Warenproduktion — ein notwendiges Übel?

produktionDer Kapitalismus als Wirtschaftsform hat ausgedient. Das ist nicht zu bestreiten. In Anbetracht der rasant wachsenden sozialen Probleme, sprechen bürgerliche Professoren nun von einem „bedingungslosen Grundeinkommen“, von „negativer Steuer“ und von „sozialer Marktwirtschaft“. Ein Witz? Man hätte, so behaupten einige, in der DDR nur die „Marktwirtschaft“ zulassen müssen, dann wäre der Sozialismus auch zu retten gewesen. Man muß schon sehr naiv sein, wenn man nicht den Antikommunismus bemerkt, der sich hinter einer solchen Auffassung verbirgt. Denn es gibt keine Wirtschaftsform, die so uneffektiv, so zerstörerisch und so menschenfeindlich ist, wie der Kapitalismus. (Auch wenn bspw. die Zerstörungen überwiegend in anderen Ländern auftreten und nicht in der BRD.)

Es herrscht weitverbreitete Verwirrung darüber, ob es im Sozialismus noch eine Ware-Geld-Beziehung geben muß, welche Rolle überhaupt der „Markt spielt und warum andererseits unter kapitalistischen Bedingungen die Planung der Wirtschaft fast unmöglich ist. Ist also die Warenproduktion nur ein notwendiges Übel, so eine Art Übergangserscheinung?

Lenin erkannte, daß man nicht zum Kommunismus gelangen kann, wenn man die Ausnutzung der Ware-Geld-Beziehungen und die Anwendung kommerzieller Methoden ablehnt. »Nicht auf Grund des Enthusiasmus unmittelbar, sondern mit Hilfe des aus der großen Revolution geborenen Enthusiasmus, auf Grund des persönlichen Interesses, der persönlichen Interessiertheit, der wirtschaftlichen Rechnungsführung bemüht euch, zuerst feste Stege zu bauen…; sonst werdet ihr nicht zum Kommunismus gelangen, sonst werdet ihr die Millionen und aber Millionen Menschen nicht zum Kommunismus führen.« (Lenin, Werke, Bd. 33, S. 38.)

Was versteht man unter Warenproduktion?

Warenproduktion ist die Herstellung von Gebrauchswerten, die für den durch Kauf und Verkauf charakterisierten Austausch bestimmt sind. Die Entstehung der Warenproduktion ist historisch mit der Entwicklung der gesellschaftlichen Arbeitsteilung und der Herausbildung des Privateigentums an Produktionsmitteln verbunden. Sie existiert in verschiedenen Gesellschaftsformationen, so in der Sklavenhalterordnung, im Feudalismus, im Kapitalismus und im Sozialismus. Der Charakter der Warenproduktion wird von der in diesen Produktionsweisen jeweils herrschenden Form des Eigentums bestimmt.

Die einfache Warenproduktion

In den vorkapitalistischen Produktionsweisen dominiert die einfachste, unentwickeltste Form der Warenproduktion, die einfache Warenproduktion. Die Entwicklung der einfachen Warenproduktion ist eine der historischen Grundlagen für die Entstehung des Kapitalismus. Eine Minderheit einfacher Warenproduzenten entwickelte sich zu Kapitalisten, die Mehrheit wurde ruiniert, wurde zu Proletariern. Dennoch verschwindet die einfache Warenproduktion auch im Kapitalismus nicht völlig. Die kleinen Warenproduzenten sind natürliche Verbündete der Arbeiterklasse gegen den Kapitalismus.

