Auf Arbeitssuche im goldnen Westen…

arbeitslos„Wer eine Arbeit finden will, der findet auch eine,“ das hat man euch erzählt. Natürlich: als Busfahrer, Verwaltungsdirektor, Gärtner,  Systemadministrator, Museumsdirektor, Bundeswehrsoldat im Auslandseinsatz, Mechatroniker, oder eben als Aufsichtsratsvorsitzender, als Präsident des Landesverwaltungsamtes. Und wenn das nichts ist, dann als Pflegehilfskraft, Zeitarbeiter, Honorarkraft, Praktikantin usw. – denn: „Arbeit gibt es genug in Deutschland,“ sagen sie dir, „sogar für Flüchtlinge“. Wenn alles das nicht hilft, dann pendelt [1] doch, macht euch selbständig [2] oder zieht gleich um! Ist das nichts? Dieses System ist doch darauf aufgebaut, daß irgendjemand den Kürzeren zieht.

Nein, nicht die „Mutti“ und nicht „die letzten drei Regierungen“ haben es möglich gemacht, daß ihr als „Kunden“ euch hier anstellen dürft, um einen Job zu bekommen, und wahrscheinlich wird nur einer von hundert eine angemesse Entlohnung finden. Dafür werden woanders Hunderte entlassen. Möglich gemacht hat dies die kapitalistische Produktionsweise mit ihrem Privateigentum an Produktionsmitteln! Denn die in diesem Bundestag vertretenen Parteien und Personen sind austauschbar. Es sind nicht „unsere“ Unternehmen! Es ist nicht „die“ Politik, sondern es ist der bürgerliche Staat, dem ihr euch fügen müßt. Es ist der Kapitalismus, dem ihr euch unterwerfen müßt. Und so schön, wie alles aussieht in dieser BRD, wo überall gebaut wird und wo alles glänzt… „glaubwürdig“ war das kapitalistische System noch nie. Was habt Ihr denn erwartet, ihr Träumer? – die Freiheit??? die Demokratie??? den Sozialstaat??? Haha!

In einem Kommentar zur sozialen Lage in der BRD schreibt der mainstream-medien-unabhängige Kölner Verein KEA e.V.:

Ist es in einem kapitalistischen System, in dem die Macht des Stärkeren regiert, verwerflich, pleite und somit schlichtweg arm zu sein? Dieses System ist darauf aufgebaut, daß irgendjemand den Kürzeren ziehen muß. Das einzige Ziel des Kapitalismus ist der Gewinn. Doch wo es Gewinner gibt, da muß es auch Verlierer geben und wer wachsen möchte, der muß sich etwas einverleiben. Nun hat Griechenland quasi nichts mehr zu fressen und will vom deutschen Kuchen etwas abhaben. Der Deutsche teilt aber offensichtlich nicht gerne (außer wenn man mal deutsche „Willkommenskultur“ demonstrieren will), jammert und schimpft den ganzen Tag, säuft Bier, guckt Fußball und schlägt Frau und Kinder.

Merkt ihr was?

Richtig – Die Nation/die Randgruppe über die man hetzen möchte, ist beliebig austauschbar. Es ist viel einfacher, die Schwachstellen eines Klischeebildes anzugreifen, anstatt in der Halbzeitpinkelpause, auf dem Weg zum Kühlschrank, oder dem Fußweg zum nächsten roten Zeitungskasten auch mal ein paar Sekunden nachzudenken und sich auch einmal dafür Zeit zu nehmen und zu reflektieren, woraus Probleme tatsächlich entstehen. Dann müßte einem eigentlich die Zornesröte und das blanke Entsetzen ins Gesicht steigen – so wie den streikenden „Gammel-Griechen“ jetzt eben. Während sich die griechische Regierung schon darauf freut, die Almosen aus fremden Ländern zu verheizen, ist das untertänige „Fußvolk“ gerade dabei, die so genannten „sozialen Brennpunkte“ anzuheizen.

Angesichts ähnlicher Probleme in Deutschland (Arbeitslosigkeit oder moderne Zwangs- und Sklavenarbeit, miese Arbeitsbedingungen, Dumping-Löhne, leere Kassen, steigende Preise, die Abschaffung der Sozial-, Gesundheits- und Rentensysteme, steigende Totalüberwachungs- und Repressionstendenzen durch den Staat usw. usf.) stellt sich die Frage, weshalb hier der Ofen noch nicht brennt?!

Warum protestiert da keiner???

