Das Proletariat und die Frage der Macht

ADN-ZB / Junge 14.8.1961 Berlin: Sicherung der Staatsgrenze am 13.8.1961 - Zum Schutz der Grenze eingesetzte Genossen der Kampfgruppen auf der Westseite des Brandenburger Tores.

ADN-ZB / Junge 14.8.1961
Berlin: Sicherung der Staatsgrenze am 13.8.1961 – Zum Schutz der Grenze eingesetzte Genossen der Kampfgruppen auf der Westseite des Brandenburger Tores.

Warum ist die Machtfrage die entscheidende Frage der sozialistischen Revolution?

Aus den Höhepunkten des Klassenkampfes im 19. Jahrhundert, den Revolutionen 1848/49 und der Pariser Kommune 1871 zog Karl Marx die Schlußfolgerung, daß das Proletariat zur Erfüllung seine historischen Mission die politische Macht der Bourgeoisie beseitigen und seine eigene Macht errichten muß. Diesen Kerngedanken der Marxschen Revolutionstheorie unterstrich W. I. Lenin mit den Worten: »Ein Marxist ist nur, wer die Anerkennung des Klassenkampfes auf die Anerkennung der Diktatur des Proletariats erstreckt.« [1] Die politischen Machtorgane sind immer Instrument der herrschenden Klasse zur Durchsetzung ihrer Klasseninteressen. Das historische Ziel der Arbeiterklasse ist folglich nur mit proletarischen Machtorganen zu erreichen. Das bestätigt die Praxis von über sechs Jahrzehnten realem Sozialismus einhellig. Niemals werden Machtorgane, die die Interessen der Ausbeuterklassen wahrnehmen, im Interesse der Arbeiterklasse handeln. Auch dafür ist die Geschichte des Klassenkampfes der lebendige Beweis.

Es gibt kein „friedliches Hineinwachsen“ in den Sozialismus

Nirgends in der Welt gibt es ein Beispiel dafür, daß die These der Opportunisten vom Staat im Kapitalismus als klassenneutralem Vollstrecker des Willens der Mehrheit des Volkes, vom friedlichen Hineinwachsen des Kapitalismus in den Sozialismus oder die These von einem »dritten Weg« zwischen Kapitalismus und Sozialismus die kapitalistische Gesellschaftsordnung auch nur angetastet hätte. Im Gegenteil, die opportunistischen Ideen haben große Teile der Arbeiterklasse vom Kampf um den Sozialismus abgehalten.

Auch der in der Gegenwart propagierte »neue« dritte Weg zwischen dem realen Sozialismus und der Sozialdemokratie ist im Grunde nichts anderes als ein Zurückweichen vor der Lösung der Machtfrage im Interesse der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten. Es ist ein erneuter Versuch, sich zwischen die revolutionäre und die reformistische Richtung der internationalen Arbeiterbewegung zu stellen. Solche Zugeständnisse an den Opportunismus haben stets der Arbeiterklasse geschadet und die revolutionäre Entwicklung zurückgeworfen.

Die SED und der Kommunismus

Auch die SED hat sich in der Staatsfrage konsequent vom Marxismus-Leninismus leiten lassen. Das war in dem vom IX. Parteitag beschlossenen Programm fest verankert. »Die Politik der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands ist auf die weitere allseitige Stärkung des sozialistischen Staates der Arbeiter und Bauern als einer Form der Diktatur des Proletariats gerichtet, die die Interessen des ganzen Volkes der Deutschen Demokratischen Republik vertritt. Er ist das Hauptinstrument der von der Arbeiterklasse geführten Werktätigen bei der Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft und auf dem Wege zum Kommunismus.« [2]

Zitate:
[1] W.I.Lenin: Staat und Revolution. In: Werke, Bd.25, S.424.
[2] Programm der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Berlin 1982, S.55.

Quelle:
Studienhinweise für Seminare, Parteilehrjahr der SED 1982/83, S.17/18.

Foto: http://www.quickiwiki.com/nl/Kampfgruppen_der_Arbeiterklasse


Nachbemerkung:
Als dieses Parteilehrjahr Anfang der 1980er Jahre stattfand, waren die katastrophalen Folgen des XX. Parteitages der KPdSU noch nicht abzusehen. Die Arbeiterklasse in der DDR konnte 1989 die Machtfrage nicht zugunsten des Sozialismus entscheiden. Ohne die Sowjetunion und die sozialistische Staatengemeinschaft wäre die DDR jedoch nicht überlebensfähig gewesen. Es trifft genau das zu, was Erich Honecker im Mai 1992 in seinen Schlußgedanken „zu den dramatischen Ereignissen“ (W. Runge Verlag, Hamburg, 1992, S.77f.) feststellte:

Was aber sind 40 Jahre Geschichte? Der Kapitalismus hatte Hunderte Jahre, um sich zu entwickeln. Der Sozialismus gab den Menschen, was sie bisher nicht hatten: Arbeit für jeden, bisher nicht gekannte Bildungsmöglichkeiten, gleichen Lohn für gleiche Arbeit, ohne Unterschied des Alters und des Geschlechts. Und – was so wichtig ist im Leben des alten wie eines jungen Menschen – der Sozialismus gab Geborgenheit. Nicht das Geld regierte, nicht die Angst vor dem morgigen Tag. Es war eine humane Gesellschaftsordnung auf deutschem Boden entstanden, die danach strebte, vollkommener zu werden. Sie wollte den Menschen das Bestmögliche für den Tag und für eine glückliche Zukunft sichern. Die Kinder waren die wirklich Privilegierten in dieser sozialistischen DDR. Das und mehr gehörte zu dem großen Versuch, auf deutschem Boden, in einem hochentwickelten Industrieland, in einem geteilten Land, in einem von Bomben und Granaten zerpflügten Land, in einem Land mit Menschen unterschiedlichster Erfahrungen und Anschauungen, mit Menschen, die für den Sozialismus glühten und mit solchen, die ihn ablehnten oder bekämpften, eine neue Gesellschaft zu errichten…

