Erich Hanke: Über Glück und Gesundheit

HankeWas sagt ein Philosoph über den Zusammenhang zwischen Glück und Gesundheit? Beides hängt sehr wohl von den gesellschaftlichen Umständen ab, unter denen die Menschen leben. Prof.Dr. Erich Hanke (Jg.1911) war ein Kampfgenosse Erich Honeckers. Bis zu seiner Emeritierung 1962 war er Professor für Dialektischen und Historischen Materialismus an der Hochschule für Ökonomie in der Hauptstadt der DDR, Berlin. Über den Zusammenhang zwischen den Lebensumständen und der Gesundheit der Menschen hat sich Prof. Erich Hanke bereits in seinem 1987 erschienenen Buch „Ins nächste Jahrhundert“ [1] Gedanken gemacht. Wenngleich vieles anders kam, als damals zu erwarten war, so besitzen doch seine Feststellungen auch heute noch unbestrittene Gültigkeit.

Kapitalismus oder Sozialismus – was ist besser?

Ein sehr großer Teil unseres Glücks beruht auf der Gesundheit. Insofern sind die Lebenswerte des Volkes auch weitgehend nach ihrem Gesundheitszustand, nach ihrer mittleren Lebenserwartung und der gesundheitlichen Betreuung einzuschätzen. Die Statistiken weisen aus, daß die Armen in den kapitalistischen Ländern früher sterben. Sie neigen, im Vergleich mit der Oberschicht, in verstärktem Maße zu hohem Blutdruck, zur Blutarmut, zu Zahnverfall, Unterernährung, Lungen-, Herz- und Geisteskrankheiten. Besonders betroffen sind die Menschen aus den Wohngegenden der Armen. Im reichsten kapitalistischen Land, in den USA, starben 1976 in New York insgesamt 10,5 pro tausend Einwohner. In Harlem lag die Todesrate um fast 50 Prozent höher, nämlich bei 14,5 Prozent. Auch die Säuglingssterblichkeit war höher. Sie betrug in Harlem auf tausend Geburten 42,8, in ganz New York hingegen 19.

Soziale Sicherheit, sichere Arbeitsplätze und stabile Preise bestimmen entscheidend das Glücksgefühl. Der Imperialismus hat aber die soziale Unsicherheit der Arbeiter, Bauern und anderen Werktätigen so verschärft, daß sie bei vielen Beunruhigung, Verunsicherung, psychische Verkrampfungen auslöst, was nicht nur zu Depressionen, zu Gefühlen der sozialen Diskriminierung, sondern oft auch zu ernsten gesundheitlichen Störungen führt.

Während die herrschende Oberschicht in den kapitalistischen Ländern im stillen Grün der Villenviertel und in der Privatpraxis des Arztes ihre Gesundheit erhalten kann, bleiben den Werktätigen lärmerfüllte und stinkende Häuserkonzentrationen und medizinische Einrichtungen, in denen als erstes nach der Versicherungsart gefragt wird. Selbst in den meisten entwickelten kapitalistischen Ländern ist Krankheit ein unbezahlbarer Luxus. In Belgien z. B. mußte 1977 ein Patient für eine Konsultation bei einem praktischen Arzt 170 Franken bezahlen. In Kanada kostet ein Tag Krankenhausaufenthalt 130 Dollar. In den USA sind die Ausgaben für die medizinische Betreuung sprunghaft angewachsen. Für eine Gallenblasenoperation, die im Jahre 1950 noch 361 Dollar kostete, mußten im Jahre 1977 bereits 2.208 Dollar bezahlt werden. Von 1950 bis 1981 stiegen die Kosten für den Krankenhausaufenthalt auf über das Zehnfache: auf 300 Dollar täglich. Eine einfache Untersuchung kostet bis zu 150 Dollar.[2]

Die »New York Times« vermerkt, daß aufgrund des jährlichen Ansteigens der Kosten um 15 Prozent zu errechnen ist, wann der Krankenhausaufenthalt für einen Tag 500 Dollar beträgt. Ein Patient, der in einem New Yorker Krankenhaus zwei Monate verbringen mußte, erhielt eine Rechnung in Höhe von 22.147 Dollar. Die Situation wird durch die Inflation und Streichung der staatlichen Sozialausgaben noch verschärft, besonders seit dem Übergang der USA zur Hochrüstung.

In der BRD, in der sich die Werktätigen größere soziale Rechte erkämpften, erhöhten sich die Krankenkassenbeiträge von 1960 bis 1976 auf das Doppelte. Im Jahre 1976 betrugen die Beiträge 12 Prozent des Einkommens. Inzwischen machen »Sparprogramme« und Sozialabbau die Lebenslage der Werktätigen der BRD immer schwieriger.

Soziale Sicherheit und die wachsenden Leistungen des Gesundheitswesens in den sozialistischen Ländern zeigen auch hier die Überlegenheit des Sozialismus. In den sozialistischen Ländern sind die Behandlungen in Krankenhäusern und Kliniken, Arztbesuche und Krankentransporte kostenlos. (…)

Der Kampf gegen ein inhaltsloses, nicht sinnerfülltes Leben, für eine menschenwürdige Perspektive gewinnt wachsende Bedeutung. Dieser Kampf erfaßt auch Menschen, deren materielle Lage zufriedenstellend und gesichert ist. Aber das Gefühl der inneren Leere, des unbefriedigten Seins, der Orientierungslosigkeit wird auch für sie immer unerträglicher. Und sie empören sich gegen Auswirkungen einer überlebten, in Fäulnis befindlichen Gesellschaftsordnung. Die primitiven Formen des Protestes gegen die Öde des Daseins im Kapitalismus, z. B. die Flucht in den Alkohol oder in die Drogen, stellen natürlich keinen Ausweg dar. Die Kraftquellen liegen vielmehr im Erkennen der gesellschaftlichen Ursachen und im bewußten Handeln zur Überwindung gesellschaftlicher Zustände, die für ein menschenunwürdiges Dasein verantwortlich sind.

Quellen:
[1] Erich Hanke, Ins nächste Jahrhundert, Urania-Verlag (DDR), 1987, S.158-164.
[2] Siehe Neues Deutschland,26./27.9.1981

Siehe auch:
Es gibt eine Alternative zum Kapitalismus
Sozialismus in der DDR
Der Sozialismus war und ist lebensfähig!

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