Die kapitalistische Warenproduktion

Im Kapitalismus ist die Warenproduktion die allgemeine und vorherrschende Form. Die kapitalistische Warenproduktion beruht auf dem privatkapitalistischen Eigentum an den Produktionsmitteln und auf der Ausbeutung der Lohnarbeiter durch die Kapitalisten. In der kapitalistischen Warenproduktion nehmen praktisch alle Arbeitsprodukte Warenform an; auch die Arbeitskraft wird zur Ware. Dies führt zu einem immer schärferen Hervortreten der in der privaten Warenproduktion existierenden Widersprüche. Der Widerspruch der auf Privateigentum an Produktionsmitteln beruhenden Warenproduktion besteht darin, daß die Arbeit der Warenproduzenten als private Arbeit geleistet wird, zugleich aber gesellschaftlichen Charakter besitzt. Dieser Charakter tritt im Austausch gegen andere Waren hervor. Erst auf dem Markt erweist sich, ob die private Arbeit des Warenproduzenten für die Gesellschaft notwendig war und gesellschaftliche Anerkennung erfährt.

Der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit

Während die einfache Warenproduktion zur Befriedigung der individuellen Bedürfnisse der Warenproduzenten erfolgt, dient die kapitalistische Warenproduktion allein der Schaffung von Mehrwert (Profit) und seiner Aneignung durch die Kapitalisten. Damit entwickeln sich alle der kapitalistischen Warenproduktion eigenen Widersprüche, wie der Widerspruch zwischen Kapital (Kapitalistenklasse) und Arbeit (Arbeiterklasse). Der Widerspruch zwischen der privaten und der gesellschaftlichen Arbeit tritt in der kapitalistischen Warenproduktion als Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der privatkapitalistischen Form der Aneignung auf, der den Grundwiderspruch des Kapitalismus bildet.

Die sozialistische Warenproduktion

Die sozialistische Warenproduktion ist ein selbständiger historischer Typ der Warenproduktion, in der die sozialistischen Ware-Geld-Beziehungen und die Wertkategorien für die Entwicklung der nationalen Wirtschaft genutzt werden. Sie unterscheidet sich grundlegend sowohl von der einfachen als auch von der kapitalistischen Warenproduktion. Sie beruht auf dem gesellschaftlichen Eigentum an den Produktionsmitteln. Der antagonistische Widerspruch zwischen privater und gesellschaftlicher Arbeit ist aufgehoben, die Arbeitskraft hat aufgehört, eine Ware zu sein.

Die Arbeit im Sozialismus kann von vornherein planmäßig entsprechend dem Bedarf als unmittelbar gesellschaftliche Arbeit verausgabt werden. Dadurch können weder der Markt noch das Wertgesetz eine spontan regulierende Rolle spielen; sie werden bewußt im Einklang mit anderen ökonomischen Gesetzen des Sozialismus ausgenutzt. Die Entwicklung der Warenproduktion kann weder zur Entstehung kapitalistischer Verhältnisse noch zu Wirtschaftskrisen führen, wenn die ökonomischen Gesetze des Sozialismus beachtet und eingehalten werden. Produktion und Austausch der Waren erfolgen im Rahmen einer regulierend wirksamen gesellschaftlichen Planung und Organisation der Volkswirtschaft und sind der Befriedigung der Bedürfnisse der gesamten Gesellschaft untergeordnet.

Die Ware-Geld-Beziehung im Sozialismus

Die gesellschaftliche Planung und Organisation der Volkswirtschaft und die konsequente Entfaltung der sozialistischen Warenwirtschaft bilden eine organische Einheit, wobei der Plan die bestimmende Grundlage der Warenproduktion ist. Im ökonomischen System des Sozialismus spielt die Warenproduktion (und damit der Markt) eine bedeutende Rolle; die volkswirtschaftlichen Aufgabenstellungen werden sowohl durch die Einhaltung der staatlichen Aufgabenstellung des Volkswirtschaftsplans wie auch durch die Ausnutzung der Ware-Geld-Beziehungen und des Markts verwirklicht.[1]

Auf einem Blatt eines Abreißkalenders der DDR
war das folgende Leninzitat zu lesen:
Kalenderblatt

Das spontane Wirken des Wertgesetzes im Kapitalismus

Das ökonomische Gesetz der Warenproduktion ist das Wertgesetz. Es besagt, daß sich die Waren entsprechend der zu ihrer Produktion notwendigen Menge gesellschaftlicher Arbeit, also entsprechend ihren Wertgrößen, austauschen (Marx, MEW, Bd.23, S.54; Bd.25, S.648). Das gilt für die einfache Warenproduktion in unmittelbarer Form.

