Fälscher…

DoktortitelEs stellt heute keine Schwierigkeit mehr dar, einen gefälschten Doktortitel zu erlangen. Handelt es sich dabei doch um ein bürgerliches Kavaliersdelikt. Ob diese „Kavaliere“ nun als Ärzte, Wissenschaftler oder als Minister frei herumlaufen, spielt dabei so gut wie keine Rolle. Sollte also jemand noch Interesse haben an einem Doktortitel, hier ist er. Und alles das ohne geklaute „Textbausteine“ und ohne Prüfung! Aber möglicherweise ist sogar die Fax-Nummer gefälscht. Man weiß ja nie! Es könnte also durchaus der Inhalt einer weiteren Doktorarbeit sein, sich einmal mit den verschiedensten Arten von Fälschungen zu befassen. Die unlängst bekannt gewordenen Fälschungen der Katyner Sache gehören ebenso dazu, wie die hier bereits aufgeführten Fälschungen in den deutsch-sowjetischen Beziehungen und andere. Meist sind die Hintergründe politischer Natur, und nicht selten spielt dabei das Geld eine entscheidende Rolle: Wer zahlt, wird promoviert! Albert NORDEN berichtet in seinem Buch „Fälscher“ über das folgende Beispiel:

Fälscher in der Gründungszeit der DDR

Nach der Enteignung und Vertreibung der Junker und industriellen Kriegsverbrecher und mit der späteren Gründung der Deutschen Demokratischen Republik begann ein neues Kapitel des Fälscher- und Dokumentenkrieges der Imperialisten. Gemeinsam schufen amerikanische, Bonner und Westberliner Behörden zahlreiche Organisationen, deren Mission darin bestand und besteht, durch Spionage und Attentate, massenhafte Produktion gefälschter Dokumente, Handels- und Industriedirektiven, Lebensmittelkarten, Geldanweisungen usw. die DDR zu unterwühlen, ihre Wirtschaft zu stören, die Bevölkerung in Unruhe zu versetzen. Vom Westberliner Boden wühlte, großzügig durch den amerikanischen Autofabrikanten Ford unterstützt, seit 1948 die sogenannte Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit, die nach Westberliner Zeugnis „eine zum größten Teil von amerikanischen Geldern und auch für einen US-Nachrichtendienst arbeitende Organisation ist“. [1]

Diese Organisation erhielt zudem eine generöse finanzielle Unterstützung aus öffentlichen Mitteln der BRD. Sie befaßte sich ab 1951 mit Massenfälschungen von Geld, Lebensmittelmarken und Dienstanweisungen der DDR. Man fabrizierte Kopfbögen und Stempel von Firmen und Ministerien und fälschte die Unterschriften leitender Funktionäre.

Gefälschte pseudolinke Organisationen

Eine andere Art von Fälschung ist die Gründung „kommunistischer“ Parteien und Organisationen. 1973 wurde z.B. der „Kommunistische Bund Westdeutschlands“ gegründet. Beispiele dafür gibt es aber auch in der Gegenwart. Ob es sich dabei nur um „Sektierer“ handelt (s.RotFuchs 2/2011), oder ob kleinbürgerliche Elemente zu diesen „Achtgroschenjungs“ gehören, ist schließlich unerheblich. Das Strickmuster ist in diesem Fall das gleiche: man versammelt einige glaubwürdige Personen, bietet ihnen Publikations- und Versammlungsmöglichkeiten, Seminare oder Funktionen an, verwickelt sie in heftige Grundsatzdebatten, beteiligt sich an diversen Protestkundgebungen und Streiks, Kritiker werden zm Schweigen gebracht – solange bis die Sache platzt und sich die ganze ominöse „Firma“ auflöst. Übrig bleiben einige enttäuschte und frustrierte Gutgläubige. Und falls man die Kassenverantwortlichen nicht schon vorher „aus der Schußlinie“ genommen hat, gibt es anschließend noch „langwierige Verhandlungen“ über die Verwertung des angesammelten Millionenvermögens.

… ein „bescheidenes, aber doch ermunterndes Honorar“
Beweise

Am Ende kommt alles ans Licht. Hatte sich der amerikanische Außenminister J.F. Dulles auf der historischen Außenministerkonferenz 1951 noch gerühmt, er sei angeblich von Tausenden von Briefen aus der DDR überschüttet worden, die sich erbittert gegen die SED und die Regierung der DDR ausgesprochen hätten, so flog der Schwindel anderthalb Jahre später auf, als einer der Akteure dieser „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ (KgU) aussagte, daß das gesamte Personal samt Familienanhang Tausende dieser Briefe selbst verfaßt und in der DDR in die Briefkästen eingeworfen hatte. Jeder „Autor“ hatte dafür ein „bescheidenes, aber doch ermunterndes Honorar“ erhalten.[2] Die Hauptverantwortlichen der KgU, die sich darüberhinaus noch weiterer Verbrechen (wie Betriebsspionage, Fleischvergiftungen und Mordanschläge) schuldig gemacht hatten, wurden schließlich von den Sicherheitsorganen der DDR entlarvt und 1955 ihrer gerechten Strafe zugeführt.

Quelle:
Albert Norden, Fälscher, Dietz Verlag, Berlin (DDR), 1963, S.286-288.

Anmerkungen:
[1] Der Telegraf vom 9. Juli 1955
[2] Mitteilung R.Wagners auf der internationalen Pressekonferenz in Berlin am 20. Oktober 1955.

Siehe auch:
A.Brjagin: Die Fälscher im Russischen Staatsarchiv
E.Prudnikowa: Die Story der Fälscher

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3 Antworten zu Fälscher…

  1. rheinlaender schreibt:

    Hallo Sascha, hab hier zur KgU folgendes gefunden.
    http://news.dkp.suhail.uberspace.de/2015/05/kgu-brd-terror-gegen-die-ddr/

    • sascha313 schreibt:

      Danke, rheinlaender, das ist interessant. Damals in der DDR (1963) haben das viele für SED-Propaganda gehalten, aber die SED hatte recht. Und der Kapitalismus ist heute um keinen Deut besser als damals…

      • Rheinlaender schreibt:

        Vielen Dank zurück. Ich halte – für die Argumentation auf der Strasse – das Thema BRD Terrorismus gegen die DDR für äußerst wichtig. Gerade deshalb, weil mir selber die Thematik der gewaltsamen, kriminellen Sabotage gar nicht so bewusst war.

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