Vermutlich weil der Deutsche zu faul und zu dumm ist für den Widerstand und die soziale Revolte. Oder aber er wird manipuliert, radikalisiert, abgestumpft, verroht und dressiert. Was mit den „Pleite-Griechen“ als Nation passiert, das passiert in Deutschland den „Sozialschmarotzern“, dem gemeinen Pöbel, der sogenannten „Unterschicht“ – den Armen. Wenn du arm bist, dann sollst du fleißig arbeiten, konsumieren und beten. Wenn das ausgebeutete Würstchen darauf aber keine Lust mehr hat oder auf Grund von existenzbedrohender Armut nicht mehr in der Lage dazu ist, dann ist es unnütz, überflüssig und eine Belastung für den braven, gehorsamen Steuerzahler der insgeheim wahrscheinlich auch Angst um seine Existenz hat. Dies ist das Ausmaß eines neu-entstehenden, viel diskutierten Sozialrassismus in sehr gefährlichem Ausmaß, da Angst und Haß als zentrale Machtinstrumente geschürt werden.

Laßt euch spalten und beherrschen oder macht die Glotze endlich aus, schmeißt die Käseblätter weg und schaltet eure Gehirne, den gesunden Menschenverstand und eure Harmoniebedürftigkeit an…

Quelle:
KEA-Nachrichten

[1] Pendler: beschönigende Bezeichnung für Arbeiter und Angestellte, die gezwungen sind, einen weiten Arbeitsweg von bspw. täglich 1,5 Std. auf sich zu nehmen, weil sie in ihrem Wohnort keinen entsprechenden Arbeitsplatz finden.
[2] selbständig: Bezeichnung für Arbeitskräfte, denen ein regulärer Arbeitsvertrag und damit die betriebliche Sozialversicherung verwehrt bleibt, die sich auf eigene Faust versichern müssen und folglich das volle Risiko einer schlechten Auftragslage selber zu tragen haben. Wer auf diese Weise gezwungen ist, seine Arbeitskraft zu verkaufen, wird genauso ausgebeutet, wie jder andere Lohnempfänger.


Und das Presseportal pr-sozial fügt hinzu:

Das Erwerbslosen Forum Deutschland richtet schwere Vorwürfe an Unternehmen und die Bundesregierungen. Hartz IV habe es möglich gemacht, daß Unternehmen in einer Selbstbedienungsmentalität ihre Gewinne auf Kosten der Allgemeinheit subventionieren lassen, indem sie „Hungerlöhne“ bezahlen und die Betroffenen auf Hartz IV verweisen. Für die Initiative ist es gerade zu ein Hohn, wenn gleichzeitig auf das Lohnabstandgebot gepocht wird. Neben den Konjunkturpaketen hätte somit die Wirtschaft nochmal zusätzlich 50 Milliarden erhalten, ohne daß sie sich an den Folgen dieser immensen Verschuldung beteiligen muß.

„Es stellt sich die Frage, wer hier die Sozialschmarotzer sind und sich auf Kosten der Allgemeinheit in einer staatlich subventionierten Hängematte einrichtet? Für uns hat die Wirtschaft im Moment jede Glaubwürdigkeit verloren und wir sollten uns vor ihren Funktionären schützen, denn sie nehmen den Staat und Beschäftigte aus. Für uns gibt es jetzt erst recht kein Argument, was gegen einen Mindestlohn von 10 Euro spricht und einer Hartz IV-Eck-Regelsatzerhöhung von 500 Euro spricht. Es sind unsere Unternehmen, die die Menschen in solche mißliche Lage gebracht haben und bei derartigen Gewinnsubventionen sich gleichzeitig gegen Lohnerhöhungen sperren und gar noch eine Arbeitspflicht fordern. Und dies haben die letzten drei Regierungen möglich gemacht…“

Quelle:
Wer sind hier die Sozialschmarotzer?

Siehe auch:
Wer gehört eigentlich zur Arbeiterklasse?
Streikbrecher sind Arbeiterverräter…
Welche Bedeutung haben Streiks in der heutigen Zeit?

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2 Antworten zu Auf Arbeitssuche im goldnen Westen…

  1. giskoe schreibt:

    Meine Erfahrung: Nach der „Wende“ und der Annexion nahmen bundesdeutsche Unternehmen sehr gern die gut ausgebildeten Facharbeiter und Ingenieure aus der Ex-DDR in „Lohn und Brot“. Ausbildungskosten gespart, Lohnkosten gespart. 3000 DM waren schon ein tolles Lockmittel. Daß die Kostenrelationen andere waren als in der DDR wurde vielen (mir auch) erst später bewußt. Nur mit zunehmendem Alter wurde es dann schwieriger. Und mit der EU-Osterweiterung kamen wiederum neue, gut ausgebildete Fachkräfte aus Polen, der Tschecheii und Ungarn auf den „Arbeitsmarkt“.
    Die Spirale drehte sich weiter.
    Und heute?

    https://giskoesgedanken.wordpress.com/2015/04/25/deutsche-unternehmerkultur/

    Irgendwie fehlt was…
    Dank diesem Blog komme ich wieder etwas näher an die Wahrheit.

  2. Pingback: Auf Arbeitssuche im goldnen Westen… | hillemedia

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