenin kennenzulernen. Diese Begegnung blieb ihm für immer unvergeßlich. Wilhelm Pieck war der erste Präsident unseres Staates, der DDR. Am 3. Januar ist der 135. Geburtstag dieses bedeutenden Staatsmannes, eines warmherzigen und gütigen Menschen. Zeno Zimmerling schreibt in seinem Buch:

Das also ist Lenin. Im Saal des „Dom Sojusow“ (Haus der Gewerkschaften) haben sich die Kommunisten des Moskauer Gouvernements versammelt. Es ist der 29. Oktober 1921. Lenin spricht. Es geht um Bedeutendes. Lenin erläutert, warum die Sowjetmacht gerade jetzt die „Neue Ökonomische Politik“, NÖP in landesüblicher Kurzform genannt, eingeführt hat. Die Genossen folgen Lenins Worten mit gespannter Aufmerksamkeit. Hin und wieder ein Zwischenruf. Aber das beeindruckt Lenin nicht. Er spricht ruhig und doch mit großer Leidenschaft.

Irgendwo im Saal dieses ehemals adligen Klubs und heutigen Gewerkschaftshauses sitzt Wilhelm Pieck und schaut wie alle gebannt auf Lenin, obwohl er ihn nicht versteht. Ein Freund übersetzt ihm den Gedankengang der Leninschen Rede. Pieck nimmt alles in sich auf: Die Atmosphäre dieser Versammlung. Lenin. Die Zwischenrufe. Die Diskussion. Die Opposition. Und wieder Lenin, der dem oppositionellen Redner Lärm in sarkastischer Weise antwortet, nicht schimpft, nicht schreit. Lenin argumentiert. Das zählt. Und überzeugt. Der Beifall zeigt es: Lenin hat die Versammlung, die anfangs der NÖP kritisch gegenüberstand, gewonnen. Für Pieck ist dies alles ein tiefes, bleibendes Erlebnis. Er ist zum erstenmal im Land des Roten Oktober. In Petrograd hat er den Sowjetboden nach einer Dampferfahrt über die Ostsee am 10. September 1921 betreten. Sein Auftrag lautet, gemeinsam mit Fritz Heckert die KPD beim Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale (EKKI) in Moskau zu vertreten. (…) Am 14. November 1921 kehrt Wilhelm Pieck nach Deutschland zurück, um im Führungskollektiv der KPD an der Auseinandersetzung mit linken Sektierern in der KPD-Zentrale teilzunehmen und die Politik der Partei weiterzuentwickeln.

Pieck in Moskau

Wilhelm Pieck bei seinem Besuch in Krasnogorsk im April 1942  (links Anton Ackermann)

65 Tage dauert Piecks erster Aufenthalt in Sowjetrußland. Sie sind reich durch die Begegnungen vor allem mit Lenin – die am 29. Oktober ist nicht die einzige –, mit den Vertretern der anderen kommunistischen Bruderparteien im EKKI und mit den Sowjetmenschen, die, wie Marx und Engels im Kommunistischen Manifest für das Proletariat voraussagten, nichts außer ihre Ketten verloren, aber eine Welt gewonnen haben. Seit dem siegreichen Oktober 1917 schlägt Wilhelm Piecks Herz für Lenin, für die Bolschewiki, für dieses Land. Das wird, solange er lebt, so sein.

,,Der beste Prüfstein eines wahrhaft revolutionären Internationalismus in unserer Epoche war und ist das Verhältnis zum ersten sozialistischen Lande, der Sowjetunion“, formuliert er später, im Januar 1939. Wie Thälmann ist Pieck überzeugt, daß diese historische Wahrheit bleibende Gültigkeit für die deutsche und internationale Arbeiterbewegung besitzt.

Piecks Verhältnis zur KPdSU und zur Sowjetunion ist frei von jedem falschen Pathos. In der KPdSU und der Sowjetunion sieht er das Vorbild: „Wir Kommunisten sagen den Arbeitern: Geht diesen Weg, den die russischen Arbeiter und Bauern… unter Führung der Bolschewiki gegangen sind.“ Er verteidigt die Sowjetunion gegen alle Angriffe, besonders gegenüber den antikommunistischen Ausfällen der rechten SPD-Führer: „Die sozialdemokratische Führerschaft hat seit Bestehen der Sowjetunion in allen Ländern unausgesetzt einen Kampf zugunsten der kapitalistischen Regierung gegen die Sowjetunion geführt“, schreibt er am 8. Dezember 1926 in der Bremer „Arbeiter-Zeitung“. „Insbesondere waren es die SPD-Führer in Deutschland, die von jeher Gläubige des englischen ,Liberalismus‘ und seiner ,Demokratie‘ und die deshalb auch zu jedem Pakt mit ihm bereit waren. Im Vertrauen auf ihn lehnten sie nach Beendigung des Krieges ein Bündnis mit Sowjetrußland ab. Besonders Kautsky war es, der den ‚Imperialismus‘ der Sowjetunion erfand, um daraus, und nicht etwa aus dem imperialistischen Charakter des Kapitalismus, die Kriegsgefahr herzuleiten.“

PieckDen Hetzern aller Schattierungen hält er im April 1922 auf einer Kundgebung der KPD im Berliner Lustgarten anläßlich des Abschlusses des deutsch-russischen Verträges von Rapallo entgegen: „Sowjetrußland allein ist heute das Bollwerk des Friedens.“ Wie Ernst Thälmann und andere deutsche und internationale kommunistische Arbeiterführer brandmarkt Pieck jeden Versuch, zwischen der KPdSU und der Arbeiterbewegung in den kapitalistischen Ländern einen Gegensatz zu schaffen: „Wer einen Gegensatz zwischen den Interessen der Proletarier in den kapitalistischen Ländern und der Sowjetunion konstruiert“, schreibt er 1934, „der will nicht den Sozialismus, der will den Kapitalismus erhalten.“

Quelle:
Zeno Zimmerling, Wilhelm Pieck, Geschichte und Geschichten eines großen Lebens, Verlag Neues Leben, Berlin (DDR), 1976, S.67-69.

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