maschineIm Kapitalismus erfährt das Wertgesetz eine Modifikation durch die Herausbildung des Produktionspreises. In der auf dem Privateigentum beruhenden Warenwirtschaft reguliert das Wertgesetz die Verteilung der Produktionsmittel und der Arbeit auf die Volkswirtschaftszweige spontan. Es setzt sich im Konkurrenzkampf über den Mechanismus der Abweichung der Marktpreise vom Wert durch. Das Wertgesetz bahnt sich den Weg über die zufälligen und ständig schwankenden Austauschverhältnisse der Produkte der privaten Arbeit nur gewaltsam als regulierendes Naturgesetz (Marx, MEW, Bd.23, S.89). Die spontanen Schwankungen der Preise um den Wert zwingen die Kapitalisten, die Produktion dieser oder jener Waren zu erweitern oder einzuschränken, sich jenen Zweigen zuzuwenden, in denen die Warenpreise unter dem Einfluß der wachsenden Nachfrage höher als der Wert sind, und jene Zweige zu verlassen, in denen die Warenpreise infolge des Absinkens der Nachfrage unter dem Wert liegen.
Im Ergebnis der isolierten Handlungen der privaten Warenproduzenten setzt sich der Fortschritt in der Technik durch, entwickeln sich die Produktivkräfte. Das spontane Wirken des Wertgesetzes führt zur Verschwendung gesellschaftlicher Arbeit, zum Brachliegen und sogar zur Vernichtung von Produktivkräften.[2]

Wann wird nun die Warenproduktion überflüssig?

Erst mit der Vollendung der materiell-technischen Basis des Kommunismus und durch die Verwandlung der Arbeit in das erste Lebensbedürfnis der Menschen werden wesentliche Ursachen der Warenproduktion überwunden. Der Entwicklungsstand der Produktivkräfte und der Produktionsverhältnisse im Sozialismus erfordert, wie Lenin betonte, eine strenge Rechnungslegung und Kontrolle über Verausgabung von Arbeit, über das Maß der Produktion und das Maß der Konsumtion und eine unmittelbare materielle Interessiertheit der Produzenten an höchster Effektivität der gesellschaftlichen Arbeit (Lenin, Werke, Bd.26, S.408). Aus all diesen Gründen werden im Sozialismus die Erzeugnisse und materiellen Leistungen als Waren produziert.[3]

Quelle:
[1] Kleines politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin, 1967, S.710f.
[2] Wörterbuch der Ökonomie des Sozialismus, ebd., 1984, S.989f.
[3] a.a.O., S.976.
(Zwischenüberschriften von mir – N.G.)

Siehe auch:
Grundlagen des Kapitalismus: Die Warenproduktion
Kurt Gossweiler: Der Anti-Stalinismus

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2 Antworten zu Warenproduktion — ein notwendiges Übel?

  1. Wolfgang Schumann schreibt:

    Nur Abschreiben bringt nichts. Selber denken bringts. So ist die Warenproduktionserklärung revisionistisch. Bitte sag was dazu. Siehe Anlage. Schönen Sonntag . W.

    • sascha313 schreibt:

      …irgendwelche Vorwürfe zu erheben, ohne sie begründen, ist zumindestens unanständig – ich kann mit dem Kommentar nichts anfangen. Stalin: „In diesem oder jenem Grade ist die Neue Ökonomische Politik mit ihren Marktbeziehungen in der Periode der Diktatur des Proletariats für jedes kapitalistische Land absolut unerläßlich.“ (Stalin, Werke, Bd.11, Berlin 1954, S.128f.) Und schließlich war es der pseudolinke Propagandist Robert Kurz, der behauptete, nicht der Kapitalismus sei die Wurzel allen Übels, sondern die Warenproduktion; der Sozialismus habe untergehen müssen, weil er die Warenproduktion beibehalten habe, statt zum direkten Produkten-austausch überzugehen. (vgl. K.Gossweiler: Der Antistalinismus.)

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