HoneckerDie deutsche Arbeiterklasse hat unter der Führung ihrer marxistisch-leninistischen Partei, der SED, der ersten vereinigten Arbeiterpartei, das Wagnis unternommen, den Vorstoß in Neuland der Geschichte der Menschheit zu unternehmen. Sie wird es wieder wagen. Auch wenn es lange dauern sollte: ES WIRD SEIN.

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7 Antworten zu Das Proletariat und die Frage der Macht

  1. Wolfgang Schumann schreibt:

    Schade, aber den Satz …die DDR war nicht überlebensfähig… hättest Du Dir verkneifen können. CUBA, KVDR haben’s bewiesen, dass es geht.

  2. sascha313 schreibt:

    Nein, Wolfgang, so gerne ich Dir recht geben würde – aber es wäre eine Illusion gewesen, denn die DDR war in vielen entscheidenden Fragen ökonomisch von der UdSSR abhängig. Einerseits haben die Verflechungen im RGW zu großer Spezialisierung geführt (was ja auch sinnvoll war), andererseits aber war die DDR sowohl was den zwischenstaatlichen Handel, als auch was die Rohstoff- und Energielieferungen betraf, abhängig von der Sowjetunion. Die Paralysierung der UdSSR war inzwischen so weit fortgeschritten, daß es eine Autonomie der DDR nicht hätte geben können. Das blieb nicht ohne Einfluß.

    Was wäre denn gewesen, wenn Gorbatschow (wie zuvor schon Chruschtschow) versucht hätte, die DDR zu erpressen? Krenz, Modrow, Wolf und Konsorten hatten bereits dafür gesorgt, daß es gar nicht erst dazu kam. Sie haben den Verrat am Volk der DDR konspirativ organisiert, den Einzug westlicher Agenten in die DDR vorbreitet, die Öffnung und den Abriß der DDR-Grenzsicherungs-anlagen veranlaßt, den Abzug der Sowjetischen Streitkräfte unterstützt usw., und es gab niemanden, der sich ihnen damals ernsthaft in den Weg gestellt hätte. Leider! Den Armeegeneral hatte man „vorsorglich“ ins Ausland geschickt, und weder die „ratlose“ SED-Führung, noch der MfS und die Kampfgruppen waren damals imstande, die 1989 beginnenden Proteste und Abwanderungs-bewegungen aufzuhalten.

  3. Dietmar Braune schreibt:

    Tiefste Ursache des Zusammenbruchs der DDR/Soz. Weltsystem war/ist die, dass die „Diktatur des Proletariats“ nicht, wie von Marx/Engels/Lenin erhofft, zur angestrebten Befreiung des Volkes und zur Volksherrschaft führt, nicht einmal zur Herrschaft des „Proletariats“ (wie immer man das definieren mag), sondern zur Diktatur EINER PARTEI!
    Keiner der abgebildeten Kampfgruppenmitglieder wäre (und war nicht) bereit gewesen, für die Diktatur einer Partei auf sein eigenes Volk zu schießen!
    DIESEN BEFEHL HAT HANS MODROW VERWEIGERT und damit im Gegensatz zu Ceaucescu ein Blutbad verhindert. Er war kein Verräter, sondern ein Held!

    • sascha313 schreibt:

      „Diktatur einer Partei“??? Genau das gleiche behaupten die Herren und Damen „Bürgerrechtler“ auch. Und sie waren nichts anderes als Feinde des Proletariats, Feinde des Sozialismus in der DDR, Konterrevolutionäre! Da sind Sie mit denen ja schön auf einer Wellenlänge, Herr Braune. Und was das „Blutbad“ betrifft auch. Na, und der „Zusammenbruch“ kam denen allen sehr gelegen! Ihnen auch?

      Nein – „auf des eigene Volk zu schießen“, das war auch nicht ihr Auftrag. Ihr Auftrag war die Sicherung der Staatsgrenze der DDR. Gegen die Ausplünderung, den Diebstahl, die Abwerbung von Fachkräften und die Sabotage durch westliche Agenten. Und das haben sie getan! Gleichzeitig galt es der Sicherung des Friedens in Europa. Und was den „Helden“ Modrow betrifft, so feiert der ja jetzt auch seine neu gewonnene Freiheit – ein Kommunist ist der nicht; nur daß der Genosse Gorbatschow für seinen Verrat am Volke fürstlich entlohnt wurde, Modrow aber nicht.

  4. Nadja Norden schreibt:

    Hallo Genosse Norbert,
    Ich habe einen Hinweis zu diese Diskussion gemacht in „Politiek en Cultuur“.
    Soz. Grüßen,
    Nadja

  5. sascha313 schreibt:

    Danke Nadja, schön wieder von Dir zu lesen/zu hören🙂
    Du hast natürlich recht: Genosse Honecker war nicht mehr Herr der Lage…
    (Das vorige Bild habe ich ausgetauscht gegen ein ähnliches.)

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